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Souvenirs aus West und Ost (Uraufführung)

Souvenirs aus West und Ost (Uraufführung)

Ballettabend von Robert North / Musik von George Gershwin, Leonard Bernstein und Dmitri Schostakowitsch
Musikalische Leitung Andreas Fellner, Choreografie Robert North, Choreografie-Assistenz Sheri Cook, Bühne und Kostüme Udo Hesse, Dramaturgie Regina Härtling, Am Flügel André Parfenov

///////// In diesem Ballettabend präsentiert Robert North auf witzige, lebensfrohe, poetische oder nachdenkliche Weise selbst geschaffene Souvenirs in Form tänzerischer Impressionen von legendären und geschichtsträchtigen Orten auf verschiedenen Seiten des Globus.
///////// New York und Kuba – mit Musik von George Gershwin, darunter das berühmte Concerto in F, lässt uns Robert North das Großstadtleben ebenso nachempfinden wie das Flair der Insel mit Sonne, Meer und Rumba-Rhythmen. Gershwin, Sohn russisch-jüdischer Einwanderer, prägte einen unverkennbar amerikanischen Sound aus Jazz und Sinfonik und eroberte mit dieser elektrisierenden, den Puls der Zeit verkörpernden Musik Broadway und Konzertsaal gleichermaßen. Vitalität und mitreißende Rhythmen sind der Garant für den ungebrochenen Erfolg Gershwins und eine nicht versiegende Inspirationsquelle für den Choreografen.
///////// In den 1990-er Jahren erlebt Robert North in Moskau und St. Petersburg eine hoffnungsvolle Zeit des Aufbruchs. Ein Taxifahrer zeigt ihm die zahlreichen Sehenswürdigkeiten, Menschen gehen ihren Geschäften nach, junge Leute in Bluejeans tanzen Rock’n’Roll, alte Frauen treffen sich in der Kirche zum Teetrinken und Schwatzen. Es ist eine offene, bunte Gesellschaft. Russland hat die Chance, neue Wege zu beschreiten, doch die Spuren der Geschichte haben Land und Menschen geprägt.
///////// Um diese vielfältigen Eindrücke im Tanz zu gestalten, wählt Robert North aus dem Oeuvre von Schostakowitsch Piecen und Suiten unterhaltsamen Charakters und bringt uns so eine weniger bekannte Seite des Komponisten nahe, der sich in den  1920-er Jahren als Pianist in den Kinos von St. Petersburg durchschlug und später auch viel Filmmusik schrieb.

Wir danken der Muzykanci band (Słowińscy & Hałasowie) für die freundliche Bereitstellung der Folkloremusik.

  • Pressestimmen

    Anmut aus drei Welten
    Die Ballett-Compagnie von Robert North zeigt als Uraufführung „Souvenirs aus West und Ost“. Selbst Stalin und die „Russische Seele“ haben ein Pas de deux.

    (…) Theaterbesucher auf dem Heimweg, die sehr viel mehr zu schweben scheinen als bei ihrer Ankunft. Ursache ist Robert Norths dreiteiliger Abend „Souvenirs aus West und Ost“, bei dem der Tanzästhet sich in Diensten des Theaters von wohltuend erzählerischer Seite gibt und das Ensemble sich in tadellosem Zustand präsentiert. Neben schönen, sportlich wie technisch hoch gebildeten Körpern in anmutig wechselnden Ensembles gibt es bei dieser Uraufführung Musik live aus dem Graben. (…)
    Big Apples Wolkenkratzer schweben vertraut zwischen den quirligen Figuren, die die Geschäftigkeit der Metropole in Kostümen der 30er Jahre darstellen. Ein Mann mit Schlägermütze (Giuseppe Lazzara) trägt eine kühle Schöne (bezaubernd geschmeidig Teresa Levrini) auf Händen, während die Jugend drumherum ausgelassen ist. (…)
    Und immer wieder wirbelt die ganze Compagnie mit Tempo durch die Szenerie. Udo Hesse hat gleich Bühne und Kostüme besorgt, die Schneiderei hatte sicher wenig Muße in den letzten Wochen. Alles ist so schön. Und akkurat. Und gespickt mit balletteusen Höchstschwierigkeiten, deren Ausführung die Fachleute im Publikum entzückt. (…)
    Erklang gerade noch Gershwin und Bernstein, sind wir jetzt wieder bei Gershwin und mit seiner kubanischen Ouvertüre in der Sonne der Karibik. Die Kleider sind leichter, fließend, in sonnigen Pastelltönen gehalten und verbreiten schwingende Lebensfreude. (…)
    In den dritten Teil, „Russland“, hat Robert North neben dem Formenrepertoire der Folklore, Kasatschok und Co., auch eine gehörige Portion Weltanschauung in Bewegung verwandelt. Da treten nicht nur Arbeiter, Bauern, Intellektuelle, Aristokraten auf, da ist auch die „Russische Seele“, blauweißrot verkörpert von Elisa Rossignoli, aufgeboten, ein leibhaftiger Tod in Schwarz (Alessandro Borghesani), die heutige Jugend in Jeans und kurzen Röckchen, ja sogar Stalin tanzt. Das macht unter der Maske Takashi Kondo. Und Schostakowitsch, der wie immer auf Koffern hockt (Raphael Peter). Schließlich wird seine Musik gespielt, in ihren divergenten Stilen zwischen Volkstümlichkeit und Dissonanz, zwischen Kitsch und Sentiment. Es geht da heftig zur Sache, auf der Bühne und in Mütterchen Russlands Geschichte. Im Graben haben die Niederrheinischen Sinfoniker, besonders die solistischen Stimmführer, große und dankbare Aufgaben.
    Kapellmeister Andreas Fellner darf aus dem Vollen schöpfen, ist immer mit einem Auge auf der Bühne, was frappierend genaue Übereinstimmung zwischen Bewegung und Musik erzeugt. Und mit André Parfenov darf auch noch ein wirklicher Pianist in die Szenerie – bei einer eingestreuten Ballettprobe. Gerade die großen Gruppenszenen entfalten große Suggestion, manch tänzerische Zweisamkeit rührt regelrecht. (…)
    [Armin Kaumanns, Rheinische Post, 05.06.2018]