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Der Kontrabass

Der Kontrabass

von Patrick Süskind
Inszenierung Jürgen Lorenzen, Ausstattung Michael Ophelders, Dramaturgie Thomas Blockhaus

Ein Kontrabassist: Mitte fünfzig, verbeamtet und aussichtslos verliebt in die Mezzosopranistin Sarah. Er hasst Wagner, unterschlägt aus Rache gerne mal ein paar Noten, findet Dirigenten überflüssig und kämpft mit Bier gegen Feuchtigkeitsverlust und Staatsorchesterfrust. Gerne und ausführlich erklärt er sein Instrument, das immer irgendwo hinten im Orchester Platz nehmen muss, erläutert (grauenvolle) Kontrabass-Soli am Plattenspieler und offenbart so mehr und mehr den eigentlichen Grund seiner Misere – das „schreckliche, unhandliche und uneleganteste Instrument“, mit dem er in einer Hassliebe verbunden ist. Patrick Süskinds 1981 in München uraufgeführter Monolog über die Hassliebe eines Kontrabassisten zu seinem lebensspendenden und -vernichtenden Instrument ist ein Paradestück für einen Schauspieler. Komik und scharfsinnige Beobachtung spannen einen ebenso vergnüglichen wie tiefsinnigen Bogen, der die Schwingungen des menschlichen Zusammenspiel(en)s ‚nachstreicht’.

Der Schauspieler Michael Ophelders hat seinen Solo-Abend bereits mit großem Erfolg am Theater Trier und an etlichen anderen Theatern in Deutschland aufgeführt. Am Gemeinschaftstheater ist er nun eine willkommene Ergänzung des Spielplans. Patrick Süskind schrieb nach einem Geschichtsstudium zahlreiche Kurzgeschichten und Drehbücher für das Fernsehen. Zu den beliebtesten Serien, deren Drehbücher er mit dem Regisseur Helmut Dietl verfasste, gehörten Kir Royal und Monaco Franze. Als Theaterautor debütierte er 1981 mit dem Einakter Der Kontrabass. Dieser Monolog über eine arme Musikantenseele wurde zu einem Dauerbrenner auf deutschen Bühnen. Der große Welterfolg gelang Süskind 1985 mit dem Roman Das Parfum, der in mehr als 33 Sprachen übersetzt wurde.

Besetzung

In einzelnen Vorstellung kann die Besetzung varieren

  • Pressestimmen

    Ophelders begeistert in „Der Kontrabass“

    Eine Hassliebe verbindet den Orchestermusiker (Michael Ophelders) in „Der Kontrabass“ mit seinem Instrument. Im Verhältnis zu seiner Größe führt er im Orchester eher ein Schattendasein. Denn solistische Glanzauftritte gibt es beim Kontrabass nicht. Der Erfolgsautor Patrick Süskind („Das Parfüm“) widmete dem Instrument bereits 1981 ein eigenes Theaterstück. Seitdem ist „Der Kontrabass“ immer wieder auf den Spielplänen der Theater zu finden. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass das Ein-Personen-Stück vor allem eine tolle Rolle für einen Schauspieler bietet.

    Fast zwei Stunden monologisiert er als frustrierter Orchestermusiker über sein Leben und seine Hassliebe zu seinem Instrument. Für das Krefelder Theater schlüpfte Michael Ophelders in diese Rolle, Premiere war jetzt in der Fabrik Heeder.

    Wenige Requisiten kennzeichnen die Welt des Musikers. Neben seinem Instrument, dem Notenständer und seiner Arbeitskleidung, dem Frack, gehört ein großer Kühlschrank dazu. Diesen befüllt er zu Anfang randvoll mit Bierflaschen. Sein offensichtliches Alkoholproblem erklärt er immer wieder mit erhöhtem Flüssigkeitsbedarf nach dem Musizieren.

    Von Beginn an spricht der Musiker das Publikum an. Der Text verknüpft kunstvoll die Themen miteinander, aus denen sich schnell ein genaueres Bild der Situation ergibt. Der Mann ist Mitte fünfzig, einsam und von seinem Job als Orchestermusiker frustriert.

    Er ist aussichtslos in eine junge Mezzosopranistin verliebt, hat eine Abneigung gegen die Musik Richard Wagners und ist seinem Instrument in einer Art Hassliebe verbunden. „Der Kontrabass ist mehr ein Hindernis als ein Instrument“, stellt er fest.

