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Musiktheater

Der fliegende Holländer

Romantische Oper in drei Aufzügen // Musik und Libretto von Richard Wagner Leitung Besetzung

5. November 2022 – 29. Januar 2023

Dauer Ca. 160 Minuten inkl. Pause

Termin anklicken, um Tagesbesetzung anzuzeigen.

Bei dem Versuch, ein Kap zu umsegeln, beging der holländische Kapitän Gotteslästerung und wurde daraufhin mitsamt seiner Mannschaft dazu verdammt, für alle Ewigkeit auf den Weltmeeren umherzuirren. Nur die Liebe einer Frau kann ihn erlösen. Um diese treue Seele zu finden, darf der Holländer alle sieben Jahre an Land gehen, doch bislang war seine Suche erfolglos. In der Liebe von Senta, der Tochter des norwegischen Kaufmanns Daland, findet der Verfluchte schließlich die lang ersehnte Erlösung.


Mit dem Fliegenden Holländer entwickelte der damals 29-jährige Richard Wagner Themen, die ihn auch in den folgenden Jahrzehnten beschäftigen sollten. Im Handlungsmittelpunkt steht die Erlösung eines gesellschaftlichen Außenseiters durch das Selbstopfer einer liebenden Frau. Mit der Partitur steuerte Richard Wagner auf die künftige Form des Musikdramas zu und verlegt die Handlung mithilfe der Musik vom äußerlichen Drama auf die inneren Seelenzustände der Figuren.

Das sagt die Presse

Markus Lamers, Der Opernfreund, 06.09.2022

Groß(artig)e Oper zur neuen Spielzeit!

Zur Spielzeiteröffnung 2022/23 setzte das Theater Krefeld-Mönchengladbach in der Opernsparte auf den großen Klassiker. „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner zählt sicherlich zu einer der ganz großen Opern im Repertoire. Und damit hat man alles richtig gemacht, denn die anwesenden Zuschauer im Mönchengladbacher Theater erlebten bei der Premiere einen begeisternden Opernabend, der auch ein komplett ausverkauftes Haus verdient gehabt hätte.

[…] Roman Hovenbitzer setzt in seiner Inszenierung auf die Stärke dieser klassisch romantischen Oper und dem Zusammenprall von Realität und Irrealität. Hierbei konzentriert er sich weniger auf den Holländer, sondern legt den Fokus auf Dalands Tochter Senta. Und bevor an dieser Stelle ein wilder Aufschrei erfolgt, Senta wird hier nicht als wild gewordene Feministin dargestellt, vielmehr blickt Hovenbitzer sehr gefühlvoll in die Psyche einer Frau hinein, die sich in einer von Männern dominierten Gesellschaft behaupten muss. Obwohl Senta aktiv erst im zweiten Aufzug (und somit nach der in Mönchengladbach angesetzten Pause) ins Geschehen eingreift, ist sie doch ab der ersten Sekunde auf der Bühne zu sehen. Bereits die bespielte Ouvertüre wird als Rückblick auf Sentas Kindheit dargestellt. Die erwachsene Senta sitzt hierbei am Bühnenrand, während ihre Gedanken in ihre Kinderzeit schweifen. Dies ist hervorragend umgesetzt, so dass man als Zuschauer direkt in die Oper hineingezogen wird.

Hin und wieder erlebt man einen Opernabend, bei dem man bereits nach zwei Minuten weiß, dass dies ein ganz besonders gelungener Theaterbesuch werden wird. Das dies in der besuchten Vorstellung auch der Fall war, verdankt man auch dem Umstand, dass die Bespielung der Ouvertüre an mehreren Stellen perfekt auf die Musik abgestimmt ist. Auch auf das große Bühnenbild von Roy Spahn kann man an dieser Stelle schon einen ersten Blick werfen. Gestaltet ist das maritime Bühnenbild als Schiff mit großen Bullaugen im Hintergrund, durch die man aufs Meer blickt und die immer wieder geschickt bespielt werden. Dazu sorgen Videoeinspielungen für die passenden stürmischen Fluten des Meeres.

