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Die Faschingsfee

Die Faschingsfee

Operette in drei Akten - Text von Alfred Maria Willner und Rudolf Österreicher - Musik von Emmerich Kálmán - Neufassung von Carsten Süss
Musikalische Leitung Diego Martin-Etxebarria, Inszenierung Carsten Süss, Bühne Siegfried E. Mayer, Kostüme Dietlind Konold, Choreografie David Williams, Choreinstudierung Michael Preiser, Dramaturgie Ulrike Aistleitner

Eine Autopanne verschlägt eine unbekannte Schöne in die Künstlerkneipe Der grüne Pinsel, die zur Faschingszeit gut gefüllt ist mit amüsierwütigen Bohèmiens, die die Nacht zum Tag machen. Unter ihnen der Künstler Viktor Ronai, der mit seinen Freunden den Sieg eines Wettbewerbs feiert. Viktors Herz entflammt sofort für die elegante Dame, die er kurzerhand zu seiner „Faschingsfee“ ernennt, und er beschützt sie vor den Avancen des aufdringlichen Mereditt. Doch ausgerechnet dieser entpuppt sich kurze Zeit später als Mäzen des Wettbewerbs und verweigert Viktor wutentbrannt das heiß ersehnte Preisgeld.
Als dann auch noch seine Faschingsfee in die Karnevalsnacht entschwindet, ist der eben noch im siebten Himmel schwebende Künstler doppelt enttäuscht: Das Geld ist futsch, die ersehnte Liebe ebenso. Die Feierlaune ist ihm kräftig vergangen. Im Folgenden aber ergeben sich jede Menge turbulente Überraschungen, die Viktors Ringen um sein Glück schlussendlich belohnen und die geheimnisvolle Faschingsfee selbstverständlich in seine Arme führen.
Emmerich Kálmáns Faschingsfee ist ein karnevalesker Operettenspaß, der zeitlich zwischen seinen beiden berühmten Hauptwerken Die Csárdásfürstin und Gräfin Mariza entstand. Nun kommt er endlich auch auf den Spielplan des Gemeinschaftstheaters – genau 100 Jahre nach seiner Entstehung. Am 21. September 1917 fand die Uraufführung der Faschingsfee am Johann-Strauß-Theater in Wien statt. Gemeinsam mit seinen beiden Textdichtern Alfred Maria Willner und Rudolf Österreicher griff Kálmán dafür ungeniert auf sein bereits in Budapest erfolgreich gelaufenes Stück Fräulein Susi zurück, und verwendete weite Teile davon: So steht die Musik der Faschingsfee mit Hits wie Lieber Himmelvater, sei nicht bös oder Liebling, du mein Liebling seinen berühmteren Werken in nichts nach und lässt Schmelz und Charme der Silbernen Operettenära in vollem Glanz erstrahlen.

Erstaufführung am Theater Mönchengladbach.

  • Pressestimmen

    „Süsse“ Pralinenschachtel

    (…) Im Graben waltet der neue Erste Kapellmeister Diego Martin-Extebarria mit einer Intensität und Leichtigkeit, dass alle Walzer schwingen und mit kostbaren Farben prunken. (…) In der Titelrolle verströmt Debra Hays, die ewig junge Sopranistin des Ensembles, gediegene Keckheit; Michael Siemon füllt die Partie des Victor mit tenoralem Wohlklang und Schmelz zum Schwärmen. Das „niedere Paar“ wiederum ist mit Markus Heinrich und Gabriela Kuhn temperamentvoll und pointenreich besetzt. (…) Das ganze Ensemble hat jedenfalls Spaß an der Arbeit, die vielen, teils komplizierten Choreographien sind hübsch anzuschauen, und die Spielfreude schwappt über die Rampe. Im Ohr bleibt nach dem Abend am ehesten das Lied „Liebe Himmelvater, sei nicht bös“, das an einem Wendepunkt der Handlung süffig eingängige Melodien findet. Jäger von Operettenraritäten werden dafür gern und letztlich lohnend nach Mönchengladbach kommen. [Armin Kaumanns, Rheinische Post, 25.9.2017]

