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Mondlicht und Magnolien

Mondlicht und Magnolien

Komödie von Ron Hutchinson (*1947) Deutsch von Katharina Abt und Daniel Karasek
Inszenierung Franziska Marie Gramss, Bühne Lydia Merkel, Bühne Rina Rosenberg, Kostüme Petra Wilke, Dramaturgie Martin Vöhringer

„Würg.“ – Würg? David O. Selznick denkt, er hat sich verhört. Da fragt er seinen neuen Drehbuchautor, wie er Vom Winde verweht findet, und der antwortet: „Würg.“ Schlimmer noch, der Mann hat das Buch gar nicht gelesen, sondern gerade mal die erste Seite. Eine Seite von diesem Welterfolg! Aber Hecht gilt 1939 als bester Drehbuchschreiber Hollywoods, und Produzent Selznick ist ohne ihn verloren. Denn das vorhandene Drehbuch zu Vom Winde verweht ist eine Katastrophe, der bisherige Regisseur gefeuert, die Dreharbeiten unterbrochen und mit jedem weiteren Tag verliert Selznick 50.000 Dollar! Wenn er nicht in fünf Tagen mit neuem Drehbuch und neuem Regisseur loslegen kann, ist sein Studio ruiniert. Er unterbreitet Hecht ein Angebot, das dieser nicht ausschlagen kann. Aber ein Schmöker von 1037 Seiten und nur fünf Tage Zeit? Selznick beschließt, die Sache abzukürzen: Er lässt die Jalousien herunter, ordert bei Miss Poppenghul, seiner Sekretärin, Bananen und Erdnüsse und schließt sich mit Hecht und Victor Fleming, dem neuen Regisseur, in seinem Büro ein: Kapitel für Kapitel spielen sie dem widerborstigen Hecht das leidenschaftliche Südstaatenepos vor und schlüpfen dabei temporeich in die Rollen von Scarlett O’Hara, Rhett Butler, Melanie Hamilton, Ashley Wilkes und, und, und. – Drei Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Ron Hutchinsons übermütige Komödie Mondlicht und Magnolien wurde 2004 in Chicago uraufgeführt. Sie ist eine Hommage an die Traumfabrik, in der ebensoviel ‚Traum’ wie ‚Fabrik’ aufscheint, und nebenbei auch eine gelungene satirische Auseinandersetzung mit Margaret Mitchells 1936 erschienenem Millionenerfolg und den rassistischen Stereotypen, die das Buch wie den Film durchziehen. Und nicht zuletzt eine knallkomische Studie über Männer im Stress.

Besetzung

In einzelnen Vorstellung kann die Besetzung varieren

  • Pressestimmen

    Trotz des Irrsins wird am Ende alles gut

    Die Premiere im ausverkauften Theater-Studio war umwerfend. Das Publikum erlebte ein schnelles Spiel – voller Witz und prächtiger Pointen. Es gab auch menschliche Dramen. Aber die Freundschaft siegt.

    Manchmal sind es die ganz kleinen Dinge, die ganz große Freude bereiten. Wie die Bananenschalen, die nach dem zweiten Umbau den Kronleuchter und das linke Ohr der Porzellan-Dogge zieren. Da ist bis ins Detail gedacht – und umgesetzt worden. Zur Erheiterung der Zuschauer. Die haben im ausverkauften Studio des Theaters die Premiere der Komödie „Mondlicht und Magnolien“ erlebt, sie waren ganz nah dran an dem Geschehen auf der Bühne, auf der drei bis zum Wahnsinn gestresste Künstler versuchen, zu retten, was zu retten ist. […]

    Paul Steinbach gibt den Produzenten mit vielen herrlichen Ticks, schlecht kaschierten Minderwertigkeitskomplexen und dem ständigen mühevollen Streben nach autoritärer Ausstrahlung […]. Er hat den Autoren Ben Hecht (Adrian Linke) und den Regisseur Victor Fleming (Christopher Wintgens) in seinem völlig überladenen Büro eingeschlossen, lässt sie von seiner Sekretärin Miss Poppenghul (Eva Spott) ausschließlich mit Bananen und Erdnüssen versorgen und treibt sich selbst und die beiden anderen Männer nahezu in den eigentlich unvermeidlichen Nervenzusammenbruch.

    Das Spiel ist schnell, voller Witz und prächtiger Pointen. Selznik und Fleming spielen Hecht die Szenen aus dem Südstaaten-Schmöker vor, dieser hämmert sie in die alte Schreibmaschine. […]

    In dem Stück treffen Komik und Tragik aufeinander, dass es scheppert. Das Publikum hat viel zu lachen, aber die menschlichen Dramen, die mitschwingen, lassen von Zeit zu Zeit innehalten. Die Geschichte hat durchaus politische und moralische Botschaften – es geht auch um Rassismus, um bedrohte Existenzen und um Freundschaft. […] Großartig!

    [Rheinische Post, 25. Oktober 2016]

     

    Das Publikum feiert drei wunderbare Charakterstudien

    Hutchinsons „Mondlicht und Magnolien“ in der Regie von Franziska Marie Gramss hatte in der Fabrik Heeder Premiere.

    Gestoppte Dreharbeiten, ein gefeuerter Regisseur und ein unbrauchbares Drehbuch. Für Selznick (Paul Steinbach) steht alles auf dem Spiel, so dass er zu einer drastischen Maßnahme greift. Gemeinsam mit Hecht (Adrian Linke) und dem neu engagierten Regisseur Viktor Fleming (Christopher Wintgens) schließt er sich in seinem Büro ein, um innerhalb von fünf Tagen ein neues Drehbuch zu schaffen. Diese Extremsituation bietet viel theatralischen Stoff. Die verworrene Filmhandlung wird improvisiert nachgespielt, es wird bis zur Erschöpfung gearbeitet. […]
    Dass das alles nicht aus der Balance gerät oder zu schablonenhaft wird, ist der Regisseurin Franziska Marie Gramss zu verdanken. Mit rhythmischer Musik, plötzlichem Stimmungswechsel, so wie den karikaturhaften Masken der Darsteller setzt sie immer wieder Zäsuren, die das Schräge und Irrwitzige des Stücks betonen. Das Ergebnis ihrer differenzierten Personenregie sind drei wunderbare Charakterstudien, mit denen das Männertrio, allen voran Paul Steinbach als gehetzter und despotischer Produzent, den Abend trägt. […]
    Das Publikum feierte Darsteller und Regieteam mit begeistertem Applaus.

    [WESTDEUTSCHE ZEITUNG, 7. SEPTEMBER 2015]