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Die Wiedervereinigung der beiden Koreas

Die Wiedervereinigung der beiden Koreas

von Joël Pommerat, aus dem Französischen von Isabelle Rivoal
Inszenierung Christoph Roos, Bühne Peter Scior, Kostüme Anne Koltermann, Musik Markus Maria Jansen, Dramaturgie Martin Vöhringer

Theaterstücke über die Liebe gibt es wie Sand am Meer. Aber mit dem Titel Die Wiedervereinigung der beiden Koreas?
Et voilà! Und die Originalität dieses komischen und berührenden, melancholischen und zuweilen schwarzen Theaterstücks über die Liebe erschöpft sich nicht im Titel.
In sechzehn pointierten Szenen wirft der französische Dramatiker JoëI Pommerat überraschende Blicke auf das, chemisch gesehen, vielleicht zeitlose, psychologisch, immer im Wandel begriffene Sujet.

Auf dem Flur des Standesamts erfährt eine Braut in letzter Sekunde ungeheuerliche Neuigkeiten über ihren Bräutigam. Ein Priester und eine Prostituierte gehen eine ungewöhnliche Beziehung ein. Ein Paar bekommt unheimlichen Besuch aus der Vergangenheit. Ein Mann besucht seine an Alzheimer erkrankte Frau und sucht nach der Fortsetzung der Liebe.

In jeder der sechtzehn Geschichten spielt sich ein kleines, großes Drama ab. Dramen der Sehnsucht und der Enttäuschung, des Abschiednehmens und des Zusammenbleibens. Und immer wieder: das Drama des komplett Aneinander-Vorbei-Redens.
All diese unterschiedlichen Geschichten verbindet Joël Pommerat durch seinen literarischen Stil, in dem sich Lakonie und Humor, Wahrhaftigkeit und surreale Fantasierlust auf elegante Art die Waage halten, zu einem außerordentlichen Panorama der Liebe in der Gegenwart.

In Frankreich ist Joël Pommerat seit längerem einer der bedeutendsten zeitgenössischen Theaterautoren. Hierzulande ist er erst vor kurzem entdeckt worden. Die deutschsprachige Erstaufführung von Die Wiedervereinigung der beiden Koreas fand 2014 in Linz statt, in Deutschland wurde dieser existenzielle Liebesreigen zum ersten Mal 2015 vom Schauspiel Frankfurt aufgeführt.

  • Pressestimmen

    Spielarten der Liebe in 16 Szenen

    „Der Titel des Stücks, das 2015 in Frankfurt die deutsche Erstaufführung erlebte, „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“, zitiert eine Aussage in einer der Episoden um schräge Spielarten von Liebesbeziehungen. Da besucht ein Mann seine an Alzheimer leidende Ehefrau in der Klinik. Der fürsorgliche Gast (Bruno Winzen) beschreibt mit dem Bild der Wiedervereinigung verfeindeter Staaten in der Rückschau den Beginn ihrer persönlichen Verbindung. Doch seine Frau (Eva Spott) erinnert sich nicht einmal mehr daran, dass beide gern Pilze sammeln gingen. Mit ihrer offenen, vor unverfälschter Herzlichkeit strahlenden Mimik gelingt Eva Spott eine Sternstunde auf der Bühne des Krefelder Theaters. […]

    Anna Pircher spielt in „Kinder“ eine Babysitterin, die ein gruseliges Psycho-Versteckspiel bei einem älteren Ehepaar (Christopher Wintgens, Eva Spott) durchleiden muss. Dabei punktet sie durch facettenreiches Mienenspiel. Bühnenbildner Peter Scior hat den Akteuren vor einem breiten Pavillon mit Lamellenjalousien viel Freiraum gelassen. Der Ortswechsel zwischen drinnen und draußen sorgt ebenso wie die von Markus Maria Jansen mit den Darstellern eingeübte perkussive Livemusik für einen Bewegungs-Flow […].

    Verblüffend unverstaubt und voll skurriler Komik ist der Deal einer gegen Minderwertigkeitsgefühle ankämpfenden Stricherin (Denise Matthey) mit einem jungen Mann (Philipp Sommer), der nur per Dumpingangebot zum Handeln zu mobilisieren ist.

    Dem Krefelder Publikum gefiel der ineinandergreifende Beziehungsreigen in der Regie von Christoph Roos gut, wie der Szenenapplaus zwischendrin und anhaltender, kräftiger Schlussbeifall deutlich machten.“

    [RHEINISCHE POST, 6. FEBRUAR 2017]