Auch im Orchestergraben tobt an diesem Abend ein Sturm im positiven Sinne, der von Generalmusikdirektor Mihkel Kütson an den passenden Stellen im Zaum gehalten wird, ansonsten aber mit der vollen Wucht von rund 70 Musikern auf den Zuhörer einprasselt. Allerdings bleibt die Textverständlichkeit stets gegeben, so dass man als Zuschauer auf die Übertitel fast verzichten kann. Musikalisch ist „Der fliegende Holländer“ begeisternd, was wohl auch an der erstklassigen Besetzung liegt. Johannes Schwärsky gibt gesanglich wie auch optisch den perfekten Holländer mit kraftvollen Stimme. Für die Rolle der Senta wurde die norwegische Sopranistin Ingegjerd Bagøien Moe verpflichtet, was sich als echter Glückgriff erweist. Der Wechsel zwischen fein nuancierten und kraftvollen Partien gelingt ihr gut. Auch die zweite Gastrolle des Erik wird durch Ralph Ertel gesanglich sehr stark dargeboten, der mit einem strahlenden Tenor begeistert. Mit Matthias Wippich hat man einen Bass im Ensemble der schon in vielen größeren Rollen glänzen konnte und auch hier als norwegischer Seefahrer Daland auf ganzer Linie überzeugen kann. In den weiteren Rollen wissen Eva Maria Günschmann (Mary) und Woongyi Lee (Steuermann) zu gefallen. Als junge Senta gefällt Klara Raeder durch ein gelungenes Schauspiel, mit dem sie die durch die Regie angedachten Gesten gut auf die große Bühne bringt. Einen eminent wichtigen Part nimmt bei dieser Oper bekanntlich der Opernchor ein, der in dieser Produktion durch den Extrachor verstärkt wird. Was ist es für ein schönes Gefühl, nach so vielen Monaten voller Corona-Einschränkungen auf der Bühne, den in dieser Zeit leider so leidenden Chor mal wieder in seiner ganzen Pracht erleben zu dürfen. Hierfür bedankten sich die Zuschauer auch mit großem Jubel, der für alle an der Produktion beteiligten Künstler lautstark ausfiel.

Nicht ganz ersichtlich ist vielleicht, warum die Matrosen Dalands offenbar als Kreuzfahrtgäste dargestellt werden. Und warum ist selbst der Steuermann einer dieser Gäste? Oder waren es doch alles Schiffsbedienstete, wobei dann die Kostüme (Mechthild Seipel) an dieser Stelle vielleicht nicht wirklich passend wären? Sei es drum, der ansonsten durchaus gelungenen Inszenierung tut dies nicht wirklich weh, dafür werden an anderer Stelle oft die richtigen Akzente gesetzt. Insbesondere die Erkenntnis Sentas, dass sich ihr eigentlicher Traummann im dritten Akt mehr und mehr ihrem Vater und seinen Freunden anpasst ist wirklich stark umgesetzt. Passend hierzu, der schlichte und dennoch berührende Schluss, bei dem Senta sich an ihre Träume erinnert, die sie nicht aufgeben möchte.

Armin Kaumanns, Aachener Zeitung, 11.09.2022

Eine erstaunliche Spielfreude des Chores!

Alldieweil sie gerade in Bayreuth Wagners Libretti das F-Wort austreiben und unter großem Gezeter von Exegeten und solchen, die sich dafür halten, herumstreiten, ob denn der Tausch von „Führer“ gegen „Schützer“ die (Opern-)Welt besser macht, rückt man im ansonsten eher unauffälligen Mönchengladbach Wagners Frauenbild zuleibe.

Gespielt wird zur Saisoneröffnung „Der fliegende Holländer“, das populäre, noch in den Traditionen der Nummernoper verhaftete Frühwerk des Meisters. Und da gibt eben eine gewisse Senta das züchtige, bis in den Tod treue Kapitänstöchterlein, dessen Freitod – zumindest im von Wagner veroperten Sagenstoff – für den bis zum Happy End untoten Titelhelden Erlösung bedeutet.

Nicht so am Niederrhein. Regisseur Roman Hovenbitzer, am Gemeinschaftstheater bereits durch Inszenierungen von „Peter Grimes“ und „Nabucco“ bestens eingeführt, deutet Sentas herzig in Töne gesetzte Treueschwüre als Lippenbekenntnisse und zeigt im Schlussbild statt eines gen Himmel fliegenden Holländers eine den ganzen Machohaufen ziemlich alt aussehen lassende Piratenbraut: die fliehende Senta.

