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Lohengrin

Lohengrin

Romantische Oper in drei Aufzügen von Richard Wagner
Musikalische Leitung Mihkel Kütson, Inszenierung Robert Lehmeier, Bühne Tom Musch, Kostüme Ingeborg Bernerth, Choreinstudierung Maria Benyumova, Dramaturgie Andreas Wendholz

„Graf Telramund beschuldigt Elsa von Brabant, ihren Bruder Gottfried ermordet zu haben, um nach dem Tod des Vaters selbst Herrscherin des Landes zu werden. König Heinrich I. ordnet ein Gottesgericht an: Ein Zweikampf zwischen Telramund – der ebenfalls die Krone Brabants für sich beansprucht – und einem Vertreter Elsas soll über deren Schuld oder Unschuld entscheiden.

Da erscheint ein geheimnisvoller Schwanenritter, der sich dem Kampf stellen und dafür Elsa zur Ehefrau bekommen will. Alles scheint sich zum Guten zu wenden, vor allem, als der unbekannte Ritter Graf Telramund besiegt und ihre Hochzeit Elsas Glück vollkommen macht … Wäre da nicht das berühmt gewordene Verbot des Ritters, ihn nie nach seinem Namen und seiner Herkunft zu fragen: „Nie sollst du mich befragen.“ In der Hochzeitsnacht bricht Elsa, durch die Einflüsterungen von Telramunds Frau Ortrud misstrauisch geworden, ihr Versprechen und stellt die verbotene Frage. Der Ritter gibt sich als Lohengrin, Sohn des Gralshüters Parzival und ebenfalls Gralsritter, zu erkennen und ist auf immer für Elsa verloren.

Der märchenhafte Stoff vom Schwanenritter und der Jungfrau von Brabant, den Wagner – aus verschiedenen Quellen gespeist – zu einem dreiaktigen Textbuch verarbeitet hat, ist gleichnishaft auch heute noch hochaktuell. Die berühmte Geschichte schildert den Kampf um Macht, archaische und domestizierte Formen von Spiritualität, zwischenmenschliches Vertrauen, die Gier nach Gewissheit und Transparenz und die Sehnsucht nach Erlösung.

Wagners letzte Oper im herkömmlich romantischen Stil, bevor er sich der Konzeption und Umsetzung seines Musikdramas widmete, das im Ring des Nibelungen münden sollte, wurde 1850 in Weimar unter der Leitung von Franz Liszt uraufgeführt. Richard Wagner selbst, der sich wegen seiner Teilnahme an der 1848er Revolution im Schweizer Exil aufhalten musste, konnte ihren Erfolg nur aus der Ferne beobachten und Lohengrin erst elf Jahre später erstmals erleben.

  • Pressestimmen

    Ein Wagnerwunder hat sich am Niederrhein ereignet

    (…) Unglaubliche Qualität in Musik und Gesang! Erst einmal traut man seinen Ohren kaum. Holla, was ist denn das für ein hehrer Wagnerklang, der da aus einem Orchestergraben in der „Provinz“ strömt? Goldenes Blech, als wären wir in Bayreuth oder Salzburg. (…) So entsteht ein herrlicher, so selten gehörter wunderbarer Wagnerklang. Die originalen Königstrompeten z.B. wurden per Jet extra aus Bayreuth eingeflogen. Es hat sich gelohnt! (…) Für die Monsterrolle des Lohengrin hat man den großen aufstrebenden Wagner-Tenor Peter Wedd engagiert. Eine weitere lohnende Investition, denn Wedd ist noch unverbraucht und auch mit der nötigen lyrischen Emphase für diese Rolle ausgestattet. (…) Alle sonstigen Partien werden nämlich unglaublicher Weise aus den eigenen Reihen besetzt. Und was die Sänger gestern bei der Premiere leisteten, war der blanke Wagner-Wahnsinn.

