Vorheriges
Nächstes
Eine Frau ohne Namen (UA)

Eine Frau ohne Namen (UA)

Ballett von Robert North, Musik von Howard Blake (*1938)
Musikalische Leitung Alexander Steinitz, Choreografie Robert North, Choreografieassistenz Sheri Cook, Choreografieassistenz Rossella Capriolo, Choreinstudierung Maria Benyumova, Bühne und Kostüme Udo Hesse, Dramaturgie Regina Härtling, Live-Musik Niederrheinische Sinfoniker

Eine Frau, der wir vielleicht auf der Straße, im Café oder im Kino zufällig begegnen, ist die namenlose Protagonistin in dem neuen Handlungsballett von Ballettdirektor Robert North. Beispielhaft für alle Frauen, die ihr Leben bewusst gestalten und Sinn und Erfüllung darin finden, stellt North eine ‚Frau ohne Namen’ in den Fokus seiner Choreografie und kreiert so auf feinfühlige und besonnene Weise ein tänzerisches Plädoyer für Selbstbestimmung und Individualität.
Einfühlsam entwickelt er ihre Lebensgeschichte, beginnend mit der symbolischen Geburt: Ein Mädchen tritt in den Kreis des Lebens, wächst heran, verliebt sich. Das junge Paar heiratet, Kinder kommen zur Welt. Familiäres Glück geht einher mit beruflichem Erfolg: Die Frau ist eine kreative und fantasievolle Autorin. So tanzt sie durchs Leben, Jahr um Jahr verrinnt. Am Ende stirbt die Frau ohne Namen in den Armen ihres Mannes – und findet sich im Jenseits wieder, vom Chor der Engel fröhlich willkommen geheißen. Diese allegorische Geschichte stellt das irdische Leben in einen umfassenden existentiellen Zusammenhang und nimmt in künstlerisch freier Interpretation auch auf Motive aus der Mythologie Bezug. Die Musik zu „Eine Frau ohne Namen“ komponierte Howard Blake, der vor allem durch Filmmusiken, u. a. zu dem weltbekannten Animationsfilm „The Snowman“, in seiner Heimat Großbritannien, aber auch international bekannt wurde.
Seit vielen Jahren verbindet ihn eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit Robert North: So entstand 1996 im Auftrag des Göteborger Opernhauses das Ballett „Eva“, welches nun nach gründlicher Revision unter dem neuen Titel „Eine Frau ohne Namen“ am Theater Krefeld und Mönchengladbach vorgestellt wird. Howard Blake schrieb eine Partitur im klassischen Stil für großes Sinfonieorchester mit Solovioline, die sich in Prolog und zwei Akte (Das Leben einer Frau /Tod und Jenseits) gliedert. Durch Einsatz der menschlichen Stimme erweitert Blake die Ausdrucksmöglichkeiten: Eine Sopranistin und der gemischte Chor bilden eine zusätzliche musikalische Ebene, die an die Struktur eines Oratoriums erinnert.

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten (mit Pause)

  • Pressestimmen

    Leise Schritte statt technischer Bravour
    Die Premiere des Ballettabends „Eine Frau ohne Namen“ von Robert North begeistert das Publikum.
    (…) Das Handlungsballett um eine anonyme Frauengestalt endet in religiöser Verklärung. Es beginnt im Schoß der Erde, wo sich Tänzer wie Würmer am Boden winden. Sie richten sich auf, taumeln noch und tanzen bald unbeschwert durchs Leben. Eine Sopranistin (Julia Danz) begleitet die Menschwerdung. So bettet der Choreograf das Schicksal seiner Protagonistin in den existentiellen Zyklus des Lebens. (…) Diesen biografischen Bogen schlägt North in seiner klaren, elegant-lässigen Tanzsprache. Sie ist geprägt von klassischem Ballett und auch Anleihen beim Modern Dance, war der Amerikaner doch vor Jahren Tänzer bei der Legende Martha Graham. Dieser Stil wirkt aus der Zeit gefallen und ist doch, anmutig und sauber getanzt, eine Freude. (…) Eine allzu starke Emotionalisierung erfährt das Ballett durch die Komposition von Howard Blake. Der Brite, international bekannt durch Filmmusiken, verwendete für die Ballettmusik zu „Eine Frau ohne Namen“ verschiedene Teile aus seinem Werk: das Violinkonzert, die Toccata sowie das Oratorium Benedictus für die spektakulär-sakrale Schlussszene. Unter der Leitung von Alexander Steinitz entfalten Solo-Sopran, -Violine, -Viola, Niederrheinische Sinfoniker und Chor ein fantastisches Klangbild. (…)
    [Bettina Trouwborst, Westdeutsche Zeitung, 05.10.2016]

    Ein Lebenskreis mit Reise ins Jenseits
    Robert North macht die Biografie einer Frau zum Gegenstand seiner Choreografie „Eine Frau ohne Namen“. Die zeichenhafte Musik des britischen Komponisten Howard Blake veredelt dabei auch Klischees von Transzendenz.
    (…) Elisa Rossignoli tanzt in der Neubesetzung des Uraufführungsprojektes von Robert North die Titelfigur. Dem temporeichen Zeitraffer der lebhaften, spannenden Tanzbilder setzt Kapellmeister Alexander Steinitz im Orchester die nicht minder bewegungsfreudige, aber auch in sich ruhende zeichenhafte Musik Howard Blakes entgegen. Das Arrangement aus Kammermusik und einem Oratorium des besonders als Filmkomponist erfolgreichen 77-jährigen Engländers („The Snowman“) nutzt North als expressiven Klangraum. (…)
    [Dirk Richerdt, Rheinische Post, 05.10.2016]

