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Farben der Welt (Uraufführung)

Farben der Welt (Uraufführung)

Ballettabend von Robert North Musik von Igor Strawinsky, Howard Blake, André Parfenov und Antonio Vivaldi
Musikalische Leitung Andreas Fellner, Choreografie Robert North, Choreografieassistenz Sheri Cook, Bühne und Kostüme Andrew Storer, Bühne und Kostüme Udo Hesse, Kostüme Philippe Combeau, Dramaturgie Regina Härtling

Aus Gemälden der Renaissance und der klassischen Moderne schöpft Robert North die Ideen für diesen opulenten Ballettabend, dem die Niederrheinischen Sinfoniker musikalischen Glanz verleihen.

Mit einer Folge von Scherenschnitten, darunter viele Zirkusmotive, machte Henri Matisse in den 1940er Jahren Furore. Er war kein  Unbekannter in den Kreisen der europäischen Avantgarde, als dieser Zyklus unter dem Titel Jazz erschien – eine Anspielung auf das Prinzip der Improvisation. Robert North nähert sich Matisse mit dem Auge und der Fantasie des Choreografen und gewinnt aus der Farbigkeit, Ornamentik und Klarheit der Bilder in Verbindung mit Musik von Strawinsky spannende Impulse für den Tanz.

Ein beliebtes Bildthema in der Florentiner Malerei des 15. Jahrhunderts, welches auch Sandro Botticelli aufgriff, ist die Verkündigung an Maria. Botticelli gestaltete diese biblische Szene so theatralisch ausdruckvoll, dass Robert North sich von dem Gemälde inspiriert fühlte und in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Howard Blake The Annunciation als Ballett frei ausdeutete.

Nach der Pause erklingt eine Neukomposition von André Parfenov, deren tänzerische Ausdeutung sich mit dem russischen Maler Kasimir Malewitsch, einem Vorreiter der Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhundert, beschäftigt – eine Uraufführung, die man mit Spannung erwarten darf.
In der abschließenden Choreografie setzt Robert North auf die Synthese von romantischer und barocker Kunst. Er widmet sich dem englischen Maler William Turner, der bevorzugt Naturmotive gestaltet und dabei Lichtstimmungen und Atmosphäre auf einzigartige Weise einfängt. Hierzu erklingt Musik von Antonio Vivaldi.

  • Pressestimmen

    Tänzer als bewegte Bilder
    Robert Norths vierteiliger Ballettabend „Farben der Welt“ überführt Motive aus der Malereigeschichte in Tanzbilder. Eine Uraufführung ist auch dabei: Musik des Theater-Pianisten André Parfenov zu Kasimir Malewitsch.

