Musiktheater

Elias

Oratorium in zwei Teilen // Szenische Aufführung // Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy // Text von Felix Mendelssohn Bartholdy und Julius Schubring nach Worten des Alten Testaments Leitung Besetzung

25. Januar 2025 – 3. Juni 2025

Dauer ca. 2 Stunden 30 Minuten inkl. Pause Extras Audio-Einführung + Video-Interviews Sprache In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Termin anklicken, um Tagesbesetzung anzuzeigen.

Das Oratorium Elias basiert auf Texten aus dem Alten Testament und erzählt die Geschichte des Propheten Elias, der im neunten Jahrhundert v. Chr. gewirkt haben soll. Elias kündet den Ungläubigen, den Anhängern des Gottes Baal, eine Dürre an, um sie zu seinem Glauben zu bekehren. Kobie van Rensburgs Regie hinterfragt die alttestamentarische Elias-Erzählung kritisch: Wer ist Täter, wer Opfer? Ist einer Religion oder einem aufgeklärten Humanismus der Vorzug zu geben? Was bewirken Religionen in einer Gesellschaft, was machen sie mit den Menschen? Wie wirken sich Religionen auf das Zusammenleben von Menschen aus? Wie entsteht religiöser Fanatismus? Wie steht man zu dem provokanten Kalauer „Glauben heißt nichts wissen“? Die Produktion thematisiert die große Herausforderung, religiöse Überlieferungen nicht unreflektiert zu übernehmen, sondern sie stets neu zu befragen.

Der biblische Stoff über den Propheten Elias faszinierte Mendelssohn schon lange. Bereits Mitte der 1830er hatte er sich intensiv damit auseinandergesetzt. Als er fast zehn Jahre später, im Juni 1845, den Auftrag bekam, für Birmingham ein Oratorium zu schreiben, sah er seine Chance gekommen, die Lebensgeschichte des Elias endlich musikalisch darzustellen. Mit zahlreichen Solistinnen und Solisten sowie einer großen Chorbesetzung – auf der Bühne sowie im Zuschauerraum – setzt der südafrikanische Videokünstler und Regisseur Kobie van Rensburg dieses opernhafte Oratorium eindrücklich in Szene.

Zusätzlich zu den Damen und Herren des Opernchores sind bei dieser Produktion auch weitere Chöre beteiligt: der Extrachor des Theaters, der Niederrheinische Konzertchor sowie der Crescendo Chor Krefeld (Einstudierung: Heinz-Peter Kortmann).

Die Partie des Knaben übernehmen alternierend Cornelius Begrich und Mona Adriana Dima. Beide Kinder sind Mitglied der Akademie für Chor und Musiktheater in Düsseldorf unter der Leitung von Justine Wanat. Stimmbildungsunterricht erhalten beide bei Radostina Nikolova-Hristova.

Audio-Einführung zur Inszenierung

Regisseur Kobie van Rensburg erläutert das Konzept seiner szenischen Inszenierung des Oratoriums von Felix Mendelssohn Bartholdy. Jetzt anhören!

Video-Interviews

Bernd Lausberg, O-Ton-Kulturmagazin, 17.03.25

Grenzenlose Begeisterung beim stehenden Publikum!

[…] Im Theater Krefeld Mönchengladbach wagt Kobie van Rensburg nun eine szenische Aufführung und reißt das Publikum am Niederrhein zu Begeisterungsstürmen hin.

Elias ist seine achte Produktion am Gemeinschaftstheater, in der er nicht nur für die Inszenierung, sondern auch für Bühne, Video, Licht und Kostüme verantwortlich ist. Besonderes Markenzeichen des Allrounders van Rensburg ist die Einbeziehung modernster Video- und Projektionstechniken, die das Niveau seiner Regiearbeiten bestimmen und perfekte lllusionsräume zur Folge haben. Das gesamte Bühnenbild entsteht in all seinen abwechslungsreichen Facetten einzig virtuell. […] Dabei führt die Reise nicht in vorbiblische Zeiten, sondern ist im amerikanischen Mittleren Westen der 1930-er Jahre verortet. Van Rensburg aktualisiert den alttestamentarischen Stoff geschickt mit Verwerfungen und Herausforderungen der Gegenwart.

