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Ein Maskenball

Ein Maskenball

Melodramma von Giuseppe Verdi und Antonio Somma - italienisch mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Mihkel Kütson, Inszenierung Andreas Baesler, Bühne Hermann Feuchter, Kostüme Caroline Dohmen, Choreinstudierung Maria Benyumova, Dramaturgie Andreas Wendholz

Eine packende Eifersuchtstragödie ist das dramatische Handlungsfundament von Giuseppe Verdis Oper Un ballo in maschera, die 1859 in Rom uraufgeführt wurde. Ihren historischen Ausgangspunkt bildet das 1792 verübte Attentat auf den schwedischen König Gustav III. während eines Maskenballs. Bereits 1833 diente es Eugène Scribe und Daniel François Esprit Auber als Opernstoff.

Graf Richard ist heimlich in Amelia, die Ehefrau seines Vertrauten René, verliebt. Warnungen, dass eine Verschwörung gegen ihn geplant sei, schlägt er ebenso leichtsinnig in den Wind wie die Prophezeiung der Wahrsagerin Ulrica, er werde von der Hand seines Freundes René ermordet werden. Als dieser vom vermeintlichen Verhältnis zwischen seiner Frau und Richard erfährt, rast er vor blinder Eifersucht und schlägt sich auf die Seite von Richards Gegnern. René ahnt nicht, dass Amelia und Richard beschlossen haben, ihrer Liebe zu entsagen. Bei einem Maskenball will Richard sich für immer von Amelia verabschieden, als René auf die beiden trifft und ihn ermordet. Im Sterben beteuert Richard die Unschuld Amelias und dekuvriert somit den an ihm verübten Mord als sinnlose Tat eines eifersüchtig Rasenden.

In keinem anderen Werk gelingt dem italienischen Operngroßmeister ein extremeres Wechselspiel der Gefühle als in seiner Oper Ein Maskenball: Mit der direkten Aufeinanderfolge von lyrischen Passagen, burlesker Tanzmusik und hochdramatischen Szenen führt seine Musik tief ins Unterbewusste der Figuren und schildert packend ihre Seelenlandschaften.
Giuseppe Verdis und Antonio Sommas spannender Opernkrimi zeigt politische und private Extremsituationen von zeitloser Gültigkeit: das jähe Umschlagen von Freundschaft zu Feindschaft, die Austauschbarkeit von politischen Anhängern und Gegnern, die Gewissensbisse heimlich Liebender sowie die Fatalität unausgesprochener Wahrheiten.

 

Stückeinführung jeweils eine halbe Stunde vor der Vorstellung im Glasfoyer.

 

  • Pressestimmen

    Erfrischend schön gestorben

    (…) Regisseur Andreas Baesler verlegt die Handlung aus Boston in das Oval Office im Washington der 1960-er Jahre. In diesem Sinne hat Hermann Feuchter seine Bühne geschaffen. Ein ovaler Raum, der allerdings offensichtlich im Erdgeschoss angesiedelt ist. (…) Die einzelnen Bilder sind schön und überlegt gearbeitet und atmen ganz die Mischung aus Mief und Luxus der amerikanischen 1960-er Jahre. (…) Baesler verzichtet auf spektakuläre Einfälle, auf große Aha-Effekte. Stattdessen arbeitet er die Inszenierung sehr sauber und schlüssig. (…) Bei den Solisten gibt es durchgängig vom Feinsten. Dass Tenor Michael Siemon als Riccardo – im Aussehen sehr nah an Kennedy – zugunsten einer sauberen Technik oftmals auf den emotionalen Aspekt verzichtet, hemmt ein wenig die Begeisterung. Auch wenn er seinen Tod auf erfrischende Weise „natürlich“ und vor allem nachvollziehbar spielt und singt, auf verstaubten Pathos verzichtet und damit letztlich das Publikum verzaubert. Izabela Matula spielt und singt eine eindrucksvolle Amelia und empfiehlt sich mit dieser Leistung auch für größere Bühnen. Aus der „Zigeunerin“ Ulrica wird eine afroamerikanische, „einem Naturglauben verbundene Wahrsagerin“. Also verkleidet Eva Maria Günschmann sich bis zur Unkenntlichkeit, verkündet gerade damit ihre Spielfreude und singt wie immer überzeugend. (…) Johannes Schwärsky, der als Renato seinen Bariton großartig ausspielt, sowohl was Stimmgewalt als auch Verständlichkeit angeht. Auch die übrigen Rollen bieten keine Ausfälle. Maria Benyumova sorgt einmal mehr dafür, dass der Chor Höchstleistungen erbringt.