    (…) Dass die Bilderschau auf der von Udo Hesse, Andrew Storer, Philippe Combeau und North eingerichteten Tanzbühne zu einem Feuerwerk grazil bewegter Farbkompositionen in Kostümen geraten musste, war keine Frage. Als dritte, nicht minder wichtige Komponente stellte der Chefchoreograf die Musik in Positur. Für deren stimmige Realisierung sorgte Kapellmeister Andreas Fellner mit den Niederrheinischen Sinfonikern.
    Für die Matisse-Bilder aus den Milieus Zirkus und Jazz hatte North zwei Orchestersuiten und Miniaturen von Strawinsky ausgesucht, die für die tänzerische Umsetzung maßgeblicher waren, als die Bildvorlagen (…) Hier ließ er seiner kreativen Ader freien Lauf, die kurzen Tanzszenen verschafften nicht nur ästhetisches Vergnügen, sondern überraschten auch mit humoristischen Einfällen.
    Ernster gestimmt kam „Verkündigung“ daher, das Stück fußt auf einem Gemälde des Renaissance-Meisters Botticelli. (…) Irene van Dijk (Maria) und Marco A. Carlucci (Engel) zeigen einen berührenden Pas de deux, wobei Maria wiederholt versucht, sich der sie überfordernden Mission der Gottesmutter zu entziehen. North erzählt die Geschichte weiter (…) Alessandro Borghesani trägt unprätentiös und doch atemberaubend die besondere Verantwortung, die Gestalt des Nazareners würdevoll in Tanz zu bannen (…)
    Eine veritable Uraufführung war an diesem Abend (…) auch zu erleben: Der Klaviervirtuose André Parfenov widmet sich in seiner Malewitsch-Suite dem Schaffen des russischen Suprematisten. Das klang wie eine raffinierte Weiterentwicklung der Motorik Strawinskys, die Tänzerinnen und Tänzer durften phasenweise geschmeidige Figuren durch eckig-markante ersetzen. Die bunten Kostüme präsentierten ebenso wie die vom Schnürboden herabfahrenden konstruktivistischen Elemente vertraute Motive des russischen Künstlers, dessen legendäres „Schwarzes Quadrat“ hier nicht fehlen durfte.
    Schon nach dem Malewitsch-Stück brandete kräftiger Applaus auf, nach dem Schlussstück „Tempus Fugit“ steigerte sich der Beifall gar zum lange anhaltenden Orkan. Hochverdiente Anerkennung der glänzenden Leistungen dieser 21-köpfigen Ballettcompagnie!
    [Dirk Richerdt, Rheinische Post, 06.05.2019]

    Tanzfiguren im Farbenrausch
    Der neue Ballettabend des Theaters Krefeld/ Mönchengladbach feiert die bildende Kunst. Choreograf Robert North porträtiert große Maler.

    (…) Der Titel „Farben der Welt“ klingt nicht gerade reißerisch, doch das neue Programm mit den Kunst-Vertretern von der Renaissance bis zur Klassischen Moderne ist hinreißend. Es ist die Stunde der Bühnen- und Kostümbildner. Und das Ensemble präsentiert sich im Theater Mönchengladbach in Topform.
    Es könnte ein echter Matisse sein: Ein farbenfrohes Bild mit zwei tanzenden Menschen zeigt gleich zu Beginn eine Gaze der Vorbühne. Dahinter formieren sich in heiterer Gelassenheit vier Paare. Sie tragen Kostüme in den gleichen leuchtenden Blau- und Rottönen, bedruckt mit den abstrakten Meerestieren und –pflanzen, die so typisch für den großen Koloristen Matisse sind (Ausstattung: Andrew Storer). Eine paradiesische Welt glücklicher, tanzender Menschen offenbart sich, als der Vorhang hochgeht. (…) Im Kontrast da7u das dunkle Kammerballett „Verkündigung (Sandro Botticelli)“. Das Auftragswerk aus Israel zeigt Robert North von einer anderen stilistischen Seite. Beim Erzählen der biblischen Geschichte (…) wird der Einfluss der großen Ausdruckstänzerin Martha Graham, bei der er in New York tanzte, mehr als deutlich. (…) Die unheilvolle Atmosphäre fesselt – nicht zuletzt durch die spannungsreiche Musik Howard Blakes.
    Die Uraufführung von „Kasimir Malewitsch“ ist wieder ein Fest der Farben und Formen. Udo Hesse macht bildende Kunst lebendig: Geometrien, wie sie in „Dynamischer Suprematismus“ von 1916 zu sehen sind, und andere Werke, darunter eine Anspielung an das legendäre Schwarze Quadrat, hängen vom Bühnenhimmel. Davor tanzen kunterbunte Figurinen, die mit ihren klaren Formen von einem Bauhaus-Ballett inspiriert sein könnten. In Wahrheit war es umgekehrt: Der Vorreiter der Avantgarde inspirierte die Bauhaus-Künstler. Eine Geschichte von einem Maler und seiner Muse, die ihn so lange umgarnt, bis er sie wegstößt, hat North um den Künstler herumgesponnen. Stilistisch verbindet er virtuos Modern Dance und klassisches Ballett – typisch North. (…) „Tempus Fugit“ schließlich ist eine Freude für die Fans des akademischen Balletts – ziselierter Spitzentanz in schnell wechselnden Tempi zu Werken von Antonio Vivaldi. (…) North hat es William Turner aus der romantischen Epoche gewidmet: Das Ensemble tanzt in pastellfarbenen Trikots vor einem Sonnenaufgang, dessen Konturen sich auflösen. (…)
    Ein schöner Abend. „Farben der Welt“ – ein Ballett-Leuchten vom Niederrhein.
    [Bettina Trouwborst, Westdeutsche Zeitung, 06.05.2019]

