Musiktheater

La Bohème

Oper in vier Bildern // Musik von Giacomo Puccini // Libretto von Luigi Illica und Giuseppe Giacosa nach Scènes de la vie de bohème von Henri Murger Leitung Besetzung

1. Mai 2026 – 16. Mai 2027

Ca. 2 Stunden 15 Minuten inkl. Pause (nach ca. 60 Minuten) Musikalische Stückeinführung vor Ort an allen Vorstellungsterminen / Video-Interview In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Vorstellungen

Termin anklicken, um Tagesbesetzung anzuzeigen.

Vier Pariser Künstlerfreunde teilen sich eine bescheidene Unterkunft und fristen ihr Dasein zwischen romantischen Bohème-Klischees und bitterer Armut. Alle vier hoffen auf ihre baldige Karriere und denken nicht im Traum daran, sich von der brutalen Realität unterkriegen zu lassen. Nachdem die übermütige Clique den Geldforderungen ihres Vermieters trickreich entkommen konnte und drei der Freunde bereits auf dem Weg in ihr Stammlokal sind, bekommt der Schriftsteller Rodolfo Besuch von der schönen Nachbarin Mimì. Rodolfo und Mimì verlieben sich Hals über Kopf ineinander und stürzen sich in eine leidenschaftliche Amour fou, die kein gutes Ende nehmen wird.

„Großer Schmerz in kleinen Seelen“, nannte Giacomo Puccini seine Formel, die das Publikum immer wieder zu Tränen rührt. Auf der ganzen Welt werden Opernliebhaber nicht müde, sich von der tragischen Liebesgeschichte berühren zu lassen. Puccinis Musik besticht durch die Schilderung des unbeschwerten Künstlermilieus ebenso wie durch die wehmütigen Töne zwischen den beiden Liebenden.

Opernregisseur Dennis Krauß, 2025 ausgezeichnet mit dem Europäischen Opernregie-Preis und dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST in der Kategorie Regie Musiktheater, geht in seiner Inszenierung auf
Spurensuche nach den Sehnsüchten der jungen französischen Bohème.

Einführung zur Inszenierung vor Ort

Jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn wird an allen Terminen eine Stückeinführung im Glasfoyer des Theaters Krefeld angeboten. Der junge Pianist und Dirigent Anton Brezinka stellt die Oper vom Klavier aus vor. Dauer der Einführung: ca. 30 Minuten. Sitzplätze nur begrenzt verfügbar. Der Eintritt ist im Ticket enthalten.

Video-Interview

Guido Krawinkel, OPER!, 15.04.26

In Krauß’ Version des All time-Klassikers passt einfach alles zusammen und ist stimmig: Ensemble, Musik und Inszenierung.

La bohème am Theater Krefeld: nicht gegen den Strich gebürstet oder neu erfunden, sondern in bilderbuchmäßiger Weise so in Szene gesetzt, wie die Oper komponiert wurde.

[…] Mimì stirbt in der Mansarde, umgeben von ihren Freunden. Rodolfo erkennt ihren Tod als Letzter, bricht verzweifelt zusammen und ruft schluchzend ihren Namen, während das Orchester mit einem letzten, herzzerreißenden Akkord schließt. Zack, Bumm, Ende. Das verfehlt seine Wirkung selten, dies umso mehr, wenn eine Aufführung so stimmig ist, wie jetzt am Theater Krefeld.

Das fängt mit den ausgezeichneten Niederrheinischen Sinfonikern an. Generalmusikdirektor Mihkel Kütson treibt das in Bestform spielende Orchester mit Hochdruck, aber alles andere als überspannt durch die Partitur. Man spielt präzise, druckvoll, stets nah am Puls der Musik. Das bleibt bis zum Ende spannend.

[…] Auch das weitgehend mit hauseigenen Kräften besetzte Ensemble zeigt sich von seiner besten Seite. Woongyi Lees Rodolfo hat eine enorme Strahlkraft, die nur selten eine leicht stählerne Klangfarbe aufweist, aber schön geführt wird und ein durchaus großes Ausdrucksspektrum aufweist. Rafael Bruck als Marcello und Matthias Wippich als Colline bestechen durch sonore Basskraft und – wie auch die anderen beiden Mitglieder des hervorragend harmonierenden Bohème-Quartetts – große Präsenz und ungeheure Spiellaune. Opernstudiomitglied Jeconiah Retulla als Schaunard gehört ebenfalls dazu.

