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Orpheus und Eurydike

Orpheus und Eurydike

Oper von Christoph Willibald Gluck - italienisch mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Werner Ehrhardt, Inszenierung Jakob Peters-Messer, Choreografie Robert North, Bühne und Kostüme Markus Meyer, Choreinstudierung Maria Benyumova, Dramaturgie Ulrike Aistleitner

Orfeo beweint das Ableben seiner jungen Gattin Euridice und wünscht nichts sehnlicher, als sie aus der Unterwelt ins Leben zurückzuholen. Sein Trauergesang ist so innig, so herzerweichend, dass die Götter Mitleid haben und seine Bitte erfüllen: Er darf Euridice aus dem Hades zurückführen – allerdings unter der Bedingung, sie nicht anzusehen und nicht mit ihr zu sprechen, bis sie wieder in der Welt der Lebenden angelangt sind. Euridice aber, die von der Absprache nichts weiß, kann das Handeln ihres Mannes nicht deuten. Sie fleht ihn an, ihr ein Zeichen seiner Liebe zu geben. Gerührt von ihrem Flehen, missachtet Orfeo das Gebot der Götter, wendet sich ihr zu und verliert sie erneut. Doch sein Wehklagen kann die Götter ein weiteres Mal erbarmen und am Ende der Oper steht – anders als im griechischen Mythos – ein Happy End (Lieto fine) für die einander innig liebenden Eheleute.

Rund 150 Jahre nach Claudio Monteverdi, der mit seinem L’Orfeo (1607) eine der ersten Opern überhaupt geschrieben hat, wählte Christoph Willibald Gluck denselben Mythos, um seine Idee einer Reformoper zu verwirklichen: Die Oberflächlichkeit und der Starkult um die Sänger der italienischen Barockoper hatten ein Ausmaß erreicht, dem er gegensteuern wollte. Er sehnte sich nach mehr Natürlichkeit im Gesang, nach textbezogener Gestaltung der Kantilenen und war insgesamt der Auffassung, dass die Musik unter allen Umständen im Dienste der Handlung stehen sollte. Mit seiner Vertonung von Orfeo ed Euridice (Uraufführung am 5. Oktober 1762 am Wiener Burgtheater) führte Gluck vor, wie durch Klarheit und Einfachheit der Kompositionsmittel eine überzeugende, intensive Ausdruckskraft erzielt wird. Auch inhaltlich gestaltete er seine Oper neu: Im Sinne der Aufklärung und des aufstrebenden Bürgertum stellt Gluck mit den beiden Protagonisten und ihrem Schicksal keine Herrscher und mächtigen Ränkespiele in den Fokus, sondern das private Glück zweier Liebender.

Nach dem großen Erfolg von Carmina Burana wird Orfeo ed Euridice erneut eine spartenübergreifende Arbeit mit Solistinnen des Musiktheaters, Tänzerinnen und Tänzern der Ballettkompanie und dem Opernchor sowie den Niederrheinischen Sinfonikern unter der stilsicheren Stabführung eines Experten für Alte Musik, Werner Ehrhardt, der für diese Produktion als Gastdirigent gewonnen werden konnte.

Vorstellungsdauer:  1 Stunde 40 Minuten, keine Pause

  • Pressestimmen

    Musikalische Funken aus der Unterwelt

    Wie unerhört modern Christoph Willibald Glucks „Orpheus und Eurydike“ zu seiner Zeit geklungen haben mag, das erzählt bis in die kommende Spielzeit am Theater einer der Granden der rheinländischen Alte-Musik-Szene, Werner Erhardt. Der 60-jährige „Concerto Köln“-Gründer entfacht in seinem Dirigat des Gluck’schen Reformwerks mit den in solchen Gefilden wenig bewanderten Niederrheinischen Sinfonikern ein wahres Feuerwerk an wunderbar bizarren Klängen und Affekten, wie man sie sonst nur auf Spezialisten-Treffs zu Gehör bekommt. Angereichert mit ein paar Naturtrompeten und Flügelhörnern entwickelt das sonst mit dem neo-romantischen Instrumentarium ausgestattete Ensemble einen Sound, der flirrender, transparenter, im Detail kostbarer kaum zu wünschen wäre. Die Streicher zelebrieren geradezu das obertonreiche Non-Vibrato, Holz und Blech verschmelzen zum fast ideal fettfreien Kammermusik-Ton. Alles schwingt, alles klingt. [Armin Kaumanns, Rheinische Post, 17. Juni 2017]

    Tod und Verklärung

    (…) Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Werner Ehrhardt, einem ausgewiesenen Spezialisten für „alte“ Musik (Ehrhardt hat 20 Jahre lang das Ensemble Concerto Köln geleitet). Mit den sehr engagierten Niederrheinischen Sinfonikern, die natürlich kein Spezialensemble sind, hat er einen durchaus authentischen Tonfall gefunden, entschlackt und vibratoarm, mit klar pointierenden Bläsern. Auch der Chor singt ausgesprochen klangschön, ein wenig zurückgenommen und ohne den typischen „Operngestus“ – auch hier ist das Vibrato deutlich reduziert, wodurch sich ein sehr homogener, kammermusikalischer und weicher Klang entwickelt (Choreinstudierung: Maria Benyumova und Michael Preiser). Das musikalische Ergebnis ist aller Ehren wert – Gluck behält hier bei allem Wohlklang deutliche Konturen. [Stefan Schmöe, Online Musik Magazin, 17. Juni 2017]

