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Hamlet

Hamlet

Oper von Ambroise Thomas - französisch mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Mihkel Kütson, Inszenierung Helen Malkowsky, Bühne Hermann Feuchter, Kostüme Susanne Hubrich, Choreinstudierung Michael Preiser, Dramaturgie Andreas Wendholz

Seit der Premiere im November 2017 am Theater Krefeld überschlägt sich die positive Resonanz bei Publikum und Presse und hat Ambroise Thomas‘ Opernrarität in der einfühlsamen Regie von Helen Malkowsky zum wahren Publikumshit befördert.

Hamlet feiert eine glanzvolle Premiere und sorgt beim Publikum für stehende Ovationen. (…) An diesem Abend bekam man ganz große Oper zu sehen, die hinsichtlich Musik, Ensemble, Regie und Ausstattung keine Wünsche offenließ“ (Westdeutsche Zeitung)

„Bravo-Rufe, Standing Ovations für den Sänger der Titel-Partie und Szenenapplaus für die Niederrheinischen Sinfoniker: Das Premierenpublikum toste.“ (Rheinische Post)

„Der Premierenbeifall war bereits vor der Pause ungewöhnlich stark, nach dem Fallen des Schlussvorhanges steigerte er sich fast zur Extase“ (Der Opernfreund)

„Getragen wird der Abend von hoher Binnenspannung, die auch im Graben niemals abfällt. Mihkel Kütson ringt der Partitur ein Maximum an Farben und Emphase ab; die Niederrheinischen Sinfoniker zeigen sich in Bestform, einige Bläsersoli sind formidabel. (…) Die Sängerleistungen verblüffen umso mehr, als sämtliche Partien aus dem Ensemble besetzt sind“ (Opernwelt)

„Wollte man den dreistündigen Ohren- und Augenschmaus in einem Begriff zusammenfassen, käme nur eine Vokabel in Betracht: grandios.“ (Extra-Tipp)

„Insgesamt ist dies ein ebenso spannender wie lohnender Opernabend“ (revierpassagen)

„Wahnsinns-Koloraturen und plausible Personenführung“ (orpheus)

 

Der Geist seines verstorbenen Vaters erscheint Prinz Hamlet und fordert Rache an seinem Bruder Claudius, der ihn grausam ermordete. Claudius hatte den dänischen König aus dem Weg geräumt, um dessen Witwe zu heiraten und selbst den Thron zu besteigen.
Hamlet täuscht vor, wahnsinnig geworden zu sein, um seinen Onkel leichter der schändlichen Tat überführen zu können. Als er erfährt, dass der Vater seiner Geliebten Ophelia mit dem Mörder im Bunde steht, sagt sich Hamlet von ihr los. Ophelia verzweifelt am vermeintlichen Wahnsinn Hamlets und an seiner Zurückweisung und tötet sich schließlich selbst. Nachdem Hamlet alles, was er liebte, verloren hat, ist er zum Äußersten bereit. Der Geist des Vaters erscheint ihm erneut und verlangt den finalen Vollzug der Rache.

Die französische Opernrarität Hamlet von Ambroise Thomas wurde am 9. März 1868 an der Grand Opéra in Paris uraufgeführt. Die Librettisten Michael Florentin Carré und Jules Barbier bezogen sich mit ihrem fünfaktigen Libretto nicht auf William Shakespeares Drama, sondern auf die im 19. Jahrhundert in Frankreich populäre Adaption von Alexandre Dumas (Vater): Ganz dem damaligen Zeitgeist entsprechend, mit seiner literarisch-musikalischen ‚Lust‘ an tragischen Frauenfiguren, wird Ophelia darin – anders als in Shakespeares Original – ins Handlungszentrum gerückt.

Die raffiniert instrumentierte Theatermusik von Ambroise Thomas brilliert mit einer wohldosierten Melange aus pompösem und kantablem Ton, von Sentimentalität und Eleganz. Zu Berühmtheit gelangte besonders die Wahnsinnsarie, die den seelischen Zustand Ophelias grandios in Töne umsetzt.

Erstaufführung am Theater Krefeld und Mönchengladbach.

Stückeinführung an allen Terminen (außer am Premierenabend) jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn  in der Theaterbar.

