Matthias Gehrt beim ANALOGIO Festival in Athen

Ob „Ödipus“ in Afrika, „Die Orestie“ auf Zypern, „Kein schöner Land“, „Draußen vor der Tür“ oder „Die Räuber“ in Israel und Inszenierungen in der Reihe „Außereuropäisches Theater“: Dass Matthias Gehrt seine internationalen Theaterkontakte in den vergangenen Jahren immer mehr erweitert hat und leidenschaftlich pflegt, ist für das Theater Krefeld und Mönchengladbach eine große Bereicherung.

Sowohl den Zuschauern als auch den Theaterleuten wird durch den Austausch mit Künstlerinnen und Künstlern aus anderen Ländern immer wieder ein spannender Perspektivwechsel ermöglicht. Mit dem Blick über den eigenen Tellerrand bleibt die Theaterarbeit lebendig und frisch; Gastregisseurinnen aus dem Ausland wie zuletzt die Israelin Nava Zukerman („Die Hamletmaschine“) und die Schweizerin Anina Jendreyko („Jin Jiyan – Der Aufbruch“) bringen ihren eigenen Stil mit an den Niederrhein, lassen sich aber auch vom hiesigen Ensemble inspirieren. Ein internationaler Austausch, wie man ihn sich besser nicht wünschen kann.

Matthias Gehrt, der mit Beginn der Spielzeit 2010/11 die Schauspieldirektion am Theater Krefeld und Mönchengladbach übernahm, legt einen Schwerpunkt seiner künstlerischen und administrativen Arbeit auf eben diese Kontakte ins Ausland. Er inszeniert dort auch selbst oder gibt Workshops und gastiert mit seinen am Niederrhein entstandenen Inszenierungen auf internationalen Festivals.

Aktuell plant Matthias Gehrt eine Reise nach Griechenland: Auf Initiative des Internationale Theaterinstitut Israel ist er zum renommierten ANALOGIO Festival nach Athen eingeladen worden, das vom 20. bis 26. September 2019 unter dem Motto „In memory we trust“ stattfindet. Matthias Gehrt wird dort einen Workshop zur Tragödie „Antigone“ von Sophokles leiten.

„Innerhalb des das Festival begleitenden ‚Education Programs‘ wird es einen Schwerpunkt auf der theatralen Wirkung von verschiedenen Übersetzungen antiker Tragödien geben. Man kreist um die Frage, wie unterschiedlich es anmutet, wenn Sophokles‘ ‚Antigone‘ in einer älteren Übersetzung zum Beispiel aus dem frühen 19. Jahrhundert oder in einer forciert zeitgenössischen Sprache gespielt wird. Die Entscheidung für eine bestimmte Übersetzung hat ja für die gesamte Inszenierung immense Konsequenzen. Ältere Übersetzungen können größere poetische Räume aufmachen oder ganz bewusst Distanz erzeugen wie die berühmte Übersetzung von Friedrich Hölderlin, neue Übersetzungen können einen direkteren Zugang ermöglichen, ans Heute unmittelbarer andocken“, erläutert der Regisseur und ergänzt weiter: „Ich werde mit griechischen Schauspieler*innen zwei sehr unterschiedliche Übersetzungen einer der großen ‚Antigone‘-Szenen inszenieren, das Ergebnis werden wir dann im Festival präsentieren und in einer öffentlichen Diskussion auswerten. Übrigens wurde ich gebeten, als Einstieg die entsprechende Szene unserer hiesigen Inszenierung von 2017 mit Joachim Henschke als Kreon auf Video zu zeigen.“