Aus Anlass des 100. Todestages von Giacomo Puccini am 29. November dreht sich bei der diesjährigen Operngala alles um den Ausnahmekomponisten aus der Toskana. Seine Heldinnen und Helden waren einfache Menschen mit ergreifenden Schicksalen. Ob Mimì, Chio-Chio-San oder Tosca: kein anderer Opernkomponist verstand es besser, menschliche Ausnahmesituationen berührender zu vertonen. Zu Gehör kommen Auszüge aus Puccini-Opern quer durch sein Schaffen von den Frühwerken ab 1884 bis zu seiner posthum uraufgeführten Oper Turandot (1926).
Gesungen werden diese unterschiedlichen Ausschnitte von Sängerinnen und Sängern des Musiktheaterensembles sowie des Opernstudio Niederrhein und von den Damen und Herren des Opernchores. Das Orchester der Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Mihkel Kütson rollt den üppigen Klangteppich für die vokalen Beiträge aus und Generalintendant Michael Grosse führt wie immer als Moderator durch diese musikalische Hommage.
Christian Oscar Gazsi Laki, Westdeutsche Zeitung, 25.11.24Puccini hätte seine helle Freude an diesem sehr gelungenen Abend im Theater Krefeld gehabt
Leidenschaftliche große Arien, sprühende gesungene Dialoge, Schicksal und Hoffnung, Liebe und Wut – eingelegt in schmeichelnde Orchesterklänge,
die beim zweiten Blick nicht selten viel moderner sind, als man gemeinhin glauben mag. Solisten des Theaters Krefeld und Mönchengladbach zeigen sich von ihrer glänzendsten Seite, der Opernchor stimmt ein, Mihkel Kütson und die Niederrheinischen Sinfoniker legen sich förmlich in die üppigen Orchesterklänge hinein – so eine Atmosphäre wie an diesem Abend muss man erstmal realisieren. So eine Qualität muss sich regional – in Teilen sogar überregional – nicht verstecken. Zum Schluss gibt es absolut verdienten tosenden Applaus, stehend, und die Zugabe muss sogar wiederholt werden.
[…] Dem Schöpfer unvergesslicher Melodien, großer weiter Klangbilder, die aber gerade besonders gut das Schicksal der einfachen, von Leidenschaften getriebenen Menschen auf anrührendste Weise in Töne fassen konnten, widmete sich anlässlich des 100. Todesjahres die Operngala des Theaters Krefeld und Mönchengladbach. Wenngleich in den Opern des 1858 im toskanischen Lucca geborenen Großmeisters des Sentiments viel und nicht selten besonders „schön“ gestorben wird, beleuchtete das sorgsam zusammengestellt Programm bewusst die gesamte künstlerische und nicht nur die moribunde Qualität seiner Musik.
Auf seine freundliche, zugewandte Art moderierte Generalintendant Michael Grosse durch den Abend, der unter dem Motto „Puccini Forever“ (Puccini für immer) nicht nur die großen bekannten Hits, sondern das umfassende Œuvre Puccinis auf ansprechende Weise streifte. In elegantem Frack gekleidet, sorgte Grosse für einen festlich-würdigen Rahmen für das auf geschmückter Bühne realisierte Programm.
[…] Für besonders viel Gänsehaut sorgten allen voran Auftritte Johannes Schwärskys. In der ersten Hälfte mit einer Arie aus „La Fanciulla del West“ und später zum Abschluss des Abends als der teuflische Polizeichef Scarpia im Finale des 1. Aktes („Te Deum“) aus „Tosca“. Trotz der „konzertanten“ Aufführungsweise der einzelnen Ausschnitte vermochte der Bass-Bariton mit wenigen Gesten und Mimik ganz und gar in die Rolle hineinzuziehen. Ohnehin gelang allen Interpreten, auf künstlerisch sehr überzeugende Weise in die Welt Puccinis einzutauchen.
Für einen beachtlichen „La Bohème“-Teil sorgten unter anderem die Sopranistinnen, sehr charmant wie immer Sophie Witte, und mit herausragend viel Klangkultur Sofia Poulopoulou. Gemeinsam mit dem mehr und mehr feinsinnig glänzenden Tenor Woongyi Lee sowie zwei männlichen Mitgliedern des Opernstudios. Der gesanglich eloquente Tenor Arthur Meunier und der außerordentlich vielversprechende auf den Philippinen geborene Bariton Jeconiah Retulla, mit seiner begnadeten Stimmfarbe – und seiner einnehmenden Bühnennatur. Herrlich!
