Dingens ist kein Held, manchmal würde er sich lieber einfach verkrümeln. Seit Jahr und Tag lebt er, wenig beachtet, mit im Haus seines Verwandten Teigalech und dessen Frau Klamanope. Nur mit deren Tochter Fogra verband ihn mehr; aber mittlerweile ist Fogra Doktorandin der Physik und geht ihre eigenen Wege. Als Dingens ganz nebenbei von Teigalech und Klamanope erfährt, dass Fogra in 14 Tagen heiraten werde, verletzt ihn das zutiefst. Ein kindischer Streich von Dingens provoziert den Hausherrn Teigalech zu einer Reihe von demütigenden Spielen. Schließlich bricht es aus Dingens heraus: In 14 Tagen, genau eine Stunde nach der Hochzeit von Fogra, werde er sich vom Dach des Hauses stürzen. Der Reihe nach lädt er Freunde und Bekannte dazu ein, als wäre es ein Fest. Wird ihn jemand zurückhalten?
Eine überraschungsreiche, dunkle Komödie ist Hanoch Levins frühes Meisterwerk Dingens, eine bitter-komische Familiengroteske. Hanoch Levin, der herausragende israelische Dramatiker des 20. Jahrhunderts, begann Ende der 60er Jahre zu schreiben, mit beißenden politischen Satiren. In Dingens (1972) schreibt er über Familie und Freundschaft – und zeigt, wie politisch das Private ist. In einer Welt von auftrumpfenden Ich-Sagern gehen Solidarität und Liebe ein wie Primeln.
In diesem Stück werden seelische Krisen und Suizidalität thematisiert. Wenn Sie sich selbst in einer schwierigen Situation befinden oder sich Sorgen um jemanden machen, finden Sie hier kostenfrei und anonym Hilfe.
Für Erwachsene: TelefonSeelsorge, 0800 111 0 111 bzw. 116 123, www. telefonseelsorge.de
Für junge Menschen bis 25 Jahre: [U25] Mailberatung, www.u25-deutschland.de
Weitere Hilfsangebote unter www.suizidprophylaxe.de
Leitung
Besetzung
Von Angela Wilms-Adrians, Rheinische Post MG, 13.4.2026Eine Hochzeit, viel Kleinkrieg und ein Todeswunsch
“Dedi Barons sechste Inszenierung am Theater Mönchengladbach ist ganz schön toxisch und voll grotesker Schärfe. Gnadenlos zeigt die Tragikomödie die Grausamkeiten des Alltags. Christoph Hohmann erschüttert in der Rolle einer namenlosen Titelfigur. (…) „Dingens“ ist Opfer und Spielball seiner entfernten Verwandtschaft, der Familie Teigalech, deren Untermieter er seit Jahren ist. Hier übertreffen sich die Protagonisten in grausamer Lust, die eigene Überlegenheit durch Kränkungen des Schwächeren zu demonstrieren. Und auch der während des Stücks namenlos bleibende „Dingens“ ist nicht frei von diesem Drang – wenn sich ihm die Gelegenheit bietet. (…) Die Erzählform lässt Freiräume für Distanz und den unverstellten Blick auf die toxischen Familienverhältnisse als Abbild größerer Zusammenhänge. Die wenigen komischen Momente hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack. (…) Christoph Hohmann spielt erschreckend authentisch das Leiden des nicht mehr jungen „Dingens“: dessen Empörung über die betonte Ausgrenzung und die Erschütterung über die ihm aufgedrängte Erinnerung an den Tod seiner Mutter. Das Publikum ist unmittelbar einbezogen, als Hohmann zwischen Stuhlreihen den nach Aufmerksamkeit heischenden „Dingens“ Einladungen zum angekündigten Selbstmord verteilen lässt.”