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Schauspiel

Drei Schwestern

Von Anton Tschechow Leitung Besetzung

Dauer 2 Stunden 55 Minuten, eine Pause

Derzeit keine aktuellen Vorstellungstermine.

„Life is what happens to you while you are busy making other plans“, schrieb John Lennon 1980 in einem seiner letzten Songs. Das ist, was den Schwestern Olga, Mascha und Irina in Tschechows berühmtem, im Jahr 1900 geschriebenem Stück passiert. Jahrein, jahraus sehnen die drei sich nach Moskau, nach Moskau …, sie sehnen sich nach dem wahren Leben – und in all der Zeit geschieht es ihnen, das Leben, als wäre es ohne ihr Zutun.


In der öden Provinzstadt, in die es sie einst verschlagen hat, weil ihr Vater, der General, dorthin versetzt wurde, sind die Offiziere, die in ihrem Haus verkehren, noch die bei weitem gebildetsten und feinsten Menschen. Aber es ist nicht die Provinzstadt, es sind nicht ihre Bewohner, die die drei Schwestern unglücklich machen. Es ist die Zeit, die immerzu verstreicht, es ist die fehlende Antwort auf die Frage: „Wie sollen wir leben?“ Und der Menschenkenner Tschechow, der als Dichter und als Arzt gelebt und gelernt hat, konfrontiert uns mit dieser Frage auf seine zauberhafte Weise, so, dass man nie weiß, ob man jetzt lachen oder heulen soll.

Michaela Plattenteich, WZ Krefeld, 12. März 2023

Ein zeitloses Seelendrama

Die Krefelder Theaterpremiere von Tschechows „Drei Schwestern“ wird zum berührenden Ereignis. […] „Nach Moskau!“, dieser Ruf zieht sich wie ein roter Faden durch Anton Tschechows wunderbares Stück „Drei Schwestern“. Geschrieben um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gibt dieses Werk tiefe Einblicke in das Seelenleben von Menschen, die sich verzweifelt nach Leben sehnen, während dieses unerbittlich an ihnen vorbeizieht. […] Je weiter der Abend fortschreitet, umso schonungsloser wird das Seelenleben dieser Figuren sichtbar. Die bunten Kostüme schweben als Lampenschirme in den Himmel, nur eine von vielen Ideen, die zur gelungenen Atmosphäre des Abends beitragen. […] Dank der differenziert herausgearbeiteten Zwischentöne entsteht ein Abend, der sehr berührt. […] Eine insgesamt sehr starke, wunderbare Ensembleleistung, die den Abend sehr sehenswert macht.

Petra Diederichs, RP Krefeld, 12. März 2023

Die ewige Sehnsucht der Babuschkas

Dedi Baron setzt Tschechows Stück „Drei Schwestern“ mit wunderschönen Bildern in Szene und macht Moskau zum Symbol für Heimat und Sehnsucht. Trotz des Kriegs. […] Melancholie? Ja, davon gibt es jede Menge. Aber es ist eine Traurigkeit, die in jeder fühlenden Seele schlummert. Nur der Weg an die Oberfläche ist unterschiedlich weit. […] Das zeigt das 14-köpfige Ensemble mit facettenreichem Spiel, mit Raum für komische Momente, mit Raum, um Gedanken weiterwirken zu lassen wie: „Wir müssen mehr begreifen als unsere Eltern und Großeltern begriffen haben.“ Denn sonst geht es nicht weiter in der Welt. […] Dedi Baron führt ihre Figuren auf der Drehbühne ein: Bewegung bei totaler Bewegungslosigkeit. Alle tragen opulente Fantasietrachten, wie Babuschkas. Man ahnt die Parallele: Egal wie oft sich die Schachtelpuppe öffnen wird, die nächste Version ist nur ein verkleinertes Abbild der vorigen. Auch diese Leute sind nicht für große Veränderungen gemacht. Kirsten Dephoff hat die Bühne, die optisch stets im Hintergrund bleibt, und die Kostüme, die exakt die Personen in den Blick rücken, entworfen. Es sind wunderschöne Bilder.

Extra-Tipp am Sonntag, 17. März 2023

Das Ensemble lässt Dialoge funkeln

Das Ensemble bringt die Tschechowschen Dialoge zum Funkeln. Das liegt an der dankenswert deutlichen Aussprache und nicht zuletzt an dem Umstand, dass die Schauspieler vielfach direkt ins Publikum sprechen. So wirkt sich die zuweilen steife Sprechhaltung durchaus positiv aus. […] Der Abend war unterhaltsam mit viel Bewegung auf der Bühne. Ein Besuch lohnt sich.

Sigrid Blomen-Rademacher, RP Mönchengladbach, 29. März 2022

Gelungene Premiere der “Drei Schwestern”

Ein Dutzend Figuren steht, gehüllt in bunte Kleider […] reglos auf der Bühne. Die Darsteller bilden einen Kreis und werden von der Drehbühne langsam und stetig bewegt. […] Das Thema Stillstand und Bewegung zog sich wie ein roter Faden durch die Premiere von Anton Tschechows Stück „Die drei Schwestern“ im Theater Mönchengladbach. Was 1900, als Tschechow das Stück schrieb, ungewöhnlich war: Es gibt keinen Handlungsbogen. In vier Akten wird die Situation der drei Schwestern geschildert, die fast bewegungsunfähig eingebettet sind in ihr Geflecht von Beziehungen […]. Es geht um das Leben an sich in einem Strom vergehender Zeit, […] um die scheinbar unstillbare Sehnsucht nach einem Zuhause […]. Es geht um Liebe, Zugehörigkeit, Schmerz, Abschied, […] um die Frage nach dem richtigen Leben. „Bald werden wir wissen, warum wir leben und warum das so weh tut“, hoffen die drei Schwestern, deren individuelle Facetten von Ester Keil, Jannike Schubert und Katharina Kurschat auf den Punkt gebracht werden. Das Stück hat tragische Elemente, ohne eine Tragödie zu sein, es hat komische Elemente, ohne eine Komödie zu sein. Dedi Baron hat all diese Facetten geschickt in ihre Inszenierung eingebaut. Neben der Schwere der existenziellen Fragen ist auch Leichtes zu sehen […]. Dedi Baron […] hat auf den Angriff auf die Ukraine reagiert. Ein flammender Appell gegen den Krieg bricht aus Michael Grosse während seiner kurzen Rolle als Direktor der Landverwaltung, Ferapont. […] „Wir feiern nicht den Welttag des Theaters, unser erster Feiertag wird der erste Tag nach dem Krieg sein.“ […] Das Publikum reagierte spontan mit heftigem Applaus. Überhaupt ist das Stück in diesen Tagen ohne den Bezug zu dem Krieg kaum lesbar […]. Das Bühnenbild bleibt eine fast malerische Augenweide: Da verwandeln sich die opulenten Kleider […] mittels vom Bühnenhimmel hängender Kleiderbügel und Glühbirnen in Lampenschirme. […] Am Ende der Premiere hörte man jede Menge Applaus […].

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