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Ballett

Seide – Band – Bandoneon

Ballett von Robert North zum 650. Jubiläum der Stadt Krefeld // Musik von André Parfenov - Uraufführung Leitung Besetzung

Dauer 70 Minuten ohne Pause

Derzeit keine aktuellen Vorstellungstermine.

650 Jahre Krefeld – mit Blick auf dieses Jubiläum im Jahr 2023 wählt Robert North für seinen neuen Ballettabend einen Stoff, der eng mit der Stadtgeschichte verbunden ist, aber auch eine Brücke in die Welt baut: die Entwicklung des Bandoneons in der Seidenweberstadt. Den Komponisten André Parfenov inspiriert vor allem die musikalische Dimension dieses Themas, gilt es doch, die vielfältigen Möglichkeiten des faszinierenden Instruments zu erkunden.

Den Ruhm des Instruments durch die Tangomusik erlebt sein Schöpfer und Namensgeber Heinrich Band nicht mehr. Heinrich träumt um 1850 davon, ein erschwingliches, einfach erlernbares Instrument für die musikalischen Bedürfnisse der breiten Bevölkerung zu kreieren.

Im Alltag der Familie Band spielte Musik immer eine wichtige Rolle. Heinrichs Vater arbeitete als Seidenweber – dementsprechend bescheiden waren die Lebensverhältnisse. Ob er zu jenen etwa zweitausend Webern gehörte, die am 4./5. November 1828 in Krefeld gegen beabsichtigte Lohnkürzungen rebellierten, wissen wir nicht. Doch ein Jahrzehnt später wagte das Familienoberhaupt den Schritt in die Selbständigkeit und eröffnete eine kleine Musikalienhandlung.

Auch Heinrich sieht seine Perspektive in der Musik. Er ist als Cellist und Musiklehrer tätig und übernimmt das väterliche Geschäft. Mit Gespür für den Zeitgeist erkennt er das Potential der Harmonika-Instrumente aus Sachsen, die er technisch und klanglich weiterentwickelt. So entsteht das „Bandoneon“, eine Art Orchester im Kleinformat. Der Begriff wird zum Markenzeichen und Qualitätsgarant.

Das Wirken Heinrich Bands in Krefeld, seine Herkunft aus einer Seidenweberfamilie und seine Person stehen exemplarisch für die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs durch Bildung und Unternehmergeist, im Kontext der Emanzipation des Mittelstandes und der Entwicklung eines vielfältigen bürgerlichen Musiklebens im 19. Jahrhundert. Ein spannendes Kapitel – auch auf der Bühne!

Stephan Langenberg, Bandoneon | Iuliana Münch, Violine | André Parfenov, Klavier

Das sagt die Presse

Angela Pontzen | Rheinische Post | Mönchengladbach, 14. September 2023

Wie ein kleines Instrument die Ballettwelt erobert

(…) Ballettdirektor Robert North und Komponist André Parfenov (…) gossen die Historie des Instruments und der Seidenweberstadt Krefeld zum 650-jährigen Bestehen der Stadt in eine kongeniale Komposition aus Tanz und Musik. Die 70-minütige Premierenaufführung wurde mit Begeisterungsstürmen gefeiert. (…)

In der ersten Szene haben die Seidenweber ihren Auftritt. Schwungvoll und mit präzisen Schritten und Figuren wird das Milieu der Arbeiter skizziert. In gekonnt aufeinander abgestimmten Bewegungen harmonieren die Tänzer miteinander. Doch schon mit dem Vorspiel der Musiker wird klar, dass die Geschichte weit über die Stadt Krefeld hinausführt. Der Tangorhythmus dominiert von der ersten Note an die Musik und geht sofort ins Blut. André Parfenov spielt selbst am Flügel, Iuliana Münch musiziert auf der Violine, Stephan Langenberg am Bandoneon. Die Instrumentenauswahl ergibt eine wunderbare Mischung der Klangfarben. Die Musik ist größtenteils rhythmisch angelegt und verlangt teils virtuose Spielfertigkeit. Die Musiker verstehen sich blind und sind perfekt aufeinander eingespielt. (…) Einen lyrischen Anklang findet die Musik, wenn fünf Tänzerinnen in Seidengewändern über die Bühne schweben und den „Traum von Seide“ (…) für einen Moment wahr werden lassen. (…) Wie er [Heinrich Band] an der Erfindung des Bandoneons tüftelt, nach seinem Erfinder benannt, und das neue Instrument reißenden Absatz findet, wird (…) mitreißend choreografiert. (…) Mit einem großen Finale schließt ein kurzweiliger und großartiger Ballettabend. Das Publikum steht minutenlang und applaudiert, Bravo-Rufe überschlagen sich und gefeiert wird das gesamte Ensemble: Tänzer, Robert North, sein Team und die Musiker.

