Extras, Musiktheater

Adelaide

Barockoper von Antonio Sartorio // Libretto von Pietro Dolfin // Gastspiel des Conservatorio di Musica Benedetto Marcello Venedig // Erste neuzeitliche Wiederaufführung Leitung

Ca. 180 Minuten inkl. Pause (nach ca. 90 Minuten) Stückeinführung vor Ort / Öffentliche Premierenfeier im Theaterbistro Italienisch mit deutschen Übertiteln

Vorstellungen

Derzeit keine aktuellen Vorstellungstermine.

Einmaliges Gastspiel des Conservatorio di Musica Benedetto Marcello Venedig

Über 350 Jahre schlummerte die Oper ADELAIDE des Komponisten Antonio Sartorio verteilt in verschiedenen Archiven Europas. Doch aus diesem Dornröschenschlaf wird das Werk Anfang März 2026 wiedererwachen, wenn es am Teatro Goldoni in Venedig unter Leitung des Barockspezialisten Diego Fasolis eine Wiederaufführung erleben wird. Ermöglicht wird dies durch ein großangelegtes Projekt des Conservatorio di Musica „Benedetto Marcello“ in Kooperation mit Hilfe internationaler Forschungsstellen in Venedig.

Und diese Produktion, in der Regie des renommierten italienischen Regisseurs Emanuele Gamba, wird unmittelbar nach seiner neuzeitlichen „Uraufführung“ im Rahmen eines einmaligen Gastspiels auch am Theater Mönchengladbach zu erleben sein.

ADELAIDE ist tatsächlich ein bislang übersehenes Meisterwerk des Barockrepertoires, das in historischen Quellen gelobt wird für ausdrucksstarke Arien, dramatisches Tempo und hohe musikalische Kunstfertigkeit.

Während in den meisten Barockopern mythologische Themen verhandelt werden, wählten der Komponist Antonio Sartorio und sein Librettist Pietro Dolfin ein realgeschichtliches Sujet, bei dem die italienische Königin Adelaide (931 – 999) im Zentrum steht. In der Oper entwickelt sich ein politisches Intrigenspiel, das im rasanten Tempo die Handlung der von Liebhabern bedrängten Adelaide in kontrastreichen Szenen vorstellt. Effektvoll wechseln die Szenen ihren Charakter zwischen intim und heroisch, aber auch zwischen komisch und tragisch. Die Handlung ist reich an Verkleidungsszenen, Verwechslungen, Vergiftungsversuchen und waghalsigen Rettungsaktionen, findet aber im Finale ein Happy End mit gleich zwei Hochzeiten.

Sartorio komponiert mit einer für seine Zeit modernen Sensibilität und verwendet strukturiertere Arien als in seiner Zeit üblich, die den Opernstil des 18. Jahrhunderts vorwegnehmen. Seine Partitur ist voller Energie, starker instrumentaler Farben und einfallsreicher Melodik, die die Emotionen der Figuren zum Leben erwecken.

Diese Opernproduktion verspricht nicht nur die Entdeckung eines musikalischen Meisterwerks, sondern auch vielversprechende Gesangstalente werden sich auf der Bühne präsentieren. Speziell für diese Inszenierung wurden junge Sängerinnen und Sänger ausgewählt, die sich auf die Kunst des Barockgesangs spezialisiert haben. Und die musikalische Leitung liegt in den Händen von Diego Fasolis, der international als Koryphäe für das Repertoire der Barockmusik gilt.

Italien 950/951

Vorgeschichte der Oper:

Adelaide ist die junge Witwe des Königs Lothar von Italien. Wenn sie erneut heiratet, erhält ihr Ehemann die Königswürde.

Berengar herrscht gemeinsam mit seinem Sohn Adalbert als König in Italien. Er strebt eine Vermählung Adalberts und Adelaides an und nimmt Adelaide gefangen, um sie zur Heirat mit seinem Sohn zu zwingen. Adalbert liebt Adelaide und hat ihre Cousine Gissilla verlassen, mit der er verlobt war. Adelaide hat König Otto, der sie ebenfalls liebt und heiraten will, um Hilfe gebeten.