    Ein überaus gelungener Spielzeit-Auftakt, der auch dem Publikum gefällt, das nicht nur den Arien, sondern vor allem auch den Sängern und dem Leitungsteam langanhaltend applaudiert.

    [Michael S. Zerban, opernnetz, 12.9.2015]

     

    Intrigen und Mord im Weißen Haus

    (…) Geschäftsmäßig wuseln dort Vertraute wie Verschwörer um den Präsidenten, den geschmeidig-alerten Tenor Michael Siemon, der mit der jungen, quirligen Referentin „Oscar“ (Sophie Witte als elegant-muntere Koloratursoubrette) offenkundig ein Verhältnis hat. Doch richtig verliebt ist Riccardo ausgerechnet in die Frau seines Freundes. (…) Was im Zentrum unantastbar gut gelingt, sind die Szenen, in denen das Kernthema – Liebe und Eifersucht – verhandelt wird. Da ziehen Izabela Matula mit berückender Tiefenempfindung als unglückliche Amelia, Johannes Schwärsky (Bariton) als verletzter Ehemann, dessen Uniform seine Wildheit nur kaschiert, und Michael Siemon auf hohem Niveau an einem Strang. Besonders Matulas feinnervig zwischen beinah geflüstertem Piano und scharfglänzendem Edelmetall ausgespannter Sopran beschert bannende Hörerlebnisse (etwa in der Arie „Ma dall’arido“ im zweiten Akt). Szenenapplaus gibt es auch für Eva Maria Günschmann (Mezzosopran) als düstere, von Caroline Dohmen bizarr eingekleidete Voodoopriesterin.

    Die eher komischen Akzente setzt der Chor. Die Niederrheinischen Sinfoniker sorgen unter der kundigen, äußerste Präzision fordernden Zeichengebung von Mihkel Kütson am Pult für die erwünschte hohe Qualitätsgrundlage. Diese Interpretation fesselt, malt, bestürmt die Sinne und begeistert. Bravo!

    [Dirk Richerdt, Rheinische Post, 14.9.2015]

    Verdi landet im Weißen Haus

    (…) In Mönchengladbach ist ein Ensemble zusammen, das unter GMD Mihkel Kütson im Graben mit den Niederrheinischen Sinfonikern weiß, wie Verdi dargebracht werden muss: schlank und durchhörbar im Klang, schwelgerisch bei Liebesdingen und zupackend im Drama. Tenor Michael Siemon wandelt schwindelfrei und mit manch subtilem Zwischenton durch die Tenorpartie des Riccardo; Izabela Matula kostet die bezaubernden Arien der Amelia weidlich aus, beide sind das Traumpaar des Gemeinschaftstheaters. Als dritter im tragischen Liebes-Bunde gefällt Bariton Johannes Schwärsky in der Renato-Partie mit großer Stimme und präsenter Figur. Eva Maria Günschmann zelebriert die Wahrsagerin Ulrica in kostbaren Mezzo-Farben, Sophie Witte hat all die glöckchenhaften Soubrettentöne des Oscar in ihren Sopranregistern. (…)

    [Armin Kaumanns, Aachener Zeitung, 14.9.2015]

    Komplott im Weißen Haus

    (…).Zum unterhaltsamen und spannenden Opernabend trägt nicht zuletzt die eindrucksvolle, an das Oval Office erinnernde Bühne von Hermann Feuchter ebenso bei wie die detailreichen, liebevoll gearbeiteten Kostüme von Caroline Dohmen (…).

