Ab sofort wird jedes Erbe per Los verteilt – das Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser spielt keine Rolle mehr. Mit dieser radikalen Reformation des Erbschaftsrechtes hat nun jeder die Chance, etwas von den in Deutschland jährlich vererbten 400 Milliarden Euro zu bekommen. Das Los entscheidet.
Die Sachbearbeiter Armin und Gabor sehen sich einer neuen Klientel und damit neuen Herausforderungen gegenüber, denn das Jobcenter ist jetzt auch mit der Umsetzung der Erbschaftslotterie befasst. Als sich die frustrierte Langzeitarbeitslose Maude und die empörte Nicht-Erbin Silke im Jobcenter begegnen, entsteht eine unverhoffte Allianz – und eine explosive Stimmung, die zu einem turbulenten und pointierten Schlagabtausch der beiden mit den Sachbearbeitern führt.
In ihrer bissig zugespitzten Gesellschaftssatire Jeeps verdreht Nora Abdel-Maksoud die Verhältnisse und stellt so die Frage nach Gerechtigkeit und Chancengleichheit in punkto Kapital und dessen Verteilung in der Gesellschaft auf provokante Art neu.
Leitung
Besetzung
Von Tina Walberger, Rheinische Post MG, 3. April 2026Gesellschaftskritisch, spannend und witzig
“Gesellschaftskritisch, spannend und witzig – das neue Stück im Theater begeistert mit seiner Vielschichtigkeit das Publikum. Die Prämisse ist ein absurdes Gedankenexperiment. Das Ergebnis ist kafkaesk. Die Eierstocklotterie macht einen Menschen zum Erben. Denn niemand kann beeinflussen, in welche Familie jemand hineingeboren wird. Und immer wieder werden Menschen beerbt, die nicht selbst am Erwerb des Geldes beteiligt waren. So beschreibt Theaterautorin Nora Abdel-Maksoud in ihrer Komödie „Jeeps“, die jetzt im Theater Mönchengladbach Premiere feierte, das deutsche Erbrechtssystem. Als Gedankenexperiment fügt Abdel-Maksoud diesem Zufall eine weitere Ebene hinzu: Wenn jemand stirbt, wird der gesamte Nachlass auf einem Los festgehalten. Wer etwas erben möchte, darf ein Los ziehen. Selbstverständlich erst, nachdem eine ganze Reihe von Formularen inhaltlich und orthografisch korrekt ausgefüllt wurden.
In Mönchengladbach ist die Losfee der Jobcenter-Mitarbeiter Gabor, gespielt von Nicolas Schwarzbürger, der wegen seiner Gesichtsblindheit als absolut unvoreingenommen und unbestechlich gilt. Seinen Kollegen Armin, der sich gerne als sein Vorgesetzter vorstellt, verkörpert Bruno Winzen. Carolin Schupa als Start-up-Gründerin Silke, deren Vater kurz nach Einführung der Erbschaftslotterie gestorben ist, und Friederike Bellstedt als die langzeitarbeitslose Maude vervollständigen das Darstellerquartett.”