Hayk Deinyan als Benoît und Sophie Witte als Musetta komplettieren die gute Besetzung, zu der vor allem auch Sofia Poulopoulou als Mimì gehört. Sie berührt besonders mit den leisen Tönen, trägt nie zu dick auf, wirkt stimmlich wie auch schauspielerisch sehr authentisch. Dabei hat sie sicherlich noch Reserven, doch setzt sie ihre wunderbar runde Sopranstimme sehr überlegt ein, überreizt ihr emotionales Schema an keiner Stelle und huldigt auch nie allein dem Schönklang. Eine gute Figur machen auch Opern- und Extrachor des Theaters (Einstudierung: Michael Preiser), die die Szene im Café im zweiten Akt zusammen mit dem Kinderchor ausgezeichnet stemmen. Vor allem der von Marie-Kristin Steiner und Ricardo Navas einstudierte Kinderchor, ein Projektchor der Musikschule der Stadt Krefeld mit Kindern im Alter von acht bis 13 Jahren, macht seine Sache wirklich ausgezeichnet.

Dass der Abend in Krefeld eine insgesamt runde Sache wird, liegt nicht zuletzt an der ebenso durchdachten wie soliden Inszenierung von Dennis Krauß, der auch das Bühnenbild entworfen hat.

[…] Jeder einzelne Akt wird durch ein Farbkonzept charakterisiert, das ebenso konsequent umgesetzt wirkt wie das Bühnenbild und viel über den Charakter und die Stimmung der jeweiligen Szenerie aussagt. Das wirkt insgesamt ebenso schlüssig wie die zeittypischen Kostüme und das Bühnengeschehen, das von Krauß alles in allem ebenso mustergültig arrangiert wird.

Da gibt es keinen Leerlauf und kein Herumstehen an der Rampe. Die Akteure tun schlichtweg das, was die Handlung lebendig macht, und zwar in dramaturgisch vorbildlicher Interaktion. Man kann es nicht anders sagen: In Krauß’ Version des All time-Klassikers La bohème passt einfach alles zusammen und ist stimmig: Ensemble, Musik und Inszenierung. Hier wird eine Oper nicht gegen den Strich gebürstet oder völlig neu erfunden, sondern in absolut bilderbuchmäßiger Weise so in Szene gesetzt, wie sie komponiert wurde. Diese Inszenierung verprellt ihr Publikum nicht, sondern holt es ab. Und sie ist ein weiterer Beweis, für die Leistungsfähigkeit und das künstlerische Niveau eines stinknormalen Stadttheaters. Am Ende gab es deshalb einhelligen Jubel für alle. Gut so.

Heide Oehmen, Rheinische Post, 13.04.26

Diese Mimi ist zum Niederknien!

Die Geschichte ist eine bodenlose Tragödie: Dennis Krauß hat Puccinis berühmte Oper „La Bohème“ in wunderschönen Bildern umgesetzt. Musikalisch, optisch und emotional ist es ein großer Coup.

„La Bohème“, eine der am häufigsten gespielten Opern, ist immer ein Publikumsmagnet. Auch in Krefeld hieß es bereits Tage vor der Premiere „ausverkauft“. Sogar die vor jeder Vorstellung stattfindende und sehr empfehlenswerte Einführung durch Opernstudiomitglied und Dirigent Anton Brezinka im Glasfoyer war beinahe überfüllt.

[…] Der hier für die Regie ausgewählte Dennis Krauß ist ein junger, aufstrebender und jüngst mit dem renommierten Faust-Preis ausgezeichneter Künstler, der am Gemeinschaftstheater bereits die viel beachtete Produktion „Aida – Der 5. Akt“ in Szene gesetzt hat. Schon bei der Soirée zu Bohème hatte er versichert, die Oper nicht verfremden oder in eine andere Zeit transportieren zu wollen. Ihn interessiere mehr, sich auf die Charaktere der handelnden Personen zu konzentrieren.

Das Publikum durfte also Gewohntes genießen und sich auch optisch durchaus wohlfühlen. Krauß ist auch sein eigener Bühnenbildner, sodass Personenführung und Ausstattung sich optimal ergänzen.

[…] Farblich geschmackvoll abgestimmte Kostüme (Raphaela Rose) und szenengerechte Lichtregie runden den optischen Eindruck wohltuend ab.

