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Sinfonie des Lebens

Sinfonie des Lebens

Ballett von Robert North mit Musik von Benjamin Britten, Dmitri Schostakowitsch und Christopher Benstead
Musikalische Leitung Diego Martin-Etxebarria, Choreografie Robert North, Choreografie-Assistenz: Sheri Cook, Bühne und Kostüme Udo Hesse, Bühne und Kostüme Andrew Storer, Dramaturgie Regina Härtling, Live-Musik Niederrheinische Sinfoniker

Dieser dreiteilige Ballettabend von Robert North mit Musik der klassischen Moderne spiegelt das Leben in all seinen Facetten wie auch die Dialektik von Leben und Tod auf sehr emotionale Weise mit den Mitteln des Tanzes wider. 2003 kreierte Robert North zum 25-jährigen Bestehen der Heinz Bosl-Stiftung in München eine Choreografie für die Stipendiaten der Stiftung und wählte hierfür die 1934 entstandene Simple Symphony von Benjamin Britten aus: eine – wie der Titel schon sagt – bewusst einfach gestaltete Musik für Streichorchester, die jedoch eine Fülle neuer Ideen enthält. North schuf passend dazu einen Tanz über die Energie und Kraft der Jugend, voll überschäumender Lebensfreude.

Mit der anschließenden Choreografie „Der Schlaf der Vernunft“, die North zur Musik von Dmitri Schostakowitsch entwickelte, folgt auf den unbekümmerten Überschwang der Jugend der Ernst des Lebens: Nach Texten von Federico Garcia Lorca, Guillaume Apollinaire und Rainer Maria Rilke komponierte Dimitri Schostakowitsch 1969 seine 14. Sinfonie für Streichorchester, Perkussionsinstrumente und zwei Gesangssolisten. Tiefgründig und ergreifend thematisiert diese Musik das durch Krieg verursachte Leid der Menschen. Schostakowitsch widmete sie seinem Freund und Komponistenkollegen Benjamin Britten, dessen War Requiem ihn ebenso inspirierte, wie Mussorgskys Lieder und Tänze des Todes.
Robert North kreierte eine Folge dramatischer Tänze, die mit den Liedtexten und -stimmungen inhaltlich korrespondieren und den immerwährenden Kampf zwischen Leben und Tod tänzerisch zum Ausdruck bringen.

Last not least beschließt eine Uraufführung den Abend, die facettenreiche Choreografie Farbenspiel. Die Inspiration hierzu fand Robert North in geometrischen Musterbildern der englischen Malerin Bridget Riley (*1931), die den Betrachter durch kontrastreiche oder subtil abgestufte Farbskalen faszinieren und den Choreografen zu einer tänzerischen Umsetzung anregten. Christopher Benstead, der den Zuschauern durch seine fesselnden Ballettmusiken zu Prinz Rama und Carmen sicher noch in bester Erinnerung ist, komponierte die Musik zu Farbenspiel.

Die Niederrheinischen Sinfoniker interpretieren unter Leitung von Kapellmeister Diego Martin-Etxebarria die anspruchsvollen Partituren, deren Klangspektrum von kammermusikalischer Transparenz bis zu blühenden Orchesterfarben reicht.

  • Pressestimmen

    Die vielfarbigen Facetten des Lebens
    „Sinfonie des Lebens“ ist eine teils anregende, teils ernste dreiteilige Ballettpremiere von hoher Qualität. Für den außergewöhnlichen Abend gab es zum Schluss großen Jubel für Robert North und seine Eleven.

