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Nachtvariationen (UA) / Für meine Tochter / Boléro

Nachtvariationen (UA) / Für meine Tochter / Boléro

Ballettabend von Robert North / Musik von André Parfenov, Leoš Janáček und Maurice Ravel
Choreografie Robert North, Choreografie-Assistenz Sheri Cook, Bühne und Kostüme Udo Hesse, Bühne und Kostüme Andrew Storer, Kostüme Luisa Spinatelli, Dramaturgie Regina Härtling, Am Flügel André Parfenov

///////// In diesem Abend möchte Ballettdirektor Robert North sein Publikum wieder mit einer Novität überraschen, komplettiert mit zwei Choreografien aus seinem großen Repertoire.
///////// Ausgehend vom Thema der Goldberg-Variationen von J. S. Bach komponierte André Parfenov einen eigenen Zyklus von Klaviervariationen, zu dem Ballettdirektor Robert North seine neue Choreografie „Nachtvariationen“ über Traumerlebnisse eines jungen Mannes kreiert und als Uraufführung präsentiert.
In allen Vorstellungen wird André Parfenov seine Musik live am Flügel darbieten.
///////// Mit der Choreografie „Für meine Tochter“ widmet sich Robert North dem Komponisten Léoš Janáček, der einen furchtbaren Schicksalsschlag verkraften musste: den Tod seiner 21-jährigen Tochter Olga. Was bleibt, sind Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, an glückliche Tage, an Tage der Krankheit, an ihre erste Liebe. Auf berührende Weise lässt der Choreograf diese Erinnerungen im Tanz aufleben, inspiriert durch die Musik Janáčeks, der in tiefer Heimat- und Naturverbundenheit seine Melodien auch dem Gesang der Vögel ablauschte. Robert North macht sich diese Assoziationen zu eigen und entwickelt eine poetische, choreografische Idee: Zwei Schwalben begleiten das lebensfrohe Mädchen, bis am Fenster eine Eule – Vorbote des nahenden Todes – erscheint und die dramatische Wendung erahnen lässt. „Für meine Tochter“ entstand als Auftragsarbeit für das Dänische Fernsehen, wurde 1983 mit dem Golden Prague Award ausgezeichnet und in den USA für den Emmy nominiert.
Zu dieser Choreografie spielt André Parfenov Musik aus Janáčeks Klavierzyklus Auf verwachsenem Pfade in allen Vorstellungen live.
///////// Abschließend darf sich das Publikum erneut auf Robert Norths „Boléro“ freuen. Nachdem seine tänzerische Interpretation dieser weltberühmten Komposition von Maurice Ravel bereits vor einigen Jahren zu Begeisterungsstürmen führte, kommt sie nun wieder auf den Spielplan. Dabei stellt der „Boléro“, der 1928 mit der Tänzerin Ida Rubinstein uraufgeführt wurde, stets aufs Neue eine Herausforderung an die Choreografie dar. Robert North ließ in seine tänzerische Adaption vielfältige persönliche Assoziationen aus der spanischen Kultur einfließen: „Der Boléro mit seinem einförmigen Rhythmus war ein populärer Tanz, den auch die einfachen Menschen kannten. Ich stelle mir einen großen Platz vor, vielleicht vor einer Kirche – einen Platz zum Beten, Arbeiten und Feiern, einen Platz, der jedem zugänglich ist, wo sich die Menschen zu einem Ritual zusammenfinden.“

  • Pressestimmen

    Von höchster Sprungkraft
    Getanzte Variationen der Träume, intensive Trauerarbeit und ein Bolero, dem sich niemand entziehen kann: Der neue dreiteilige Ballettabend von Robert North fordert die Zuschauer emotional. Das Publikum applaudierte Minuten lang im Stehen nach der Premiere.

    Die Tänzer kommen gebückt auf die Bühne, sie rutschen auf Knien, richten sich auf und sacken zusammen – Maurice Ravels monotoner Eingangsrhythmus wird Bewegung, jeder Schritt ist ein Beat. Die Musik peitscht, die Tänzer wirbeln, springen. Während der „Bolero“ sich zur fulminanten Melodie steigert, wird die tänzerische Energie immer spürbarer – bis zu einem fulminanten Crescendo. (…) Das Publikum springt auf und feiert den neuen dreiteiligen Ballettabend frenetisch. Nie hat man die Compagnie öfter, kraftvoller, höher und schöner springen sehen, als in der Trilogie „Nachtvariationen / Für meine Tochter / Bolero“.
    (…) Den großen Coup gibt es gleich zu Beginn mit der Uraufführung „Nachtvariationen“ – einer kongenialen Kooperation von Ballettchef North mit dem Musiker André Parfenov. Inspiriert von Johann Sebastian Bachs „Goldberg Variationen“ hat Parfenov eigene Variationen komponiert, die den Geist Bachs (…) atmen, ihn aber in eine ganz eigene, moderne Sprache übersetzen. (…) Der Kanon ist ein wichtiges Stilelement Bachs, mit dem auch Parfenov virtuos spielt. Die Tänzer spiegeln das in Schrittwiederholungen und zeitlichen Versetzungen. (…) Vor einem anfangs lichtblauen Bühnenprospekt (Ausstattung: Udo Hesse), auf dem sich Farbspuren zu abstrakten Landschaften formen, ereignen sich nächtliche traum- und Alptraumszenen. (…) Alessandro Borghesani ist der Träumende, Irene van Dijk seine personifizierte Sehnsucht, die ihm durch die Nacht mit den unterschiedlichsten Gestalten folgt. (…) So wird es nach einem emotional aufgeladenen Eröffnungsballett tieftraurig: In „Für meine Tochter“ verarbeitet Leos Janácek musikalisch den Tod seiner einzigen Tochter. (…) Borghesani ist der Vater, in jeder Bewegung liegt bleierner Schmerz. Elisa Rossignoli ist mit ihrer mädchenhaften Anmut die Tochter – ein Wesen aus der Erinnerung, das die Szenen seines Lebens noch einmal durchläuft (…) Großer Jubel für das Ensemble, die Choreografien und für den Komponisten und Interpreten Parfenov.
    [Petra Diederichs, Rheinische Post, 09.04.2018]