[…] Hatten GMD Mihkel Kütson und seine Niederrheinischen Sinfoniker bereits anlässlich „Madama Butterfly“ eifrig am Pucciniklang gefeilt, so überboten sie ihre orchestrale Leistung bei Bohème noch um einiges. Voller Farbenpracht ließen sie die eingängigen Melodien erblühen und setzten klare Akzente – immer in bestem Einvernehmen mit dem Bühnengeschehen. […]

Der von Chordirektor Michael Preiser gewohnt sorgfältig präparierte Chor und Extrachor des Theaters sowie der von Marie-Christin Steiner und Ricardo Novas einstudierte Kinderchor „Projektchor La Bohème“ der Musikschule der Stadt Krefeld belebten mit präzisem, homogenem Gesang und munterem Spiel die Heiligabendszene.

Sofia Poulopoulous Sopran hat alles, was die anspruchsvolle Partie der Mimi erfordert. Die jungmädchenhafte Unschuld, die Freude, geliebt zu werden, die Enttäuschung, das Leiden und die Gewissheit sterben zu müssen – all’ das spiegelt sich in ihrer wandlungsfähigen, höhensicheren und farbenreichen Stimme wider. Dazu verfügt die Sängerin über ein ganz natürlich wirkendes Spieltalent.

Sophie Witte als Musetta steht ihr in nichts nach. Mit silbrigen, mühelosen Höhenflügen singt sie – herrlich zickig agierend – ihre Arie und nervt ihren trotteligen Verehrer (Thomas Peter mit durchsetzungsfähigem Bass). Später – in der Sterbeszene – wandelt sich Musetta zur mitleidenden Freundin mit lyrischem Gesang. Woongyi Lee ist der schwärmerische, aber unstete Rudolfo mit kernigem und raumfüllendem, manchmal in der Höhe etwas unflexiblem Tenor. Mit Mimi harmoniert er, auch darstellerisch, glänzend. Hayk Deinyan ist der zunächst mürrische, aber mittels Rotwein gefügig gemachte Vermieter Benoit, der die noch fällige Miete eintreiben will.

Jeconiah Retulla aus dem Opernstudio (Schaunard) überrascht mit überbordender Spielfreunde und dynamisch breit gefächertem Bariton, während sein Stimmkollege Rafael Bruck (Marcello) sich fast ausnahmslos im Forte-Bereich bewegt. Bass Matthias Wippich (Colline) nimmt mit seiner einfühlsam gestalteten „Mantel-Arie“ besonders für sich ein. Es ist die zu Herzen gehende Szene, da alle Freunde versuchen, noch etwas für die sterbende Mimi zu tun. Colline will dafür seinen alten Mantel zum Pfandhaus bringen. Diese letzte Szene, die vermutlich niemanden im Opernhaus kalt lässt, zeigt noch einmal, mit welcher Sorgfalt der Regisseur gearbeitet hat.

Nachdem der Vorhang gefallen ist, bricht großer Jubel los, und stehend zollt das Publikum allen Akteuren seine Bewunderung.

Christian Oscar Gazsi Laki, Westdeutsche Zeitung, 13.04.26

Durchweg “handwerklich” höchstes Niveau!

Puccinis „La Bohème“ in einer expressionistischen Fantasiewelt: Dennis Krauß inszeniert den Opernhit „La Bohème“ traditionell – das Publikum im ausverkauften Theater Krefeld ist begeistert.

[…] Bei der ausverkauften Premiere im Jetzt also erlebte das hellauf begeisterte Krefelder Publikum – und die Begeisterung war nicht zuletzt wegen des herausragenden musikalischen Niveaus absolut legitim, es dirigierte GMD Mihkel Kütson – wieder ein expressionistisch, kubistisch, windschief-kraftvolles Bühnenbild. Ein wenig wie früher. Und doch anders.

Puccinis Oper in vier Bildern wurde für das Theater Krefeld und Mönchengladbach inszeniert vom mehrfach preisgekrönten Regisseur Dennis Krauß, der zugleich für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet. Inspiriert wurde er dabei offenbar von künstlerischen Positionen, die durchaus ihren Ursprung in jenen Pariser Gefilden gehabt haben, die als Vorbild für den Opernstoff um vier arme Bohemiens und die schwindsüchtige Mimì sowie die kokette Musetta samt Konsorten dienten.

