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Farben der Welt (Uraufführung)

Farben der Welt (Uraufführung)

Ballettabend von Robert North, Musik von Igor Strawinsky, Howard Blake, André Parfenov und Antonio Vivaldi
Musikalische Leitung Yorgos Ziavras, Choreografie Robert North, Choreografieassistenz Sheri Cook, Bühne und Kostüme Andrew Storer, Bühne und Kostüme Udo Hesse, Dramaturgie Regina Härtling

Vier Maler, vier Komponisten – so lässt sich das Konzept dieses opulenten Ballettabends, dem die Niederrheinischen Sinfoniker musikalischen Glanz verleihen, knapp umreißen.

Mit Scherenschnitten, darunter viele Zirkusmotive, machte Henri Matisse in den 1940er Jahren Furore. Robert North gewinnt aus der Farbigkeit und Ornamentik dieser Bilder in Verbindung mit Musik von Strawinsky komödiantische Impulse für seine Choreografie Miniaturen.

Ein beliebtes Bildmotiv in der Florentiner Malerei des 15. Jahrhunderts, welches auch Sandro Botticelli aufgriff, ist die Verkündigung an Maria. Dieses biblische Thema deutet Robert North tänzerisch und spinnt die Geschichte weiter, wirkungsvoll untermalt durch die ausdrucksstarke Musik von Howard Blake.

Mit der Uraufführung Kasimir Malewitsch präsentieren Robert North und der Komponist André Parfenov eine spannende Neukreation, die sich mit dem Schöpfer des Schwarzen Quadrates, dem russischen Avantgarde-Maler Kasimir Malewitsch, auseinandersetzt.

Tempus Fugit widmet sich dem englischen Maler William Turner, dessen Naturmotive und Lichtstimmungen faszinierend modern wirken. Kombiniert mit Vivaldi-Musik gelingt Robert North eine Synthese romantischer und barocker Kunst, eine Choreografie voll Leichtigkeit und Lebensfreude.

  • Pressestimmen

    Ein Ballett für Maler wie Matisse und Botticelli
    Robert North zeigt in „Farben der Welt“ eine vierteilige Choreografie, die sich jeweils einem Künstler und seinem Werk widmet.

    (..) „Farben der Welt“ ist eine wunderbare Hommage an die Künstler Sandro Botticelli, Kasimir Malewitsch, William Turner und eben Matisse. (…) Vielseitigkeit, hohe Musikalität und die Fähigkeit, komplexe Themen sehr dicht und einprägsam zu gestalten, zeichnen Robert Norths Choreografien seit Jahren aus. (…) „Miniaturen“ heißt das von Matisse inspirierte erste Stück. Zur Musik von Igor Strawinsky entwickelt sich in kurzen Sequenzen eine heitere, bunte Welt. Für die dynamische, teilweise sehr witzige Choreografie hat North sich an Scherenschnittmotiven von Matisse, die neben Tanzszenen auch die Welt des Zirkus widerspiegeln, orientiert. (…)
    Nach diesem heiteren Auftakt führt der zweite Teil „Verkündigung“ in die Welt der italienischen Renaissance. In einem leeren, dunklen Bühnenraum entwickelt sich ein dichtes Kammerspiel (…) Zu der hoch emotionalen Musik von Howard Blake, bei der nur die dunklen Klangfarben des Orchesters zum Einsatz kommen, entwickelt sich ein packendes Drama. (…). Alle sechs Tänzer agieren mit großer Präzision, allen voran Victoria Hay (Maria) und Marco A. Carlucci (Engel). (…)
    Das dritte Stück trägt den Namen des Künstlers schon im Titel: Kasimir Malewitsch. In dieser von Robert North neu geschaffenen Choreografie gibt er der Figur des Künstlers selbst viel Raum. Man erlebt Malewitsch (Francesco Rovea) gemeinsam mit seiner Muse (Irene van Dijk) im Atelier. Verschiedene Tänzer, deren Kostüme geometrische Bildmotive zeigen, verkörpern die Elemente, aus denen dann Bilder entstehen. Auch vom Bühnenhimmel schweben verschiedene geometrische Formen herab, darunter das für Malewitsch so charakteristische schwarze Quadrat (Bühne und Kostüme Udo Hesse). Die Musik zu diesem Stück stammt von André Parfenov (…) Die mal sehr melodische, dann wieder expressive Musik, bei der Glockenklänge eine wichtige Rolle spielen, fängt die Atmosphäre um den russischen Avantgarde-Künstler perfekt ein. (…)
    „Tempus fugit“ heißt das zauberhafte Stück, das der Choreograf William Turner widmet. Die zarten Farben der schon impressionistisch angehauchten Aquarelle des englischen Malers der Romantik bilden den Bühnenhintergrund. Davor spielt sich ein temporeiches, heiteres, aber manchmal auch von einer leichten Melancholie gekennzeichnetes Spiel von fünf Paaren ab. (…) Ebenso differenziert und exakt im Tempo interpretieren die Niederrheinischen Sinfoniker die Musik Vivaldis.
    Unter der präzisen Leitung von Yorgos Ziavras bewältigen sie auch die stilistisch so unterschiedlichen andere Kompositionen mit Bravour. (…) Eine besondere Erwähnung verdient auch die unglaublich vielfältige Lichtregie, die zum künstlerischen Gesamteindruck wesentlich beiträgt. (…)
    [Michaela Plattenteich, Westdeutsche Zeitung, 08.10.2019]