    Tänzer sorgen für rauschende Premiere
    Mit stehenden Ovationen honorieren die Zuschauer die Uraufführung „Nachtvariationen“ des dreiteiligen Ballettabends von Robert North.

    (…) André Parfenov, Pianist und Komponist am hiesigen Theater, arbeitete bereits mehrfach eindrucksvoll mit North zusammen. Jetzt hat er unter dem Titel „New Goldberg Variations“ seine eigene Version geschaffen und am Flügel vorgetragen. (…) Angelehnt an die historische Figur eines Grafen, der an Schlaflosigkeit litt und Bach den Auftrag gab, für seinen Cembalisten Goldberg die Variationen zu komponieren, steht ein träumender junger Mann (Alessandro Borghesani) im Mittelpunkt. In verschiedenen kurzen Sequenzen werden seine Sehnsüchte und Ängste thematisiert. Er begegnet einer Frau (Irene van Dijk), die er immer wieder zu verlieren droht. Die mal impulsiv, mal geheimnisvoll und manchmal fast jazzig klingende Musik, die auch rhythmisch sehr variiert, spiegelt diese Gefühlswelt differenziert wider. Fünf Paare als Traumgestalten umgeben das zentrale Paar, das sich in einem sehr poetischen Pas de Deux findet. Bewegungsabläufe und Musik greifen perfekt ineinander, die Tänzer lassen die klaren Strukturen des Vorbilds Bach noch erkennen. (…) Klaviermusik, von Parfenov einfühlsam interpretiert, bildet den musikalischen Rahmen für das Mittelstück des Abends. Es ist eine ältere, mit mehrfachen Preisen ausgezeichnete Choreografie von North. „Für meine Tochter“ heißt das aus mehreren kurzen Szenen bestehende Stück, das den frühen Tod der Tochter des Komponisten Leos Janácek zum Thema hat. (…) Alessandro Borghesani und Elisa Rossignoli überzeugen als Vater und Tochter, besondere Akzente setzen Irene van Dijk und Yoko Takahashi als Schwalben. (…) Ganz anders ist das im letzten Teil, dem weltberühmten „Bolero“ von Maurice Ravel. Auf einer leeren Bühne und mit geschmackvollen Kostümen in Orange und Schwarz (Luisa Spinatelli) entwickeln fünf Paare einen Tanz, der mit seiner militärischen Präzision, dem sich steigernden Tempo und der mitreißenden Dynamik alle Facetten dieses Stückes wunderbar auslotet. Ganz ohne Dekor wird hier eine südliche Atmosphäre voller Energie sofort spürbar. (…)
    [Michaela Plattenteich, Westdeutsche Zeitung, 09.04.2018]

    Drei Geschichten an einem Abend
    Das Stadttheater präsentierte am Samstag den neuen Ballett-Abend von Chefchoreograf Robert North

    (…) Der erste Teil heißt „Nachtvariationen“. (…) Die äußerliche Kargheit gibt dem Pianisten André Parfenov viel Raum. Vom Orchestergraben aus, sichtbar auf Höhe der Bühne platziert, füllt er den Saal mit seiner selbst komponierten Musik geradezu fühlbar aus. Ganz allein, ohne Unterstützung sonstiger Instrumente. Das Publikum wird ihn beim Applaus nach dem Akt besonders würdigen. Zugleich steigt die Ahnung auf, dass North für diesen Abend eine optische Steigerung in petto hält.
    Diese beglaubigt sich im zweiten Teil mit dem Titel „Für meine Tochter“. Bühnenbildner Andrew Storer hat einen dichten, romantischen Wald geschaffen, in dessen Lichtung eine Hütte steht. Fast wie im Märchen. Vor dieser Kulisse stellt das Ensemble tänzerisch die dramatische Geschichte vom frühen Tod eines Mädchens dar. (…) Die Zuschauer sind tief bewegt von der Emotionalität, die die Tänzer vermitteln, und spenden reichlich Applaus.
    Das Prinzip der Steigerung gelangt im dritten Teil zum Höhepunkt. Diesmal kommt die Musik vom Band. Es ist die hämmernde Rhythmik des „Boléro“ von Maurice Ravel. (…) Die deutliche Unterscheidung zwischen der Männer- und der Frauengruppe gibt dem Tanz einen spannungsreichen Antagonismus. Von Mal zu Mal wird er feuriger, präzise abgestimmt auf die Klänge der Musik. Im Effekt mitreuß0end und atemberaubend. (…)
    [Ernst Müller, Stadt Spiegel Krefeld, 11.04.2018]