  1. Akt

Berengar stellt Adelaide vor die Wahl: Entweder heiratet sie seinen Sohn Adalbert und herrscht mit ihm über Italien, oder sie wird zum Tode verurteilt. Adelaide wählt den Tod. Sie wird in einem Turm im Gardasee eingesperrt. König Otto hat sich als Fischer verkleidet und plant, Adelaide zu befreien. Als Adelaide versucht, sich im See zu ertränken, rettet er ihr das Leben, obwohl er sie nicht erkennt, sondern für Adalbert hält, dessen Königsmantel er am Ufer findet. Adalbert hatte ihn ausgezogen und sich selbst in den See gestürzt, um Adelaide zu retten.

Als Adelaide am Ufer zu sich kommt, findet sie Adalberts Mantel und Krone und glaubt, er habe sie gerettet. Ihr Onkel Anno, Gissillas Vater, hat sich beim Hirten Armondo versteckt und selbst als Hirte verkleidet. Auch Adelaide findet dort Zuflucht und nimmt Adalberts Mantel und Krone mit.

Inzwischen erfährt Berengar durch Lindo von Adelaides Selbstmordversuch und Rettung, aber auch, dass Adalbert sich in den See gestürzt hat. Sein Schicksal ist unbekannt, und Berengar befürchtet, dass sein Sohn ertrunken ist.

Adalbert ist jedoch von Räubern aus dem See gerettet und gefangengenommen worden. Er hält Adelaide für tot. Gissilla, Adelaides Cousine, hat sich als Händlerin verkleidet, um Adalbert zu finden und für sich zurückzugewinnen, weil sie ihn immer noch liebt. Mit einer List gelingt es ihr, Adalbert zu befreien und die Räuber in die Flucht zu schlagen. Adalbert verspricht aus Dankbarkeit, sie zu heiraten, aber er kann Adelaide nicht vergessen.

Als Lindo mit Soldaten zum See zurückkehrt, um nach Adelaide zu suchen und sie erneut gefangen zu nehmen, versteckt Adelaide sich in einem Bergwerk. Sie wird dort aber belästigt und flieht.

  1. Akt

Am Ufer des Gardasees heuchelt Adalbert Zuneigung für Gissilla, aber insgeheim schmiedet er einen Plan, um sie loszuwerden. Er schreibt einen Brief an seinen Vater und bittet ihn, die Person, die ihn gerettet habe, also Gissilla, zu töten. Er bittet den als Fischer verkleideten König Otto, den Brief zu überbringen. So erfährt Otto, dass er Adalbert vor sich hat. Da er immer noch glaubt, Adalbert vor dem Ertrinken gerettet zu haben, bezieht er den Inhalt der Briefes auf sich und beschließt, Adalbert zu töten. Als Adelaide nach ihrer Flucht aus dem Bergwerk wieder ans Seeufer zurückkommt, hält Otto sie wieder für Adalbert und schießt einen Pfeil auf sie. Die verwundete, ohnmächtige Adelaide wird vom echten Adalbert gefunden, der sie erkennt und ihr den Pfeil aus der Seite zieht. Gissilla sieht nur, dass er Adelaide im Arm hält, und wird so eifersüchtig, dass sie ihre Cousine an Lindo verrät. Als Adelaide zu sich kommt, glaubt sie, Adalbert habe den Pfeil auf sie geschossen. Sie wird von Lindo gefangengenommen und zum Königspalast gebracht. Gissilla schwört, sich am untreuen Adalbert zu rächen und macht sich ebenfalls auf den Weg dorthin, gefolgt von König Otto, der immer noch glaubt, Adalbert mit dem Pfeil verwundet zu haben.

Delma und Anno, beide auf der Suche nach Gissilla, haben keinen Erfolg. Anno will Gissilla bestrafen, weil sie die Ehre der Familie verletzt hat.