    Farbenreiche Hymne auf das Leben
    Drei Grundfragen wohnen jedem menschlichen Leben inne: Woher komme ich, wohin gehe ich und wie gestalte ich mein Leben? In seinem neuen Ballett „Eine Frau ohne Namen“ stellt sich Choreograf Robert North diesen Fragen. (…)
    Das alles sind starke, ergreifende Bilder. Wobei aber auch Leichtigkeit und Lebensfreude zwischen den beiden Polen nicht zu kurz kommen. Selbst in der „Himmelsszene“ dominieren bunte Kostüme in sympathischen Pastellfarben (Bühne und Kostüme: Udo Hesse). Auch die Bühnentechnik arbeitet viel mit sanften Lichteffekten.
    Die Musik von Komponist Howard Blake (Dirigat Alexander Steinitz) ist zur Untermalung der Tanzbewegungen eingesetzt, bereichert das Gesamtkunstwerk aber durchaus als eigenständige Konzertleistung. (…)
    [Ernst Müller, Extra Tipp, 04.10.2016]

    Eine Frau ohne Namen in Mönchengladbach
    Das Leben einer Frau von ihrer Geburt bis zum Tod ist Thema eines neuen Ballettabends von Robert North. Im Theater Mönchengladbach wurde die Uraufführung dieses Werkes vom Publikum begeistert gefeiert. Dass der Abend zutiefst berührt, ist neben der eindrucksvollen Choreografie vor allem der Musik zu verdanken. In enger Zusammenarbeit mit dem Ballettdirektor hat der britische Komponist Howard Blake verschiedene Teile aus seinen Werken zu einem faszinierenden Klangteppich zusammengefügt. Neben großem Orchester mit ausgedehnten Streichersoli kommt im letzten Teil auch ein Chor zum Einsatz.

    Der Abend beginnt musikalisch mit einem Sopransolo (Sophie Witte), das sich von zarten Tönen zu ausdrucksvollem Gesang steigert. (…) In einer für North charakteristischen klaren Ausdrucksform, in der sich stets klassische und moderne Elemente des Tanzes mischen, wird vom Ursprung des Lebens erzählt. (…) schließlich richtet sich eine in Rot gekleidete Frau (Karine Andrei-Sutter) im Zentrum der Bühne auf. Sie ist von einem schwebenden Metallkreis umgeben, die im Verlauf des Stücks noch eine wichtige Rolle spielen wird. (…) Unter Leitung ihres Kapellmeisters Alexander Steinitz spielen die Niederrheinischen Sinfoniker hoch konzentriert und engagiert. Im hoch emotionalen Violinsolo (Philipp Wenger) spiegeln sich die Qualen der verlassenen Frau wider. Innerhalb des Metallkreises agiert sie wie eine Gefangene. Nicht nur in dieser Szene beeindruckt Karine Andrei-Sutter mit ihrer feinnervigen und zugleich so intensiven Körpersprache. (…) in einem an den Prolog anknüpfenden Schlussteil wird der Übergang vom physischen Tod in ein anderes Leben thematisiert. (…) Die einfache Geschichte bekommt so einen überzeitlichen Charakter. Musik und Tanz verschmelzen zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk. Dass das alles nicht in Kitsch abdriftet, sondern sehr berührt, ist der Kunst von Robert North zu verdanken. Er versteht es, mit Tanz Geschichten zu erzählen, prägnant und voller Poesie.
    [Michaela Plattenteich, Westdeutsche Zeitung, 17.05.2016]

    Lebensreise ins Jenseits
    Robert North präsentiert das Leben einer namenlosen Frau. Das Ensemble vermittelt, trotz klischeehafter Elemente, eindrucksvolle Tanzbilder. Am Gelingend der Uraufführung haben Orchester und Theaterchor großen Anteil.

    Kapellmeister Alexander Steinitz hält die Niederrheinischen Sinfoniker dazu an, genauestens die Zeichenhaftigkeit der Musiksprache des britischen Komponisten Howard Blake (77) umzusetzen (…) Karine Andrei-Sutter prägt fortan das wechselnde Szenario. Die famose Solotänzerin aus der Schweiz zeichnet allein mit ausdrucksstarker Körpersprache den komprimierten Lebenslauf der Frau nach. (…)
    Nicht alle Rätsel möchte Robert North auflösen, recht so. Wieder hilft die Musik weiter: Der gemischte Chor, auf der Hinterbühne thronend, singt Teile des oratorischen „Benedictus“ von Howard Blake und überhöht mit filigranem Melos das leicht kitschige Bild tanzender Engel in monochromen Pastellgewändern. Wie bereits im ersten Teil, als Konzertmeister Philipp Wenger ein faszinierendes Violinsolo spielte, folgt nun eine ebenso eindrucksvolle Bratschenpartie von Albert Hametoff.
    Nach dem Schlussakkord erhalten alle Akteure und das Produktionsteam, darunter auch Bühnenbildner Udo Hesse und Chordirektorin Maria Benyumova, ausdauernden Beifall. Darüber freut sich auch der aus London angereiste Komponist der Uraufführung, Howard Blake.
    [Dirk Richerdt, Rheinische Post, 17.05.2016]