Vorheriges
Nächstes
Living in America

Living in America

Ballettabend von Robert North Musik von Aaron Copland, George Gershwin, John Lee Hooker, Yello, The Drifters, Peter Gabriel, Jean Michel Jarre, Christopher Benstead und James Brown
Choreografie: Robert North, Choreografieassistenz: Sheri Cook, Bühne und Kostüme: Udo Hesse, Dramaturgie Regina Härtling

Ein Thema, das den gebürtigen Amerikaner Robert North besonders bewegt, ist die Geschichte Amerikas und das Leben der Menschen in diesem Land.

Amerika – das ist eine über Generationen und Jahrhunderte zum Mythos geronnene Erfolgsgeschichte, die alle Widersprüche in der Realität überstrahlt. Wir verbinden mit dem american way of  life Freiheit, Abenteuer, Aufstiegschancen. Einst wollte die Neue Welt allen Menschen offen stehen, unabhängig von ihrer Herkunft. Millionen Einwanderer aus Europa suchten ihr Glück in Amerika, brachten ihre Traditionen mit, bauten gemeinsam das Land auf. Die Großstädte wurden zum Schmelztiegel der Kulturen, so dass sich auch eine eigenständige amerikanische Musik entwickelte.

Robert North nähert sich dem Mythos Amerika mit assoziativen Tanzszenen, die sein persönliches Bild von Amerika vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart ideenreich und mit humorvollem Augenzwinkern vermitteln. Und natürlich darf in einem Ballettabend mit dem Titel Living in America auch der gleichnamige Song von James Brown nicht fehlen.

  • Pressestimmen

    Ein künstlerischer Blick auf die USA
    Die Premiere von Robert Norths Ballettabend „Living in America“ begeistert das Publikum.

    Eine in eine amerikanische Fahne gehüllte Tänzerin (Amelia Seth) personifiziert die Freiheit. Mit diesem starken Symbol beginnt und endet der neue Ballettabend „Living in America“ von Robert North. (…) Der Ballettdirektor wirft einen Blick auf seine Heimat und er tut dies auf eine ganz besondere Weise. Mit der ihm eigenen Leichtigkeit, in der aber auch immer viel Tiefe steckt, schlägt er einen Bogen von historischen Ereignissen bis hin zu den Licht- und Schattenseiten der Gegenwart. Aus drei ganz unterschiedlichen Teilen entsteht am Ende eine wunderbare Melange, humorvoll, mit kritischen Untertönen und einfach mitreißend zum Ansehen.
    Mit vielen wechselnden Schauplätzen und einer Vielzahl an prächtigen Kostümen (Ausstattung Udo Hesse) wird auch dem Auge viel geboten. (…)
    Der erste Akt erzählt die Geschichte der ersten Besiedlungen im Westen. (…) Die Musik Coplands, die auch Elemente des Jazz und der Folklore enthält, ist die perfekte Untermalung für diesen Teil des Abends, der in einigen Szenen auch an alte Westernfilme erinnert. (…)
    Der zweite Teil führt ins 20. Jahrhundert und in die Welt der Großstädte mit ihren Licht- und Schattenseiten. Gangster und ihre coolen Bräute machen die Gegend unsicher, mit Glücksspielen und Alkoholschmuggel machen sie manchmal tödlich endende Geschäfte. Doch in New York lockt auch der Broadway mit seinen Shows. Zum Song „On Broadway“ (The Drifters) gibt es eine mitreißende Tanznummer.
    Ein junges Mädchen (Amelia Seth) aus der Provinz träumt von einer Karriere. In einer berührenden Szene verabschiedet sie sich von ihrem Freund (Illya Gorobets). Wenig später sieht man sie zu den Klängen von George Gershwin in den Proben für eine Broadway-Show. Doch wieder wirft North einen Blick auf die Schattenseiten des Glanzes und lässt diesen zweiten Teil nicht mit der großen Show-Szene, sondern mit einem ergreifenden Solo eines Obdachlosen (Alessandro Borghesani) enden. Eine wunderbare Idee, die zu den Höhepunkten des Abends zählt.
    Der letzte Teil (…) behandelt verschiedene Probleme der modernen Gesellschaft, die nicht nur Amerika betreffen. Auch dies gelingt North wieder auf sehr fesselnde Weise mit klaren und starken Bildern. (…) In einem packenden Pas de Deux ringen die Gier (Alessandro Borghesani) und das Gold (Yasuko Mogi) miteinander. Aber auch hier kommt der Humor nicht zu kurz. Ein hinreißend choreografiertes Basketballspiel ohne Ball und ein amüsanter Box-Rap zwischen Stars (Marco A. Carlucci) und Stripes (Irene van Dijk) unterstreichen die Bedeutung des Sports in Amerika und betonen den Optimismus und die Energie seiner Bewohner. Diese Energie ist das Leitmotiv des Abends. In der überaus dynamischen Choreografie, von dem 22-köpfigen Ensemble auf hohem Niveau umgesetzt, spiegelt sie sich perfekt wieder. (…)
    [Michaela Plattenteich, Westdeutsche Zeitung, 11.03.2019]

    Ballett-Premiere „Leben in Amerika“ – ohne Trump

    (…) Der Applaus ebbt erst nach einer Viertelstunde ab. (…) In drei Akten hat Robert North die Geschichte Amerikas in die erzählende Sprache des Tanzes und der Musik übersetzt. (…) Alles beginnt und endet mit dem Auftritt der „Freiheit“ in Gestalt der in ein Fahnenkleid gehüllten Tänzerin Amelia Seth. (…) Und dann geht die Geschichte Amerikas los: den Ureinwohnern Amerikas, den Indianern, ist eine lange Szene gewidmet. Fast lautlos bewegen sie sich über die Bühne, nehmen in einer harmonischen Einheit den ganzen Raum mit geschmeidigen Bewegungen ein. Abgelöst werden sie von den Siedlern, die das Land einnehmen, bebauen, sich niederlassen. Die Aufführung nimmt mit jedem Schritt in die Zukunft Fahrt und Geschwindigkeit auf, wird dynamischer, bunter, lauter. (…) Mit der Industrialisierung geht es weiter, und bald ist die Gegenwart erreicht, in der Geld und Gold lockt. (…) Baseball, Basketball und Boxer repräsentieren den in Amerika allgegenwärtigen Sport – faszinierend, wie die Tänzer nur über die Bewegungen und ihre Mimik die Sportarten verkörpern.
    Es ist die Fülle der Tänzer, die das Publikum begeistert, es ist die üppige Kostümausstattung, die immer wieder staunen lässt und es sind die liebevollen Kleinigkeiten, die den Zuschauern immer wieder Spaß machen (…)
    Die Darstellung der amerikanischen Geschichte mag lückenhaft sein (…) Doch als Gesellschaftskritiker ist North auch nicht angetreten. Er zeigt ein Land mit vielen Möglichkeiten. Und bietet den Zuschauern einen bunten und vergnüglichen, sprichwörtlich leichtfüßigen Abend, einen Abend, an dem sie für gut zwei Stunden das aktuelle Amerika, verkörpert in der Gestalt von Donald Trump und den Konflikten, die er mit sich bringt, außen vor lassen können. (…)
    [Sigrid Blomen-Radermacher, Rheinische Post, 11.03.2019]