Im Palast erfährt Berengar zu seiner großen Erleichterung, dass sein Sohn Adalberto lebt und dass die geflohene Adelaide wieder gefasst wurde.

Als Adelaide vor Berengar gebracht wird, erkennt König Otto, der heimlich gefolgt ist, endlich, was wirklich geschehen ist: dass es Adelaide war, nicht Adalbert, die er aus dem See gezogen und später mit dem Pfeil getroffen hat. Weil Adelaide Adalbert beschuldigt, auf sie geschossen zu haben, will Berengar sie zur Strafe für ihre Lüge töten lassen. Otto gibt daraufhin zu, dass er es war, der sie verwundet hat, seinen Namen nennt er jedoch nicht. Berengar lässt ihn zusammen mit Adelaide in den Kerker werfen und gibt Lindo den Auftrag, Adelaides Wunden zu versorgen.

Wütend wirft Gissilla Adalbert seine Untreue vor, aber er lügt sie an und behauptet, Adelaide nicht mehr zu lieben, sondern sie zu verachten. Als Beweis dafür will er Adelaide ein tödliches Gift geben.

Im Kerker erfährt Adelaide von Otto, dass er nur auf sie geschossen habe, weil er sie für Adalbert hielt. Gerade als er sich ihr zu erkennen geben will, wird er von Lindo unterbrochen, der ein Fläschchen mit tödlichem Gift für Adelaide bringt. Auf Anweisung Adalbertos soll sie entweder seine Liebe erwidern oder das Gift trinken. Als Adelaide das Gift wählt, schlägt Otto Lindo die Flasche aus der Hand. Lindo ordnet daraufhin verschärfte Haftbedingungen für beide an, aber Adelaide und Otto hoffen trotzdem auf Rettung.

  1. Akt

Als Berengar von dem Gift für Adelaide erfährt, ist er über seinen Sohn entsetzt und befiehlt, Adelaide sofort ein Gegengift zu geben und sie freizulassen, falls sie noch lebt. Für Gissilla, die verlangt, Adalbert zu heiraten, hat er nur Verachtung übrig.

Adelaide ist frei und macht sich auf den Weg zu ihrem Onkel Anno. Sie schickt Armondo zurück zum Palast, um ihrem Mitgefangenen das königliche Diadem Adalberts zum Dank als Geschenk zu überbringen.

Berengar stellt seinen Sohn zur Rede und wirft ihm vor, dass er versucht habe, Adelaide zu vergiften, weil er sie nicht mehr liebe und jetzt Gissilla heiraten wolle. Aber Adalbert erklärt, dass in der Flasche kein Gift war. Er wollte sie nur auf die Probe stellen. Daraufhin bereut Berengar, Adelaide freigelassen zu haben. Als Lindo berichtet, dass der gefangene Fischer – in Wirklichkeit König Otto – die Flasche mit dem vermeintlichen Gift zu Boden geworfen habe, befiehlt Adalbert ihm den Gefangenen nicht freizulassen, ehe er den Glanz der Königskrone sehe. (Er meint damit sich selbst, aber Lindo versteht ihn nicht.)

Gissilla wird von Adalbert zurückgewiesen und trifft auf ihren Vater Anno, der ihr verzeiht und sie auf seine Burg schickt.

Wie von Adelaide gewünscht, bringt Armondo die Königskrone Adalberts zum Palast, um sie dem gefangenen Fischer – König Otto – zu schenken. Als Lindo die Krone sieht, hält er dies für das verabredete Zeichen von Adalbert, und lässt den Gefangenen sofort frei. Otto erfährt, dass Adelaide auf der Burg ihres Onkels Anno Schutz gesucht hat. Berengar und Adalbert sind aber schon mit ihren Soldaten auf dem Weg dorthin. Sie erfahren, dass Lindo den Gefangenen irrtümlich freigelassen hat, und dass es sich bei ihm um König Otto selbst handelt. Sie beschließen, seinem Heer zuvorzukommen, Annos Burg zu erobern und Adelaide wieder in ihre Gewalt zu bringen.

