Vorheriges
Nächstes
Zeit der Kannibalen (UA)

Zeit der Kannibalen (UA)

nach dem gleichnamigen Film von Johannes Naber und Stefan Weigl
Inszenierung Bruno Winzen, Bühne und Kostüme Udo Hesse, Dramaturgie Martin Vöhringer

Es läuft wie geschmiert für Öllers und Niederländer. Die beiden Unternehmens-berater fliegen seit Jahren im Team um die Welt, um ihren Kunden bei der Restrukturierung und Profitmaximierung ihrer Unternehmen zu assistieren – und sie sind gut in ihrem Job. Im Flugzeug stets Business Class, in den Hotels nur Suiten, egal in welchem Winkel der Welt. Ob in Indien, China oder Afrika die Welt sehen Öllers und Niederländer immer nur durch die Fensterscheiben des Flugzeugs oder des Hotels. Aber das beruhigt die Nerven und hält unangenehme Gerüche und unliebsame Begegnungen fern. Vom ersehnten Gipfel ihrer Karriere, dem Status eines „Partners“ in ihrer Beratungsfirma, trennen sie nur noch wenige Schritte, sollte nicht ihr ehemaliger Teamkollege Hellinger als erster das Rennen machen. Da trifft die junge, ehrgeizige Bianca bei ihnen ein und stellt sich als Hellingers Nachfolgerin vor. Hellinger selbst, weiß sie, sei soeben zum Partner bestimmt worden. Die Zuversicht von Öllers und Niederländer wankt. Und gerät ins Trudeln, als sie kurz darauf erfahren, Hellinger habe sich aus dem Fenster gestürzt. Die Zeit der Kannibalen bricht an.
Die Globalisierungs-Farce Zeit der Kannibalen ist eine beißende Satire über die Welt der ‚Top Performer’: Ihrem Vorankommen auf dem Karriereweg werden alle anderen Lebensziele untergeordnet. – Ursprünglich bezeichnete das französische Wort „carrière“ einen gespurten Weg für Pferde und Pferde-karren; und Scheuklappen sind, wie jeder weiß, ein nützliches Mittel, um die Tiere auf dem geraden Weg zu halten. Johannes Nabers Parabel auf die Aussichtslosigkeit eines ausschließlich auf Profitmaximierung fixierten Wirtschaftens kam 2014 in die Kinos. Das Theater Krefeld Mönchengladbach zeigt nun das komödiantische und spannende Kammerspiel als Uraufführung.

Bruno Winzen, dem niederrheinischen Publikum als Schauspieler bestens bekannt, gibt mit der Inszenierung von Zeit der Kannibalen sein Regiedebüt.

  • Pressestimmen

    Tragisches wird dem Komik-Götzen geopfert

    Der Schauspieler Bruno Winzen präsentiert mit „Zeit der Kannibalen“ in der Heeder-Fabrik sein Regiedebüt.

    Der Bee-Gees-Song „Stayin‘ Alive“ muss es Bruno Winzen angetan haben. Bei seinem Regiedebüt „Zeit der Kannibalen“ lässt der 49-jährige Schauspieler den Evergreen mehrfach einspielen. Am Leben bleiben – dieser kreatürliche Wunsch von Berufstätigen bleibt den drei Hauptfiguren in Stefan Weigls Bühnen-bearbeitung seines Filmdrehbuchs verwehrt. […]

    So tiefernst wollte Winzen das Stück nicht ausklingen lassen. In seiner Fassung, die nun eine ausverkaufte Premiere in der Studiobühne der Fabrik Heeder erlebte, sollten unbedingt die komischen Momente des Stücks den Ton angeben. […]

    Der Stücktitel gibt die Denkrichtung vor: hier die nach Ertragsmehrung gierende reiche Welt, dort die Armen, die von Investoren „aufgefressen“ werden. Doch das Leben im Haifischbecken macht auch vor den Strippenziehern selbst nicht Halt. […] Die Sprache, die Stefan Weigl und Johannes Naber den Protagonisten in den Mund legen, ist durchgängig von Zynismus beseelt, an den sich der Zuschauer freilich rasch gewöhnt. […]

    Wir begegnen drei überdrehten Marionetten des Wirtschaftslebens. Da ist es den individuellen Glanzleistungen von Steinbach, Tomiska und dem neuen Ensemblemitglied Denise Matthey zu verdanken, dass die charakterlichen Eigenheiten ihrer Figuren überaus plastisch herausgearbeitet werden. Bruno Winzen und Udo Hesse (Bühne) haben zudem viele zündende Spielideen arrangiert.

    [RHEINISCHE POST, 17. Oktober 2016]