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Ballett

Der Sturm / Ein Sommernachtstraum

Ballettabend von Robert North nach William Shakespeare - Musik von Jean Sibelius und Felix Mendelssohn Bartholdy Leitung Besetzung

24. Mai 2022 – 18. Februar 2023

Dauer 1 Stunde 45 Minuten mit einer Pause

Termin anklicken, um Tagesbesetzung anzuzeigen.

Der Stoff, aus dem die Träume sind – dieses Shakespeare-Zitat trifft den Kern des neuen Ballettabends von Robert North mit den Tanzadaptionen Der Sturm und Ein Sommernachtstraum. Zauberkräfte, Geisterwesen und Natur beeinflussen jeweils die Menschenwelt, Reales und Fantastisches greift ineinander, die Grenze zwischen Leben und Traum ist ambivalent.   

Für den Sturm erfindet Robert North eine Rahmenhandlung: Ein Künstler – Shakespeare oder Sibelius – schläft am Schreibtisch ein und wird im Traum zu Prospero. Er träumt von einem Sturm, den der Luftgeist Ariel entfesselt, und in seiner Fantasie werden die Gestalten des Dramas lebendig. Prospero und seine Tochter Miranda kämpfen mit der Meereskönigin. Sie stranden auf einer von seltsamen Wesen bevölkerten Insel, wo Prospero zum Herrscher wird und über magische Kräfte verfügt.

Jean Sibelius (1865-1957) fühlte sich von dem Sujet zur Komposition einer Bühnenmusik inspiriert, die mit leuchtenden Orchesterfarben die kunstvoll geknüpften Handlungsfäden charakterisiert.

Der Reiz des Sommernachtstraums beruht auf seiner Vieldeutigkeit. Dramatik, Leidenschaft und Komik bestimmen das Geschehen, wenn Menschen- und Geisterwelt im nächtlichen Wald aufeinanderprallen, wo die Liebe sich als elementare und zugleich unbeständige Kraft Bahn bricht. Rasant, witzig und kurzweilig zeichnet die Choreografie von Robert North die amourösen Verwicklungen des vom Elfenkönig Oberon und seinem Adjutanten Puck voll Übermut angezettelten Liebes-Experimentes, das außer Kontrolle zu geraten droht.

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) ist es gelungen, die Poesie und zauberische Atmosphäre des Stoffes kompositorisch kongenial einzufangen. Seine Schauspielmusik mit dem berühmten Hochzeitsmarsch charakterisiert Liebespaare, Handwerker, Elfenreich und das Walten der Naturkräfte mit einer facettenreichen, plastischen Tonsprache.

Niederrheinische Sinfoniker | Damen des Opernchores

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Zum Auftakt das Publikum zu Tränen gerührt

Zu Beginn der Premiere spielten die Niederrheinischen Sinfoniker unter Leitung des Generalmusikdirektors Mihkel Kütson die ukrainische Nationalhymne. Anschließend begeisterte ein großer Ballettabend nach zwei Jahren Zwangspause. (…) Ballettchef Robert North eröffnete seinen Shakespeare-Doppelabend mit der Romanze „Der Sturm“, die er für den Ballettbedarf abstrahierte und reduzierte. Die passende Musik hatte er bei Jean Sibelius („Der Sturm“ und Suite für Violine und Streichorchester) gefunden. (…) Sibelius zeichnet in der Partitur den tobenden Sturm kongenial nach, was Streicher und Bläser mit dynamischer Bravour umsetzten. (…) Neu entstanden ist ein Zaubermärchen, in dem es bis zum rasanten Schlusspart turbulent und hoch hergeht. Eindrucksvoll die Szene, da die Meereskönigin als eine Art Wellenbrecher fungiert, an dem die Gruppe von Tänzerinnen und Tänzern im eng getakteten Wechsel vorbeispringen. Deutlich mehr Nähe zum Original zeigt „Ein Sommernachtstraum“ mit der Schauspielmusik von Mendelssohn. Sebastian Engel trifft hier glaubhaft die romantische Seele der Komödie. Ausstatter Udo Hesse entrückt das Tanzspiel anfangs hinter einen mit viel Blattwerk dekorierten Gazeschleier. Nach der tänzerischen Exposition läuft das Verwirrspiel um zwei Liebespaare und das zerstrittene Elfenkönigspaar Oberon und Titania komprimiert, aber halbwegs stückgetreu ab. Mit dem Saft einer aphrodisierenden Wunderblume wollen Oberon (Alessandro Borghesani im legeren weißen Anzug und grünen Handschuhen) und der Kobold Puck (Giuseppe Lazzara) seiner Titania (Teresa Levrini in Balkantracht) einen Streich spielen. Aber zugleich will Oberon auch den beiden anderen Paaren mit dem Elixier die Richtung beim Verlieben weisen. Amelia Seth (Hermia), Polina Petkova (Helena), Peter Allen (Demetrius) und Stefano Vangelista (Lysander) sorgen mit romantischen wie komischen Szenen für zahlreiche Glücksmomente im Parkett. Zumal der Spaßvogel Puck seinem Gebieter Oberon sträflich das Konzept vermasselt. Durch ideenreiche Bewegungsdetails und charmante Mimik kann Giuseppe Lazzara so zum Publikumsliebling des Abends avancieren. Doch auch die anderen Ensemblemitglieder, das Orchester und das Choreografie-Team erhalten am Ende starken Applaus, der den Pegel der Ovation mühelos erreicht.