    Ein Tanzabend wie gemalt
    Bei der Premiere von Robert Norths „Farben der Welt“ gab es minutenlange Ovationen

    (…) „Farben der Welt“ ist ein Bilderbogen mit hinreißenden Szenen – wie gemacht für die Compagnie, die voller Leidenschaft und Verve tanzt. Und die Niederrheinischen Sinfoniker lassen aus dem Graben die schönsten Klangfarben leuchten. Es ist keine leichte Aufgabe, die sie, sicher geführt von Yorgos Ziavras, meistern. Denn Robert North hat kongeniale Musik, die oft Stimmung und Tempo wechselt. (…)
    Mit Luftsprüngen und Arabesquen, Spagat und Huckepack-Figuren versprühen die Tänzer Lebensfreude. In den Kostümen von Andrew Storer wirken sie, als seien sie geradewegs von Matisses Palette gehüpft. Sie treiben Schabernack und Versteckspiel zu den musikalischen Miniaturen von Strawinsky. (…) Das gelingt genauso wunderbar im Teil „Tempus Fugit“, der an die romantischen Naturdarstellungen von William Turner erinnert und zu Klängen von Vivaldi aparte und humorvolle Tanzszenen zeigt – sogar auf Spitze. Das ist so heiter und inspiriert wie ein Venedig-Aquarell und zeigt im Wechsel der Tempi das Verfliegen der (Lebens-)Zeit. (…)
    In „Verkündigung“ erzählt North, ausgehend von Botticellis berühmtem Gemälde aus dem 15. Jahrhundert, die Geschichte Marias, er führt sie weiter bis zur Grablegung Jesu: Victoria Hay ist die Auserwählte für ein schweres Los. Der Engel (Marco A. Carlucci) verkündet ihr die Empfängnis des Gottessohnes und bleibt an ihrer Seite. Zu der stimmungsvollen Musik von Howard Blake (…) offenbart sich das Leiden einer Mutter. In bewegenden Pas de Deux mit dem Engel ringt Maria mit dem Schicksal (…) Alessandro Borghesanis Jesus-Darstellung ist ausdrucksvoll, ohne jedes Pathos. (…)
    Dem russischen Avantgardisten Kasimir Malewitsch (1878-1935), dem „Meister des schwarzen Quadrats“, ist eine Uraufführung gewidmet, zu der André Parfenov die Musik komponiert hat. North, Parfenov und Kostüm-/ Bühnenbildner Udo Hesse haben als Trias bereits manchen Ballettcoup gelandet. „Malewitsch“ ist wieder ein großer Wurf. Parfenovs fünfteilige Orchestersuite hat Wucht, Kraft und dazwischen eine glockenartige Leichtfüßigkeit, als würden die Töne wie vom Malerpinsel in den Raum tröpfeln. Hesse lässt zu exakter Lichtregie geometrische Formen in Malewitschs Duktus aus dem Schnürboden herabschweben. (…) Francesco Rovea als „der Künstler“ und Irene van Dijk als seine Muse sowie das Corps setzen jeden Klang in Bewegung um. (…)
    „Farben der Welt“ ist ein ästhetisches, musikalisches und anspruchsvolles Vergnügen, ein Tanzabend wie gemalt. In der vergangenen Spielzeit war die Produktion bereits im Gladbacher Haus zu sehen und ist von den Zuschauern mit einem RP-Theateroscar prämiert worden.
    [Petra Diederichs, Rheinische Post, 08.10.2019]

    Tänzer als bewegte Bilder
    Robert Norths vierteiliger Ballettabend „Farben der Welt“ überführt Motive aus der Malereigeschichte in Tanzbilder. Eine Uraufführung ist auch dabei: Musik des Theater-Pianisten André Parfenov zu Kasimir Malewitsch.

