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Cavalleria rusticana / Gianni Schicchi

Cavalleria rusticana / Gianni Schicchi

Zwei Operneinakter von P. Mascagni und G. Puccini - italienisch mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Mihkel Kütson, Inszenierung Francois De Carpentries, Bühne Siegfried E. Mayer, Kostüme Karine Van Hercke, Choreinstudierung, Nachdirigat Maria Benyumova, Dramaturgie Ulrike Aistleitner

Unter den argwöhnischen Augen der Bewohner eines kleinen italienischen Dorfes spielen sich eine Tragödie und eine Komödie ab:

Cavalleria rusticana: Als Turiddu vom Militärdienst heimkehrt, muss er feststellen, dass seine Verlobte Lola in der Zwischenzeit einen anderen Mann geheiratet hat. Er tröstet sich in den Armen von Santuzza, die ihn aufrichtig liebt. Als Lola jedoch wieder Interesse an ihm zeigt, hintergeht er Santuzza und wird Lolas Geliebter. Als deren Ehemann Alfio von der Liebschaft seiner Frau erfährt, fordert Turiddu zum Duell und tötet ihn.

Gianni Schicchi: Am Totenbett beklagen seine Verwandten heuchlerisch das Hinscheiden von Buoso Donati. Doch ihre schlimmste Befürchtung, er könnte sein gesamtes Vermögen den „Klosterbrüdern“ vermacht haben, bewahrheitet sich. Einer der Erben, der junge Rinuccio, möchte die schöne Lauretta heiraten. Ihr Vater Gianni Schicchi gilt als gewiefter Schelm und wird schleunigst herbeigeholt und um Rat gefragt. Prompt heckt er einen spektakulären Plan aus: Um das Testament zu Gunsten der Hinterbliebenen zu fälschen, wird Buoso Donati kurzerhand wieder zum Leben erweckt und Schicchi spielt die Rolle seines Lebens …

Eifersucht und Geldgier gepaart mit Leidenschaft und Spielwitz sind die Katalysatoren der beiden Operneinakter von Pietro Mascagni und Giacomo Puccini. Der Ausgang der jeweils heiklen Situation ist im ersten Fall hochdramatisch, im zweiten wird nach bester Tradition der commedia dell’arte eine zufriedenstellende Lösung für alle herbeigeführt. Was die thematisch gegensätzlichen Werke verbindet, ist jedoch die Unmittelbarkeit der italienischen Tonsprache, die veristische Schilderung des religiös-bodenständigen Dorflebens und die an Filmmusik erinnernde, vor Witz nur so sprühende Lautmalerei.

François De Carpentries, der das hiesige Publikum zuletzt mit seiner Inszenierung von Jules Massenets Oper Manon bezauberte, wird nun die Fäden in die Hand nehmen und die beiden Einakter zu einem szenisch-musikalischen Ganzen verweben.

  • Pressestimmen

    Zwei Opern wie feinste Luxusseife

    Das Experiment ist geglückt: Die Opern Cavalleria rusticana und Gianni Schicchi glänzen als Fortsetzungsgeschichte mit Soap-Opera-Charme und hochkarätigem Ensemble. (…) Als „soap opera auf der Opernbühne“ hat der Regisseur den Abend angelegt. Aber es ist Luxusseife mit feinsten Duftnuancen, die er da aufschäumt. (…) Auch musikalisch ist das grandios geglückt. Die mutige Idee, die Sopran-Partie der Santuzza mit Eva Maria Günschmann (Mezzo) zu besetzen, geht auf: Sie leidet filmpreisreif unter dem Seitensprung des Mannes, dessen uneheliches Kind sie erwartet: Turiddu. Die Spitzentöne krönt sie mit einem Trauerflor, der sie nicht als eifersüchtig Zürnende zeigt, sondern als gebrochene Frau, die von der Scham paralysiert wird. Ihre Stimme strahlt Tiefe und Eleganz aus – und berührt. Michael Wade Lee gibt den Turridu mit stählerner Stimme, stark und kühl, wenn er Santuzza abweist, weil er sich wieder seiner früheren Liebe Lola (Izabela Matula in gewohnter Klangreinheit) zuwendet. (…) De Carpentries zeichnet die Figuren sorgfältig – und das Ensemble bringt sie alle auf Lebenstemperatur. (…) Inhaltlich ist der Einakter (Gianni Schicchi, Anm.) dünn – und auch musikalisch nicht Puccinis größter Wurf – abgesehen von der berühmten Arie „O mio babbino caro“, die Sophie Witte steinerweichend schön singt, und wundervollen Duetten zwischen Witte und Michael Siemon. (…) In einem auf den Punkt agierenden Ensemble ist vor allem Johannes Schwärsky zu nennen, der den gehörnten Alfio „Schicchi“ im ersten Teil und dessen Sohn Gianni als verschlagenen 68er-Intellektuellen mit gestochen scharfem Gesang verkörpert. (…) Das Premierenpublikum spendete allen Beteiligten großen Beifall, für das Inszenierungsteam gab es Bravo-Rufe.