Schon bei der Ouvertüre hatte sich derartige Unbill angedeutet. Hovenbitzer dichtet dem Töchterlein – hinter dramatisch strudelnden, allgegenwärtigen Wellen-Projektionen – einen gewalttätigen, wenn nicht missbrauchenden Vater an die Biografie. Was das schlaue Kind aber offenbar weniger kaputt als stark gemacht hat. Im Verlauf der zweieinhalb für gewöhnlich herrlichen Opernstunden geistert jedenfalls Senta (als Kind) immerwährend in der Szene herum.

Die halbwegs erwachsene Senta des zweiten Aufzugs mag sich dann nicht in den Chor der auf ihre Jungs wartenden Spinnerinnen einpassen, stattdessen krallt sie sich bei erster Gelegenheit diesen eher schüchtern wirkenden Mann im Flodder-Look, als der der Holländer ins Daland- Heim tritt. Der ist dann auch reichlich verdutzt ob des eindringlichen Begrüßungskusses. Später passt der Seemann sich dann aber wohl freiwillig in die vorherrschende Männerrolle ein, wird Daland erschreckend ähnlich. Was Senta so wenig gefällt, dass sie das Brautkleid mit dem roten Piratinnenrock vertauscht und das Weite sucht. Hovenbitzer findet das emanzipatorisch. Na ja.

Dafür, dass am Niederrhein Wagner eher selten auf dem Spielplan steht, legen Sänger, Chor und Orchester der Niederrheinischen Sinfoniker eine sehr erfreuliche musikalische Ausdeutung der Partitur vor. GMD Mihkel Kütson geht zwar etwas holzschnittartig zu Werke: lässt die Höhepunkte etwas übertrieben krachen, aber wenig Raum für spontane Kreativ-Momente.

Im Zusammenwirken mit dem großen Chor, in dem besonders die Männer stark und lohnend gefordert sind, klappt das wunderbar, die Sänger-Solisten dürfen allerdings nie von der kurzen Leine. Johannes Schwärsky, dem Haus seit vielen Jahren verbunden, singt die Holländer-Partie souverän, die Senta ist bei Ingegjerd Bagoien Moe (als Gast) bestens aufgehoben. Die Sopranistin gestaltet ihre Arien musikalisch überlegen, die Spitzentöne sitzen sicher und strahlend. Ralph Ertel (ebenfalls ein Gast) ist ein metallischer, fast heldischer Tenor, der für die Erik-Partie Sonderapplaus einheimst. Nicht gerade bei Wagner heimisch, aber wunderbar lyrisch legt der junge Tenor Woongyi Lee die Steuermann-Partie an. Matthias Wippich ist ein sonorer Daland. Das kann sich alles bestens hören lassen, auch in den gut gearbeiteten Ensembles. Neben engagierter Sangesleistung zeichnet den Chor eine erstaunliche Spielfreude aus.

Ausgeklügelte Lichtregie: Da gibt es, auch dank der zwischen Heute und Fantasy changierenden Kostüme von Mechthild Seipel immer viel zu sehen. Die aus großen Bullaugen glotzende Einheitsbühne von Roy Spahn kann viel, auch durch eine ausgeklügelte Lichtregie. Wenn am Ende die kleine Senta den Gaze- Vorhang herunterreißt und eine entlarvte Horde Spießer zurücklässt, kracht der Regiekonzept-Hammer ein letztes Mal hernieder. Wagner hält es aus. Das Publikum hat kaum Einwände.

Stefan Schmöe, Online Musik Magazin, 05.09.2022

Ein musikalisch sehr überzeugender Holländer!

Ein Glück, dass Wagner eine so lange Ouvertüre zum Fliegenden Holländer komponiert hat. Da lässt sich allerlei Vorgeschichte unterbringen.

Das Kind Senta, so sehen wir, verkleidet sich gerne als Pirat, soll aber nach dem Willen des Vaters mit Puppen spielen – zwecks Vorbereitung auf das spätere Leben als Ehe- und Hausfrau. […] Regisseur Roman Hovenbitzer erzählt das immerhin punktgenau zur Musik, in der es Chefdirigent Mihkel Kütson hier noch richtig krachen lässt. Das Kind Senta werden wir dann noch häufiger sehen. Sehr verändert hat sich die zur jungen Frau herangewachsene Senta allerdings auch nicht, sie trägt immer noch dasselbe Piratenkostüm.

