Vorheriges
Nächstes
Tschick

Tschick

von Wolfgang Herrndorf Bühnenfassung von Robert Koall
Inszenierung Maja Delinić, Bühne und Kostüme Ria Papadopoulou, Musik Clemens Gutjahr, Video Peter Issig, Tanzchoreografie Alla Bondarevskaya, Dramaturgie Thomas Blockhaus

Maiks Mutter ist in der Entzugsklinik, sein Vater mit seiner Assistentin auf Geschäftsreise, also wird Maik die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf, eigentlich Andrej Tschichatschow. Der Russlanddeutsche kommt aus einem der „Asi“-Hochhäuser in der Umgebung, irgendwie hat er es von der Förderschule bis aufs Gymnasium geschafft. Mit seinem geklauten Auto beginnt für Maik und Tschick eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz, auf der ihnen an einer Müllkippe die obdachlose Isa begegnet, die kein Blatt vor den Mund nimmt und sich ihnen kurzerhand anschließt.

Wolfgang Herrndorf, 1965 in Hamburg geboren und 2013 in Berlin gestorben, studierte ursprünglich Malerei. 2010 erschien sein dritter Roman Tschick, der seither mit großem Erfolg auf vielen deutschen Bühnen gespielt wird und 2016 von Fatih Akin verfilmt wurde.

Besetzung

In einzelnen Vorstellung kann die Besetzung varieren

  • Pressestimmen

    Ein Road-Movie auf der Theaterbühne

    […] Es war ein rasanter, witziger, nachdenklich stimmender, realistischer, utopischer und verrückter Theaterabend, den die Besucher der ausverkauften Premiere des Stücks „Tschick“ im Theater Mönchengladbach erlebten. Fast zwei Stunden lang zogen die drei Darsteller Henning Kallweit, Philipp Sommer und Carolin Schupa das Publikum in ihren Bann – regelrecht schade, als es schließlich vorüber war. Mit einem nicht enden wollendem Applaus behielt man die Akteure der Bühne, aber auch alle im Vorfeld Beteiligten, noch ein wenig im Studio des Theaters.

    […] Zwei Außenseiter aus Ost-Berlin, Achtklässler, brechen für ein paar Tage aus – mit einem gestohlenen Lada. Tschick ist Spätaussiedler, der unglücklich verliebte Maik kommt aus einem ebenso wohlhabenden wie zerrütteten Elternhaus. Eher zufällig treffen sie aufeinander, befreundet sind sie erst am Ende ihrer Reise.

    […] Auf ihrer Reise finden Tschick und Maik vieles von dem, was sie – bewusst oder unbewusst – gesucht haben: sich selbst vor allem, den anderen als Freund, annähernde Klarheiten über die Welt. Denn Tschick und Maik diskutieren ungefiltert und offen die großen Menschheitsfragen nach dem Leben und dem Sterben, dem Universum und auch nach der Unendlichkeit.

    All das erlebten die Theaterbesucher bei der Premiere auf außergewöhnliche Weise mit. Schauspieler, Regisseurin, Ausstatterin – das ganze Team ist ein junges, teilweise auch erst seit kurzer Zeit im Ensemble des Theaters. Regisseurin Maja Delinić hat schon „Nipple Jesus“ inszeniert und findet gemeinsam mit Ausstatterin Ria Papadopoulou für „Tschick“ überzeugende Mittel, die Rasanz der Reise von Tschick und Maik zu sich selbst darzustellen. Sie lässt Maik (Philipp Sommer) die Geschichte erzählen. Er, Tschick (Henning Kallweit) und Carolin Schupa, die in knapp zehn verschiedene Rollen schlüpft, übertragen die Geschichte in Szenen. Dies geschieht in einem abstrahierten Bühnenbild, bestehend aus verspiegelten Bauelementen, die mal Berg, mal Auto, mal See sind.

    […]Mal sind die Szenen verträumt, mal absurd, mal melancholisch, mal aggressiv – in einem rasenden Tempo nehmen Sommer, Kallweit und Schupa die Zuschauer überzeugend für sich ein.

    [RHEINISCHE POST, 18.06. 2019]