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Nabucco

Nabucco

Oper von Giuseppe Verdi - italienisch mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Diego Martin-Etxebarria, Inszenierung Roman Hovenbitzer, Bühne Roy Spahn, Kostüme Magali Gerberon, Choreinstudierung Michael Preiser, Dramaturgie Ulrike Aistleitner

Vor 176 Jahren wurde Giuseppe Verdis Freiheitsoper Nabucco uraufgeführt. Der berühmte Chor Va pensiero… (Flieg, Gedanke…) wurde rasch zur inoffiziellen Hymne Italiens und bewegt die Menschen wie eh und je. Neben diesem musikalischen Höhepunkt enthält Verdis Frühwerk eine Fülle weiterer mitreißender Arien, Duette und Ensembles sowie eine packende Handlung:

Der babylonische König Nabucco ist von Macht besessen. Doch als er sich – nach seinem räuberischen Sieg über die Israeliten größenwahnsinnig geworden – selbst zum Gott krönen will, wird er vom Blitz getroffen und verfällt dem Wahnsinn. Seine ältere Tochter Abigaille wittert ihre Chance und besteigt unrechtmäßig den Thron, denn sie ist nur das Kind einer Sklavin. Ihrer jüngeren Schwester Fenena, die aus Liebe zu Ismaele zum Judentum konvertiert ist, steht die Herrschaft zu. Damit wird sie gleichsam doppelt zu Abigailles Erzfeindin, die einst auch um Ismaeles Zuneigung buhlte – jedoch vergeblich. Abigaille will Fenena und mit ihr das ganze hebräische Volk nun endgültig vernichten.

Von Abigaille in den Kerker geworfen, gelangt der verwirrte Nabucco schließlich wieder zu Verstand und erkennt seinen Frevel. Als er von der drohenden Hinrichtung Fenenas erfährt, wendet er sich verzweifelt flehend an den israelischen Gott Jehova, um die geliebte Tochter vor dem Tod noch bewahren zu können. Sein Bitten wird erhört und Nabucco kann sich aus seiner Gefangenschaft befreien. In letzter Sekunde gelingt es ihm, das Schicksal seiner Tochter und das des israelischen Volkes zum Guten zu wenden.

Nabucco ist ein hochdramatisches Wechselbad der Gefühle, in dem es letztlich um den Sieg von Liebe und Freiheit über Machtgier, Intrigen und Zerstörung geht. Giuseppe Verdis Musik akzentuiert in genialer Weise die dramatische, politische Handlung und übersetzt die emotionalen Höhen und Tiefen in unvergleichliche Klangmalereien.

Leitmotivisch zieht sich das Lied der Freiheit des Gefangenenchors durch die Komposition: „Flieg, Gedanke, auf goldenen Flügeln, flieg, Gedanke, Du darfst nicht verweilen!“ wurde vom italienischen Volk des 19. Jahrhunderts zur Hymne des Freiheitskampfes gekürt und zeugt auch im 21. Jahrhundert noch immer von hoher Aktualität.

  • Pressestimmen

    „Nabucco“ mit wuchtiger Dramatik und intimen Momenten

    (…) Hovenbitzers Insznierung für das Theater Krefeld-Mönchengladbach ist von packender Intensität. (…) Das Ensemble gestaltet Szenen von wuchtiger Dramatik, erzählerischer Dichte und intime Momente. (…) Johannes Schwärsky ist ein großartiger Nabucco. Er besticht mit kraftvoller Stimme, Präsenz und wunderbaren Nuancen. In Gesang und Darstellung verkörpert er brillant Machtstreben, Wahnsinn und die Genesung des Nabucco an Leib und Seele. (…) Am Premierenabend strahlt Matthias Wippich in der Rolle des Zaccaria ernste Autorität und Kampfgeist aus. Eindringlich gestaltet er die Motivation an die Gefangenen. Lydia Easley gibt die Abigaille als facettenreiche Frau mit Kalkül und Machtstreben, aber auch kurzen Momenten voll berührender Emotion. Sie glänzt im Belcanto, legt in ihre wunderbare Stimme kämpferische Kraft wie auch den innigen Ausdruck von Traurigkeit. Eva Maria Günschmann ist eine ausdrucksstarke Fenena.(…) Die Oper endet mit der Vision des Verzeihens. Die Premierenbesucher dankten mit langem, begeistertem Beifall. [Angela Wilms-Adrians, Rheinische Post, 25.6.2018]

     