  • Pressestimmen

    Ganz große Oper im Stadttheater

    „Hamlet“ feiert eine glanzvolle Premiere und sorgt beim Publikum für stehende Ovationen. (…) An diesem Abend bekam man ganz große Oper zu sehen, die hinsichtlich Musik, Ensemble, Regie und Ausstattung keine Wünsche offenließ. Vor allem die klug durchdachte und feinfühlige Regie von Helen Malkowsky traf genau den richtigen Ton zwischen opulenter Oper und psychologischem Drama. (…) Mit großer Präsenz schlüpft Andrew Nolen in die Rolle des Narren, in der auch der Geist von Hamlets totem Vater auf beklemmende Weise Gestalt annimmt. (…) Ein eleganter, leicht schräg gestellter Parkettboden ist die Spielfläche. Manchmal spiegelt er sich als Rückwand, hinter verschiedenen Bilderrahmen entstehen und verschwinden weitere Räume. Das Thema „Theater auf dem Theater“, dem in diesem Stück eine besondere Bedeutung zukommt, wird dabei ebenfalls visualisiert. (…) Gold und schwarz sind auch die vorherrschenden Farben der prächtigen und dabei so geschmackvollen Kostüme (Susanne Hubrich). (…) Rafael Bruck ist ein im Spiel und Gesang beeindruckender Titelheld, der die Zerrissenheit zwischen seinen Rachegelüsten und den intellektuellen Grübeleien perfekt verkörpert. Sophie Witte als fragile Ophelia ist nicht nur stimmlich ein Ereignis. Ihre Wahnsinnsszene wird zum Höhepunkt des besonderen Abends. Matthias Wippich und Janet Bartolova überzeugen sehr als zunächst skrupelloses und später von ihrem Gewissen geplagtes, mörderisches Königspaar. Der Chor (Einstudierung Michael Preiser), der den unterwürfigen und nach Einfluss strebenden Hofstaat verkörpert, ist nicht nur gesanglich, sondern auch darstellerisch sehr präsent. [Michaela Plattenteich, Westdeutsche Zeitung, 27.11.2017]

    „Hamlet“ – ein Seelenkrimi

    Bravo-Rufe, Standing Ovations für den Sänger der Titel-Partie und Szenenapplaus für die Niederrheinischen Sinfoniker: Das Premierenpublikum toste. In „Hamlet“ fügt sich alles bestens zusammen: Inszenierung, Musik, Optik und grandiose Stimmen. (…) Malkowsky leuchtet in die emotionalen Verschlingungen aller Figuren. Dazu hat sie ein Ensemble, das nicht nur mit schönen Stimmen, sondern auch spielerisch punktet; ein Bühnenbild (Hermann Feuchter), das in seiner Klarheit an Shakespeares Globe Theatre erinnert, aber in dem jedes Detail sitzt; und Kostüme (Susanne Hubrich), die französische Eleganz zitieren, aber den Pomp humorvoll entlarven. (…) Es ist der Abend von Sophie Witte (Ophelia) und Rafael Bruck (Hamlet), die ihre Figuren mit fast überirdisch schönem Gesang und Innigkeit füllen. Witte verkörpert die weltentrückte Zartheit Ophelias im Auge des Hurricane. Um sie herum fliegt alles aus der Bahn, nur sie ist zur Ohnmacht verdammt. In der berühmten „Wahnsinnsarie“ bäumt sie sich vehement auf. Stark und klar wie ein Diamant ist ihre Stimme, aber selbst in den Spitzen noch voller Wärme und Gefühl. Auch Rafael Bruck zeigt Zerrissenheit. Er entwickelt sich vom unreifen Prinzen, der den toten Vater fürchtet, zum Mann, der nicht nur aus Rache, sondern für Gerechtigkeit das Schwert erhebt und mit der höfischen Gesellschaft, die nur auf eigene Vorteile schielt, aufräumt. Der junge Bariton nimmt nicht nur die musikalischen Herausforderungen der Partie mit Leichtigkeit, sondern auch die darstellerischen in diesem Seelenkrimi. Das Publikum huldigt ihm stehend. [Petra Diederichs, Rheinische Post, 27.11.2017]

