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Die Gespräche der Karmeliterinnen (Les dialogues des Carmélites)

Die Gespräche der Karmeliterinnen (Les dialogues des Carmélites)

Oper von Francis Poulenc – französisch mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Mihkel Kütson, Inszenierung Beverly Blankenship, Inszenierung Rebecca Blankenship, Bühne Christian Floeren, Kostüme Gerti Rindler-Schantl, Choreinstudierung Michael Preiser, Dramaturgie Ulrike Aistleitner

Am 17. Juli 1794 werden 16 Nonnen des Karmeliter-Ordens von Compiègne auf der Guillotine hingerichtet. Zuvor waren sie im Zuge der Französischen Revolution aus ihrem Kloster vertrieben und verhaftet worden, weil sie ihren Orden und ihren Glauben nicht aufgeben wollten. Der Zuschauer erlebt die Geschichte aus der Perspektive der Adeligen Blanche, die im Kloster Zuflucht gesucht hatte und den Weg der Nonnen mit ihnen bis zu ihrem bitteren Ende ging. In ihrer Novelle „Die letzte am Schafott“ (1931) schrieb Gertrud von le Fort, auf dieser wahren Begebenheit basierend, ein Plädoyer für den mutigen Kampf gegen unmenschliche Machtidiologien.

Blanche de la Force, die Tochter des Marquis de la Force und Schwester des Chevaliers, ist verängstigt. Sie wurde bei einem Ausflug von pöbelnden Menschen aggressiv mit dem Tode bedroht. Ihrer Mutter war etwas Ähnliches passiert, sie starb daraufhin kurz nach der Geburt ihrer Tochter. Blanche bittet ihren Vater um die Genehmigung, in das örtliche Karmelitinnenkloster eintreten zu dürfen. Dort wird sie von der sterbenskranken Priorin de Croissy auf das harte Leben im Kloster hingewiesen. Blanche ist trotzdem entschlossen und will im Kloster den Namen Blanche von der Todesangst Christi annehmen.
Blanche freundet sich mit der ebenfalls neu in das Kloster eingetretenen Novizin Schwester Constance an. Die kranke Priorin liegt im Sterben und gibt die neue Schwester Blanche de la Force in die Obhut der Novizenmeisterin Mère Marie. Vor ihrem Tod hat sie eine Vision, dass das Kloster zerstört werde und alle Schwestern sterben würden.

Blanche und Schwester Constance halten die Totenwache für die verstorbene Priorin. Zur neuen Priorin wird nicht wie gedacht Mère Marie, sondern Madame Lidoine als Mutter Maria Theresa vom heiligen Augustin gewählt, und die Schwestern geloben ihr Gehorsam. Unterdessen bedroht draußen das revolutionäre Volk das Kloster. Chevalier de la Force erscheint im Kloster und will seine Schwester in Sicherheit bringen, aber Blanche weigert sich, mit ihm zu kommen. Die Revolutionäre dringen in das Kloster ein, Kommissare befehlen die Räumung, aber die Schwestern sind fest entschlossen zu bleiben.

Mère Marie versucht in Abwesenheit der Priorin ihre Mitschwestern zu überreden, den Weg des Opfertodes für Land und König zu gehen. Bei der folgenden Abstimmung ist Constance zunächst dagegen, da sie Blanche schützen möchte, beugt sich dann aber der Mehrheit. Die zurückgekommene Lidoine kann das Gelübde nicht verhindern. Nach der Abstimmung flieht Blanche aus dem Kloster, noch rechtzeitig, bevor ein Polizeioffizier den Nonnen befiehlt, die Klausur zu verlassen und zivile Kleidung anzulegen.
Blanche sucht Zuflucht in ihrem leerstehenden Elternhaus und lebt dort als Magd. Ihr Vater ist als Adeliger bereits hingerichtet worden. Mère Marie ist ihr gefolgt und berichtet von der tödlichen Gefahr, in der sie und die anderen Schwestern sich befinden. Es gelingt ihr aber nicht, sie zum Mitkommen zu bewegen.
Da die Nonnen sich weigern, zivile Kleidung anzulegen und immer noch als Gemeinschaft leben, werden sie in ein Gefängnis geworfen. Die Priorin versucht, ihre Mitschwestern nach der ersten Nacht im Gefängnis zu trösten und bereitet sie auf den Tod vor. Mère Marie erfährt, dass alle Nonnen hingerichtet werden sollen und eilt zum Gefängnis, wo sie der Beichtvater erwartet.
Beide können das Urteil nicht verhindern. Auch Blanche erfährt von der bevorstehenden Hinrichtung und eilt ebenfalls dorthin. Auf dem Weg zum Schafott beginnen die Schwestern gemeinsam das „Salve Regina“ zu singen, dann werden sie eine nach der anderen unter der Guillotine hingerichtet. Als Constance als letzte an die Reihe kommt, drängt sich Blanche durch die Menschenmenge und geht mit ihr in den Tod.