Christian Oscar Gazsi Laki | Westdeutsche Zeitung Krefeld | 30. Mai 2023

Historiengemälde mit Bandoneon

(…) Ein mitreißendes, in schönsten Farben gemaltes, mit feinen Details versehenes Historienbild hatte das Theater Krefeld und Mönchengladbach als Geschenk vorbereitet, in Seidenpapier mit golden-rosafarbener Schleife verpackt und mit großer Geste an die Stadt Krefeld überreicht. Bildlich natürlich. Denn genau eine solche Aura hat diese rührende und unterhaltende Produktion, die aber auch eine gewisse Erhabenheit mitzudenken scheint.

In mehreren Szenen emblematische Momente im Konnex Krefeld, Heinrich Band, Bandoneon, Tango und Argentinien bebildernd, wurden stilistische Einflüsse ganz unterschiedlicher Art miteinander gemischt. Auch musikalisch in der Komposition von Parfenov – mit Leidenschaft interpretiert von ihm am Piano, Violinistin Iuliana Münch und Bandoneonist Stephan Langenberg. (…) Mal effektvoll, mit rhythmischem Verve, mal vor Melancholie zerfließend oder vor folkloristischer Leichtigkeit schwebend, gerne auch mit „zeitgenössischer“ Anmutung spielend. (…) Auch Robert North und sein Ensemble vermochten mit ihren „Rezepten“ mitreißende „Bilder“ zu produzieren, umrahmt von Udo Hesses Ausstattung. Ob nun Seidenweber bei der Arbeit – mit lyrisch Tanzendem „Seidenstoff“ – oder auch Aufruhr. Ob Band und die Erfindung seines Instruments, später die Reise des Bandoneons nach Argentinien und die dortige, nicht wirklich klischeefreie Ankunft. Und schließlich die „Geburt“ des Tangos – auch nicht ohne Klischee, wenn man ehrlich ist. Will man griffig Historie abbilden, liegt es durchaus nah, sich Stereotypen zu bedienen. Das ist schon „okay“. Ja, wenn es handwerklich so gelungen und mit so viel Herz geschieht, ist es sogar mehr, es begeistert wie in diesem Fall das über alle Maßen entzückte Publikum (…) Nicht vergessen sollte man: Ganz großes Lob an die wunderbaren Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie, die vermochten zu schweben, kämpfen, vermochten mit wilder Leidenschaft Tango heraufzubeschwören oder gar einen idyllischen Ländler, in einer Art pastoralem Intermezzo. Klischee kapituliert vor gutem Tanz; immer! (…)

Ernst Müller | Extra-Tipp am Sonntag | 29. Mai 2023

Geschichte zum Tanzen gebracht

Am Wochenende feierte das Ballett „Seide – Band – Bandoneon“ seine Premiere. (…) Choreograph Robert North greift in seinem Stück Episoden und Szenen aus der Krefelder Geschichte auf. (…) Dazu hat North einen bunten Augenschmaus geschaffen. (…)

Bühnenbildner Udo Hesse hat die Tanzenden in historische Kostüme gekleidet. (…) Die Damen kommen in weiten Kleidern. Und in einer besonders schönen Szene, die der Seide gewidmet ist, erscheinen sie in farbigen Phantasiegewändern, luftig leicht schwebend, fast wie Elfen. (…)

Auf der Bühne ist ständig Bewegung, organisch und harmonisch, leicht und beflügelt. Ein „§echter North“, wie man ihn kennt. Elegant auch, dass der übliche Verbeugungsreigen am Schluss der Vorstellung zu einer fast eigenständigen Choreographie genutzt wird. Das gibt dem Abend eine emotionale Abrundung. (…) Das Premierenpublikum zeigte sich von der Vorstellung begeistert. Kaum ging das Licht im Parkett an, erhob sich der gesamte Saal und spendete rauschenden Beifall, der bald in rhythmisches Klatschen überging und kaum noch enden wollte.

