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Teufelskreis

Teufelskreis

Ballett von Robert North | Musik von David Byrne, Michael Jackson, Jean Sibelius, Christopher Benstead, Richard Wagner u. a.
Choreografie und Musikzusammenstellung Robert North, Choreografie-Assistenz Sheri Cook, Bühne und Kostüme Udo Hesse, Videoanimation Peter Issig, Dramaturgie Regina Härtling

In seinem Handlungsballett Teufelskreis erzählt Robert North mit teils ernstem, teils ironischem Blick von einer Familie und ihren einzelnen Mitgliedern: Mutter, Vater, Tochter, Sohn und Großvater. Angelehnt an unsere heutige Zeit geht es ebenso um die Wechselbeziehungen zwischen den Herausforderungen und Verlockungen der Gegenwart spielen zudem eine zentrale Rolle: Der Teufel – traditionell die Personifizierung des Bösen – treibt wie eh und je sein verführerisches Spiel und verkörpert in Norths Choreografie die negativen Seiten unseres modernen Lebens im Zeitalter der digitalen Revolution: Manipulation durch Massenmedien und soziale Netzwerke, Dauerrausch und virtuelle Abhängigkeit sowie die Flucht aus der Realität sind dabei nur einige Facetten des modernen Belzebub …

Robert North hat für diesen Ballettabend eine Musikcollage aus unterschiedlichen Bausteinen von Barock über Klassik bis hin zu moderner Rockmusik zusammengestellt, die ihm ein breites Spektrum tänzerischer Ausdrucksmöglichkeiten mit großer stilistischer Vielfalt und Vitalität eröffnet.

Der Bühnenraum wurde nach einem Konzept von Manfred Gruber gestaltet.

  • Pressestimmen

    Der Teufel ist am Drücker
    Die Bühne ist ein überdimensionaler Computer. Das Leben spielt sich nur auf der freien Fläche zwischen Tastatur und Bildschirm ab. Dort wimmeln die Menschen umher wie ein aufgeschreckter Ameisenstaat.

    (…) Wie ferngesteuert ist der Mensch im 21. Jahrhundert, der sich alle Möglichkeiten der modernen Technik zu eigen macht? (…) Diese Fragen allein mit der so offensichtlichen Symbolik anzugehen, wäre zu simpel. Deshalb bringt Chefchoreograf North eine klassische Theaterfigur ins Spiel: den Teufel. (…) Der Teufel ist am Drücker – und er versteht es, seine Menschlein zu verführen. Auf einem grünen Sofa wird eine Standard-Familie aus der Tiefe auf die Bühne gefahren: Vater, Mutter, zwei Kinder. Auch ein Großvater gehört zum Clan – und der wird sich als der härteste Brocken für den satanischen Verführer erweisen. (…) Alessandro Borghesani tanzt im höllenroten Businessanzug wie um sein Leben, um die Seelen seiner Opfer zu fangen. (…) Erst in der Sorge um das Leben des Großvaters (Luca Ponti besticht mit den vom Alter träge gewordenen Bewegungen) findet die Familie zur Musik von Jean Sibelius zusammen.
    Dennoch ist es keine Seifenoper, die sich auf der von Manfred Gruber und Udo Hesse für Ballett sehr üppig möblierten Bühne abspielt. Denn Norths geübtes Händchen bei der rhythmusbetonten Musikauswahl – von Bach bis Michael Jackson – und sein Geschick für Brüche durchziehen die Geschichten mit Ironie und Humor. (…) Die Compagnie beeindruckte mit einem ungeheuer schnellen, virtuosen Abend, bei dem Borghesani und ein anrührender Pas des Deux von Rossignoli und Carlucci herausragten.
    [Petra Diederichs, Rheinische Post, 8. Mai 2017]

    Viel Beifall für den Teufel
    Das neue Ballett von Robert North überzeugt mit der mitreißenden Choreografie und den Videoanimationen

    Der Teufel bekommt am Ende den meisten Beifall. Alessandro Borghesani ist in Teufelskreis“ die ganz in Rot gekleidete Figur, die zwischen Mephisto und Intrigant changiert und das Leben einer Familie durcheinanderbringt. (…) Zur Musik von den „Einstürzenden Neubauten“ lässt North mehrere Szenen von Solisten und Ensemble tanzen. (… Auch Krieg kommt vor, als projizierte Bilder und als furiose Tanzfolge. Es gibt eine Schulszene und der Vater muss auch mal mit Aktenköfferchen zeigen, dass er arbeitet. Der Teufel jedoch ist immer dabei.
    Und wie das in Familien so ist, die Jugend geht in die Disco, die Eltern streiten und man marschiert auf einer Friedensdemo. (…) und auch der Opa, zwischendurch gebückt schlurfend und im Rollstuhl sitzend und fast zum „Running Gag“ werdend, ist bald flink auf seinen Beinen. (…) Der Teufel kommt hinzu, reiht sich ein und schließt den Kreis seines Tuns solistisch auf der Computertastatur tanzend, die im Vordergrund auf den Bühnenboden projiziert ist. Dazu ist Michael Jacksons „Jam“ zu hören, ein akustisches „Teufelchen“, das diesen „Teufelskreis“ schließt. (…)
    Den alsbald stehend offerierten Beifall des Publikums im voll besetzten Haus nimmt eine Truppe entgegen, die offensichtlich mit Vergnügen tänzerisch brilliert. Die sowohl die elegischen Parts als auch die rockigen Phasen beherrscht und die erzählerische Ebene lässig gestaltet.
    [Westdeutsche Zeitung, Dieter Peschken, 8. Mai 2017]

    Der Teufel hat das Fernsehen gemacht
    Das neue Ballettstück im Stadttheater bietet ein rockiges Feuerwerk an Musik, Farben und Effekten.