In Annos Burg fleht Adelaide ihren Onkel an, sie nicht an Berengar und Adalbert auszuliefern. Anno und seine Tochter schwören ihr die Treue.

Nachdem Adelaide aus einem Brief von Otto erfährt, dass er es war, der sie aus dem See gezogen hat, meldet Delma, dass Otto über das Heer Berengars und Adalberts gesiegt hat. Die beiden Könige will er mit dem Tode bestrafen. Doch auf die Fürsprache von Gissilla hin begnadigt er die Könige, unter der Bedingung, dass Adalbert Gissilla heiratet.

Die Doppelhochzeit von Adelaide mit Otto und Gissilla mit Adalberto beschließt das Stück.

Adelaide bietet dem Publikum die seltene Gelegenheit, ein bedeutendes, aber lange vernachlässigtes Werk zu erleben – eine Oper, die in historischen Quellen für ihre ausdrucksstarken Arien, ihre dramatische Erzählweise und ihre hohe musikalische Kunstfertigkeit gerühmt wird.“ (Conservatorio di Musica Benedetto Marcello Venedig)

Einführung zum Gastspiel vor Ort

Um 18:15 Uhr, 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn, wird eine Stückeinführung von Wilfried Schmerbach von der Deutschen Oper am Rhein im Konzertsaal des Theaters Mönchengladbach angeboten. Dauer der Einführung: ca. 30 Minuten. Sitzplätze nur begrenzt verfügbar. Der Eintritt ist im Ticket enthalten.

Leitung

Heide Oehmen, Rheinische Post, 19.03.26

Großartiger barocker Glanz am Theater Mönchengladbach

Die Präsentation einer verschollenen und nun wiederentdeckten Oper aus der Feder des zu seinen Lebzeiten hochgeehrten und vielgespielten Antonio Sartori – das wollten sich Barockliebhaber nicht entgehen lassen.

In Scharen, teils von weither angereist, kamen sie diese Woche zum Theater Mönchengladbach. Ermöglicht durch ein groß angelegtes europäisches Forschungsprojekt am Conservatorio di Musica „Benedetto Marcello“ in Venedig, wurde das Original von Sartoris „Adelaide“ bearbeitet. Es wurde von ursprünglich fünf auf knapp drei Stunden Aufführungsdauer herunter gekürzt und für eine neuzeitliche Aufführung eingerichtet.

[…] Die weitgehend verwirrende und nach unseren Begriffen manchmal auch jeglicher Logik entbehrende Handlung wiederzugeben, ist fast unmöglich. Das war zur Barockzeit eher nebensächlich, wie Wilfried Schmerbach von der Deutschen Oper am Rhein in seiner gelungenen Einführung berichtete.

[…] Es ging um die von Matteo Corsi erdachte einfache und nur aus vier bühnenbreiten Treppenstufen bestehende Ausstattung, die – von farblich abgestuften Dekorationen umgeben und durch wenige Versatzstücke zu unterschiedlichen Örtlichkeiten umgewandelt – stets der Handlung entsprechende Einblicke verschaffte. Es ging um das eindringliche, manchmal nur angedeutete, aber immer gut nachvollziehbare Spiel auf der Bühne (Regie: Emanuele Gamba), um die prächtigen historischen Kostüme und um das optimal angepasste Lichtdesign von Manuel Garzetta.