    [Petra Diederichs, Rheinische Post, 19.9.2016]

     

    Schöner kann ein Opernabend nicht sein…

    (…) Es gibt erfreulicher Weise diese beglückenden Abende, wo einfach alles stimmt; die Sänger präsentieren sich in Hochform, der Chor singt nicht nur überzeugend, sondern ist von faszinierender Darstellungskraft, die Inszenierung ist so bewegend spannend wie unterhaltsam, das Orchester spielt als hätte man es frisch aus der Mailänder Scala eingeflogen und auch das Bühnenbild ist so stimmig düster im ersten, wie im zweiten Teil ganz köstlich bunt und kitschig passend (Sonderbeifall und herzliches Lachen im Publikum). Herrlich! – ein Abend für den wir gleich zu Anfang der Saison schon unseren heißbegehrten OPERNFREUND STERN verleihen, denn besser kann sich heutiges Musiktheater nicht präsentieren. (…) Im zweiten Teil des Abends wird nun die am Boden liegende Seele des Opernbesuchers, wie die des Kritikers 😉 wieder aufgeheitert, denn was uns da Siegfried E. Mayer als Bühnenbild hingezaubert hat, ist ein kitschiger Alptraum aus den 60ern, der nicht nur realitätsnah ist, sondern auch alle Klichées der Zeit vielfältig zitiert; ob Blümchentapete oder Streifenteppich der übergangslos sogar die Wand herauf sich rankt. (…) Eva Maria Günschman (Santuzza) ist an diesem Abend ebenso ein Glücksfall wie Michael Wade Lee (Turridu), Johannes Schwärsky (Alfio später Schichi) und Izabela Matula (Lola) – Verismo-Gesang vom Feinstern, dabei absolut höhensicher in den teils höllischen Partien. So muss große italienische Oper klingen, wobei Chor und Orchester unter der engagierten Leitung GMD Mihel Kütson großartig aufspielen. (…) Bravo! Bravi! Bravissimo!

    [Peter Bilsing, der opernfreund,  18.9.2016]

    Theater begeistert mit ungewöhnlicher Kombination

    Die Spielzeiteröffnung hat die Messlatte mit dem Opern-Doppelabend „Gianni Schicchi“ und „Cavalleria rusticana“ hoch gelegt.

    (…) Zweieinhalb Stunden lang erlebte das Publikum im ausverkauften Haus einen überaus packenden und zugleich amüsanten Opernabend. Dass die gewagte Kombination der Stücke am Ende wie aus einem Guss wirkte, ist dem Team um Regisseur François De Carpentries zu verdanken. Gemeinsam mit Karine Van Hercke (Kostüme) und Siegfried E. Mayer schuf er ein Stück in zwei Akten, das mitten in die Lebensumstände zweier italienischer Familienclans führt. (…) In reduzierten, aber dadurch umso eindrucksvolleren Bildern steigert sich das Drama bis zum tödlichen Ausgang. Dank der intensiven Personenregie agieren die Sänger wie Schauspieler. Die packende Musik Pietro Mascagnis interpretieren die Niederrheinischen Sinfoniker unter Generaldirektor Mihkel Kütson sehr ausgewogen zwischen Drama und Gefühl. Die Sänger werden davon getragen und setzen ihrerseits musikalische Glanzlichter. Allen voran Eva Maria Günschmann, die mit Dramatik und Wärme als zutiefst berührende Santuzza überzeugt. Ihr ebenbürtig ist Tenor Michael Wade Lee, der als Turiddu mit heller Strahlkraft und Schmelz erfreut. Izabela Matula ist eine wunderbar sinnliche Lola, Satik Tumyna eine souveräne Lucia. Johannes Schwärsky macht die Brutalität des Alfio hautnah spürbar. (…) Das Publikum feiert Darsteller und Regieteam mit begeistertem Applaus. Mit diesem großartigen Auftakt setzt das Theater die Messlatte für diese Spielzeit direkt hoch an.