    Plädoyer für eine weitgehend unbekannte Oper

    (…) Eine besondere Sympathie des Premierenpublikums galt nicht von ungefähr Sophie Wittes Ophelia. Ihr sind offenbar jedwede „Wahnsinns“-Koloraturen und stratosphärische Tongirlanden abzuverlangen; und sie bezaubert mit fein gesponnenen Piani. Andrew Nolen ist sich nicht zu schade, mit den wenigen Verlautbarungen von Hamlets Vater vorlieb zu nehmen. Mit seiner Präsenz als Narr verleiht der darstellerisch sehr virile Sänger der Aufführung eine besondere Spannung. Janet Bartolova bietet ein sehr eindringliches, aristokratisches Porträt der Königin, Matthias Wippich engagiert sich überzeugend für den König Claudius. Carlos Moreno Pelizari lässt als Laertes tenoral aufhorchen. (…) Der Premierenbeifall war bereits vor der Pause ungewöhnlich stark, nach dem Fallen des Schlussvorhanges steigerte er sich fast zur Extase. (…) [Christoph Zimmermann, der opernfreund und theater pur, 26.11.2017]

    Der Mensch ein König ein Narr

    (…) Im eindrucksvollen Bühnenbild von Hermann Feuchter scheint die viereckige, mit ebendem Parkett ausgelegte Spielfläche im schwarzen Raum zu schweben, rechts und links begrenzt von Kulissenrückwänden – denn schließlich gibt es im Hamlet das „Theater auf dem Theater“ schlechthin, nämlich das von Hamlet arrangierte Schauspiel über den Königsmord, das Mutter und Gattenmörderin Getrud und Onkel-Stiefvater Claudius den Spiegel vorhält. Die Gesellschaft kleidet sich in elegant mattgoldene Gewänder, königlich französischer Historienprunk, unter den sich aber auch manche Frivolität mischt (Kostüme: Susanne Hubrich). FAZIT Die Regie von Helen Malkowsky macht aus Thomas‘ ziemlich genreverhaftetem romantischem Hamlet einen ausgesprochen spannenden Opernabend. [Stefan Schmöe, online music magazin, 27.11.2017]

    Faszinierende Wiederbelebung

    Regisseurin Helen Malkowsky und GMD Mihkel Kütson beweisen die Repertoiretauglichkeit angeblichen Randrepertoires. (…) Im optisch attraktiven, wandelbaren, sich auf Wesentliches beschränkenden Raum von Hermann Feuchter erzählt Malkowsky die Handlung stringent und spannend. (…) Nur zwei Figuren sind frei von dieser Krankheit – Ophelia und der Narr. Letzterer, den Andrew Nolen faszinierend spielt, mit ungeheuer präziser, tänzerischer Körperarbeit, ist hier auch der Geist des Vaters. Mit nacktem Oberkörper und roter Narrenmütze beobachtet und manipuliert er das Spiel als einer, der keine persönlichen Interessen mehr dran hat. Und Ophelia liebt. Sophie Witte tut das zum Herzerweichen, natürlich und klar im Spiel, noch ein wenig zurückhaltend, fast sachlich in der ersten Arie, auf großem Niveau und vor allem unangestrengt in der berühmten Wahnsinnsarie. Es ist auch ein Abend des Ensembles in Krefeld. Rafael Bruck nimmt (…) mit seinem bildschönen lyrischen Bariton immer stärker für sich ein. Sein grandioser „Sein oder nicht Sein“-Monolog ist ein Kraftzentrum des Abends. Janet Bartolovas Gertrude fasziniert vor allem durch fantastische Präsenz und darstellerische Autorität, und Matthias Wippich gelingt es, dem machtkranken Claudius mit schnörkellos geführtem, resonantem Bass auch die Dimension eines zweifelnden Menschen zu schenken. (…) Kütson schärft die Kanten dieser Partitur, macht hörbar, wie wenig hier Klangteppich ist, wie viele Orchesterphrasen solistisch dominiert sind, wie Thomas immer wieder neue, ungehörte Klangfarbnuancen erfindet. [Andreas Falentin, concerti.de, 27.11.2017]

    Grandiose Hamlet-Premiere im Stadttheater

    Eine furiose Inszenierung am Stadttheater ließ die Oper „Hamlet“ nicht nur zum Musik-, sondern auch zum Sehgenuss werden. (…) Die Niederrheinischen Sinfoniker unter Leitung von Generalmusikdirektor Mihkel Kütson verleihen der Musik wunderbare Gefühlsintensität. Bariton Rafael Bruck singt den Hamlet, Sophie Witte die Ophelia. Ihre langen Arien in der zweiten Hälfte der Vorstellung feiert das Publikum mit brausendem Zwischenapplaus. (…) Wollte man den dreistündigen Ohren- und Augenschmaus in einem Begriff zusammenfassen, käme nur eine Vokabel in Betracht: grandios. Das Premierenpublikum spendete seinen nicht enden wollenden Beifall zum großen Teil stehend und brachte namentlich Sophie Witte Ovationen dar. [Ernst Müller, Extra Tipp, 27.11.2017]