    Und auch musikalisch bewegt sich der Abend auf ordentlichem, zum Teil außergewöhnlich gutem Niveau. Das bezieht sich vor allem auf die Sängerinnen und Sänger der Hauptrollen. Michael Siemons Tenor verfügt über eine satte Mittellage sowie strahlende und sichere Höhe; (…) Amelia, die zwischen Liebe und Ehrgefühl hin- und hergerissene Angebetete, findet in Izabela Matula eine überzeugend singende und spielende Interpretin mit sattem Sopran voll warmem Timbre und vor allem im dritten Akt bewegenden Piani. Ihr Mann (…) wird von Johannes Schwärsky mit vollem Bariton gegeben, dem er in den passenden Momenten gekonnt eine Portion Wut oder Schmerz beimischt. (…) Amelie Müller, Mitglied des Opernstudios, liefert eine reife Leistung ab, glänzt mit beweglichem Sopran und viel Spielwitz. Eva Maria Günschmann versieht die Prophezeiungen der Knochen werfenden Voodoo-Priesterin Ulrica mit dunkel-bedrohlichem Mezzo. (…)

    [Jochen Rüth, Der Opernfreund, 23.12.2015]

    Fulminanter Maskenball im Weißen Haus

    (…) Baesler lässt Raum, spielt mit Details, die zu entschlüsseln Freude macht – vom Pillbox-Hütchen, das an Mode-Ikone Jackie Kennedy erinnert, bis zur exotisch geschminkten Hohepriesterin der Santería, der afroamerikanischen Hauptreligion Kubas. (…) Die Niederrheinischen Sinfoniker, die unter dem Dirigat von Mihkel Kütson alle dynamischen Farben ausspielen, lassen dazu die „düsteren Stürme des Todes“ aufziehen. Mit verschwörerischen Streicher-Pizzicati, knallenden Schlägen und hymnisch ausladenden Melodiewogen beweisen sie hohe Qualität. (…) Timothy Richards ist ein eleganter Mr. President, der sich – wie während seines Engagements in Krefeld/Mönchengladbach vor zehn Jahren – als Könner des italienischen Fachs beweist. Sein samtiger Tenor und seine Bühnenpräsenz brachten den Waliser in die Top-Riege europäischer Tenöre. Izabela Matula ist zur großen Sopran-Tragödin gereift, die die Liebessehnsucht und den Schmerz einer Mutter, die ein letztes Mal ihren Sohn sehen will, bevor sie stirbt, in anrührende Töne kleidet. Bariton Johannes Schwärsky hat in Renato, der verlorener Zärtlichkeit und zerstörter Lebenshoffnung nachtrauert, seine Paraderolle: Von dunkler Melancholie bis zu schneidender Wut zeigt er die gesamte Bandbreite. Viel Applaus gab es auch für Sophie Witte als kokett kolorierendes Präsidenten-Gspusi Miss Oscar und Eva Maria Günschmann, die die undurchsichtige Wahrsagerin in schönstem Mezzosopran schillern lässt. In kleineren Rollen überzeugten Shinyoung Yeo, Andrew Nolen, Hayk Dèinyan und Xianghu Alexander Liu – sowie der wie immer gut aufgestellte Theaterchor.

    [Petra Diederichs, Rheinische Post, 16.1.2017]

    Die Mächtigen haben es nicht leicht

    Die Premiere der Oper „Ein Maskenball“ war ein großer Erfolg: Solisten, Chor und Musiker wurden vom Publikum reich beklatscht. Besonderer Beifall galt dabei dem Tenor Timothy Richards aus Berlin, der sehr kurzfristig für die beiden Besetzungen eingesprungen war. Dass er eingesprungen war, war nicht zu merken: Timothy Richards beherrscht das italienische Fach meisterlich und war ein beeindruckender Riccardo. (…)

    [Christina Schulte, Westdeutsche Zeitung, 16.1.2017]