    [Michaela Plattenteich, Westdeutsche Zeitung, 21.9.2016]

     

    (…) Eindrucksvoll prägt sich bei „Cavalleria“ zunächst einmal das komplett schwarze Bühnenbild von Siegfried E. Mayer ein: hohe Rückwand mit hell erleuchteter Marienstatue als Blickfang, davor auf Stühlen sitzend die müden Männer des Dorfes, welche – wie ihre Frauen auch – an nichts anderem mehr festklammern können als an religiösen Ritualen. (…) Der Auftritt eines kinderhaften Engelchens zu Beginn und beim „Intermezzo sinfonico“ und andere figurale Erinnerungskonstellationen prägen die assoziativ durchsetzte Inszenierung von François De Carpentries Immer wieder. Allerdings sorgt der Regisseur auch für zwischenmenschliche Hinweise. Sie werten beispielsweise den sonst meist einseitig als Hallodri gezeichneten Turiddu auf. (…) Diesen etwas zerlumpten Charakter macht Michael Wade Lee, mit fester Strahlkraft singend, ausgesprochen glaubhaft. Janet Bartolova ist (in der gesehenen Zweitaufführung) eine vokal weitgehend standfeste Santuzza und spielt ihre Partie mit starker dramatischer Präsenz. (…) Als Schicchi steht Johannes Schwärsky dann sozusagen von den Toten wieder auf und schließt im Finale den ebenfalls ins Leben zurück kehrenden Buosi Donati in die Arme. Was der stumm agierende Tobias Forstreuter zuvor an drastischer Agonie bietet und als Leiche durch die Szene gewirbelt wird, gehört zu den wahrhaft lachtreibenden Szenen in Carpentries‘ putzmunterer Inszenierung. (…) Unter seiner Anleitung werden Sänger zu Komödianten wie noch nie zuvor erlebt. So gibt Hayk Dèinyan auf gloriose Weise einen alterstrotteligen Simone, den er bis in den Schlussapplaus hinein spielen darf. Kairschan Scholdybajew hatte, wenn die Erinnerung nicht täuscht, bislang noch nie Gelegenheit, eine so wilde Hummel wie den Krefelder Gherardo zu spielen; er macht das köstlich. Besonderes Lob auch für Gabriela Kuhn (Ciesca),  Matthias Wippich (Betto) und Rafael Bruck (Marco). Selbst die Kleinstpartien sind ausgesprochen typenwitzig besetzt: Dae Jin Kim (Spineloccio), Bondo Gogia (Amantio), Yasuyuki Toki (Pinellino) und Bernhard Schmitt (Guccio). Michael Siemon (Rinuccio) ist mit seinem feschen Tenor ein feuriger Langhaar-Lover, und Sophie Wittes Lauretta erfreut mit luxuriösem Sopran und Modelfigur. Johannes Schwärsky zeigt sich in der Titelrolle stimmlich und komödiantisch raumfüllend. Mihkel Kütson realisiert mit den Niederrheinischen Sinfonikern Mascagnis Verismo-Schmelz und -glut ebenso überzeugend wie Puccinis rabiaten Komödienton. Für den „Schicchi“ drei Sterne!

    [Christoph Zimmermann, Der neue Merker, 7.10.2016]

     

    Verismo-Feier

    (…) François De Carpentries verlegt nichts in andere Zeiten, sucht keine größeren Zusammenhänge, sondern konzentriert sich ganz auf diese geheimnisvolle Italianità. (…) Als ob das nicht reicht, garantieren Musik und Gesang für einen unvergesslichen Opernabend. Operndirektor Andreas Wendholz und seinem Team ist es über die Jahre gelungen, am Theater Krefeld Mönchengladbach ein Ensemble zusammenzustellen, das sich mit seiner Spielfreude nicht nur auf die verrücktesten Experimente einlässt, sondern auch stimmlich längst die Dimensionen eines Stadttheaters gesprengt hat. Die „Niederrheiner“ können sehr stolz auf ihr Theater sein. (…) Eva Maria Günschmann gibt eine Santuzza, wie man sie sich nicht gelungener vorstellen kann. Johannes Schwärsky als Gegenspieler Alfio glänzt gleich in beiden Einaktern. Wie frisch geduscht, gibt er in Gianni Schicchi gleich anschließend die Titelrolle mit Verve. Und dann kommt sie, die Bewährungsprobe für jeden lyrischen Sopran: Sophie Witte als Lauretta hat die Arie „O mio babbino caro – O, mein geliebtes Väterchen“ – vor der schmalen Brust. (…) Puccini wäre in Tränen der Rührung ausgebrochen. In der Höhe wunderbar gerundet, jeden Akzent richtig gesetzt, kann ihr Vater nur noch Milde zeigen. (…) Witte überzeugt nicht nur den Vater, wie wir wissen, sondern auch das Publikum, das in tosenden Applaus ausbricht. (…)

    [Michael S. Zerban, opernnetz, 10. November 2016]