[…] Ob man vor positiver Aufgeregtheit nach so einem Abend gut schlafen kann? Deutlich war die Aufforderung in der Zugabe: „Keiner schlafe“ – oder besser bekannt als „Nessun dorma!“, der unangefochtene Opern-Schlager aus „Turandot“, der zum Finale vom gesamten Ensemble und dem bestens aufgelegten Opernchor gemeinsam interpretiert wurde. […]
Heide Oehmen, Rheinische Post, 25.11.24Frenetischer Jubel für Puccini-Abend!
„Puccini forever“ war der festliche Opernabend benannt, mit dem das Musiktheater der Vereinigten Bühnen den vor 100 Jahren verstorbenen großen italienischen Komponisten Giacomo Puccini ehrte.
Es wurde ein Streifzug durch alle Puccini-Opern, der am Ende begeistert gefeiert wurde.
Zwölf Opern hat Giacomo Puccini in seinem nicht allzu langen Leben (1858-1924) geschrieben, und das Krefelder Musiktheater hatte den Ehrgeiz, bei seiner Gala ausnahmslos alle diese recht gegensätzlichen Werke vorzustellen. Begleitet von den gut aufgelegten Niederrheinischen Sinfonikern – mit viel Emotion und Detailgenauigkeit von ihrem Chef Mihkel Kütson geleitet – stellten das Musikensemble, drei Mitglieder des Opernstudios und der von Chordirektor Michael Preiser makellos vorbereitete Hauschor die weitgehend glutvolle Musik des Italieners vor.
[…] Nach einem luftig-locker vom Opernchor servierten „Blumenchor“ sang Antonia Busse, die Sopranistin des Opernstudios, mit großer Tonentfaltung die Arie der Magda. Lyrischer Schmelz und vor allem ruhige Stimmführung hätten ihren souverän wirkenden Vortrag noch bereichert.
[…] Die Arie des Frank aus „Edgar“ schien wie für Rafael Bruck komponiert. In ihrem Tonumfang fühlte sich der Bariton hörbar wohl und konnte entsprechend überlegen gestalten.
[…] Schwärsky war auch der draufgängerische Jack Rance aus der in Kalifornien spielenden Goldgräbergeschichte „Das Mädchen aus dem Goldenen Westen“. Es ist die einzige Puccini-Oper, die nicht in Italien, sondern an der Metropolitan Opera in New York uraufgeführt wurde.
Begeisterten Applaus ernteten Sophie Witte (Sopran) mit der feingliedrig und verinnerlicht dargebotenen Arie der Lauretta aus „Gianni Schicchi“ sowie Poulopoulou als „Schwester Angelica“, die zu Herzen gehend den Tod ihres Kindes betrauerte. Die Sopranistin war auch die Partnerin von Eva Günschmann im bestens abgestimmten „Blumenduett“ aus „Madama Butterfly“.
„La Bohème“, die vielleicht populärste Oper Puccinis, war am beifallumrauschten Galaabend gleich mit mehreren Musiknummern bedacht. Woongyi Lee als Rudolfo träumte mit tenoraler Intensität von seiner angebeteten Mimi, Sophie Witte kokettierte stimmlich brillant mit der Männerwelt und stritt sich aufmüpfig mit ihrem Freund (Rafael Bruck). Herausragend war das Duett Rudolfo-Marcello in der großartigen Wiedergabe der beiden Opernstudiomitglieder Arthur Meunier Tenor) und Jeconiah Retulla (Bariton). Diese staunenswerte Stimmqualität steht weit über dem Eleven-Standard. Meunier unterstrich diesen Eindruck noch mit der hinreißend gelungenen Arie des Rinuccio (Gianni Schicchi).
[…] Zum Schluss hielt es das jubelnde Auditorium nicht mehr auf den Stühlen, der Oberbürgermeister verteilte Blumensträuße, und der tosende Beifall wurde mit „Nessun dorma“ belohnt. Doch diese Szene aus Turandot sang nicht etwa „nur“ ein Tenor – alle Mitwirkenden waren beteiligt. Das gefiel dem Publikum so gut, dass es nicht eher ruhte, bis diese „Bearbeitung“ noch einmal wiederholt wurde.