Schauspiel

Kardinalfehler

Von Alistair Beaton und Dietmar Jacobs Leitung Besetzung

8. Mai 2026 – 27. Mai 2026

ca. 2 Std. 25 Min. mit Pause Im Anschluss an jede Vorstellung (außer der Premiere) findet im Glasfoyer ein Publikumsgespräch statt.

Vorstellungen

Abgesehen von seiner lila Mütze, die ihm jüngst auf offener Straße vom Kopf gerissen wurde, läuft es gut für Bischof Glöckner. Rundherum wird die Kirchenwelt von Missbrauchsfällen und deren Vertuschung erschüttert, aber in seinem beschaulichen Bistum ist alles ruhig und harmonisch. Mit dem Ruf eines „Aufklärers“ ist Glöckner designierter Leiter der katholischen Bischofskonferenz – und in vier Wochen erwartet er die strahlende Krönung seiner Karriere: Der Papst höchstpersönlich kommt anlässlich der 700-Jahr-Feier des Bistums zu Besuch.

Da aber taucht plötzlich die gemopste Mütze wieder auf und mit ihr ein dunkles Kapitel aus Glöckners Vergangenheit. Ein Skandal droht, der den Bischof wie sein Bistum ruinieren könnte.

Der schottische Dramatiker und Satiriker Alistair Beaton und der in Mönchengladbach geborene Komödien- und Drehbuchautor Dietmar Jacobs haben gemeinsam das Kunststück vollbracht, zu einem ganz und gar unkomischen Thema eine provozierende, ernst gemeinte Komödie zu verfassen.

VON PETRA DIEDERICHS, 04 Mai 2026, RP Krefeld

Kir­chen­män­ner kurz vor dem Kol­laps

“Adrian Linke als selbstverliebter Bischof und Michael Grosse als bärbeißiger Generalvikar mit Strickjacke und Hosenträgern sind ein Gespann wie Jack Lemmon und Walther Matthau. Mit bestem Timing schleudern sie einander Pointen zu, kontern, überzeichnen ihre Figuren mit Gestik und Mimik auf dem schmalen Grat zwischen Satire und Boulevard. (…) Nele Jung, die mit kühnem Mundwerk den Kirchenmännern als herzerfrischende Haushälterin Paroli bietet, und Paul Steinbach als scharfer Hund aus dem Vatikan, der die Zustände beim Bischof durchleuchten soll, sind weitere gut geölte Räder im Humorgetriebe. Nicolas Schwarzbürger hat seinen großen Moment zum Finale, wo er die Vision einer jungen, modernen Kirche darlegt, deren obere Regel die Liebe ist. Langer, lauter Jubel gilt Ensemble und Team für zweieinhalb kurzweilige Stunden, ein Gagfeuerwerk, das höchstens die erzkonservativsten Katholiken piesacken könnte, und Sätze, die nach dem Lachen haften geblieben sind.”

Von Klaus M. Schmidt, 3. Mai 2026, WZ Krefeld

Zugespitzte Charaktere, pointenreicher Text

“Grosse zieht alle Register seines komödiantischen Könnens. Ist ironisch bis zynisch, umgarnt den Bischof aber auch mit gespielter Unterwürfigkeit. Gegenüber dem jungen Seminaristen Matteo (Nicolas Schwarzbürger) ist er jedoch ungeschminkt ein grober Machtmensch.

Linkes Bischof hat gegen den Generalvikar nichts zu melden. Glöckner möchte ein „Aufklärer“ sein, ist aber, wenn Probleme auftauchen, ein Jammerlappen. Ohne den Vikar wäre er aufgeschmissen. Dieses Ungleichgewicht zwischen den Figuren ist – bei aller Notwendigkeit zur Zuspitzung – ein Manko des Stücks. (…) Regisseur Thomas Goritzki hat den pointenreichen Text, der viele Probleme anspricht, mit Tempo inszeniert. Es gibt viel zu lachen. Am Ende aber wird’s ernst. Da probt Matteo seine für den Papstbesuch geplante Rede. „Wie viel Kraft könnte die Kirche haben, würde sie diese Botschaft einmal leben! Die Botschaft der Liebe (…)“, sagt Matteo, um dann festzustellen, dass er in dieser Kirche, in der „gelogen, vertuscht, getäuscht und Menschen zum Schweigen gebracht wurden (sic!)“, nicht bleiben kann. Offen bleibt, ob er diese Rede tatsächlich hält.”

von Antje van Bürck, Theater Pur, 18. November 2024

Die Nerven liegen blank

“Alle Schauspieler an diesem Abend sind überzeugend. Großartig, wie Linke die Gefühlsskala von zerknirscht bis voller Selbstmitleid spielt. Grosse verkörpert den in jeder Hinsicht gewissenlosen Manager, der vor nichts zurückschreckt, um einen makellosen Papstbesuch zu erleben. Miller ist ihm schon ähnlich, wenn er alles genauestens untersuchen will. Schwarzbürger gibt Matteo als einen wahrhaft gläubigen jungen Mann, der entsetzt ist, wenn er so hinter die Kulissen schaut. Eine sehr anspruchsvolle Komödie – lacht das Publikum oft sowohl über den Sprachwitz wie auch über Klischees oder überspitzte Handlungen -, die aber die Kritik an diversen Missständen klar formuliert. Großartig gespielt von dem exzellenten Ensemble, klug in Szene gesetzt von Goritzki.

Das Publikum spendete lange lebhaften Beifall. Und zu Recht Standing Ovations.”

Von Dirk Richerdt, 18. November 2024, Rheinische Post Mönchengladbach

Fetzige Boulevard-Komik verpackt ernstes Thema

“Adrian Linke stürmt herein, aufgebracht rupft er sich den Pileolus, die Bischofsmütze, vom angegrauten Haupthaar – ein sehr unausgeglichener Diözesen-Chef, der mit seinem Team nervös auf ein Großereignis in dem seit 700 Jahren bestehenden Bistum hinfiebert, dessen Identität das Stück übergeht: Der Papst hat seinen Besuch angesagt, da muss alles passen – oder Störendes unter den Teppich gekehrt werden. (…) Als dann der Strippenzieher der Diözese, Generalvikar Koch (Michael Grosse), erscheint – in nachlässiger Alltagskluft an der Fremdschamgrenze –, läuft die Humormaschine wie geölt an und schmettert ihre freche Verbalfracht bis zum Ende wie Kamelle unters Zuhörervolk. Immer wieder können die Besucher sich ausschütten vor Lachen. (…) Michael Grosse verordnet als kaltblütiger, von krimineller Energie gepushter Generalvikar seiner Rolle zwar Nervenstärke, aber auch er darf Fäkalausdrücke nicht meiden. In dieser mafiösen Rolle wächst der Generalintendant dennoch spielerisch und vor allem dank seiner perfekten Artikulation über die anderen hinaus.”

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