Stückeinführungen jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn  in der Theaterbar des Theaters Mönchengladbach.

 

 

  • Pressestimmen

    Berührendes und beklemmendes Schicksal

    „Die Gespräche der Karmeliterinnen“ mit ihrem Finale am Schafott haben im Theater furios Premiere gefeiert.

    (…) Die Ängste und Zerrissenheit der Novizin setzt Witte sehr überzeugend in ihrer Rolle um – gesanglich wie schauspielerisch. Viele Facetten des Seelenlebens der Klosterfrau werden anschaulich, können das Publikum berühren. Mit großer Ausdrucksstärke stellt Kerstin Brix das qualvolle Sterben der Priorin Madame de Croissy dar. (…) Mit ähnlicher Intensität, die von Verantwortungsgefühlen und Ängsten geprägt ist, stellen auch Janet Bartolova als neue Priorin und Eva Maria Günschmann als Novizenmeisterin Mère Marie ihre Rollen dar. Fröhlichere Momente und Lichtblicke in diesen düsteren Alltag der Karmeliterinnen bringt zu Beginn der Oper die Novizin Constance, spielerisch wie sängerisch überzeugend umgesetzt von Panagiota Sofroniadou (Mitglied im Opernstudio Niederrhein).  (…) Es ist ergreifend, wenn die Karmeliterinnen singen und eine nach der anderen mit dem Klang des Fallbeils zu Boden sinkt. Nachdem auch Blanche als letzte der 16 Märtyrerinnen singend gestorben ist, wird der Bühnenraum abgedunkelt. Es herrscht eine beklemmende Atmosphäre und Stille, in der ein Applaus unangemessen erscheint. Doch dann entwickelt sich dieser in einem deutlichen Crescendo und das Premierenpublikum lässt seiner Begeisterung freien Lauf. [WZ online, 28.1.2019]

     

    Zum Gruseln schöne Frauen-Oper

    Erstaufführung in Krefeld: Die Gespräche der Karmeliterinnen (Les dialogues des Carmélites) von Francis Poulenc begeisterte.

    (…) Das Orchester leitet Mihkel Kütson hinter einem Gazeschleier sichtbar auf der Hinterbühne. Der Orchestergraben ist geschlossen, dadurch rückt das körperbetonte Spiel der Solisten nah ans Publikum, gewinnt so an Intensität. (…) Poulencs Musik spielt meisterhaft mit Elementen der Stilgeschichte, von der Gregorianik über neobarocke und klassische Formate bis hin zur Clarté des französischen Impressionismus. Ihr emotionaler Angang ist riesig, und Kütson gewährleistet mit erhabenem Feinsinn, dass die Niederrheinischen Sinfoniker, der Opernchor und der Damen-Extrachor ein klangintensives Hörereignis erschaffen. Unter den vielen Solistinnen dieser gruselig-schönen Frauenoper ragen die lyrische Sopranistin Sophie Witte als Novizin Blanche, Panagiota Sofroniadou (Schwester Constance) vom Opernstudio, Kerstin Brix als auch mimisch großartige Darstellerin der Priorin und Eva Maria Günschmann (Marie) eindrucksvoll hervor. [Dirk Richerdt, Rheinische Post, 28.1.2019]

     

