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Szenen einer Ehe

Szenen einer Ehe

von Ingmar Bergman - Deutsch von Renate Bleibtreu
Inszenierung Matthias Gehrt, Bühne Gabriele Trinczek, Kostüme Petra Wilke, Dramaturgie Martin Vöhringer

Das berühmte Ehedrama des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman war im Kino ein weltweiter Erfolg, er selbst brachte den Stoff schon Anfang der achtziger Jahre am Münchner Residenztheater auf die Bühne.

„Manchmal hat man das Gefühl, Mann und Frau telefonieren mit kaputten Telefonen“, heißt es im Stück einmal. Ob sich im Zeitalter der Handys viel geändert hat?

Die lebensnah und außergewöhnlich intensiv erzählte Geschichte der Liebe von Johan und Marianne – mit all ihren dramatischen Aufs und Abs – zeigt uns Szenen einer Ehe von schonungsloser Offenheit. Oder zumindest tun die Beteiligten sehr überzeugend so, als wären sie schonungslos offen. Ein Ehespiel voller Überraschungen.

Besetzung

In einzelnen Vorstellung kann die Besetzung varieren

  • Pressestimmen

    Sie lieben und sie schlagen sich: Szenen einer Durchschnittsehe

    […] In sechs Szenen schildert Bergman die zunehmende Zerrüttung eines augenscheinlich glücklichen Paares mit Sätzen, die jeder in seiner Beziehung schon einmal gehört oder gesagt hat.
    Das Paar hat sich eingerichtet mit weißen Einbaumöbeln, in denen alles verschwindet, was zum Leben gerade nicht gebraucht wird. Marianne (Esther Keil) und Johan (Bruno Winzen) sind Leute von nebenan, die im gehobenen Allerwelts-Chic gekleidet sind (Kostüme: Petra Wilke). Beide sind geübt in der Kunst des Untern-Teppich-Kehrens. Beim gemütlichen Kaminabend lässt er eine Tirade seiner Vorzüge los, während ihr zur eigenen Beschreibung nur einfällt, dass sie mit ihm verheiratet ist und sich nach nichts sehnt außer nach dem Sommer. Kurz darauf sagt sie zum ersten Mal, dass sie gar nicht genau weiß, wer sie ist.
    Gabriele Trinczeks Bühnenbild ist für das komplexe Gefühlschaos maßgeschneidert: Alles, was stört, lässt sich wegsperren und wird unsichtbar. Es ist ein minimalistisch designter, geräumiger weißer Kasten auf der großen Bühne – ohne Tür und ohne Fluchtöffnung für die Akteure. Regisseur Matthias Gehrt lässt den Schauspielern Raum, den sie in jedem Moment füllen. Unpathetisch und doch leidenschaftlich, wütend, verzweifelnd und kämpferisch demonstrieren sie die Zerbrechlichkeit ihrer Welt. Sie können nicht mehr mit und noch nicht ohne einander. Johans Liebe zu einer anderen Frau ist der Wendepunkt. Esther Keil zeigt alle Windungen der verratenen Frau, die sich erniedrigt, um am Mann festzuhalten und dabei gleichzeitig einen letzten Funken Würde wahren will. Das ist so untheatralisch traurig, dass man auf ihrer Seite sein muss. Doch auch Winzen zieht alle Gefühlsregister, wütet, um sich aus zu lang ausgehaltener Starre zu befreien, biegt und windet sich zwischen dem Reiz des Neuen und der Angst, das Vertraute zu verlieren.
    Die andere Frau bringt kein Glück. Nach einem Jahr ist Johan privat und beruflich gestrandet, aber Marianne hat inzwischen den Geschmack von Freiheit erfahren. Die Gewichtung in der Beziehung kippt. Fast unmerklich hat derweil die angestaute Aggression den letzten Rest gegenseitigen Respekts gefressen. Jetzt wird es auch physisch brutal. Erst nach Jahren der Trennung reden beide wieder miteinander und erlangen ein fragiles Gleichgewicht. Vielleicht eine vorsichtige Annäherung.
    Der Abend ist Schauspielertheater von höchster Qualität und macht deutlich, warum Bergmans Verfilmung ein Straßenfeger war. Auch nach 47 Jahren zieht der Stoff noch.

    [Petra Diederichs, RHEINISCHE POST, 18.06. 2019]

     

     

    Emotional packender Abend im Theater Krefeld

    […] Schauspieldirektor Matthias Gehrt hat das Stück als packendes Kammerstück mit zwei wunderbaren Darstellern inszeniert. Esther Keil und Bruno Winzen brillieren als Ehepaar Marianne und Johan. Hinter der gut situierten bürgerlichen Fassade breitet sich lähmende Alltagsroutine aus, bis sich plötzlich Abgründe auftun und alles Bisherige in Frage stellen. […]
    Die jetzt in Krefeld aufgeführte Bühnenfassung hat das Werk aus den 1970er-Jahren in die heutige Zeit geholt. Das beginnt bereits mit der geschmackvoll reduzierten Ausstattung (Bühne Gabriele Trinczek, Kostüme Petra Wilke). Ein weißer, nur nach vorne geöffneter Kubus nimmt die gesamte Bühnenbreite ein. Ein klinischer Raum, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Bereits in der ersten Szene, als beide entspannt bei einem Glas Wein sitzen, werden feine Risse sichtbar. Während Johan sehr viel über ihr gemeinsames Leben und seine Qualitäten spricht, weiß Marianne nur ganz wenig dazu zu sagen.[…] Passend dazu ist auf der eingeblendeten Überschrift „Die Kunst des Unter-den-Teppich-Kehrens“ zu lesen. Diese Überschriften leiten jedes neue Kapitel des Dramas ein, begleitet von den Klängen barocker Musik.
    Als die Überschrift „Paula“ lautet, wird sofort klar, was folgt. Johan hat eine Andere kennengelernt und eines Abends stellt er Marianne vor vollendete Tatsachen. Der Dozent will mit Paula, einer jungen Studentin, ein neues Leben beginnen. Doch der harte Schnitt, den er macht, bedeutet noch lange nicht das Ende seiner Beziehung zu Marianne. Vor allem im zweiten Teil des zweistündigen Abends kommt es bei verschiedenen Begegnungen der beiden zu einem ständigen Hin und Her. Motor ist eine nach wie vor bestehende erotische Anziehungskraft. Sie scheint, wo man die Routine des Ehealltags hinter sich gelassen hat, sogar stärker denn je zu sein.
    Zugleich sucht jeder Stabilität in seinem neuen Leben. Vor allem Marianne macht eine Entwicklung zu einer eigenständigen Frau durch. Doch kurz bevor die Scheidung dann endlich vollzogen wird, eskaliert die Situation zu einer verbalen und körperlich verletzenden Schlammschlacht.

    Winzen und Keil überzeugen in diesen fast ans Groteske grenzenden Szenen ebenso wie in den stilleren Momenten. Auf faszinierende Art und Weise jonglieren sie mit dem Auf und Ab der Beziehung und tragen damit den Abend. Das Ende führt sie auch bildlich in ruhigere Fahrwasser.

    Fazit: Ein emotional packender und teilweise amüsanter Abend, bei dem jeder Eheerfahrene Bekanntes entdecken wird. Die Reaktionen des begeisterten Premierenpublikums ließen jedenfalls darauf schließen.

    [Michaela Plattenteich, WESTDEUTSCHE ZEITUNG, 18.06.2019]