[…] Aber Krauß und sein Team – die auf historisch getrimmten Kostüme stammen von Raphaela Rose – entscheiden sich dafür, den Stoff in eine Art „Fantasiewelt“, als wäre es einem Gemälde entsprungen, ganz ohne doppelten Boden oder Neuinterpretation ganz authentisch an der Geschichte entlang zu erzählen. Statisch wird die Geschichte dadurch nicht. Aber, auf welche Weise auch, modern wirkt die Inszenierung nicht wirklich. Mit wundervoll gemachten großen Bildern, mit einer detailverliebten Personenregie, die indes nicht vor Klischees zurückschreckt. Fast überhöht man ein wenig die idealtypischen Eigenschaften einer „traditionellen“ Inszenierung.

[…] Freilich glänzte Sofia Poulopoulou als Mimì nicht nur schauspielerisch mit einer feinen, filigranen Spielweise, sondern ließ auch stimmlich mit klaren und schönen Höhen keine Wünsche offen. Woongyi Lees Rodolfo war vielleicht einen Hauch weniger mitreißend in der Darstellung. Doch seine Stimme verlieh der Rolle die Nötige – feine – Leidenschaft. Sophie Witte fühlte sich in der Rolle der Musetta genauso wohl wie der feingeistige Rafael Bruck als Marcello, Matthias Wippich – auf den Punkt – als Colline sowie sehr einprägsam Jeconiah Retulla aus dem Opernstudio als Schaunard. Trefflich trafen sie alle Puccinis besondere Anforderungen an ihre jeweiligen Gesangsrollen. Mit viel Würze gestalteten sie ihre Figuren. Großes Gefühl – allerdings zwischen kubistischen Wänden und schrägen Fenstern. Lob gilt auch dem famos spielenden Hayk Deinyan als Vermieter Benoît und Markus Heinrich als Spielzeugverkäufer Parpignol. Thomas Peter war als Gast in der Rolle des geprellten Alcindor ein schöner Akzent. Chanyang Choi aus dem Opernchor gab den Sergeant. Der Chor, einstudiert von Michael Preiser, präsentierte sich im zweiten Bild nicht nur gesanglich mit quirligem Trubel, sondern hatte auch szenisch einiges zu tun. Ergänzt durch einen Projektchor der Musikschule Krefeld, der viel junges Blut auf die Bühne – und stolze Eltern ins Publikum – brachte.

[…] Mit viel Leidenschaft spielten die Niederrheinischen Sinfoniker unter Kütson. Der klug gewählte Tempi mit mal passender Dramatik oder auch Leichtigkeit vermählte und einen sehr trefflichen Puccini-Sound schuf, den man so nicht allzu häufig hört.

Markus Lamers, Der Opernfreund, 13.04.26

Erstklassig besetzt!

Was schreibt man als Kritiker zu einer Opernpremiere, wenn es wirklich gar nichts zu kritisieren gibt?

[…] Für die Inszenierung der Bohème konnte der junge Regisseur Dennis Krauß gewonnen werden, der am Theater Krefeld-Mönchengladbach bereits die Kammeroper Aida – Der fünfte Akt im kleineren Rahmen inszenierte. Im vergangenen Jahr wurde er für seine Inszenierung von Sleepless am Theater Chemnitz mit dem Deutschen Theaterpreis Der Faust in der Kategorie „Regie Musiktheater” ausgezeichnet. Zudem wurde er im selben Jahr mit dem Europäischen Opernregiepreis geehrt. Auch bei La Bohème trifft Dennis Krauß nun genau den richtigen Tonfall. Er inszeniert die Geschichte traditionell in der Zeit um 1900, mit einer klugen Personenführung und einem guten Gespür dafür, die kleinen, intimen Momente der Oper und die großen Bilder geschickt zu verbinden. Darüber hinaus zeichnet sich Dennis Krauß auch für das fantastische Bühnenbild in Form von großen Gemälden verantwortlich, in das viel Liebe zum Detail gesteckt wurde. So gibt es nicht nur einen passend rauchenden Schornstein oder ein paar Tauben, die beim Liebesduett zwischen Mimi und Rodolfo durchs Bild fliegen, auch Schatteneffekte werden immer wieder geschickt eingesetzt. Sei es das Feuer im Ofen, das für die kurze Brenndauer des Papiers ein kleines, orange schimmerndes Licht auf die Künstler wirft oder die Schatten der Darsteller bei Auf- und Abgängen im Treppenhaus zur Dachgeschosswohnung. Wie sagte eine Zuschauerin in der Pause ganz treffend und voller Begeisterung zu ihrer Begleitung: „Wie schön, eine Oper so wie früher.“

