Zum Tod von Ulrike Gondorf (1953 – 2019)

Völlig unerwartet verstarb am 6. August die Kulturjournalistin und Dramaturgin Ulrike Gondorf in Köln. Mit ihrem Tod verliert die Kulturszene in NRW eine ihrer kompetentesten Kritikerstimmen und das Theater Krefeld und Mönchengladbach eine Persönlichkeit, die die künstlerischen Geschicke dieses Hauses in vielfältiger Weise begleitet und auch aktiv mitgestaltet hat.

Die gebürtige Düsseldorferin arbeitete nach dem Studium der Germanistik und Geschichte zunächst für einige Jahre als Redakteurin im Feuilletonressort, bevor sie sich für die praktische Theaterarbeit als Dramaturgin entschied und Anfang der 80er Jahre ein Engagement an den damaligen Vereinigten Bühnen Krefeld-Mönchengladbach unter der Generalintendanz von Eike Gramss entschied. Eine Tätigkeit, die sie später am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken fortsetzte und die sie unter Generalintendant Jens Pesel bis 2000 auch wieder am niederrheinischen Gemeinschaftstheater übernahm.

Leidenschaft, kritischer Verstand, Loyalität und Kollegialität zeichneten sie im hohen Maße aus und machten sie zu einem hochgeschätzten und beliebten Ensemblemitglied.
Nach zehn Jahren praktischer Theaterarbeit wechselte Ulrike Gondorf die Seiten und war fortan als freie Kulturredakteurin, Kritikerin, Moderatorin und Librettistin tätig. Schwerpunktmäßig arbeitete sie für den WDR und berichtete u.a. in den Formaten Tonart, Mosaik oder Resonanzen über Musiktheater- und Schauspielpremieren sowie besondere Kulturprojekte. Sie hat dies auf überzeugend kompetente und engagierte Weise getan, stets mit einem offenen Blick und ohne jede persönliche Eitelkeit. In der von ihr regelmäßig moderierten WDR-Sendung Klassik Forum zeigte sie eine besondere dramaturgische Begabung, Musik, Kultur und Politik ideenreich in Beziehung zu setzen und ganz unpädagogisch zu erklären.

Mit ihrem enzyklopädisches Allgemeinwissen, ihrem untrüglichen Theaterinstinkt und ihrer sprachlichen Formulierungskunst war sie eine Ausnahmepersönlichkeit.
Aber auch durch ihre unbedingte Offenheit, ihre besondere Herzlichkeit und ihre vertrauensvolle Ehrlichkeit war sie ein ganz besonderer Mensch, der jetzt schmerzlich fehlen wird.