    (…) Vorausgegangen war ein dreiteiliger Abend, der zunächst – untermalt von der heiter-melodischen „Simple Symphony“ von Benjamin Britten – das Lebensgefühl junger Menschen sowie Freude und Probleme junger Liebe darstellte. (…)
    Ernst wurde es im zweiten Teil des Abends, den Streicher und Schlagwerker (…) musikalisch mit düsteren Klängen von Teilen der Sinfonie Nr. 14 von Dmitri Schostakowitsch ausstatteten. Die obligaten Vokalpartien (…) sangen – in spanischer, französischer und deutscher Sprache – Janet Bartolova (Sopran) und Hayk Dèinyan (Bass).
    Bühnen- und Kostümbildner Andrew Storer ließ die stockdunkle Bühne zunächst nur durch einige Punktscheinwerfer erleuchten, durch die der ausdrucksstarke Tanz der in Rot gewandeten Irene van Dijk, die das Leben symbolisierte, besonders eindringlich zur Geltung kam. (…) Alessandro Borghesani als der Tod, Elisa Rossignoli (Loreley) und der hinterhältige Soldat (Paolo Franco) ließen die Grausamkeiten des Krieges beklemmend erleben.
    Dank der lichten, immer wieder an Carl Orffs „Carmina Burana“ erinnernden Musik des bei der Premiere anwesenden (…) Christopher Benstead, und dank der wunderschönen Farbkompositionen (Udo Hesse) nach Vorgaben der englischen Malerin Bridget Riley endete der Abend mit „Farbenspiel“ nicht düster, sondern dem Leben zugewandt. (…) Die Farben vermischten sich beim bemerkenswert präzisen Tanz zu eindrücklichen Farbkombinationen, die mit den so genannten „Abhängen“, den rückwärtigen Bühnenbegrenzungen, optimal harmonierten.
    Ein besonderes Lob gilt den Musikern der Niederrheinischen Sinfoniker im Graben – einschließlich des virtuosen André Parfenov am Flügel – und dem punktgenauen, umsichtigen Kapellmeister Diego Martín-Etxebarría, für den es der erste Ballettabend überhaupt war.
    [Heide Oehmen, Rheinische Post, 06.03.2017]

    Schöne Musik und solides Handwerk
    Robert North, Ballettdirektor am Theater Krefeld Mönchengladbach, hat in seinem Schatzkästchen an Erfahrungen gekramt (…) und eröffnet den Reigen des Abends mit Jugend, einem Stück, das er vor 17 Jahren „unter pädagogischen Gesichtspunkten“ für seine Studenten erarbeitete. So erklärt sich die eher anspruchslose Choreografie, die mit viel Personal und Verve im leeren Bühnenraum von Udo Hesse, lediglich nach hinten im weißen Einheitslicht von einer blauen Fläche begrenzt, stattfindet. Versüßt wird das Bemühen, mit viel Bewegung auf der Bühne unterschiedliche Spielarten der „Liebe“ darzustellen, durch die doch eher unbekannte Musik der Simple Symphony von Benjamin Britten, die er mit Anfang 20 verfasst hat und die insofern dann auch gut zum Thema passt.
    Bereits 1986 wurde Der Schlaf der Vernunft von North in Stuttgart uraufgeführt. Konzeptionell führte er damals das Bild Francisco de Goyas Der Schlaf der Vernunft produziert Monster und die Musik von Dmitri Schostakowitsch aus dessen vierzehnter Sinfonie zusammen. Der Titel Sinfonie irritiert – eher handelt es sich hier um einen Liederzyklus, der den Grauen aller Kriege vor Augen führt, um das Leben zu verherrlichen. Bühnenbildner Andrew Storer findet dazu mit wenigen Versatzstücken auf der überwiegend dunklen Bühne, die verstärkt von Verfolgern ins Visier genommen wird, dramatische Wirkung. Janet Bartolova und Hayk Dèinyan treten als Sänger aus dem Ensemble auf. (…) Es ist ein düsteres, aber insofern eindrucksvolles Stück, in dem Irene van Dijk als das Leben (..) und Alessandro Borghesani als Tod (…) um die Oberhand kämpfen. (…)
    Hat die Düsternis des Goya-Stückes das Publikum mehr bewegt als erschreckt, soll es in der Neufassung von Farbenspiel zum versöhnlichen Ende geführt werden. Die Uraufführung des Stückes fand 1983 unter dem Titel Colour Moves in London statt. Dazu gibt es eine eigene Musik, die Christopher Benstead komponiert und anlässlich der Wiederauferstehung überarbeitet hat. Fröhlichkeit steht im Vordergrund, und man glaubt, manches Zitat aus amerikanischen Musicals zu hören. Hesse hat hier die farbigen Flächen von Bridget Riley auf der Bühne als Prospekte wiederverwendet, die den farbig sortierten Tanzgruppen zugeordnet werden. (…) Und das Schlussbild muss man unbedingt als originell bezeichnen. (…) Großartiges leisten die Niederrheinischen Sinfoniker, die hier in kleiner Formation unter der Leitung von Diego Martín-Etxebarría auftreten. Abseits des üblichen Konzert-Repertoires beeindrucken die Musiker mit auch nach 30 Jahren noch aktuell erklingenden Einfällen. Und man mag dem Choreografen damals allen Beifall gezollt haben, dass er sich auf diese Kompositionen eingelassen hat. (…) Großer Applaus. Robert North findet genau die Bilder, die Menschen vom Niederrhein begeistern. (…)
    [Michael S. Zerban, Opernnetz, 5. März 2017]