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Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

von Edward Albee, Deutsch von Pinkas Braun
Inszenierung Sascha Mey, Ausstattung Udo Hesse, Dramaturgie Thomas Blockhaus

Eine Art „exorcism“, eine Austreibung, hatte Edward Albee im Sinn, als er diese legendäre, eskalierende Afterparty im amerikanischen Hochschulmilieu von Martha, George, Nick und Honey schrieb. Tabulos und mit beißendem Humor demaskiert er ihre düsteren Beziehungsspiele, und zeigt so die tiefen Verletzungen der Seelen und Herzen seiner Protagonisten.

Dabei sind Martha und George ein verblüffend gut eingespieltes Team in einer ebenso kreativen wie vitalen Ehe-Performance, in der Fiktion und Wirklichkeit ihrer Beziehungsgeschichte permanent von ihnen überarbeitet wird.

Das Anfang der Sechziger Jahre geschriebene Stück ist eine der bekanntesten „Eheschlachten“ auf dem Theater, ein Klassiker und ein Schauspielerfest. Und nichts weniger als eine gnadenlose Kritik an der Hohlheit gesellschaftlicher Konventionen und der scheinheiligen moralischen Fassade der intellektuellen Mittelklasse. Fulminant in seiner Wut, rührend in seiner Traurigkeit, uneinholbar in seiner Unverschämtheit und in seinem Witz.

Besetzung

In einzelnen Vorstellung kann die Besetzung varieren

  • Pressestimmen

    Psychoduell von berührender Intensität

    In der Inszenierung von Albees Drama „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ betont Sascha Mey die Nähe zum Zuschauer im Studio des Theaters. Die Ensemblemitglieder entfalten das Stück im kraftvoll aufreibenden Spiel.

    […]Der Regisseur bindet die Qualität der Studiobühne geschickt ein, um das Geschehen nahe an den Zuschauer zu rücken. […]

    In der Studiobühne liefern sich […] Eva Spott und Michael Ophelders in den Hauptrollen Martha und George eine gnadenlose Eheschlacht. Sie spielen mit einer Intensität, die zuweilen schaudern lässt vor emotionalen Abgründen.

    Eva Spott brilliert in der Darstellung einer reichen Palette der Emotionen. In ihrer Rolle provoziert sie Mann und Gäste mit Worten und anzüglicher Gebärdensprache.[…] Mit packender Energie entfaltet Spott die Vitalität der Martha und deren Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten. Um so erschütternder sind die Momente, in denen sie unter der Fassade die Verletzbarkeit ihrer Figur preisgibt. Dann wirkt Spott so erstaunlich fragil, dünnhäutig. In berührender Intensität lässt sie teilhaben an Marthas Trauer über den imaginären Sohn. […]

    Michael Ophelders pariert in der Rolle des Ehemannes kalkulierter, scheinbar gelassener, doch mit verletzendem Kalkül. Hervorragend mimt er die formgewandte Zurückhaltung, mit der George die Gäste in eine Falle lockt, auf das sie sich demaskieren. […] Kontrastreich setzt er Georges expressive Eskalation der Gefühle ab von der vorgeblichen Zurückhaltung des Strategen. […]

    Jannike Schubert und Ronny Tomiska vervollständigen das Paar zum Quartett. Sie mimen überzeugend die Verwirrung der jüngeren Gäste Nick und Honey, die unerwartet Zeuge und Opfer der Eheschlacht werden. Tomiska bespielt die Klaviatur von Gedanken an Flucht bis zum wütenden und verzweifelten Widerstand. Eindrucksvoll setzt Schubert die Verwandlung der Honey um, deren vorgebliche Unbeschwertheit tiefer Verstörung weicht.

    [Rheinische Post, 18.02.2019]