„Einspruch, Euer Ehren!“ Tessa Ensler ist eine der Top Strafverteidigerinnen Londons, und dies insbesondere in Fällen sexualisierter Gewalt. Wen Tessa dabei ins Kreuzverhör nimmt, muss auf alles gefasst sein. „Prima Facie“ (lat.) = „Den ersten Anschein“ einer Straftat weiß sie zu widerlegen. Doch dann wird Tessa selbst zum Opfer, zur Zeugin, zur Klägerin. Was ihr bleibt: eine Stimme finden. Für die Frauen, die vor ihr dort saßen. Für die, die nach ihr kommen werden.
Seit nun zehn Jahren gilt in Deutschland: „Nein heißt Nein“, d.h. jede sexuelle Handlung „gegen den erkennbaren Willen“ einer anderen Person fällt unter Strafe. Was aber, wenn ein „Nein“ geleugnet, die Opfer nicht gehört werden? In Zeiten von Epstein, Weinstein und Pelicot zeigen wir im Krefelder Glasfoyer und im Studio in Mönchengladbach Suzie Millers bewegenden Gerichtsmonolog Prima Facie mit Carolin Schupa als Tessa Ensler.
Wir weisen Sie darauf hin, dass in diesem Stück sexualisierte Gewalt thematisiert und beschrieben wird. Sollten Sie selbst oder für jemand anderen Hilfe benötigen, können Sie sich an die Frauenberatungsstelle Krefeld (Telefon: 02151-800571) oder die Frauenberatungsstelle Mönchengladbach (Telefon: 02161-23237) wenden. Unter der 116 016 erreichen Sie kostenlos das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen rund um die Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen.
Leitung
Besetzung
Von Klaus Matthias Schmidt, WZ Krefeld, 25.09.2026Schauspiel-Premiere: Anwältin als Opfer sexualisierter Gewalt
“Schauspielerin Carolin Schupa brilliert im Me-too-Drama „Prima Facie“ am Theater Krefeld. (…) Es ist der Abend der Carolin Schupa, die den 100 Minuten dauernden Monolog furios bewältigt. In der langen im Präsenz gehaltenen Erzählung wechselt die Schauspielerin umstandslos die Tonlagen, die Farben, springt für Einschübe in wörtlicher Rede auch kurz in andere Figuren, vermittelt glaubhaft widersprüchliche Emotionen, die Stärke der Anwältin wie die Erschütterung des Opfers, aber das alles ohne aufgesetzte Stärke oder Larmoyanz. Sie agiert ohne vordergründiges Chargieren, der schillernde Text böte dafür Vorlagen. Nein, Schupas Ton bleibt stets direkt. Eine große Leistung, Hut ab. (…) „Das Gesetz über sexuelle Übergriffe wird unter falschen Voraussetzungen ausgelegt. Die weibliche Erfahrung sexualisierter Gewalt passt in kein von Männern geprägtes System. Sie entspricht keiner juristischen Wahrheit und deshalb kann es auch keine Gerechtigkeit geben“, postuliert Tessa gegen Ende. Dieses politische Statement erscheint folgerichtig im Stück, entspricht dem Erleben des rechtskundigen Opfers.”
Von Christina Schulte, RP Krefeld, 26.09.2026Packendes Gerichtsstück in Krefeld: „Aber was, wenn er es getan hätte?“
“In diese emotionalen Welten nimmt Carolin Schupa die Zuschauer auf überzeugende Weise mit; sie wird liebenswürdig, zugewandt, weich, sympathisch. Die je unterschiedlichen Situationen, an die sie sich erinnert und die sie durchlebt, werden in der Kleidung gespiegelt. Kostüme und Bühnenbild sind von Wiebke Heinzen. Bei der Mutter schlüpft sie in eine Bluse aus pinkfarbenem Polyester. Bei Julian legt sie den strengen schwarzen Blazer und die Schuhe ab, und am Ende trägt sie einen langen gestreiften Rock. Aber da ist die Katastrophe schon geschehen. Julian hat sich an ihr vergangen.„Ich habe meine Würde verloren“ (…)”