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Der Konsul

Der Konsul

Musikalisches Drama von Gian Carlo Menotti - in deutscher Sprache
Musikalische Leitung Diego Martín-Etxebarría, Inszenierung Katja Bening, Bühne und Kostüme Udo Hesse, Dramaturgie Ulrike Aistleitner

Irgendwo im heutigen Europa: Der Patriot John Sorel kämpft im Untergrund gegen das polizeistaatliche Regime seines Landes. Nachdem er im Anschluss an eine heimliche Versammlung beinahe von der Polizei erwischt wird, beschließt er, das Land zu verlassen. Seine Frau Magda soll auf dem Konsulat des Landes, in dem sie Zuflucht suchen wollen, Pässe für sich selbst, ihr gemein sames Kind und seine Mutter beantragen. John selbst will in der Nähe der Grenze untertauchen, bis die Pässe ausgestellt sind.
Auf dem Konsulat warten viele Menschen darauf, den Konsul in ihrer lebenswichtigen, dringenden Angelegenheit zu sprechen. Doch eine kühle Sekretärin wimmelt die eindringlichen Gesuche unaufhörlich ab und (er)findet immer wieder neue bürokratische Hürden. Magdas Kraft schwindet mehr und mehr, bis sie schließlich resigniert und den aussichtslosen Kampf gegen die Bürokratie aufgibt.

Mit der Uraufführung von Der Konsul (The Consul) gelang dem US-amerikanischen Komponisten Gian Carlo Menotti 1950 in Philadelphia ein sensationeller Überraschungserfolg. Vordergründiger Anlass für das Libretto, das Menotti selbst verfasste, war eine Zeitungsnotiz, in der von einer polnischen Emigrantin berichtet wurde, die sich in den USA um eine Aufenthaltsgenehmigung bemühte hatte und die Selbstmord beging, als ihr Gesuch erfolglos blieb.
Damit einher ging die Beschäftigung Menottis mit dem Schicksal seiner jüdischen Freunde während der Zeit des Nationalsozialismus.

Menottis musikalisches Drama ist erfrischend direkt und zielt auf ein breites Publikum ab: Gesprochene Dialoge, Melodramen, aber ebenso lyrische Arien und Ensembles im Stil Puccinis, eine Schallplatteneinspielung, Telefonklingeln, das rhythmische Klappern von Schreibmaschinen – Der Konsul ist eine gelungene Mischung aus Hörspiel,
Filmmusik und Theater. Kriminologische Spannung und die Schilderung der Ängste und Sehnsüchte der Protagonisten machen aus dieser Oper ein packendes Seelendrama, das besonders durch seine Aktualität besticht.

 

Stückeinführung jeweils eine halbe Stunde vor der Vorstellung im Theatercafé LINOL.

  • Pressestimmen

    Ergreifende Oper „Der Konsul“ in Mönchengladbach

    (…) Menottis Werk ergreift brennend für eine bessere, menschlichere Welt Stellung, seine ästhetischen Mittel stehen in der ansprechenden Arbeit der jungen Regisseurin Katja Bening erneut zur Überprüfung. Die Premiere fand einhellig Zustimmung. (…) Benings Inszenierung nimmt Menotti ernst, überzeugt mit starker Personenführung, klaren Bildern (Ausstatter Udo Hesse zitiert das Bühnenbild von 1952), einem guten Ensemble. Izabela Matula hat für die Magda glühende Farben, kommt auch mit Menottis eigenartigem Sprechgesang klar. Im Graben leitet Diego Martin-Etxebarria die Niederrheinischen Sinfoniker im Weill-Format präzise und mitreißend. Eine gut gemachte Rarität. [Armin Kaumanns, rp-online, 9.2.2017]

     

    Flüchtlingsdrama mit Zauberei

    Das Stadttheater holt Gian Carlo Menottis Nachkriegs-Musikdrama „Der Konsul“ aus der Versenkung. Regieassistentin Katja Bening inszeniert einfühlsam, das Ensemble unter Kapellmeister Diego Martin-Etxebarria überzeugt. (…) Alles gelingt flüssig, klischeefrei, ernsthaft. Gelungen. [Armin Kaumanns, Rheinische Post, 5.2.2017]

     

    Modern, aber nicht avantgardistisch

    (…) Das Niederrheinische Gemeinschaftstheater Krefeld/Mönchengladbach hat den Konsul mit Blick auf die anhaltende Flüchtlingssituation gezielt in seinen Spielplan aufgenommen. Die jüngste Trump-Farce (Kommentar im Programmheft) war bei diesem Entscheid freilich noch nicht absehbar. (…) Aber Menottis Musik wirkt durchgehend ehrlich, erfühlt und bewirkt beim Zuhörer emotionale Beteiligung. In Mönchengladbach dankt man diese Wirkung wesentlich auch den bestens disponierten Niederrheinischen Sinfonikern unter dem anfeuernden spanischen Dirigenten Diego Martin-Etxebarria. (…) Die Inszenierung hat man Katja Bening übertragen, seit 2011/12 Regieassistentin und Abendspielleiterin am Haus. Der Konsul ist ihre erste „große“ Arbeit vor Ort (nach Tom Johnsons Vier-Ton-Oper beim Opernstudio). Verständlichkeit, wie sie Menotti mit seiner Musik anstrebt, prägt auch ihre Regie. Sie verzichtet auf vordergründige Zeitbezüge, lässt das humane Potential der Oper voll zur Wirkung kommen; die Personenführung wirkt in jedem Moment plausibel. (…) Den abstoßenden Polizeiagenten prägt Matthias Wippich mit seinem kantigen Bass konturengenau. Als Mutter wirkt Satik Tumyan rundum überzeugend, Andrew Nolens kraftvollem Bariton und seinem vitalem Spiel glaubt man den Empörer John Sorel. Und dann ist da Izabela Matula als Magda mit ihrem leuchtkräftigen, expansiven, in allen Lagen gleich gut klingenden Sopran. Eine neuerlich exzeptionelle Leistung. Hoffentlich wird man diese Künstlerin noch lange im Ensemble halten können. [Christoph Zimmermann, theater pur, 7.2.2017]