    (…) Dass die Bilderschau auf der von Udo Hesse, Andrew Storer, Philippe Combeau und North eingerichteten Tanzbühne zu einem Feuerwerk grazil bewegter Farbkompositionen in Kostümen geraten musste, war keine Frage. Als dritte, nicht minder wichtige Komponente stellte der Chefchoreograf die Musik in Positur. Für deren stimmige Realisierung sorgte Kapellmeister Andreas Fellner mit den Niederrheinischen Sinfonikern.
    Für die Matisse-Bilder aus den Milieus Zirkus und Jazz hatte North zwei Orchestersuiten und Miniaturen von Strawinsky ausgesucht, die für die tänzerische Umsetzung maßgeblicher waren, als die Bildvorlagen (…) Hier ließ er seiner kreativen Ader freien Lauf, die kurzen Tanzszenen verschafften nicht nur ästhetisches Vergnügen, sondern überraschten auch mit humoristischen Einfällen.
    Ernster gestimmt kam „Verkündigung“ daher, das Stück fußt auf einem Gemälde des Renaissance-Meisters Botticelli. (…) Irene van Dijk (Maria) und Marco A. Carlucci (Engel) zeigen einen berührenden Pas de deux, wobei Maria wiederholt versucht, sich der sie überfordernden Mission der Gottesmutter zu entziehen. North erzählt die Geschichte weiter (…) Alessandro Borghesani trägt unprätentiös und doch atemberaubend die besondere Verantwortung, die Gestalt des Nazareners würdevoll in Tanz zu bannen (…)
    Eine veritable Uraufführung war an diesem Abend (…) auch zu erleben: Der Klaviervirtuose André Parfenov widmet sich in seiner Malewitsch-Suite dem Schaffen des russischen Suprematisten. Das klang wie eine raffinierte Weiterentwicklung der Motorik Strawinskys, die Tänzerinnen und Tänzer durften phasenweise geschmeidige Figuren durch eckig-markante ersetzen. Die bunten Kostüme präsentierten ebenso wie die vom Schnürboden herabfahrenden konstruktivistischen Elemente vertraute Motive des russischen Künstlers, dessen legendäres „Schwarzes Quadrat“ hier nicht fehlen durfte.
    Schon nach dem Malewitsch-Stück brandete kräftiger Applaus auf, nach dem Schlussstück „Tempus Fugit“ steigerte sich der Beifall gar zum lange anhaltenden Orkan. Hochverdiente Anerkennung der glänzenden Leistungen dieser 21-köpfigen Ballettcompagnie!
    [Dirk Richerdt, Rheinische Post, 06.05.2019]

    Tanzfiguren im Farbenrausch
    Der neue Ballettabend des Theaters Krefeld/ Mönchengladbach feiert die bildende Kunst. Choreograf Robert North porträtiert große Maler.

    (…) Der Titel „Farben der Welt“ klingt nicht gerade reißerisch, doch das neue Programm mit den Kunst-Vertretern von der Renaissance bis zur Klassischen Moderne ist hinreißend. Es ist die Stunde der Bühnen- und Kostümbildner. Und das Ensemble präsentiert sich im Theater Mönchengladbach in Topform.
    Es könnte ein echter Matisse sein: Ein farbenfrohes Bild mit zwei tanzenden Menschen zeigt gleich zu Beginn eine Gaze der Vorbühne. Dahinter formieren sich in heiterer Gelassenheit vier Paare. Sie tragen Kostüme in den gleichen leuchtenden Blau- und Rottönen, bedruckt mit den abstrakten Meerestieren und –pflanzen, die so typisch für den großen Koloristen Matisse sind (Ausstattung: Andrew Storer). Eine paradiesische Welt glücklicher, tanzender Menschen offenbart sich, als der Vorhang hochgeht. (…) Im Kontrast da7u das dunkle Kammerballett „Verkündigung (Sandro Botticelli)“. Das Auftragswerk aus Israel zeigt Robert North von einer anderen stilistischen Seite. Beim Erzählen der biblischen Geschichte (…) wird der Einfluss der großen Ausdruckstänzerin Martha Graham, bei der er in New York tanzte, mehr als deutlich. (…) Die unheilvolle Atmosphäre fesselt – nicht zuletzt durch die spannungsreiche Musik Howard Blakes.
    Die Uraufführung von „Kasimir Malewitsch“ ist wieder ein Fest der Farben und Formen. Udo Hesse macht bildende Kunst lebendig: Geometrien, wie sie in „Dynamischer Suprematismus“ von 1916 zu sehen sind, und andere Werke, darunter eine Anspielung an das legendäre Schwarze Quadrat, hängen vom Bühnenhimmel. Davor tanzen kunterbunte Figurinen, die mit ihren klaren Formen von einem Bauhaus-Ballett inspiriert sein könnten. In Wahrheit war es umgekehrt: Der Vorreiter der Avantgarde inspirierte die Bauhaus-Künstler. Eine Geschichte von einem Maler und seiner Muse, die ihn so lange umgarnt, bis er sie wegstößt, hat North um den Künstler herumgesponnen. Stilistisch verbindet er virtuos Modern Dance und klassisches Ballett – typisch North. (…) „Tempus Fugit“ schließlich ist eine Freude für die Fans des akademischen Balletts – ziselierter Spitzentanz in schnell wechselnden Tempi zu Werken von Antonio Vivaldi. (…) North hat es William Turner aus der romantischen Epoche gewidmet: Das Ensemble tanzt in pastellfarbenen Trikots vor einem Sonnenaufgang, dessen Konturen sich auflösen. (…)
    Ein schöner Abend. „Farben der Welt“ – ein Ballett-Leuchten vom Niederrhein.
    [Bettina Trouwborst, Westdeutsche Zeitung, 06.05.2019]