Die Intention ist klar: Hier will eine Frau die ihr zugewiesene bürgerliche Rolle nicht übernehmen. Das ist zwei Akte lang ziemlich nah bei Wagner. […] Hovenbitzer erzählt das in einer etwas gewöhnungsbedürftigen Mischung aus Realismus und der erdachten Perspektive Sentas, aber das funktioniert erst einmal leidlich gut. Ein rostiges Schiff mit riesigen Bullaugen ist angedeutet, davor moderne Möbel (Bühne: Roy Spahn), das ist ein Raum mit genug Seemannsatmosphäre und hinreichend Verfremdung. […] Videosequenzen zeigen Bilder aus der Erinnerung, aus gerade auf der Bühne abgelaufenen Szenen, natürlich auch immer wieder das Meer. […]

Ziemlich bemüht sind die Szenen, in denen die junge Senta auftritt und oft von der erwachsenen Senta an die Hand genommen wird, manchmal umarmen sie sich auch. Dann sind es doch eher Schwestern als dieselbe Person zu verschiedenen Zeiten. Und Sentas Piratentracht sieht leider viel zu sehr nach rheinischem Straßenkarneval aus, als dass man den sich darin manifestierenden Freiheitsgedanken ernst nehmen könnte. Wenn die Spinnstube des zweiten Akts zum Shop für Hochzeitskleider umgedeutet wird, zeigt das zwar einigermaßen schlüssig, dass diese jungen Mädchen sich alle wahnsinnig aufs Heiraten freuen, aber es trägt ebenfalls zum etwas provinziellen Charakter der Inszenierung bei, die sich krampfhaft um eine Neudeutung bemüht. Ein selbstbestimmtes Frauenbild soll her, sicher, aber das dürfte doch ein wenig raffinierter entwickelt werden.

Problematisch wird dann der dritte Akt, in dem der Holländer mit der angehenden Hochzeit im Handumdrehen zum Bürger mutiert, ununterscheidbar von den anderen Herren. Ein Wechsel von Fluch der Karibik zum Traumschiff in wenigen Sekunden. So hat Senta sich „Treue bis in den Tod“ ja gerade nicht vorgestellt (und plötzlich erscheinen ihr die – jetzt allesamt im Hochzeitsoutfit, aber ziemlich derangiert auftretenden Bürger als Gespenster). […] Die große Chorszene wird verschenkt, obwohl Chor und Extrachor toll singen, prachtvoll im Klang, mit großer Attacke, aber auch mit nuanciertem Piano (Einstudierung: Maria Benyumova und Michael Preiser). Nur schade, dass der Holländer-Chor elektronisch eingespielt wird. Aber die musikalischen Kontraste zwischen den feiernden Norwegern und den gespenstischen Holländern, die gibt es auf der Bühne gar nicht mehr. Da sind ja längst alle Norweger, sprich: frauenfeindliche Spießbürger, geworden. Folgerichtig schmeißt Senta ihrem Beinahe-Gatten den Brautschleier vor die Füße und zieht mit ihrem jüngeren Ich beleidigt davon. Ein Komödienschluss. Den endgültigen Ausbruch aus dem überkommenen Rollendenken hätte man mit weniger Aufwand und Umdeutung stringenter inszenieren können.

Der (noch) zum Lyrischen tendierende jugendlich-dramatische Sopran von Ingegjerd Bagøien Moe klingt manchmal noch etwas ungelenk, hat aber große Momente mit schönem, nuanciertem Piano, auch in den klug disponierten Ausbrüchen – die junge Norwegerin wird in die Partie hineinwachsen. Fabelhaft ist der kraftvolle, gut durchgestaltete Holländer von Johannes Schwärsky. Matthias Wippich gestaltet einen klangschönen, durchsetzungsfähigen Daland. Bemerkenswert der strahlende und höhensichere Erik von Ralph Ertl. Woongyi Lee als tadelloser Steuermann und Eva-Maria Günschmann als solide Mary runden ein durchweg überzeugendes Sängerensemble ab. Klara Raeder spielt die junge Senta sehr engagiert. Mihkel Kütson und die guten Niederrheinischen Sinfoniker begleiten sängerfreundlich, Kütson zeigt viel Gespür für die Situation: Mit dem Chor, mit Johannes Schwärsky an der Rampe kann es donnernd laut werden, aber nie deckt das Orchester die Sänger zu. Zudem ist die Textverständlichkeit meistens ziemlich gut. Die Brüche zwischen den eher konventionellen Nummern und der „modernen“ Musik des Holländers werden nicht abgeschwächt, aber insgesamt dirigiert Kütson sehr viel mehr aus der Perspektive der romantischen Oper denn des sich vorsichtig abzeichnenden Musikdramas. Der Geschichte kommt das allemal zu Gute, und die detaillierte Personenregie und die Musik gehen oft sehr genau Hand in Hand. Die musikalische Geschichte, die dabei erzählt wird, ist trotzdem spannender als die auf der Bühne.

