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Boris Godunow

Boris Godunow

Musikalisches Volksdrama von Modest Mussorgskij – russisch mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Mihkel Kütson, Inszenierung Agnessa Nefjodov, Bühne Eva Musil, Kostüme Nicole von Graevenitz, Choreinstudierung Michael Preiser, Dramaturgie Ulrike Aistleitner

Die Handlung von Modest Mussorgskijs musikalischem Volksdrama basiert auf den historischen Tatsachen um die Thronnachfolge Ivans „des Schrecklichen“ Ende des 16. Jahrhunderts. Mussorgskij, der das Libretto, basierend auf das gleichnamige Drama von Alexander S. Puschkin, selbst verfasste, verschiebt die Perspektive des Schauspiels ganz auf die Beziehung zwischen der individuell gestalteten Masse und dem an seiner Schuld zu Grunde gehenden Herrscher.

Ihre einzigartige Wirkung erzielt die Komposition der Oper, indem sich die Schilderung dieses individuellen Schicksals vor dem Panorama einiger der eindrucksvollsten Chorszenen vollzieht, die die Operngeschichte kennt. Indem der Komponist russische Volkslieder, Kirchengesänge und Kinderlieder mit der Kunstform Oper verbindet, entsteht mit Boris Godunow etwas fundamental Neues. Das Theater Krefeld und Mönchengladbach spielt die sogenannte „Ur-Fassung“ der Oper (von 1868/69), die durch die ungeschönte Direktheit der Orchesterpartitur und durch eine stringente Dramaturgie der Szenenfolge besticht.

  • Pressestimmen

    Verzweifeltes Leuchten in der Finsternis

    (…) Die Musik ist kraftvoll, ehrlich, ursprünglich in der Orchestrierung, selten verfeinert. (…) Dennoch fasziniert, was die Niederrheinischen Sinfoniker unter Mihkel Kütson im Graben veranstalten, denn diese Musik spiegelt  unmittelbar seelische Befunde der Handlung. (…) Johannes Schwärsky in der Titelrolle begeistert durch einen dunklen, ergreifenden Heldenbariton, aber er löst auch Bestürzung aus, wenn er den zweifelnden Thronanwärter mimt, von Gewissensqualen heimgesucht wird und schließlich verendet. (…) Ein respektables stimmliches Comeback gelingt Tenor Kairschan Scholdybajew als Fürst Schujskij. Hayk Dèinyan gibt dem Mönch Pimen kraftvolles Bassprofil. Als Einziger darf Rafael Bruck feineres Melos artikulieren. [Dirk Richerdt, Rheinische Post, 25.3.2019]

    Dunkel wie die Nacht

    (…) Was den Besuch dieser Oper zudem sehenswert macht, ist wieder einmal die Ensemble-Leistung am Theater Krefeld-Mönchengladbach. Gleich zu Beginn nachdem sich der Vorhang hebt, zieht der Opernchor (ergänzt um den Extrachor und einer Gruppe von Gästen, insgesamt somit knapp 70 Choristen) den Zuschauer komplett in den Bann. Hier gebührt Michael Preiser für die Einstudierung des Chores höchster Respekt. Johannes Schwärsky überzeugt in der Titelrolle einmal mehr sowohl durch seine körperliche Erscheinung wie auch durch seine stimmliche Leistung. Ganz hervorragend. Auch der ukrainische Tenor Igor Stroin gibt einen überzeugenden Grigorij Otrepjew ab. (…) Dies gilt auch für Rafael Bruck als Geheimschreiber Andrej Schtschelkalow sowie Susanne Seefing als Boris Sohn Fjodor und Sophie Witte als seine Tochter Xenia. Auch die weiteren kleineren Rollen sind allesamt auf den Punkt besetzt. Generalmusikdirektor Mihkel Kütson leitet die Niederrheinischen Sinfoniker souverän durch die mitunter schwierige Partitur. [Markus Lamers, Der Opernfreund, 24.03.2019]

    In Russlands düsterer Seele

    (…) Im äußerst anerkennenden Schlussapplaus dürfen am Ende des Abends mehr als ein Dutzend Solisten baden. Einsam überstrahlt Johannes Schwärsky das Ensemble, dessen dunkler Bariton der tragischen Titelfigur Wärme und Kraft verleiht und ihn als einzige Person mit so etwas wie Entwicklung ausstattet. (…) Ihm entgegen wirken ein weiser alter Mönch (Hayk Dèinyans Bass durchglüht die Pimen-Partie) und ein intriganter Fürst (Kairschan Scholdybajew mit fieser tenoraler Strahlkraft als Schujskij). (…) Die Musik taucht die Regie mit Hilfe von Bühnenbildnerin Eva Musil und Ausstatterin Nicole von Graevenitz in düstere, graue Bilder. Bemerkenswert bleibt, dass Nefjodov mit Mussorgski (und Kütson) einig ist. Die großen Chortableaus haben immense Kraft, sie bewegt die Massen souverän. Auch die kammermusikalischen Szenen atmen den besonderen Geist aus Lebenslust und Schwermut. Sehenswert. [Armin Kaumanns, Aachener Zeitung, 24.3.2019]

     

    Johannes Schwärsky ist ein stimmgewaltiger Boris, der die Zerrissenheit der Figur gut über die Rampe bringt, Hayk Dèinyan punktet mit kultiviert geführtem, samtweichem Bass als Pimen. Igor Stroin versieht mit hellem Tenor die Partie des „falschen Dimitri“ Grigorij mit etwas „näselnder“ Höhe, was aber ausgezeichnet zur Rolle passt, Kairschan Scholdybajew ist als windiger und aalglatter Fürst Schuiskij zu erleben. [M. Lode-Gerke, Das Opernglas, 5/2019]