    Ambroise Thomas, „Hamlet“ in Krefeld

    (…) In Krefeld schien es, als ob sich die junge Sopranistin Sophie Witte ihre ganze Konzentration für diese 20-Minuten-Nummer aufbewahrt hätte, um noch mal ihren Schmerz darüber, dass Hamlet sie nicht heiraten will, in zarte Töne zu legen. Mit großem Zwischenapplaus dankte ihr das Publikum. (…) Neben Ophélies Wahnsinnsarie gehört Rafael Brucks  „Être ou ne pas être“, das „Sein-oder-nicht-Sein“ in Rezitativ-Vertonung zu den Höhepunkten der Oper. Erst immer auf der zweiten Hälfte eines Verses setzt das Orchester auf Hamlets Rede ein, die Kütson mit seinem Orchester sanft auffängt und so die Bedeutung der Worte unterstreicht. (…) Die größte optische Wirkung des Abends geht von den Kostümen aus, die Susanne Hubrich geschneidert hat. (…) Der wesentliche Regieeinfall von Helen Malkowsky war die Einführung eines Narren, der auf der Bühne das Geschehen lenkt. Er ist zugleich die Stimme von Hamlets ermordeten Vaters, der im Libretto nur als Geist anwesend ist, hier aber zu einer wirklichen dramatischen Person ausgeformt ist, von Andrew Nolen mit großer Bühnen- und stimmlichen Präsenz dargeboten. [Richard Lorber, WDR3 Opernblog, 26.11.2017]

    WDR3 Mosaik

    (…) Helen Malkowsky hat sich sehr konzentriert auf diese vier Menschen, also eine klare Geschichte von psychologischen Konflikten erzählt und sie hatte eine ganz großartige Idee und einen ganz großartigen Darsteller: Man sieht den Hamlet immer begleitet von so einer Art Narrenfigur, ein Mensch, den man in den ersten Bildern des Abends eigentlich für einen Tänzer halten würde, und dann stellt sich heraus, es ist Andrew Nolen, der Sänger des Geistes, des Vaters von Hamlet, der als Sänger nur wenige Sätze hat an dem Abend, aber als Figur, als Obsession, als das Problem  zwischen allen immer ungeheuer präsent und anwesend ist und diese Szenen alle aufmischt. Eine ganz tolle Bühnenleistung von Andrew Nolen und eine sehr gute, tragende Idee, die dem Ganzen eine Einheit aber auch immer wieder irritierende Momente, die die Handlung vorantreiben, gibt. Also es ist eine schöne, klare Inszenierung, die Helen Malkowsky da gelungen ist. (…) Die Partien sind enorm anspruchsvoll und die Oper ist komplett aus dem Ensemble heraus besetzt worden, also ein kleiner Triumph des Ensembletheaters muss man sagen. Sophie Witte ist die Ophelia. Sie macht das brillant. Sehr eindrucksvoll ist Rafael Bruck in der Titelpartie. Ein junger Bariton, der das auch sehr stark spielt. (…) Und ihm gelingt es wirklich, diesen französischen Mischklang zu treffen. (…) Ich hoffe, dass man ihn noch oft in solchen französischen Partien erleben kann. (…) [Ulrike Gondorf, WDR3 Mosaik, 27.11.2017]

    Hamlet – Opernsternstunde in Krefeld

    (…) Die staatspolitische Situation und die Seelenlage der Opernfiguren sind durch ein geniales Zusammenwirken von Bühne (Hermann Feuchter), Kostüm (Susanne Hubrich), und das darstellerische Talent der Sänger und des Chors (Einstudierung Michael Preiser) so beherzt und ohne aktualisierenden Zierat auf die Bühne gebracht, dass es eine Lust ist, diesem dreistündigen Abend zu folgen. (…) In der Besetzung aber hat das Krefelder Haus eine Idealsituation geschaffen, die die Figuren sängerisch und dramatisch vollständig ausleuchten und brillieren lässt. (…) Helen Malkowsky, ihr Team und das Ensemble haben einen herrlichen Bildersaal voller Spannung und mit gut durchdachter Personenführung geschaffen, der uns gerade deshalb überzeugt, weil er absteht von der Verkündung eines „Konzepts“. Aus der Musik und der dramatischen Gestalt der Oper heraus ermöglicht uns dieser Hamlet eine Begegnung nicht nur wunderbarer Sanges- und Musizierkunst, sondern auch mit uns selbst. [Helmut Krebs, RuhrBühnen, 28.11.2017]