    Von Botticelli bis Malewitsch
    Farben der Welt: Zu seinem neuen Tanz-Programm ließ sich Ballett-Direktor Robert North von Gemälden und Künstlern aus mehreren Jahrhunderten inspirieren. (…)

    Es verwundert nicht, dass angesichts des Mottos den Bühnenbildern und Kostümen eine noch stärkere Bedeutung zukommt, als man es von Ballett-Abenden gewohnt ist. Und da fallen gleich im ersten Beitrag, Miniaturen nach Eingebungen von Henri Matisse, helle, bunte geometrische Figuren ins Auge, mit denen Ausstatter Andrew Storer zu den neoklassizistischen Klängen von (…) Igor Strawinsky ein freundliches Szenario entwarf, das Robert North für eine luftig-leichte Choreografie auf klassischer Grundlage nutzte. Eine Frühlingsstimmung stellt sich ein, die North im letzten Beitrag aufgreift und damit dem stilistisch ansonsten sehr unterschiedlich gestrickten Werk-Reigen einen Rahmen gibt.
    Dass North im Finale unter dem Titel Tempus Fugit die Bilderwelt William Turners in lichte, mediterrane Klänge Antonio Vivaldis taucht, (…) erinnert aber an die starke Wirkung der Italien-Reise Turners 1819, die seine Aufmerksamkeit auf die Lichtenergie der Sonne richtete. Und die Sonne beherrscht in Mönchengladbach auch das von North selbst konzipierte Bühnenbild. (…) Einen dunklen Kontrast bildet Robert Norths Choreografie Verkündigung nach Sandro Botticellis berühmtem Gemälde. Die Bühne bleibt diesmal leer, dafür lässt North das Leben des Messias von der Verkündigung Marias bis zur Passions- und Auferstehungsgeschichte erstehen, dargestellt von vier Solisten und zwei Aposteln zu einer filmreifen Musik von Howard Blake. (…)
    Gleich zwei schwarze Quadrate in Anlehnung an das Markenzeichen Kasimir Malewitschs beherrschen die von Udo Hesse gestaltete Bühnenrückwand in der neuesten Arbeit Norths, Kasimir Malewitsch, zu der der russische Pianist und Komponist André Parfenov eine vierteilige Orchestersuite beigesteuert hat. Parfenov (…) lässt es in den Ecksätzen, wenn Francesco Rovea als „Künstler“ und Irene van Dijk als „Muse“ um Eingebungen ringen, in satten symphonischen Leuchtfarben aufklingen, durchsetzt mit russisch timbrierten Glockenklängen. In den Binnensätzen, in denen eine Petruschka-ähnliche Puppe zum Leben erweckt wird, orientiert sich Parfenov deutlich an Strawinskys Ballettmusiken. Eine vorzügliche musikalische Vorlage, von den Niederrheinischen Sinfonikern unter Leitung von Andreas Fellner sorgfältig ausgeführt.
    Vier unterschiedliche Arbeiten, die dem Tanz-Ensemble eine Menge an Flexibilität abverlangen, auch wenn Robert Norths Bewegungssprache auf extreme Extravaganzen und Herausforderungen verzichtet. Das Publikum nimmt den kurzweiligen Abend jedenfalls mit heller Begeisterung auf.
    [Pedro Obiera, O-Ton, 08.05.2019]