Vor allem aber stand die mal fesselnde, dann wieder einschmeichelnde Musik im Vordergrund, die ausnahmslos von Studentinnen und Studenten des venezianischen Conservatorio bewältigt wurde. Deren vokaler und instrumentaler Standard war einfach bewundernswert. Selbstverständlich sind alle Protagonisten mit historischer Aufführungspraxis vertraut. Doch das ohne Ausnahme präzise und dennoch unverkrampft wirkende Zusammengehen war schon außergewöhnlich, und die Sängerinnen und Sänger wussten ihre allesamt koloraturgewandten Stimmen werkgerecht einzusetzen. Der Komponist hatte übrigens nicht alle Partien geschlechtsspezifisch besetzt – beispielsweise wurde Adalberto von einer Sopranistin und Otto von einer Mezzosopranistin verkörpert.

Das von Diego Fasolis geleitete Orchester (positioniert auf dem erhöhten Orchestergraben) stand den Vokalisten in nichts nach. Der weiche und runde Klang der historischen Instrumente, der niemals die Sänger zudeckte, entfaltete sich wunderschön im akustisch hervorragenden Theatersaal. […]

Dr. Hartmut Hein, Klassik.com, 19.03.26

Adelaide, entblüht dem Grabe der Geschichte: Ein Wundertüten-Gastspiel!

Dass eine bis dato wohl 350 Jahre lang musikalisch völlig unbekannte Oper eines selbst in anspruchsvolleren Opernführern nicht erwähnten venezianischen Komponisten im Theater in Mönchengladbach-Rheydt vor nahezu ausverkauften Rängen Erfolge feiert, ist schon höchst bemerkenswert.

[…] Die Produktion entstand als mit der Neu-Edition des Werks verbundenes Aufführungsprojekt des Conservatorio Benedetto Marcello in Venedig mit einem sichtbar größtenteils aus Hochschulkräften gespeisten jungen Ensemble sowohl im “Orchestra Sartorio” als auch auf der Bühne. Neben dem von Fasolis und seinen Spezialisten blendend umgesetzten Fach des bunten Generalbass-Spiels beeindruckte auch die allgemeine Spielfreude bis hin zu den nur wenig, nämlich bevorzugt bei königlichen Verkündigungungen genutzten drei (historischen) Blechbläsern. Beeindruckt hat mich aber vor allem die Kondition und der Ideenreichtum der beiden Cembalisten Alessandro Gonfiantini und Luca Faraci. Größere professionelle Erfahrung merkte man gerade den vier Hauptrollen an. Anastasiia Petrova in der Titelrolle verfügte über genügend angemessenes Volumen, Durchsetzungskraft und Ausstrahlung, um dem häufigen, metaphernreichen Hadern der Figur mit ihrem Schicksal genug königliche Würde und Sympathie zu verleihen. Gloria Ferro als charmantere Konkurrentin Gissilda kontrastierte hervorragend mit ihrer leichteren, gut beweglichen Stimme, mit rhythmisch überaus sicheren, mühelos wirkenden Verzierungen in ihrem vielleicht am meisten auskolorierten Part. Minyoung Park als Adalbert verfügte über nötige Klarheit und markante Führung ihrer durchaus kastratennahen Stimme, um die zwiespältige, aber immer drangvolle Figur angemessen zu charakterisieren, während Silvia Vavassori, eine spürbar schon erfahrenere Sängerin, als Otto den Sopran Petrovas in den Duettpassagen stimmig ergänzte und in ihrer Rolle gestalterisch mit sehr viel Nachdruck aufging. Countertenöre standen offenbar nicht zur Verfügung, bedauerlich aber nur im Falle des Anno von Nina Cuk, für die diese Rolle oft zu tief gelegen erschien mit Auswirkungen auf eine in Farbe und Lautstärke nicht immer zufriedenstellende Tonbildung. Giovanni Baraldi als profunder Basso-König Berengar und Luigi Tinto als dessen Handlanger Lindo überzeugten in den tieferen Lagen, und Matteo Laconi durfte dank eines Helm-Wechsels sowohl Berengar als auch Anno als bemerkenswert wohltönend-einfühlsam artikulierender Tenor-Krieger dienen. Viel zu hören und vielleicht viel zu viel zu schreiben also, doch das Wesentliche war ja, wie begeistert und mit längerem stehenden Applaus das Mönchengladbacher Publikum dieses Wundertüten-Gastspiel angenommen hat. Deshalb gebührt zum Schluss den Verantwortlichen im Theater Krefeld-Mönchengladbach das vielleicht größte Lob, den Mut zu einer Integration einer solchen Sonderveranstaltung in den Spielplan gehabt zu haben, und ein ausdrückliches “Gerne wieder”.