Musikalisch gelingt hier ein sehr überzeugender Holländer. Szenisch überzeugt Roman Hovenbitzers Ringen um ein zeitgemäßes Frauenbild nicht so recht, und so bleibt die Regie trotz ein paar guter Szenen oft angestrengt.

Regine Müller, Rheinische Post, 06.09.2022

Am Schluss viele Bravi für alle!

Regiseur Roman Hovenbitzer zeigt am Theater Mönchengladbach Wagners „Der fliegened Holländer“ aus der Sicht einer sehr heutigen Senta. Wie das Konzept einer feministischen Piratenbraut aufgeht.

Das Wasser ist allgegenwärtig: In kräuselnden Wellen türmt es sich während der Ouvertüre auf der transparenten Projektionsfläche. Später schwappt es bedrohlich an die Bullaugen des Schiffs „Conquerer Cruises“, auf dessen Deck und Unterdeck das Geschehen abläuft, dann wieder glitzert es als spiegelnde Fläche friedlich im Mondlicht. Wasser ist das Element des fliegenden Holländers, jenes Kapitäns, der bei dem Versuch, das Kap der Guten Hoffnungg zu umsegeln, Gott lästerte, und daraufhin mitsamt seiner Mannschaft dazu verdammt wurde, ruhelos auf den Weltmeeren umherzuirren.

[…] Im ersten Aufzug – der durch eine etwas überflüssige, frühe Pause getrennt wird von den beiden Folgenden – taumelt Dalands (imposant und markig: Matthias Wippich) Mannschaft (famos der präzise Männerchor!) im Sturm mit orangen Rettungswesten umher, bis der Holländer im altertümlichen Rock aus dem 18. Jahrhundert das Schiff entert. Johannes Schwärsky gibt der Titelrolle balsamisch strömendes Legato, aber auch plastisch formulierende Durchschlagskraft.

Nach der Pause dann schlägt Ingegjerd Bagøien-Moes Stunde als unkonventionelle Senta: Statt in einer Spinnstube amüsiert sich der Frauenchor in einer Schneiderei für Hochzeitskleider, während die bockige Senta wieder einmal an einem Porträt ihres Traum-Mannes strichelt, dessen Sage sie mindestens so fasziniert wie der Traum von der Freiheit auf einem Piratenschiff. Bagøien-Moe singt Sentas Ballade mit gebremstem Schaum, ihr lyrisch angelegter, angenehm timbrierter Sopran dürfte nach der Premiere noch mehr Sicherheit gewinnen, um die exponierten Töne – auch im Sinne ihrer dramatischen Bedeutung – besser auszukosten.

Man ahnt es schon: Die eigensinnige Piraten-Lady und der geisterhafte Seemann, sie kommen nicht zusammen, nicht einmal im tragischen Opfertod der Senta, der hier ausfällt. Denn Hovenbitzer lässt den Holländer in Lichtgeschwindigkeit verspießern, den Hochzeitssekt runterstürzen, bevor Senta ihm den Schleier vor die Füße knüllt. Weder des Seemanns Entwicklung, noch Sentas Rückbesinnung auf ihre Freiheit sind von Wagners Musik gedeckt, zumal mit diesem Schluss die Fallhöhe einkassiert wird.

Aber immerhin ist es eine Hau-Ruck-politisch-korrekte Lösung für die problematische Opfertod-Wendung. GMD Mihkel Kütson hält das turbulente musikalische Geschehen souverän im Griff, dirigiert sehr gradlinig, könnte etwas nachgiebiger und lustvoller die Höhepunkte ansteuern, ermuntert aber zu feinsten Bläser-Soli. Am Schluss viele Bravi für alle, nur leichtes Missbehagen mit der Regie.

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