    Göttlicher Wahn

    Der Bariton Johannes Schwärsky spielt hier als Nabucco die Rolle seines Lebens. Das hätte an der Wiener Staatsoper nicht besser funktionieren können. Textverständlich bringt er glaubhaft auf die Bühne, was eigentlich nicht geht: Der ständige Wechsel zwischen gottgläubigem, gottgleichem, verzweifeltem und was nicht noch alles König gelingt ihm, dass es unter die Haut geht. (…) Was aber ist mit dem Chor? Dem Gefangenenchor, auf den alles hinausläuft? Michael Preiser ist es hier wirklich gelungen, eine sehr eigene Fassung von Va, pensiero zu schaffen. Der Chorleiter verzichtet weitgehend auf das Kämpferische, sondern schafft eher eine poetische Version im Klangbild. Die ganz großen Ausbrüche bleiben aus, dafür hält das Zarte, Zerbrechliche Einzug. Aber auch, wenn die Gänsehaut ausbleibt, hat das Ganze einen wirklich eigenen Klang, der den Text eindringlicher darbietet als den Effekt. Man könnte so sagen: Es geht mehr unter als auf die Haut. (…) Hovenbitzer hat mit seinem Team alles richtig gemacht und alles in allem eine Repertoire-Vorstellung geschaffen, die in Mönchengladbach und Krefeld noch viel Aufmerksamkeit erlangen wird. [Michael S. Zerban, O-Ton, 25.6.2018]

     

    Ausrufezeichen am Schluss

    Roman Hovenbitzer fand für seine Inszenierung am Theater Krefeld und Mönchengladbach in dieser Hinsicht hervorragende Bedingungen vor. Johannes Schwärsky ist ein Titelheld aus dem Bilderbuch. Glaubhaft gestaltet er mit Stimme und Körper den raumverdrängenden gelernten Herrscher, der für seine Hybris gestraft wird  –  hier mit einem Schlaganfall  – und am Ende doch wieder zu sich kommt. Dabei bewahrt Schwärsky seiner Figur bei aller brutalen Orientierungslosigkeit eine große, sympathische Ausstrahlung. Und sein Bariton klingt resonant und schön. Dazu ist ihm Lydia Easley als ungeliebte, putschende Tochter Abigaille eine gleichwertige Partnerin. Auch sie ist mit großer Bühnenpräsenz gesegnet und bekommt die eigentlich unsingbare Partie scheinbar mühelos in den Griff, verbindet  faszinierend muskelhart hochdramatische mit mädchenhaften Farben. Dazu sind Kairschan Scholdybajew, seit 19 Jahren am Haus und immer noch ein großer Stilist, und Eva Maria Günschmann ein berührendes Liebespaar. Und Diego Martin-Etxeberria, seit dieser Spielzeit Erster Kapellmeister in Krefeld und Mönchengladbach, präsentiert eine organische, theaterzugewandte Tempodramaturgie und trägt die Sänger. Dazu ist der Chor in Bestform, klingt hier transparent, da gewaltig, wo es gefordert ist, präsentiert sich spielfreudig, und zwar nicht als Masse, sondern wahrnehmbar als Gruppe künstlerischer Persönlichkeiten. [Andreas Falentin, Die deutsche Bühne, 25. 6. 2018]

     

    „All wars start at home“

    (…) Johannes Schwärsky als Nabucco, Oberhaupt der zerstrittenen Großfamilie, die tragende Partie der Komposition wie der Inszenierung. In langem braunem Ledermantel mit Pelzkragen entwickelt Schwärsky mit bleibend kraftvollen, schwerem Bassbariton die große Partie des Nabucco; auch darstellerisch stets präsent: Die Wandel vom aggressiven Machtmensch zum verwirrten menschlichen Wrack und letztlich zum verzeihenden, geläuterten Wesen. Doch auch die weiteren großen Partien der Premiere sind ansprechend besetzt: Kairschan Scholdybajew mit hellem Tenor als Ismaele und Lydia Easley mit dramatischem Sopran als Abigaille und Eva Maria Günschmann mit eher lyrischem Timbre als Fenena runden der Produktion mit wohlklingendem und farbenreichem Ausdruck ab. (…) Hovenbitzers moderne Interpretation zu Verdis Nabucco in ihren vielen choreographischen Facetten die Jetztzeit realistisch abbildend, besitzt großen Charme, ergriff das Publikum. Diego Martin-Etxebarria, die Niederrheinischen Sinfoniker, Johannes Schwärsky als Nabucco und Matthias Wippich als Zaccaria und das starke Ensemble wurden vom Publikum lebhaft gefeiert. (…) Einhellige, begeisterte Zustimmung. [Viktor Jarosch, ioco, 26.6.2018]