    Wer hätte gedacht, dass Izabela Matula (Elsa), der bezirzende und bewährte Sangesstar im Niederrheinischen Ensemble auch noch solches internationales Wagner Format hat. (…) Diese grandiose und vielfältige Sängerin ist ein Juwel!! Grandios auch Eva Maria Günschmann, sie schaffte die Höllenpartie der Ortrud mit respektablem Einsatz und großer darstellerischer Überzeugungskraft; Johannes Schwärsky (Friedrich von Telramund) hat nicht nur den Rezensenten, sondern auch das vielfach wagner-erfahrene Premierenpublikum förmlich aus den sprichwörtlichen Socken gerissen. Ebenso vom Stuhl gehauen wurden wir durch die exzellente Sanges-Leistung von Matthias Wippich (als junger König Heinrich). (…)  Daß auch die sogenannten Comprimarii glänzend präsent waren (selten hörte ich einen so gut artikulierenden Heerrufer, Raffael Bruck), ist ein Glücksfall für diesen Sterneabend. Chor und Extrachor sangen auf absolutem Bayreuth-Niveau; Chorleiterin Maria Benyumova hat hier in Vorbereitung und Koordination ganz Großes geleistet. (…) [Peter Bilsing, Der Opernfreund, 16.4.2017]

    Die Musik triumphiert über die Regie

    (…) Von den überirdisch anmutenden Klängen des Vorspiels bis zum dramatischen Schluss leisten die Niederrheinischen Sinfoniker unter ihrem Generalmusikdirektor Mihkel Kütson Großartiges. Sensibel und kraftvoll, differenziert und klar entfaltet sich ein sorgfältig gewebter Klangteppich, der den Zauber und die Dramatik dieser Musik wunderbar zum Ausdruck bringt. Auf gleichem Niveau und mit großem Klangvolumen agiert der auf 73 Personen aufgestockte Chor. Im Zusammenspiel mit dem Orchester entstehen so außergewöhnliche Hörerlebnisse. Die Musik trägt auch das großartige Sängerensemble, das selbst bei den lauten Stellen nie überdeckt wird.

    Peter Wedd, der als Gast die Titelpartie mit Bravour verkörpert, erfüllt mit seinem hell strahlenden Tenor gesanglich alle Anforderungen und ist auch optisch ein idealer Wagnerheld. Alle weiteren Rollen sind vom Haus besetzt. Als Elsa glänzt Izabela Matula mit ihrem warm und sinnlich klingenden Sopran und intensivem Spiel. Der dunkle Charakter Telramunds spiegelt sich in der kraftvollen Stimme von Johannes Schwärsky perfekt wider, auch darstellerisch überzeugt der Sänger wieder sehr. Eva Maria Günschmann bewältigt die mörderische Partie der Ortrud eindrucksvoll, bleibt aber darstellerisch auf stereotype Bewegungen festgelegt. Dass sie in Kostüme von Jackie Kennedy gekleidet ist, erleichtert die Interpretation so einer komplexen Rolle eher nicht. (…) [Michaela Plattenteich, Westdeutsche Zeitung, 18.4.2017]

    Die Wagner-Debütanten von Krefeld

    (…) Generalmusikdirektor Mihkel Kütson folgte dem detailreichen Bauplan Richard Wagners und schattierte den Klang nuancenreich: groß, größer, bombastisch, aber gerade auch in den leisen Passagen gewillt, Farbnuancen auszutarieren. Da wehte nicht nur mit den originale Königtrompeten, die durch ihren langen schlanken Hals einen majestätisch-scharfen Ton setzen, auch ein kleiner Hauch Bayreuth durchs Parkett. (…) Der Engländer Peter Wedd wird als bester Heldentenor gefeiert, den Großbritannien derzeit zu bieten hat. Als Lohengrin glänzte er mit Kraft und Ausdruck. In zwei Aufführungen wird Haus-Tenor Michael Siemon die Titelpartie übernehmen. Dann sind alle Rollen fest in Krefelder Hand. Und das kann sich hören lassen.

