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Wilhelm Tell

Wilhelm Tell

Von Friedrich Schiller. In einer Bearbeitung von Matthias Gehrt und Thomas Blockhaus
Inszenierung Matthias Gehrt, Bühne Gabriele Trinczek, Kostüme Kirsten Dephoff, Musik York Ostermayer, Choreografie Robert North, Dramaturgie Thomas Blockhaus

„Wir wollen sein ein einzig Volk / In keiner Not uns trennen und Gefahr.“

Schillers Utopie einer gelungenen Revolution von unten erzählt die Geschichte des Aufstandes der Schweizer Bergbauern gegen den Mensch und Natur ausbeutenden Landvogt Gessler. Während sich die Bauern gegen den zynisch brutalen Stellvertreter einer Weltmacht solidarisieren, beteiligt sich der Eigenbrötler Wilhelm Tell nicht am Rütlischwur, der den zunächst geheimen Widerstand der Aufständischen besiegelt. Erst als Gessler ihn zum Apfelschuss nötigt, wird Tell aktiv und tötet den Tyrannen. Damit wird er Teil des Freiheitskampfes der Schweizer Eidgenossen und von ihnen für ihre zugleich revolutionäre wie wertkonservative Freiheitsbewegung vereinnahmt. Wilhelm Tell wird zum Volkshelden.

Schillers Wilhelm Tell ist ein Stück über politischen Widerstand, Zivilcourage und die Verteidigung von freiheitlichen Werten.

Weitere Infos, spannende Interviews und Einblicke hinter die Kulissen von Wilhelm Tell finden Sie online auf dem Blog Tell Me About Tell (FSJ-Projekt / Helen Dohmen).

 

 

 

Mit freundlicher Unterstützung:

  • Pressestimmen

    Begrünter Klassiker

    [..]Eigentlich sollte diese Aufführung bereits vor einem Jahr Premiere haben, coronabedingt ging das lediglich als inszenierte Lesung im Stream. Bereits damals beeindruckten die Brillanz und Sorgfalt im Umgang mit Schillers Versen. Die fertige Inszenierung zeigt, dass sich Matthias Gehrt und sein Ensemble zudem bewusst sind, dass das allein für eine heutige Aufführung von „Wilhelm Tell“ nicht ausreicht. [..] Man muss sie also neu und unmissverständlich erfinden und neu beleben, wenn man das Stück heute spielen will. Gehrt macht das sehr bewusst und klar, indem er ein neues Thema setzt: Es geht um die Zerstörung der Natur. Landvogt Gessler und die Habsburger sind die kapitalistischen Kräfte, die durch den Versuch, alles Leben zu ökonomisieren, Lebensgrundlagen zerstören. Die Schweizer, angestoßen von der Chefideologin Gertrud (Esther Keil), angeführt von ihrem ausstrahlungsstarken, aber skrupulösen Mann (Adrian Linke), begehren dagegen auf. Zwischen allen steht der Individualist Tell, der nicht gesellschaftlich denken mag, weil er unabhängig bleiben will. Gehrts Inszenierung betont, dass das Handlungsgeschehen ein Bildungs- und Erkenntnisprozess für den Protagonisten ist. Und ein böses Erwachen. Blickfang der Bühne von Gabriele Trinczek ist ein romantisches Gemälde einer Berglandschaft mit […] See im Vordergrund. Immer wieder versenken sich die Spielerinnen und Spieler in seinen Anblick. Ansonsten ist der Raum, bis auf wenige, wechselnde Elemente, leer, wirkt kalt, oft grau, korrespondierend mit den unregelmäßig angeordneten, stilisierten Schiefer-Platten, die den Boden bilden. Die Schweizer tragen Trachtenderivate in Ocker-Tönen (Kostüme: Kirsten Dephoff), die Habsburger Anzüge in Königsblau.
    […]das Stück ist gut und das Spiel spannend organisiert. Diese Schweizer, die sich pathetisch vereinigen, aufgrund einer Notsituation und dann beschließen, erstmal abzuwarten, ob sie sich nicht vielleicht, doch, eventuell von selber löst, wirken extrem heutig. Intendant Michael Grosse als Gessler glaubt man jede Zeile, die von Schiller wie den passgenauen auf seine Figur zugeschriebenen neuen Großkapitalistenmonolog. Da steht ein müder Beamter, ein machtgeiler Kleinbürger und ein machiavellistischer Ideologe in einer Person vor uns, jämmerlich und zum Fürchten und ungeheuer sonor ausagiert. Noch stärker Paul Steinbach in der Titelrolle. Er macht uns von Anfang an klar, dass sich seine Figur, so stark und selbstbewusst sie ist, immer über dünnes Eis bewegt. Sobald er aus der privaten Sphäre gerissen wird, gezwungen wird, Teil gesellschaftlicher Vorgänge zu werden, nicht mehr Individuum ist, sondern Partei, ist ihm die Lebensgrundlage entzogen, ist er mit seiner Armbrust nicht mehr Bewahrer, Verteidiger oder Rächer sondern Mörder. Hier dreht die Inszenierung Tells gestrichene Begegnung mit dem Kaisermörder, aus der er eigentlich als deutlicher moralischer Sieger hervorgeht, um 180 Grad. Folgerichtig endet Paul Steinbach vor einem Mikrophon mit Klageversen aus Hölderlins „Hyperion“.
    Der letzte verfolgt einen aus dem Theater heraus und beleuchtet vieles, was uns allen in den letzten Monaten widerfahren ist: „Und ich vertrockne in der Mittagssonne“.

    Die deutsche Bühne, Andreas Falentin, 07.06.2021

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