Passend sind die Kostüme von Raphaela Rose an das Leben zur Zeit der Jahrhundertwende in Paris angepasst. Auch musikalisch kann La Bohème in Krefeld überzeugen. Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Mihkel Kütson spielen die Niederrheinischen Sinfoniker wie gewohnt stark auf und zeigen ein gutes Gespür für Tempo und Lautstärke. Der Opernchor und Extrachor des Theaters Krefeld Mönchengladbach wurde von Michael Preiser gut einstudiert. Auch der ergänzende Kinder-Projektchor der Musikschule der Stadt Krefeld unter der Leitung von Marie-Kristin Steiner und Ricardo Navas ist bestens vorbereitet. Schön hierbei ist, dass man diesem nach dem zweiten Bild einen separaten Applaus vor der Pause gönnt, damit die Kinder vor der Heimreise noch entsprechend verabschiedet werden können. Wie immer kann sich das niederrheinische Gemeinschaftstheater auf sein Musiktheater-Ensemble verlassen, allen voran Woongyi Lee in der Rolle des Dichters Rodolfo, der einmal mehr mit seinem variablen Tenor glänzt. An seiner Seite steht Sofia Poulopoulou als Mimi, die mit klarem Sopran auch in den Höhen überzeugt und die Rolle zudem anrührend gebrechlich auf die Bühne bringt. Nicht nur in der großen Schlussszene leidet man als Zuschauer förmlich mit ihr mit. Positiv ist auch, dass in Krefeld alle Rollen altersmäßig passend besetzt werden können. So sind mit Jeconiah Retulla als Musiker Schaunard, Rafael Bruck als Maler Marcello, Matthias Wippich als Philosoph Colline sowie Sophie Witte als Musetta auch die weiteren vier großen Rollen erstklassig besetzt. Und selbst die vier kleineren Nebenrollen sind mit Hayk Deinyan als Vermieter Benoît, Markus Heinrich als Spielzeughändler Parpignol, Thomas Peter als Musettas Begleiter Alcindor und Chanyang Choi als wachhabender Sergeant hörenswert besetzt.

Am Ende des Abends steht somit zu Recht ein fast orkanartiger Jubel des Publikums im ausverkauften Krefelder Theater. Sänger, Sängerinnen, Orchester sowie das Kreativteam wurden bei der Premiere nach rund 2 1/2 Stunden Spieldauer für eine rundum gelungene Produktion gleichermaßen gefeiert. Somit bleibt am Ende eigentlich nur noch die Eingangsfrage zu beantworten. Vielleicht schreibt man einfach: „Was für ein schöner Opernabend! Hingehen und genießen!”

Dr. Hartmut Hein, Klassik.com, 13.04.26

Eine spannende, wunderbar bebilderte Inszenierung!

[…] Als “Lebenswirklichkeit” der Handlung präsentieren sich Krauß’ wunderschöne Bühnenbilder als konkretisierte Perspektiven ästhetischer Konstruktionen von Freud im Leid und Leid als Ende jeder Freud.

Den nicht selten plötzlichen Umschwüngen im brillanten Libretto und der noch brillanteren Musik wird das als ein grundsätzlich unwirklicher Rahmen sehr gerecht, in welchem der 2025 mit zwei bedeutenden Musiktheater-Preisen ausgezeichnete Berliner Nachwuchsstar Krauß seine Figuren in schlüssig choreographiertes Leben versetzt – Höhepunkt wohl das zweite Bild mit rötlichen Tönen nach Toulouse-Lautrec und Robert Delaunys “Eiffelturm”, vor dem sich ein Massen-Tableau mit Chor als Wimmelbild in und außerhalb des Café Mumos entfaltet. Raphaela Roses Kostüme fügen sich da ganz historistisch-zeitgemäß fast unspektakulär ein, wären da nicht die Plateau-Schuhe des Spielzeug-Händlers Parpignol.

[…] Das Dramaturgie-Team (nicht zu vergessen Ulrike Aistleitner und ihr in Umfang und Anspruch höchst gelungenes Programmheft) hat umfassende, das Publikum ebenso direkt wie intellektuell ansprechende Arbeit geleistet.