    Von Botticelli bis Malewitsch
    Farben der Welt: Zu seinem neuen Tanz-Programm ließ sich Ballett-Direktor Robert North von Gemälden und Künstlern aus mehreren Jahrhunderten inspirieren. (…)

    Es verwundert nicht, dass angesichts des Mottos den Bühnenbildern und Kostümen eine noch stärkere Bedeutung zukommt, als man es von Ballett-Abenden gewohnt ist. Und da fallen gleich im ersten Beitrag, Miniaturen nach Eingebungen von Henri Matisse, helle, bunte geometrische Figuren ins Auge, mit denen Ausstatter Andrew Storer zu den neoklassizistischen Klängen von (…) Igor Strawinsky ein freundliches Szenario entwarf, das Robert North für eine luftig-leichte Choreografie auf klassischer Grundlage nutzte. Eine Frühlingsstimmung stellt sich ein, die North im letzten Beitrag aufgreift und damit dem stilistisch ansonsten sehr unterschiedlich gestrickten Werk-Reigen einen Rahmen gibt.
    Dass North im Finale unter dem Titel Tempus Fugit die Bilderwelt William Turners in lichte, mediterrane Klänge Antonio Vivaldis taucht, (…) erinnert aber an die starke Wirkung der Italien-Reise Turners 1819, die seine Aufmerksamkeit auf die Lichtenergie der Sonne richtete. Und die Sonne beherrscht in Mönchengladbach auch das von North selbst konzipierte Bühnenbild. (…) Einen dunklen Kontrast bildet Robert Norths Choreografie Verkündigung nach Sandro Botticellis berühmtem Gemälde. Die Bühne bleibt diesmal leer, dafür lässt North das Leben des Messias von der Verkündigung Marias bis zur Passions- und Auferstehungsgeschichte erstehen, dargestellt von vier Solisten und zwei Aposteln zu einer filmreifen Musik von Howard Blake. (…)
    Gleich zwei schwarze Quadrate in Anlehnung an das Markenzeichen Kasimir Malewitschs beherrschen die von Udo Hesse gestaltete Bühnenrückwand in der neuesten Arbeit Norths, Kasimir Malewitsch, zu der der russische Pianist und Komponist André Parfenov eine vierteilige Orchestersuite beigesteuert hat. Parfenov (…) lässt es in den Ecksätzen, wenn Francesco Rovea als „Künstler“ und Irene van Dijk als „Muse“ um Eingebungen ringen, in satten symphonischen Leuchtfarben aufklingen, durchsetzt mit russisch timbrierten Glockenklängen. In den Binnensätzen, in denen eine Petruschka-ähnliche Puppe zum Leben erweckt wird, orientiert sich Parfenov deutlich an Strawinskys Ballettmusiken. Eine vorzügliche musikalische Vorlage, von den Niederrheinischen Sinfonikern unter Leitung von Andreas Fellner sorgfältig ausgeführt.
    Vier unterschiedliche Arbeiten, die dem Tanz-Ensemble eine Menge an Flexibilität abverlangen, auch wenn Robert Norths Bewegungssprache auf extreme Extravaganzen und Herausforderungen verzichtet. Das Publikum nimmt den kurzweiligen Abend jedenfalls mit heller Begeisterung auf.
    [Pedro Obiera, O-Ton, 08.05.2019]