    Izabela Matula singt betörend schön. Sie ist eine sehr mädchenhafte Elsa im bodenlangen Blumenkleid (Kostüme: Ingeborg Bernerth). (…) Johannes Schwärsky – immer eine Bank für stattliche Bariton-Aufgaben – hat hier Raum zum Strahlen und um alle Asse aus dem Ärmel seines Businesshemdes zu zücken. Gemeinsam Eva Maria Günschmann (Ortrud) verkörpert er die dunkle, gierige Seite der Macht. Dabei ist er weitaus weniger unterkühlt als Gattin Ortrud: Günschmann ist eine eiskalte Lady im Chanel-Kostümchen, in deren Hand selbst die Couture-Handtasche zur Waffe werden kann. (…) Aber auch in kleineren Partien war viel Glanz zu hören. Matthias Wippich als kerniger König Heinrich war mit seinem gepflegten Bass auch ohne Übertitel immer verständlich. Zu den großen Gewinnern des Abends gehört auch Rafael Bruck, der die Partie des königlichen Heerrufers so warmtönend und innig zu einem Ereignis machte. (…) [Petra Diederichs, Rheinische Post, 18.4.2017]

    Lohengrin im Glitzerfummel

    (…) Lehmeier inszeniert Wagners Oper nicht als deutsche Heldensage, sondern in der Wirklichkeit eines heutigen Machtzentrums: Man trägt Business-Anzug, sitzt um einen Konferenztisch, und wenn der Chef spricht, ist Ruhe im Karton. (…) Die Welt ist eine autokratische, sei sie nun säkular oder gottgesandt. Das arbeiten Lehmeier und sein Team so stringent heraus wie die Konsequenz: dass nämlich Liebe da gar keine Chance hat. Keine Hoffnung, nirgends. (…) Mit Peter Wedd hat das Zweistädtetheater einen ansehnlichen, äußerst anhörbaren Wagner-Tenor eingekauft, dessen Strahlkraft bis über die Gralserzählung hinaus ungebrochen bleibt. Man darf auch von süßen Zwischentönen schwärmen und einer Bühnenpräsenz, die darüber hinaus das gesamte Haus-Ensemble auszeichnet. Izabela Matula ist eine Elsa voller Schönklang und Emotion, ihr Rollendebüt begeistert. Johannes Schwärsky gibt einen diabolischen Telramund, Matthias Wippich einen leicht verzärtelten König Heinrich. Eine exzellente Leistung liefert der Opernchor ab. Spielfreude auf der ganzen Linie, auch im Graben, wo Mihkel Kütson mit den Niederrheinischen Sinfonikern nicht gerade Wagner-vertraut, aber sängerdienlich waltet. Der fulminante Premierenapplaus würdigt die außerordentliche Kraftanstrengung des Hauses. [Armin Kaumanns, Rheinische Post, 18.4.2017]

    Wunder aus Glanz und Wonne

    Wenn der neue Lohengrin im Theater Krefeld als ein Höhepunkt der laufenden Saison in der reich bestückten rheinischen Theaterlandschaft gewertet werden kann, dann zielt das Lob auf die vorbildliche musikalische Leitung und Ensemblepflege des Hauses ab. Womit das Theater Krefeld Mönchengladbach eindrucksvoll seine Existenzberechtigung als Kaderschmiede großer Talente untermauert. Einen Lohengrin von solch musikalischer Qualität nahezu ausschließlich mit eigenen Kräften besetzen zu können, davon darf manches größere Haus an Rhein und Ruhr nur träumen. (…) Generalmusikdirektor Mihkel Kütson bevorzugt zügige Tempi, gibt den Musikern aber genügend Zeit, um den Orchesterklang farbig und leuchtend ertönen zu lassen. Bereits das Vorspiel zeugt vom Klangbewusstsein des Dirigenten und der Qualität der tüchtigen Niederrheinischen Symphoniker. Beeindruckend der von Maria Benyumova einstudierte Chor und Extrachor des Gemeinschaftstheaters. Erstaunlich, wie sicher sich der Chor angesichts der vertrackten Partie behauptet. Und das Ensemble bewegt sich auf gleich hohem Niveau. Peter Wedd, der einzige Gast der Produktion, ist ein junger, hoch talentierter Tenor, der die Titelpartie mit strahlender Frische und viel Glanz erfüllt. Ein Sänger, dem es gegönnt wäre, sich langsam entwickeln zu können und sich angesichts seiner Qualitäten nicht zu früh von verlockenden und schädlichen Angeboten verleiten zu lassen. Das mit vollem Einsatz agierende Ensemble besticht durch seine jugendliche Ausstrahlung und seine unverbrauchten stimmlichen Kapazitäten. Izabela Matula verleiht der Elsa mit ihrem glockenklaren Sopran eine mädchenhafte Unschuld, die selten anzutreffen ist. Eva Maria Günschmann wächst als Ortrud über sich hinaus und verliert auch in den exaltiertesten Passagen der „höchstdramatischen“ Rolle nicht die Kontrolle über ihre große und intakte Stimme. Johannes Schwärsky überzeugt als Friedrich mit einer intensiven Rollenstudie. Adäquat realisiert Matthias Wippich die nicht ganz so dankbare Rolle des Königs Heinrich und Rafael Bruck wertet die Rolle des Heerrufers mit seinem kerngesunden, wohlklingenden Bariton merklich auf. Begeisterter Beifall des Premierenpublikums für einen Lohengrin, auf dessen musikalische Meriten das Haus stolz sein darf. (…) [Pedro Obiera, O-Ton, 18.4.2017]