Markus Lamers, Der Opernfreund, 22.03.26

Dies lässt hoffen, dass dieses Werk in Zukunft öfter auf den Opernbühnen der Welt zu sehen sein wird.

[…] Im Februar dieses Jahres wurde das Werk [von Antonio Sartorio] aus diesem Dornröschenschlaf geholt, als am venezianischen Teatro Goldoni die erste neuzeitliche Aufführung stattfand.

Ermöglicht wurde diese Aufführung durch ein internationales Projekt des Conservatorio di Musica Benedetto Marcello in Venedig. Am 18. März 2026 fand ein einmaliges Gastspiel dieser seltenen Barockoper am Theater Mönchengladbach statt.

[…] Während die Uraufführung im Jahr 1672 noch rund 5 1/2 Stunden dauerte, wurde die aktuelle Inszenierung auf angenehme drei Stunden inklusive einer Pause reduziert, die dem Zuschauer dennoch einiges an Aufmerksamkeit abverlangt, wenn er nicht irgendwann den Faden verlieren will. Zugute kommt der Oper, dass dem damaligen Publikum überraschende Wendungen in der Handlung lieber waren als Logik, die hierbei entsprechend oft auf der Strecke bleibt. Dafür wird die Geschichte an keiner Stelle langweilig und eine hervorragende Opernpartitur sorgt zudem für beste musikalische Unterhaltung.

[…] Mit vielen Anlehnungen an Opernaufführungen der damaligen Zeit trägt die Inszenierung von Emanuele Gamba ebenfalls zu diesem gelungenen Gastspiel bei. Die Sängerinnen und Sänger singen zwar oft zum Publikum gewandt, dennoch ist die Inszenierung nicht allzu statisch. Auch der gut eingesetzte Humor lockert den Abend auf.

[…] Das meist schlichte, dennoch aber durchaus stimmungsvolle Bühnenbild (Ausstattung: Matteo Corsi) weiß zu gefallen und sorgt mit Bühnennebel auf dem See und wechselnden farblichen Hintergründen für ausreichend Abwechslung.

[…] Auch musikalisch kann die Aufführung überzeugen: Sämtliche Darstellerinnen und Darsteller sowie das wunderbar aufspielende Barockorchester unter der musikalischen Leitung von Diego Fasolis sorgen dafür, dass diese Rarität im Opernrepertoire den Zuschauern in guter Erinnerung bleiben wird. Sympathisch war zudem, wie Fasolis in sehr gutem Deutsch zwischen dem zweiten und dritten Akt einige kurze Worte ans Publikum richtete, sich bei diesem für den Besuch bedankte und humorvoll erwähnte, dass es in Venedig zu Zeiten Sartoris durchaus normal war, die Oper auch vor dem Ende zu verlassen, was natürlich auch hier erlaubt sei. Von diesem Angebot machten im dritten Akt allerdings nur zwei Zuschauer Gebrauch, während das restliche Publikum im gut besuchten Theater Mönchengladbach am Ende lautstarken Applaus spendete. Betrachtet man dieses Gastspiel als eine Art Publikumsabstimmung über Antonio Sartorinis unbekannte Oper Adelaide, dann fiel das Ergebnis eindeutig positiv aus. Dies lässt hoffen, dass dieses Werk in Zukunft öfter auf den Opernbühnen der Welt zu sehen sein wird.

Dieses außergewöhnliche Opernprojekt wird durch die Erasmus-Förderung unterstützt.

Foto Titelbild: KI-Generiert / Inszenierungs-Fotos: Matthias Stutte

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