    Das Publikum wurde seiner Begeisterung kaum Herr. (…) Am Schluss dann steigerte sich der Applaus rasch in rhythmisches Klatschen, verzückt erhoben sich die Zuschauer von den Sitzen, wollten die glücklichen Tänzer gar nicht mehr von der Bühne lassen.
    Was hat diesen außergewöhnlichen Erfolg bewirkt?
    Sicherlich trägt dazu bei, dass die Choreografie von Ballettdirektor Robert North ein Handlungsstück ist. Es erzählt eine verständliche Geschichte: Der Teufel wütet in einer normalen Familie, verführt durch Drogen und moderne Medien Eltern und Kinder, bis diese wieder zu ihrer Identität finden. Diese Geschichte wird nicht nur anschaulich erzählt, sondern neben aller Dramatik auch vielfach witzig (…) Aber auch die Ausstattung überzeugt. Auf der Bühne sind gigantische Nachbildungen von PC-Tastatur und Bildschirm zu sehen. Symbol der modernen Medienwelt, die für viele „User“ zum Götzen erhoben ist. Die Teufelsfigur stellt nur deren Personifizierung dar.
    Absolute Klasse bieten die Tänzer selbst. Paolo Franco ist allein schon durch seine geringe Körpergröße zur Sohnesrolle prädestiniert, die er in Jeans und T-Shirt mit jugendlicher Lässigkeit ausfüllt. Den Vater tanzt Marco A. Carlucci, standesgemäß in Anzug und Krawatte. Und Großvater Luca Ponti gibt schauspielerisch überzeugend den Greis mit Stock, bis er völlig überraschend die Beine schwingt.
    Hintergrund der bezaubernden Tanznummern ist natürlich die Musikauswahl. Robert North hat Stücke vom Barock bis zum aktuellen Rock im Angebot und bietet als Fetzer sogar Pop von Michael Jackson auf.
    Nicht zuletzt die rockigen Einlagen sprechen auch ein jüngeres Publikum an. Wenn Eltern oder Lehrer überlegen sollten, wie sie Kinder ans Ballett heranführen könnten, dann sei auf diese Aufführung verwiesen. Nicht nur wegen ihres Tempos, ihres Witzes und visueller Effekte mit Licht und Videoclips. Auch das Thema, die Verführbarkeit durch die Medienwelt, dürfte junge Leute angehen. (…)
    [Ernst Müller, StadtSpiegel, 8. Mai 2017]

    Vom Teufel geritten
    Die Freude an der Bewegung bestimmt Robert Norths Tanzstück Teufelskreis im Theater Krefeld. Auch wenn das Stück bereits vor zehn Jahren in Essen zu sehen war, hat es noch keine Patina angesetzt und verbreitet auf und vor der Bühne vom ersten Takt an gute, teilweise sogar mitreißende Laune. Zu sehen ist eine Art Tanzrevue, in der eine durchschnittliche bürgerliche Familie (…) quasi vom Teufel geritten und vorübergehend aus der Bahn geworfen wird. (…) Verantwortlich für die Krisen ist ein rot gewandeter, attraktiver und agiler Teufel, der sein Verführungswerk raffiniert ausführt. Er fährt aus dem Bildschirm, er steuert von einer überdimensionalen PC-Tastatur das Leben in- und außerhalb der Familie und schiebt der deprimierten Mutter den Alkohol unter.
    Es sind 26 kurze Episoden unterschiedlicher stilistischer Handschriften, die nahezu alle Tanzstile vom Rock’n’Roll bis heute vital und einfallsreich aufgreifen. (…) Dem vorzüglichen Ensemble merkt man in jeder Phase die Lust an den flotten Arrangements an. Und es grenzte an Haarspalterei, angesichts der Homogenität der Compagnie qualitative Unterschiede konstruieren zu wollen. Soiwohl der Teufel alias Alessandro Borghesani als auch die Familie mit Mutter Elisa Rossignoli, Vater Marco A. Carlucci, Sohn Paolo Franco, Tochter Irene van Dijk und Großvater Luca Ponti sowie alle anderen Mitwirkenden ergänzen sich prächtig. (…) Das Publikum reagiert auf die unterhaltsame und sorgfältig erarbeitete Show mit entsprechender Begeisterung.
    [Pedro Obiera, O-Ton, 12. Mai 2017]