[…] Auch musikalisch verfügt das Theater Krefeld und Mönchengladbach über ein beeindruckendes Gesangsensemble und die an beiden Spielorten konzertierenden und begleitenden Niederrheinischen Sinfoniker, die Chedirigent Mikhel Kütson durch die nicht gerade einfache Polyphonie von Puccinis musikalischem Drama lotste. Wie die Instrumente die Gefühle der Protagonisten spiegeln, wie (mitunter fast wagnerianisch) Klangmotive sich im Ausdruck verändern, erinnernd wiederkehren und sich im aktuellen Geschehen überlagern, das ließ sich in der großzeichnenden Akustik des Krefelder Theaters gut nachvollziehen, auch dank mitunter etwas gebremster Tempi, welche der gesanglichen Ausgestaltung sehr entgegenkamen.

[…] Dass mit Sofia Poulopoulou eine geradezu auf solche Partien zugeschnittene “Diva” (im positiven Sinne) am Niederrhein zur Verfügung steht, ist kein Geheimnis: Was ihre facettenreiche Stimme, ihre Erscheinung und ihr Spiel vermittelte, passte in jeder Hinsicht fast archetypisch in die Rolle der Mimí. Auch Woongyi Lee knüpfte mit seinem hell timbrierten Tenor an Rollentraditionen des Rodolfo an: Mit klarer Höhe und schlanker Führung in der Farbe eher an Pavarotti oder Villazón erinnernd als an fast Heldentenoralem à la Jussi Björling oder Jonas Kaufmann, verfügte er über genügend Kondition und Sicherheit sowie souveränes Schauspiel und scheint auch in der stimmlichen Gestaltungsbreite mit der Rolle weiter zu wachsen. Reife, in Komik und Dramatik breit aufgestellte Rollenporträts lieferten wie erwartet Rafael Bruck als zahlreiche Gefühlsstadien unmittelbar ausformender Maler Marcello und Matthias Wippich als starkes Bass-Fundament der Wohn- und Stimmgemeinschaft mit berührendem Abschied von seinem Mantel – diese überaus wandlungsfähigen und spielfreudigen Sänger an diesem Theater über einen längeren Zeitraum in diversesten Rollen zu verfolgen, ist schon spannend. Die Nachwuchsschmiede des Opernstudios Niederrhein war mit Jeconiah Retulla als Schaunard vertreten, der es zwar schauspielerisch stellenweise etwas übertrieb, sich gesanglich aber gut in das Quartett der vier Künstler integrierte. Sophie Witte schließlich etablierte sich nach etwas unsicherem Einstieg als eher vordergründig frivole Musetta im zweiten Bild zunehmend als warme, ausdrucksfähige Freundin (entsprechend der Form des Orchesters, das wie gesagt gerade im Umfeld ihrer Glanznummer kurzzeitig etwas schwächelte). Auch die kleineren Rollen waren adäquat besetzt und trugen zum Gesamtbild eines auf hohen Niveau homogenen Ensembles bei, das souverän durch eine spannende, wunderbar bebilderte Inszenierung trug – eine nachdrückliche Empfehlung für kleinere Theater, die heute auch dank in der Breite vorhandener stimmlicher Qualitäten nicht selten genauso Ansprechendes liefern können wie die “großen Häuser” und dafür von ihrem Publikum genauso mit langem, rhythmischem Applaus gefeiert werden.

Bernd Lausberg, O-Ton Kulturmagazin, 13.04.26

Überwältigenden Stimmungslandschaften!

[…] Am Theater Krefeld Mönchengladbach inszeniert und bebildert Dennis Krauß Puccinis Meisterwerk und entspricht dabei dem Meister der Melodie mit überwältigenden Stimmungslandschaften.

Wie einen Bilderbogen der Malerei um 1900 gestaltet Krauß die vier Akte der Oper und orientiert sich dabei an der aufkommenden klassischen Moderne mit zahlreichen Elementen des Expressionismus. Einer Klammer gleich zeigen das erste und das vierte Bild die Dachmansarde der Bohémien als quergelegtes Trapez inmitten einer kubistisch ausgestalteten Stadtlandschaft im Stil von Georges Braque. Dass die gesamte Bühnendekoration einnehmende Gemälde changiert dabei je nach Projektion von blau über violett zu grün.

Das zweite Bild nimmt das im Quartier Latin gelegene Café Momus in den Fokus. Das lebendige Treiben wird dominiert von einer Pariser Stadtansicht mit Eiffelturm. Krauß läßt sich dabei von den frühen kubistischen Darstellungen des Eiffelturms von Robert Delaunay inspirieren.