    Am Premierenende wahrer Begeisterungstaumel. Man meinte förmlich zu spüren, dass die Besucher das Wagner-Defizit der jüngeren Vergangenheit am Gemeinschaftstheater Krefeld/Mönchengladbach durchlitten haben müssen. (…) Dem König verleiht Matthias Wippich mit seinem höhenstarken Bass autoritative Züge. Johannes Schwärsky gibt einen rundum bühnenfüllenden, emotional starken Telramund mit baritonaler Cholerik. (…) Izabela Matula gibt mit ihrer jugendlich-dramatischen, in der Höhe regelrecht lodernden Stimme der Elsa höchste Inbrunst mit. In der Titelpartie: Peter Wedd. Der britische Tenor absolviert(e) Auftritte an vielen Bühnen Englands. In Krefeld beweist er immer noch hohe vokale Geschmeidigkeit, bietet aber auch enorme tenorale Muskelkraft. Angenehm schlanke Erscheinung, impulsive Darstellung. (…) [Christoph Zimmermann, Der neue Merker, 17.4.2017]

    „Gral Gesandter scheitert in irdischem Streit“

    (…) Die große Spannung der Krefelder Lohengrin Inszenierung entsteht immer wieder aus dem griffigen Gegensatz von sphärischer Mystik zu irdisch profanem Treiben. Die wunderbare Komposition, starke Stimmen und große Bühnenpräsenz der Solisten (Lohengrins „In fernem Land, unnahbar euren Schritten“ ist ein glanzvoller Höhepunkt des Abends) und des Chores (Maria Benyumova) machen diesen Lohengrin zu einem besonderen kulturellen Ereignis am Niederrhein. Die Niederrheinischen Sinfoniker unter Mihkel Kütson, ohne große Krefelder Wagner-Tradition, verzaubern durch farbenreiche Klänge großer Romantik, auch patzte kein Trompeter im Hochzeitsmarsch. Wie sagte in der Premierenfeier ein Solist: „Einen ähnlichen Beifallsturm hat es in Krefeld seit Jahren nicht mehr gegeben.„ [Viktor Jarosch, ioco.de, 21.4.2017]

    (…) Peter Wedd, der einzige Gast, ist ein junger, hochtalentierter Tenor, der die Titelpartie mit strahlender Frische und viel Glanz erfüllt. Das mit vollem Einsatz agierende Ensemble besticht durch seine jugendliche Ausstrahlung und seine unverbrauchten stimmlichen Kapazitäten. Izabela Matula verleiht der Elsa mit ihrem glockenklaren Sopran eine mädchenhafte Unschuld, die selten anzutreffen ist. Eva Maria Günschmann wächst als Ortrud über sich hinaus und verliert auch in den exaltiertesten Passagen der „höchstdramatischen“ Rolle nicht die Kontrolle über ihre große und intakte Stimme. Johannes Schwärsky überzeugt als Friedrich mit einer intensiven Rollenstudie [Pedro Obiera, Westfälischer Anzeiger, 27.4.2017]