Das sagt der Intendant
Michael Grosse zum RP-Artikel “Groko schweigt – Opposition macht Druck” von Laura Ihme vom 2. Juni 2026 zum Thema Haushaltsberatungen in Krefeld:
„Man kann zum Beispiel die Frage stellen, ob wir alle Sparten brauchen.“, sagt Frank Wübbeling (AFD), nachdem er schon vor knapp einem Jahr die gesamte Theatersanierung im OB-Wahlkampf grundlegend in Frage stellte und damit die Theaterschliessung in Krefeld und das Ende der mittlerweile 76-jährigen Theaterehe – auch für den Standort Mönchengladbach – billigend in Kauf nahm und somit eine bewährte interkommunale Kooperation der Zerstörung preisgab. Und nun werden die seither toten Gäule von Spartenschliessungen geritten….und das bei einem Betrieb, der seit 16 Jahren mit spürbar weniger Personal (und somit weniger Kosten) als eine externe Betriebsuntersuchung als Mindestmaß im Kennzahlenvergleich mit anderen vergleichbaren Theatern definiert, unterwegs ist, aber weit mehr Veranstaltungen pro Spielzeit (über 500) im seriösen Vergleichsfeld anbietet Alles auf dem Rücken einer ebenso leidgeprüften wie hochengagierten Belegschaft, die nichts mehr verdient hätte, als einen ausfinanzierten Stellenplan!!!!Jede beabsichtigte Spartenschliessung begräbt die Theaterehe unumkehrbar: schließt man das Schauspiel, ist der Schauspielstandort Krefeld erledigt. Mit dem Musikbetrieb wäre es Mönchengladbach. Die „Kostenersparnis“ bei einer Abwicklung des Balletts ist so marginal, das mit einem jährlich neuen Tarifabschluss die Kosten wieder vorhanden sind. Ohne die Niederrheinischen Sinfoniker gäbe es überhaupt keine eigenen musikalischen Angebote in Konzert, Musikvermittlung, Musiktheater und Ballett. Über die Kosten von Teil-Betriebsstilllegungen einer gGmbH (Abfindungen, Sozialpläne, Auffanggesellschaften, Anwalts- und Prozesskosten etc.) wird überhaupt nicht auch nur ansatzweise nachgedacht! Und was ist mit dem Standortfaktor? Den über 500 Arbeitsplätzen? Dem Ausbildungsbetrieb Theater. Dem barrierefreien Konzept kultureller Teilhabe für alle Bevölkerungsgruppen. Oder ist interkulturelle Ausgrenzung jetzt das neue Konzept? Dialog und Bereitschaft zu kommunikativer Erweiterung des eigenen Verständnishorizonts wären angesagter, als substanzlos kerniger Fragestellungen. Zumal man ja im Aufsichtsrat sitzt und dort Fragen stellen könnte…. oder in den städtischen Ausschüssen…. Aber die Angst vor fachlich-kompetenten und abschließenden Antworten ist substanziell groß: denn dann wäre die oben zitierte Frage in wenigen Minuten beantwortet….und erledigt. Wenn Theater aus finanziellen Aspekten heraus als nicht systemrelevant und somit als freizugebende „Amputationsmasse“ angesehen werden sollten, demokratierelevant sind sie auf jeden Fall. Und systemkritisch. Zum Glück.
(Veröffentlicht von Michael Grosse am 2.6.2026 auf Facebook)