Christina Schulte | Rheinische Post | Krefeld, 31. Mai 2023

Das Bandoneon im Rotlichtviertel

Das Publikum jubelte den Tänzern, dem Choreographen Robert North und dem Ausstatter Udo Hesse zu: Die Uraufführung von „Seide – Band – Bandoneon“ gefiel dem Publikum sehr. (…)

Hierfür hat André Parfenov die Musik komponiert und sie auch selbst am Flügel vorgetragen. Ihm zur Seite die Violinistin Iuliana Münch (…) Außerdem Stephan Langenberg virtuos am Bandoneon. Parfenovs Musik entsprach der Choreographie: Verschiedenerlei Sequenzen, die ausgewählte Alltagssituationen im preußischen Krefeld und in Buenos Aires abbilden sollten. (…)

Die Sequenzen der Choreographie boten viel Bekanntes, und auch den sehr eindringlichen Tango hat man so ähnlich zuerst schon 2015 gesehen. Wer sich allerdings an bunten Bildern und den Northschen Schrittfolgen sattsehen wollte, bekam hier tänzerisch eine Menge geboten. (…)

Michael S. Zerban | O-Ton online | 31. Mai 2023

Band wie Bandoneon

(…) Gemäß der selbstgewählten Aufgabenstellung ist der Tango nicht übermäßig vertreten, was North kaum hindert, dem Ensemble überdurchschnittlich viele Figuren, Hebungen und Sprünge aufzugeben, so dass die Leichtigkeit Triumphe feiert. Hier dürfen die Tänzer zeigen, was sie können, allen voran Marco A. Carlucci als Heinrich Band mit einigen schönen Soli, Teresa Levrini als seine Ehefrau und Andrii Gavryshkiv als Schiffsreisender. Besonders schöne Ensemble-Leistungen gibt es dann aber doch gerade beim Tango (…)

Besonderen Raum nimmt die Musik ein, die André Parfenov nicht nur selbst komponiert hat, sondern auch gemeinsam mit Iuliana Münch an der Geige und Stefan Langenberg am Bandoneon aufführt. Neben der Bearbeitung eines Ländlers (…) findet sich eine wunderbare Bandbreite in der Musik. Da gibt es kraftvolle Klaviereinlagen, wobei Parfenov dem Flügel die Führungsrolle anvertraut, immer wieder verziert oder gar gesprengt von dissonanten Geigeneinsätzen bis zum wunderbaren Solo Langenbergs. Nicht zu vergessen eine prächtige „Maschinenmusik“, die zudem noch auf der Bühne rhythmisch unterstützt wird. (…)

https://o-ton.online/aktuelle_auffuehrung/o-ton-krefeld-seide-band-bandoneon-zerban-230530/

Markus Lamers | Der Opernfreund | 2. Juni 2023

Krefeld, Ballett: „Seide – Band – Bandoneon“ von Robert North

(…) beachtlich ist es, wie es Robert North immer wieder gelingt, mit seinem recht eigenen Ballettstil ganze Geschichten zu erzählen und diese verständlich in Tanz und Bilder umzusetzen. So beginnt der Abend mit fünf Webern, die sich an ihre Arbeit begeben. Recht schnell sind große Seidentücher fertiggestellt, dargestellt von fünf Damen des Ballettensembles, mit denen sich die Weber nun einen fast liebevollen Tanz liefern. (…) Mit vielen Hebefiguren und schnellen Wechseln weiß die Choreografie hier besonders zu gefallen. (…)

Dass die Uraufführung von „Seide – Band – Bandoneon“ auch musikalisch ein Genuss ist, ist vor allem André Parfenov zu verdanken, der für diesen Abend eine eigene Komposition schuf, die sehr abwechslungsreich daherkommt. Am Flügel überzeugt Parfenov mit kraftvollen Klaviereinlagen, im Duett mit Iuliana Münch an der Violine erklingt das Piano dagegen stellenweise recht liebevoll. Mit Stephan Langenberg konnte zudem einer der wenigen professionellen Bandoneonisten für diese Produktion gewonnen werden, der zudem als „Fachmann der Ziehharmonika-Töne“ gilt. Auch hier ist es ganz erstaunlich, was Parfenov für dieses selten derart in den Mittelpunkt gestellte Instrument für wunderbare Musik schuf. Schon die Komposition ist einen Besuch des Abends wert.

Am Ende erklingt langer Applaus für alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler, und das Publikum im gut gefüllten Krefelder Theater ist sichtbar angetan von einem kurzen aber dafür umso kurzweiligeren Ballettabend. So schön und berührend kann ein kleiner Streifzug durch ein Stück Stadtgeschichte sein.

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