    Wahnsinns-Koloraturen und plausible Personenführung

    Den „Hamlet“ von Ambroise Thomas wird man kaum als im Repertoire verankert bezeichnen wollen. Umso überraschender war die Publikumsreaktion am Theater Krefeld, die Neuproduktion wurde geradezu ekstatisch bejubelt. (…) Titelsänger Rafael Bruck lässt schon von seiner attraktiven Erscheinung her einen labilen romantischen Jüngling erkennen, dessen Passivität nachgerade neurotische Züge aufweist. Die markante Stimme ist hierzu ein Kontrast, aber kein Widerspruch. (…) Mihkel Kütson holt aus den Niederrheinischen Sinfonikern die Opulenz und Farbfantasie von Thomas‘ Musik wirkungsvoll heraus, der Chor (Michael Preiser) erhält zu Recht besondere Ovationen. Sophie Witte (Ophelia) sind offenbar jedwede „Wahnsinns“-Koloraturen abzuverlangen, und sie bezaubert mit fein gesponnenen Piani. Andrew Nolen (Hamlets Vater/Narr) sorgt mit seiner darstellerischen Energie für besondere szenische Spannung. Janet Bartolova bietet ein sehr eindringliches, aristokratisches Portrait der Königin, Matthias Wippich engagiert sich überzeugend für den König Claudius. (…) [Christoph Zimmermann, orpheus, Jan/Feb 2018]

    (…) Ein Erlebnis war Sophie Witte als Ophélie, die sich vor allem in der Wahnsinnsszene mit glasklaren, brillanten Koloraturen hervortat und bei der Premiere lang anhaltenden Szenenapplaus für sich verbuchen konnte, bezaubernd ihr stets präsentes Piano. Rafael Bruck als Hamlet sang mit guter, sicherer Höhe und eher raschem Vibrato. Seinen angenehmen, virilen Bariton führte er sicher durch alle Register. Letzteres ist auch Matthias Wippich als Claudius zu bescheinigen, der mit sonorem Bass einen äußerlich meist würdigen, innerlich aber zerrissenen König gab. Janet Bartolova überzeugte als Königin Gertrude mit einem geschmeidigen, schlanken Brustregister, wobei sie die Gratwanderung zwischen der um Hamlet besorgten Mutter und der Geliebten und neuen Ehefrau des Claudius überzeugend darstellte. Die Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung von Mihkel Kütson musizierten engagiert. Der von Michael Preiser einstudierte Chor stellt die Hofgesellschaft dar. (…) Musikalisch gut vorbereitet, liefern die Sängerinnen und Sänger einen farbigen Hintergrund für diese insgesamt überzeugende und kurzweilige Inszenierung einer leider selten gespielten Oper. (…) [M. Lode-Gerke, Das Opernglas, Januar 2018]

    Flammendes Plädoyer

    (…) Thomas‘ Oper gilt (daher) vor allem als Diven-Futter und ist selten zu sehen. Tatsächlich gibt es dramaturgische Schwächen und Längen, wirkt manches prachtvolle, an Verdis „Don Carlo“ erinnernde Chor-Tableau unmotiviert. Regisseurin Helen Malkowsky gelingt gemeinsam mit dem furios agierenden Mihkel Kütson im Graben dennoch ein flammendes Plädoyer. Mit einem schlichten, aber wirkungsvollen Trick bündelt Malkowsky die problematische Dramaturgie und zieht einen roten Faden höherer Logik ein: Die Stimme des toten Vaters wird zur heimlichen Hauptrolle aufgewertet. (…) Getragen wird der Abend von hoher Binnenspannung, die auch im Graben niemals abfällt. Mihkel Kütson ringt der Partitur ein Maximum an Farben und Emphase ab; die Niederrheinischen Sinfoniker zeigen sich in Bestform, einige Bläsersoli sind formidabel. Die Sängerleistungen verblüffen umso mehr, als sämtliche Partien aus dem Ensemble besetzt sind. (…) [Regine Müller, Opernwelt, Januar 2018]