[…] Das dritte Bild am Stadtrand von Paris zeichnet auf den ersten Blick eine Landschaft im Stil Vincent van Goghs nach, mit laublosem Baum und dem für ihn typischen expressiven Malduktus. Erst auf den zweiten Blick sind die Bühnenbauten, das Wachhäuschen, der Gartenzaun und vor allem das Etablissement Cabaret stilistische Zitate aus Tim Burtons Fantasy-Tragikomödie Edward mit den Scherenhänden.

[…] Die aufwändigen Kostüme von Raphaela Rose im Stil der Jahrhundertwende entfalten ihre Wirkung ganz besonders im zweiten Bild, dessen Farbpalette von gelb-orange-braunen Nuancierungen umfangen wird. Das knöchellange Samtkostüm der Musetta gibt es gleich in zwei Ausführungen – scharlachrot und gelbgrün. Vor der leicht rötlich eingefärbten Stadtkulisse manifestieren sich hinreißend ausgestattete Personentableaus, die wie im Fall des Spielzeughändlers Alcindor durchaus detailverliebte Facetten tragen können. In ihrer Gesamtheit verschmelzen Kostüme und Ausstattung zu den typischen Genreszenen eines Toulouse-Lautrec, dessen Werk zentral für das Bild vom Paris des späten 19. Jahrhunderts ist.

Die Personenregie von Krauß ist komplex und souverän. Sowohl die gewaltigen Chorszenen samt Statisterie und Marschkapelle als auch die Momente eines intimen Kammerspiels sind überzeugend durchchoreografiert.

[…] Regie und Bühnenbild erlauben eine sehr feine und detailgenaue Zeichnung der Figuren und der jeweiligen Topografien und entsprechen dabei bestens der filmischen Klangsprache Puccinis, die genauso wie die Geschichte seit jeher das Publikum verzaubert. Die kontrastreiche Gestaltung der Oper durchläuft alle Facetten menschlichen Seins, und Krauß schafft dazu eindringliche Bilder, die er überzeugend mit Leben füllt.

[…] Musikalisch kann das Ensemble des Gemeinschaftstheaters den großen Erwartungen an den Premierenabend entsprechen.

Sofia Poulopoulou und Woongyi Lee stehen als tragisches Liebespaar im Mittelpunkt der Handlung und überzeugen stimmlich und schauspielerisch. Vor allem Lee besticht an diesem Abend durch eine hervorragende Technik, die ihm sichere Spitzentöne in seiner Parade-Arie “Che gelida manina” garantiert.

[…] Die Mimì von Sofia Poulopoulou zeichnet den Widerstreit von zarter Zerbrechlichkeit und lebenslustiger Hoffnung. Fast mühelos bewegt sie sich zwischen leisen, lyrischen Klängen und den dramatischen Höhen der anspruchsvollen Partie. Die Arie “Mi chiamano Mimì” unterstreicht ihre ausgeprägte Legatokultur.

Rafael Bruck stattet die Partie des Marcello mit kraftvollem Bariton und überzeugt mit mesmerisierenden Zwischentönen und authentischer Darstellung. Matthias Wippich gefällt mit sonorem Bass und gestaltet die Mantelarie mit viel sängerischen Feingefühl. Aufhorchen lässt Jeconiah Retulla vom Opernstudio Niederrhein als Schaunard. Ein junger, begnadeter Bariton mit ausgewiesener Spielfreudigkeit. Insgesamt lässt sich dem Herrenquartett insbesondere im ersten Akt eine überragende Leistung attestieren. Sophie Witte gibt eine herrlich kokette Musetta mit hellem, sicher geführtem Sopran und glitzernd perlenden Koloraturen.

Chor- und Extrachor laufen unter der Leitung von Michael Preiser zur Hochform auf und beeindrucken vor malerischer Kulisse mit präzisem und klangschönem Zusammenspiel. Der umfangreiche Projekt-Kinderchor der Musikschule Krefeld unter der Leitung von Marie-Christin Steiner und Ricardo Novas fügt sich harmonisch in das zweite Bild ein. Insgesamt eine überaus gelungene akustische und szenische Bereicherung.

Mihkel Kütson führt die Niederrheinischen Sinfoniker mit viel Verve durch eine Partitur, die von großer Lebendigkeit und beeindruckender Klangfülle nur so strotzt.