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Eine andere Welt erträumen

(…) Was kann das Theater: Es kann uns zeigen, wie sehr wir irren, und wenn es auch keine Absolution erteilen kann, so kann es doch in großer humanitärer Geste diese Irrungen als zutiefst menschlich erklären. Felix Mendelssohn-Bartholdys Sicht auf Shakespeares Sommernachtstraum spricht das auf romantische Weise aus (Shakespeare war da wohl um einiges sarkastischer), und Ballettdirektor Robert North folgt ihm darin. Die Kostüme (die er selbst entworfen hat) verorten das Personal ziemlich deutlich in der Gegenwart. Das sind schon wir Heutigen, die sich derart, pardon, bekloppt verhalten, und man sollte Nachsicht üben. Wobei natürlich alles nur Theater ist: Die Elfen ziehen den Vorhang auf der Bühne auf (ein Theater auf dem Theater), mit Respekt vor dem Komponisten erst nach dem Expositionsteil der Ouvertüre. Zunächst darf also die Musik umreißen, worum es geht: Eine Sommernacht, die alle Koordinaten verschiebt, die für einen Moment das Unmögliche erlaubt (…) Die schönsten Momente der Choreografie sind vielleicht die, in denen Feenkönigin Titania, die sich durch einen Zauber in den (kurzfristig in einen Esel verwandelten) Handwerker Zettel verliebt hat, diesem auch nach der Entzauberung noch verliebte Blicke nachwirft. Die Welt mag ihre gesellschaftlichen Regeln haben. Den Esel dennoch lieben zu dürfen, das wäre vielleicht eine bessere Welt. (…) Puck (mit lausbubenhaftem, Charme: Giuseppe Lazzara) erscheint als sehr menschlicher Geist, anfällig für Irrtümer. Oberon (Alessandro Borghesani) im weißen Anzug mit grünen Handschuhen, die ihn als Wesen des Feenreichs kennzeichnen, gibt eine Art Entertainer, Gattin Titania mit gemäßigt folkloristischem Kostüm erscheint als exotische Schönheit. Die vier Elfen (Julianne Cederstam, Alice Franchini, Jessica Gillo und Eleonora Viliani) übernehmen auch die Rollen der Handwerker, mit Ausnahme des alsbald in den Esel verwandelten Zettel (großartig: Duncan Anderson). (…) Sicher könnte North die Konflikte stärker pointieren: Den Streit zwischen Titania und Oberon, die Gefühlsverirrungen zwischen Hermia, Demetrius, Helena und Lysander. Die mit großer Leichtigkeit erzählte Geschichte bleibt dadurch ein wenig harmlos. Die Niederrheinischen Sinfoniker begleiten unter Leitung von Kapellmeister Sebastian Engel ganz solide (…) Betörend schön singen der Frauenchor (Einstudierung: Maria Benyumova) und die Solistinnen Chelsea Kolic und Susanne Seefing. (…) Die (…) Bühnenmusik zu Shakespeares Sturm dagegen ist meist düsterer, zerklüftet und durch die pointierte Behandlung des Schlagwerks auch „moderner“. Das Unwetter tobt darin recht eindrucksvoll, und hier gelingt es Orchester und Dirigent sehr gut, die Klangwelt mit ihren ganz eigenen Farben zum Klingen zu bringen. Mit Shakespeares Drama hat die Choreografie über die Grundkonstellation dann allerdings nur noch wenig zu tun. Ein Künstler – sei es Shakespeare, sei es Sibelius – sitzt am Schreibtisch und lässt in Gedanken die sturmumtoste Insel erstehen und wird zu deren zaubermächtigem Herrscher Prospero (Marco A. Carlucci). Als weibliche Gegenspielerin erfindet North eine Meereskönigin (Yoko Takahashi) (…) Drei junge Tänzerinnen verkörpern als „Naturwesen“ das allgegenwärtige Meer, und wogende Bewegungen kennzeichnen dieses rund halbstündige Ballett. (…) Ein Coup, wie North unter Prosperos Mantel den smarten Ferdinand (Illya Gorobets) hervorzaubert, aber eine tragfähige Liebesbeziehung zu Prosperos Tochter Miranda (Flávia Harada) müsste tänzerisch viel deutlicher ausformuliert werden. (…)