    Es ist eine etwas mit Klischees behaftete Lebenssituation, die Süskind da entwirft, doch sie bietet einem Schauspieler mit ihrem Wechselbad an Gefühlen alle Möglichkeiten. Michael Ophelders kostet diese Facetten auch wunderbar aus. Von Beginn an hat er das überwiegend weibliche Publikum im Griff. Charmant geht er auf Reaktionen und Zwischenbemerkungen ein, zeigt den Frust ebenso glaubhaft, wie den Kummer über ein verpfuschtes Leben.

    Souverän überspielt er dabei die Klischees, die in der Rolle stecken und zeichnet stattdessen ein einfühlsames Porträt eines Menschen, der sich noch nicht ganz mit seiner tristen Situation abfinden möchte. Ob er am Schluss, wenn er zur nächsten Vorstellung aufbricht, wirklich den Befreiungsschlag wagen wird oder doch wieder nur ein paar Flaschen Bier trinkt, lässt das Stück offen. Ophelders spielt die Figur so, dass man ihm eine Veränderung zutrauen würde. Die Sympathien des Publikums hatte er jedenfalls den ganzen Abend auf seiner Seite. Am Ende gab es viel Applaus und stehende Ovationen.

    [WESTDEUTSCHE ZEITUNG, 18. Oktober 2017]

     

    Kontrabass mit Klamauk und Kühlschrank

    Der Kontrabass, Patrick Süskinds unverwüstlicher Einakter aus dem Jahre 1981, feierte in der ausverkauften Fabrik Heeder eine gelungene Premiere. Das Stück lebt davon, darin Georg Kreislers Betrachtungen über Triangelspieler oder Musikkritiker ähnlich, dass kein Klischee ausgelassen wird. Das allerdings geschieht so witzig, dass für Heiterkeit non stop gesorgt ist. Und nicht nur das. Das Stück ist in mehreren Schichten zu Hause. Der Unterhaltungswert ist hoch. Aber hinter all dem Lustigen, ja auch Klamauk, wird viel von der grundsätzlichen Problematik eines Orchestermusikers reflektiert. […]

    Ein-Personen-Stücke bedeuten immer eine große Herausforderung für Schauspieler. Michael Ophelders ist die Rolle wie auf den Leib geschrieben. Er baut die Spannung über fast zwei Stunden großartig auf, sorgt für Abwechslung, bringt Situationskomik und Nachdenklichkeit in die richtige Balance. Mal schreit er sich den Frust aus dem Leib, mal schildert er sachlich, wie er durch Schallschutz in seiner Wohnung auf seine Nachbarn Rücksicht nimmt. Sensibilität fürs Spielen eines Instruments bringt der Schauspieler ohnehin mit; er spielt Saxophon und Gitarre. Grundlagen des Kontrabass-Spiels führt er geschickt vor. Er streicht die tiefsten und die höchsten (Flageolett-) Töne und bewegt seine Finger geschickt über die Saiten.

    Sein Publikum weiß er anzusprechen – und es fühlt sich angesprochen. Es antwortet spontan auf Fragen, impulsive Zwischenrufe würzen die Lebendigkeit der Veranstaltung. 55 Jahre sei er inzwischen alt – „da sieht er aber auch nach aus“, kommt es aus dem Zuschauerraum zurück. Wie er denn für sein Alter noch aussieht, will er wissen – „nun ja“, so die abwägende Antwort einer Zuschauerin. Noten mit Kontrabass-Literatur werden verteilt. Das Publikum darf sich davon überzeugen, dass Konzerte für den Kontrabass hinter denen für Klavier und Violine in der kompositorischen Qualität zurückbleiben. Weil die Zuschauer sich von ihm anschreien lassen mussten, bietet er einem, der davon besonders viel mitbekam, als Entschuldigung eine Flasche Bier an. Schnell hat er die Lacher auf seiner Seite.

    Zusammen mit dem Regisseur Jürgen Lorenzen zeichnet Ophelders auch für die passende Ausstattung verantwortlich. Noch beim begeisterten Applaus verlässt den Schauspieler nicht der Sinn für Komik. Wie der Dirigent eines Sinfonieorchesters an die Mitspieler gibt er den Dank des Publikums an die Requisiten auf der Bühne weiter, vor allem natürlich an die große Hassliebe, den Kontrabass.

    [RHEINISCHE POST, 19. SEPTEMBER 2017]