    Ein Hauch von Csárdásfürstin

    (…) Debra Hays stattet die Titelpartie mit leuchtendem Sopran aus und überzeugt mit eindringlichem Spiel. Nachvollziehbar gelingt ihr der Wandel von einer fremdbestimmten Dame aus gutem Hause hin zu einer selbstbewussten Frau, die es schafft, ihrem Herzen und nicht der Konvention zu folgen. (…) Michael Siemon glänzt als Maler Victor nicht nur mit sauber ausgesungenen Höhen und strahlendem Tenor, sondern macht auch darstellerisch deutlich, dass für den jungen Mann sowohl Standes- als auch Altersunterschiede bedeutungslos sind. Juan Carlos Petruzziello überzeugt als unangenehmer Dr. Lothar Mereditt mit kräftigem Tenor. Zu Publikumslieblingen avancieren Markus Heinrich und Gabriela Kuhn als „Hubsi“ und Lori. Heinrich versprüht großartige Komik, wenn er verzweifelt versucht, die Zukünftige seines Chefs von dem Maler fernzuhalten, und löst damit bei seiner Geliebten Lori unkontrollierbare Eifersuchtsattacken aus. Kuhn begeistert als kecke Lori mit großem Spielwitz und sorgt vor allem im dritten Akt für einige Verwirrung, wenn sie den Rittmeister über ihre falschen Verdächtigungen aufklären will. Einen musikalischen Höhepunkt markiert ihr großes Versöhnungs-Duett im dritten Akt, wenn sie darüber philosophieren, wie der liebe Gott die Frau erfunden hat. Hier begeistern Heinrich und Kuhn in einer temporeichen Choreographie von David Williams und geben nach dem tosenden Applaus des Publikums sogar noch zwei tänzerisch abgewandelte Zugaben. Intendant Michael Grosse mimt einen in den Konventionen behafteten Rittmeister, der am Ende großmütig auf seine Braut verzichtet. Der Chor des Theaters Krefeld und Mönchengladbach präsentiert sich stimmgewaltig und überzeugt durch große Spielfreude. Diego Martín-Etxebarría führt die Niederrheinischen Sinfoniker schwungvoll durch die Partitur, so dass es am Ende großen Jubel für alle Beteiligten gibt. [Thomas Molke, Online Musik Magazin, 24. 9. 2017]

    „Lieber Himmelvater, sei nicht bös‘“

    (…) Das Gladbacher Theater leistet sich zur Spielzeiteröffnung eine besonders üppige Ausstattung. Drei Bühnenbilder ziehen zwei Pausen nach sich, was den Abend etwas lang, aber sehr anschaulich macht. Hier hat Siegfried E. Mayer eine Vielzahl an (lustigen) Details mit prägnantem Lokalkolorit verknüpft. Die Künstlerkellerkneipe des 1. Akts liegt unter Straßenlaternen samt echter historischer Limousine, das Atelier des 2. Aktes zeigt riesige Leinwände unterm Glasdach. Das Hotel-Restaurant spielt witzig und mit Eisbärfell auf „Dinner For One“ an. Auch Kostümbildnerin Dietlind Konold darf in die Vollen greifen, was den Opernchor in ein Panoptikum von Kuriositäten verwandelt.(…)

    [Armin Kaumanns, Aachener Zeitung, 25.9.2017]

     

    Wenn die Prinzessin mit dem Maler

    (…) Janet Bartolova, alternierend mit Debra Hays, verkörpert eine Alexandra, die ihre hochgestellte Abstammung nicht verleugnen kann und findet in den Duetten mit dem munter agierenden und stimmlich mit seinem strahlenden Tenor überzeugenden Michael Siemon Töne von starker Intensität. Was die Besetzung der vielen kleineren Rollen angeht, zahlt sich die Ensemblepflege des Theaters aus, so dass keine Partie unter Wert besetzt werden muss. An tenoralem Glanz mangelt es Juan Carlos Petruzziello als unangenehmer Dr. Lothar Mereditt ebenso wenig wie Markus Heinrich und Gabriela Kuhn als Chauffeur „Hubsi“ und dessen Geliebte Lori an Spielfreude und vokaler Geschmeidigkeit, gipfelnd in einem geistreichen Duett und einem von Choreograf David Williams einstudierten Tänzchen. Intendant Michael Grosse mimt einen erwartungsgemäß steif-konservativen Rittmeister, der am Ende großmütig auf seine Braut verzichtet. (…) Das Publikum reagiert mit großer Begeisterung auf Operettenaufführungen, die mit solcher Hingabe und keineswegs mit linker Hand präsentiert werden. Volle Häuser dürfen erwartet werden.

    [Pedro Obiera, O-Ton, Oktober 2017]