[…] Das Publikum im ausverkauften Krefelder Haus ist von der Neuproduktion über die Maßen begeistert. […] Vor der Gesamtleistung aller Beteiligten, einschließlich des Regieteams, erhebt sich das Publikum von den Plätzen und bekundet minutenlangen rhythmischen Beifall.

Ernst Müller, Extra-Tipp, 15.04.26

Ein Augenschmaus

Neben den großartigen Stimmen besticht die Bildgewalt dieser Inszenierung.

Wer sich mit Opern schwer tut, findet in der Krefelder Aufführung von „La Bohéme“ einen idealen Einstieg. Denn zum Einen gibt Pianist Anton Brezinka 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Foyer eine Einführung. Darin stellt er die wesentlichen musikalischen Motive schon vorab am Klavier vor. Desweiteren verzichtet Regisseur Dennis Krauß in seiner Inszenierung auf die heutzutage so gern angewandte Abstraktion. Statt dessen bietet er den Zuschauern eine anschauliche Bühne wie aus einem gemalten Bilderbuch.

[…] Überdies hat sich Kostümbildnerin Raphaela Rose an der Mode des 19. Jahrhunderts orientiert, mit langen wallenden Kleidern für die Damen. Anhänger einer traditionsbewussten Aufführung werden an dieser bildgewaltigen Inszenierung ihre helle Freude haben. Die mit jedem Akt wechselnden Bühnenbilder sind ein Augenschmaus.

Auch ist der Handlung leicht zu folgen. Krauss hält sich an die vier Akte der Vorlage und trennt sie klar durch herunterfahrende Jalousie voneinander ab.

[…] Das Liebespaar singen Woongyi Lee und Sofia Poulopoulou. Ihre Stimmgewalt ist raumfüllend. […] Im Orchestergraben intonieren die Niederrheinischen Sinfoniker die Musik unter Leitung von Generalmusikdirektor Mihkel Kütson.

[…] Das Premierenpublikum war merklich hingerissen. Kaum erhob sich der Beifall, da erhob sich auch schon das ganze Auditorium von den Sitzen und applaudierte stehend. Die Künstler lächelten glücklich und der Applaus endete erst, als sich der Vorhang endgültig senkte.

Stefan Schmöe, Online Musik Magazin, 28.04.26

Krauß will der Oper ihre Schönheit nicht nehmen – und allein schon dieser Ansatz ist viel wert.

Es liegt mehr als nur ein Hauch von künstlerischer Aufbruchsstimmung über diesem Paris. Eine kubistische Stadtlandschaft bildet den Hintergrund des ersten und letzten Bildes.

Linien gehen in Struktur über wie in Gemälden Lionel Feiningers. Hinter dem Café Momus im zweiten Akt sieht man den Eiffelturm dynamisch nach oben streben wie bei Robert Delaunay. Der Futurismus scheint nah, die schiefen Wände des winzigen Mansardenzimmerchens der vier Bohèmiens verweisen auf den expressionistischen Stummfilm.

[…] Regisseur Dennis Krauß hat selbst das sehr schön anzusehende Bühnenbild entworfen, in dem er die Geschichte ohne Brechungen eng am Libretto entlang erzählt. Man sieht alles, was es für die Geschichte braucht, und doch ist die Szenerie nicht realistisch. Krauß zeigt vielmehr Kunst-Bilder. Er stilisiert sein Paris zu einer Welt des schönen Scheins, wie an der Staffelei entworfen. Von den sozialen Rahmenbedingungen ist genau so viel zu sehen wie für die Handlung erforderlich. Der Regie geht es nicht um Konsum- oder Kapitalismuskritik. Arm sein gehört zum unbürgerlichen Lebensentwurf. Aber nach dem Einbruch des Todes in ihre Welt ist schwer vorstellbar, dass es jemals wieder so zukunftssüchtig unbeschwert zugehen wird wie am Beginn der Oper.

[…] Auf dieser Ebene funktioniert die Inszenierung sehr gut. Sicher könnte man manches radikaler, pointierter zeigen, aber Krauß will der Oper ihre Schönheit nicht nehmen – und allein schon dieser Ansatz ist viel wert.

[…] Nicht alles funktioniert in der mitunter ungenauen Personenregie, aber das tolle Bühnenbild macht vieles wett. Musikalisch nicht der ganz große Glanz, aber doch sehr ordentlich.

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