     

    (…) Dass sich diese Gedanken bei der hier beschriebenen Aufführung so nachhaltig einstellen, hat auch und besonders mit der fantastischen musikalischen Interpretation zu tun, welche der Dirigent WERNER EHRHARDT verantwortet. (…) Die NIEDERRHEINISCHEN SINFONIKER nähern sich der historisch informierten Aufführungspraxis maximal an, der Chor (MARIA BENYUMOVA, MICHAEL PREISER) leistet Außerordentliches. Drei Sterne! (…) Beeindruckend ist auch die Ausstattung von MARKUS MEYER. [Christoph Zimmermann, 18, Juni 2017]

    Eine Reise zwischen Leben und Tod

    Allgemein weiß die Inszenierung zu gefallen, auch die Darstellung des Amor als Gestalt in dem sich „Liebe und Tod begegnen“ ist schlüssig und wird durch das entsprechende Kostüm von Markus Meyer verstärkt. Meyer zeichnet sich auch für das Bühnenbild verantwortlich. (…) In diesem Bühnenbild zeigt das Ballett unter Robert North einmal mehr, was es zu leisten vermag. Besonders die Choreographie der rasenden Furien gelingt sehr synchron und weiß zu gefallen. Namentlich erwähnt seien hier Jessica Gillo, Flavia Harada, Victoria Hay, Yoko Osaki, Illya Gorobets, Giuseppe Lazzara, Raphael Peter und Radoslaw Rusiecki.

    Die Rolle des Orpheus übernahm in der Mönchengladbacher Premiere Eva Maria Günschmann, die hierbei eine sehr große Partie zu besetzen hat, was ihr in weiten Teilen sehr gut gelingt. Als Eurydike steht ihr Sophie Witte zur Seite, die zwar nur im dritten Akt zum Einsatz kommt, hier aber einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ihr Sopran klingt klar und deutlich und die Duette mit Eva Maria Günschmann harmonieren blendend. Abgerundet wird das Terzett der Damen durch Gabriela Kuhn als Amor, die die wenigen kleineren Partien die Ihr Gluck gewährt ebenfalls überzeugend interpretiert. (…) Die Niederrheinischen Sinfoniker blühen unter dem Gastdirigat von Werner Ehrhardt regelrecht auf und zaubern ungewohnte Klänge aus dem Orchestergraben. So geraten auch die jeweiligen Ouvertüren der einzelnen Akte zu kleinen Highlights des Abends. [Markus Lamers, Der Opernfreund, 16. Juni 2017]

    Sternstunde des Stadttheaters

    (…) Jakob Peters-Messer hat nicht nur eine vorzügliche durchdachte Inszenierungsidee in die Heimat getragen, er stammt gebürtig aus der Nachbarstadt Viersen, sondern auch Team und Material zur Verfügung, dem es an nichts mangelt. (…) Eine Personenführung ist gefühlt nicht nötig, aber natürlich steckt hier die Feinarbeit der Regie. Und die ist wirklich großartig. Hier langweilt niemand an der Rampe, die Darsteller spielen einander zugewandt, der Chor wird überragend in die Handlung eingebunden und das Ballett stellt eine sinnvolle Bereicherung dar. Hier findet eine Lehrstunde für Opernregie statt. (…) Dass Eva-Maria Günschmann Hosenrollen liebt, ist auch nicht neu. Aber was sie hier in anderthalb Stunden Dauereinsatz abliefert, ist nicht nur stimmlich absolut bemerkenswert, sondern auch darstellerisch ein Genuss. Rumstehen und deklamieren können andere. Sie singt einen Orpheus, der absolut glaubwürdig auf der Bühne agiert. Sophie Witte hat ihren Sopran weiter kultiviert. Die zunehmende Bühnenerfahrung verleiht ihr Selbstbewusstsein, und so wird die Eurydike nicht als neue Rolle, sondern aus der gewonnenen Lebenserfahrung gesungen. Wunderbar und großes Kompliment. Auch Gabriela Kuhn gibt einen Amor ohne Fehl und Tadel. Am Pult der Niederrheinischen Sinfoniker steht niemand Geringeres als Werner Ehrhardt. Er ist ein absoluter Spezialist für die historische Aufführungspraxis. Und das ist genau das, was der Aufführung den letzten Schliff verleiht. Was natürlich daran liegt, dass sich die vergleichsweise kleine Besetzung auf den Dirigenten einlässt. Zudem besitzt er die Souveränität, die perfekte Balance zwischen Bühne und Graben herzustellen. Ein solch ausgewogenes Musiktheater erlebt man selten. [Michael S. Zerban, O-Ton, 17. Juni 2017]