    Parabel über die Narrheit der Macht

    (…) Szenisch virtuos deutet Helen Malkowsky die düstere Geschichte über Königsmord, unschuldige Opfer, Rache, Angst und Wahnsinn als eine Parabel über die Narrheit und Vergeblichkeit der Macht. (…) Sophie Witte als beste Stimme des Krefelder Opernabends zeigt alles andere als einen fragilen Sopran. Sie stützt sicher, agiert mit dem klanglichen Kern, schattiert von anrührender Leichtigkeit bis erfülltem dramatischem Impetus und trägt die Phrasierung unverbrüchlich auf dem Atem. (…) Im intensiven Spiel und den Farben seiner kühlen, in den exorbitanten Höhen der Partie überaus geforderten Stimme zeigt Rafael Bruck, wie ihn der Zwiespalt innerlich zerreißt. (…) Bruck kann auch in seiner Körpersprache mit schauspielerischer Bravour ausdrücken, was in der Seele Hamlets vorgeht. (…) Mit den Niederrheinischen Symphonikern setzt GMD Mihkel Kütson weniger auf die elegante Seite der Musik von Ambroise Thomas, sondern schärft die expressiven Kanten. Das bedeutet auch die Sänger gefährdende Wucht aus dem Graben, ist aber ein Gewinn: Zupackend musiziert, ist die Klangsprache aus schönfärbendem Lyrismus befreit. (…) [Werner Häußner, revierpassagen,  26. Dezember 2017]

    Der Preis der Macht

    (…) Dies ist nur eine der Lehren aus Helen Malkowskys Inszenierung von Ambroise Thomas‘ selten gespielter Oper „Hamlet“, für die sie immer wieder symbolträchtige Bilder findet. (…) Auf der leicht angeschrägten und nur mit wenigen Requisiten gegliederten Bühne spielt sich im Theater Krefeld ein veritables Drama um Macht und Rache ab, sparsam, aber punktgenau inszeniert, mit großen Ensembleszenen und ausgezeichneten Solisten. (…) Das wirklich herausragende an dieser Inszenierung ist die Tatsache, dass sie komplett mit hauseigenen Kräften besetzt ist. (…) Insgesamt ist dies ein ebenso spannender wie lohnender Opernabend. [Guido Krawinkel, Oper & Tanz, Januar 2018]

    Hamlet

    (…) Eine Hamlet-Produktion erleben zu können, ist ein Glücksfall, vor allem wenn sie, wie diese hier, Cäsar gibt was Cäsar gebührt, nämlich Shakespeare seinen dänischen Prinz. Weit entfernt von den entblößten Extravaganzen, die mich das Werk in Brüssel von einer willkürlich abartigen Seite haben sehen lassen, zeichnet Helen Malkowsky in Krefeld für eine sicher weniger spektakuläre Schick-und-Schock-Fassung, dafür aber viel schlüssigere Arbeit verantwortlich. Darüber täuscht sich das Publikum nicht, das ihr zurecht rauschenden Beifall spendet. (…) Die kleine Welt von Elsenor wird von einer Mannschaft meist junger Sänger verkörpert, von denen einige im Ensemble des hauseigenen Opernstudios ausgebildet werden. Das einnehmende, blechbläserähnliche Kupfertimbre des Bassbaritons Alexander Kalina gibt seinem Horatio eine sichere Klangemission und zufriedenstellende Tragfähigkeit. Als strahlender und nuancierter tenorino berührt Kairschan Scholdybajew als führungsstarker Marcellus das Publikum. Carlos Moreno Pelizari verleiht dem Laërte einen leichteren Tenor und Matthias Wippich zeigt eine raffiniert gebrochene Klangfarbe, die perfekt zum feigen Claudius passt. Großartig gesungen von Eva-Maria Günschmann, die eine reiche stimmliche Farbpalette besitzt, prägt Gertrude die Vorstellung mit starker Präsenz. Der junge Rafael Bruck verfügt über eine geschmeidige Phrasierungskunst sowie Leichtigkeit in der Höhe, und er wirkt zugleich männlich und zärtlich: er gibt einen lyrischen Hamlet, abwechselnd streitsüchtig und sanft, stets im Zustand der Revolte. Schließlich ist da noch der Geist, der auch der Narr ist, den die Oper nicht vorsieht … eine lächerliche rote Mütze krönt den kraftvollen nackten Oberkörper dieses außergewöhnlichen Tänzer-Sängers – faszinierend Anrew Nolen mit großen stimmlichen Mitteln. Die Sängerinnen und Sänger des Theaterchors Krefeld/Mönchengladbach, geleitet von Michael Preiser, überraschen mit der erreichten stilistischen Glaubwürdigkeit. [ANACLASE.com, Dezember 2017; Übersetzung aus dem Französischen von Sabine Wehr-Zeller]