    Les dialogues des Carmélites

    (…) Star des Abends ist hier das Ensemble samt großartigem Chor, der unter der Einstudierung von Michael Preiser an diesem Abend zeigt, was in ihm steckt. (…) In der Schlussszene, in der nach und nach eine Ordensschwester beim „Salve Regina“ verstummt, findet diese Chorleistung dann ihren Höhepunkt. Doch auch die Solisten, bis auf zwei Ausnahmen erneut komplett mit dem hauseigenen Ensemble besetzt, zeigen einmal mehr die Stärke dieses Hauses. Und irgendwie möchte man Kerstin Brix auch noch immer nicht wirklich als Gast einordnen, hat sie in Krefeld und Mönchengladbach doch schon oft das Publikum begeistert. So auch bei dieser Premiere, denn in der Rolle der Priorin sitzt nicht nur jeder Ton, nein, sie spielt hier mit einer Intensität, die ihres Gleichen sucht. So ist es nicht verwunderlich, dass das Krefelder Publikum ihr am Ende begeisternden Beifall spendet. Und auch Sophie Witte zeigt als Blanche einmal mehr, dass sie auch die ganz großen Rollen mit einer scheinbaren Leichtigkeit auf die Bühne bringen kann. Auch hierfür gab es großen Beifall. (…) Besonders erwähnenswert zweifellos noch Panagiota Sofroniadou aus dem Krefelder Opernstudio. Liebe Opernfreunde, merkt euch diesen Namen, denn wer die Novizin Soeur Constanze mit solch einem schönen Sopran versieht ist in der Ausbildung weit fortgeschritten. (…) Unter der Leitung von GMD Mihkel Kütson spielen die Niederrheinischen Symphoniker in großer 10er-Besetzung kraftvoll und intensiv, aber niemals zu laut, obwohl das Orchester bei dieser Inszenierung auf der Hinterbühne seinen Platz findet. (…) Allgemein finden die beiden Regisseurinnen immer wieder starke Bilder, die fast komplett ohne Requisiten auskommen. (…) Ein alles in allem sehr überzeugender Theaterabend und ein musikalischer Leckerbissen, den uns das Theater Krefeld hier präsentiert, auf solch einen Abend wartet man dann auch gerne ein paar Jahre länger. [Markus Lamers, Opernfreund, 28.01.2019]

     

    Eine geradezu sensationelle Chorleistung

    Nach dem Verlöschen der Musik eine gebührliche Pause, dann jedoch euphorischer Beifall, wie in diesem Hause schon lange nicht mehr erlebt. Aber in den Schlußbildern zeigt sich halt eine besondere Stärke der Inszenierung Beverly Blankenships: praktisch jede Choristin steigert sich zu einer Hauptrolle von unterschiedlichem Charakter. (…) Blankenships (jetzige) Arbeit lebt von einer sich unglaublich steigernden choreografischen Intensität. (…) Die Art, wie sich Dirigent Mihkel Kütson sogleich vehement in die Anfangstakte stürzt, den Publikumsbeifall für seinen Auftritt ignorierend, zeigt, wie stark er sich von der Partitur seit den Proben offenkundig hat fesseln lassen. Auch während der gesamten Aufführung formt er die (übrigens auf der Hinterbühne plazierten) Niederrheinischen Sinfoniker zu machtvollem, loderndem Spiel heraus, welchem es an Pianosuggestion aber nicht fehlt. (…) Sophie Witte ist eine bewegende Blanche, hingebungsvoll singend und schonungslos spielend. Als Meer Marie überzeugt Eva Maria Günschmann mit ihrem üppig blühenden, höhenstarken Mezzo, bei Janet Bartolova (Madame Lidoine) dominiert die Bühnenautorität. (…) Alle Akteure bilden ein, dies sei nochmals nachdrücklich betont, ein Ensemble von immenser Ausdruckskraft. Das sollte sich herumsprechen und helfen, das Haus bei den kommenden Vorstellungen angemessen zu füllen. [Christoph Zimmermann, Der neue Merker, 27.1.2019]

    Von Ängsten durchschüttelt

    (…) Das vorzügliche Ensemble hat keinerlei Probleme, sich gegen die weit im Hintergrund postierten und von Mikhel Kütson sehr aufmerksam und sängerfreundlich geführten Niederrheinischen Sinfoniker durchzusetzen. Dennoch kann Kütson genügend Leuchtkraft und Substanz entwickeln, so dass die Qualität der schillernden Partitur zu ihrem Recht kommt. Der ebenso verdienstvollen wie zuverlässigen Sopranistin Sophie Witte als Blanche gelingt ein überzeugendes Psychogramm einer jungen Frau, die ihre Ängste am Ende überwindet. Grandios auch Kerstin Brix als alte, verbitterte Priorin Madame de Croissy. Eva Maria Günschmann bewegt sich als Novizenmeisterin Mère Marie auf gleichem Niveau. Ebenso Panagiota Sofroniadou als jugendlich optimistische Novizin Constanze. Auch die vielen kleineren Rollen sind adäquat besetzt. Langanhaltender Beifall für einen eindrucksvollen Beitrag des Theaters Krefeld Mönchengladbach. [Pedro Obiera, O-Ton, 28.3.2019]