[…] Es bleibt nichts dem Zufall überlassen, alles speist sich aus dem einen erzählerischen Duktus, der in van Rensburgs Bildsprache steckt. Ob Bühnenbild oder Kostümgestaltung, alles greift gekonnt und stilsicher ineinander. Von wenigen starken, ganz bewusst eingesetzten Farbakzenten abgesehen, malt sich der Bühnenkosmos in einem nuancierten Spiel aus Grautönen, in dessen Mitte sich die verhalten farbigen Personenstaffagen konturieren. Die komplexe, teils detailverliebte virtuelle Darstellung wird immer dann am dichtesten, wenn auf der Huhne große, abstrahierte Bilder entstehen, wie sie im Zusammenhang mit den Elementen das Oratorium bestimmen: Feuer, Wasser und Wind werden dabei auf ganz beeindruckende Weise in Szene gesetzt und geraten optisch und dramaturgisch zu Höhepunkten der Inszenierung.

[…] Insgesamt genügt die virtuelle Präsentation aber allerhöchsten Ansprüchen und darf als äußerst bemerkenswerte szenische Rezeption des Oratoriums Elias gelten.

Szenische Opulenz erfährt die Aufführung darüber hinaus durch die Chorszenen, die das Oratorium musikalisch prägen und von van Rensburg mit ausgeklügelter Personenregie umgesetzt werden. Es nimmt nicht wunder, dass die überragende Leistung der beteiligten Chöre unter der Gesamtleitung von Chordirektor Michael Preiser im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Die Krefelder Produktion zeichnet sich in ganz besonderer Weise durch die Einbeziehung mehrerer Laienchöre aus, die nicht nur akustisch, sondern auch halbszenisch begeistern. Zusammen mit dem Chor und Extrachor des Theaters bieten der Niederrheinische Konzertchor und der Crescendo Chor Krefeld einen gewaltigen Bild und Resonanzraum.

[…] Es nimmt nicht wunder, dass die überragende Leistung der beteiligten Chöre im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Ein großes Lob an Regisseur, Operndirektor und musikalischen Leiter, sich der großen Herausforderung gestellt und überzeugt zu haben.

[…] In der Titelrolle des Propheten Elias überzeugt Rafael Bruck stimmlich und darstellerisch. Sein in vielen Partien erprobter kraftvoller und facettenreicher Bariton erfüllt alle Erwartungen.

[…] Die szenische Aufführung von Elias am Theater Krefeld Mönchengladbach ist ein gigantischer Kraftakt, der eindrucksvoll unter Beweis zu stellen vermag, was Stadttheater im Zusammenspiel mit der Stadtgesellschaft zu bewirken in der Lage ist. Auch wenn bei der gelieferten Fülle an Bildern und Gedanken nicht jede Sequenz diskussions- und widerspruchslos hinzunehmen ist, so steht doch das große Engagement im Vordergrund, auf der einen Seite komplexe Illusionsräume zu schaffen, in denen man sich auch ein Stück weit verlieren kann, um auf der anderen Seite Diskussionen anzustoßen und zusammenhänge kritisch aufzuzeigen.

Die grenzenlose Begeisterung beim stehenden Publikum unterstreicht, wie wichtig der gesellschaftliche Diskurs im Theater sein kann, wenn er überzeugend, stimmig und stimmgewaltig daherkommt – Rufet lauter!

Petra Diederichs, Rheinische Post, 26.01.25

Eine Klangwucht!

Krefelder Publikum ist überwältigt von “Elias”-Inszenierung. Das Orchester ist großartig, die Stimmen sind überragend und die Bilder überwältigend. Kobie van Rensburg interpretiert das Elias-Oratorium als Religionskritik. Der Prophet wird als Terrorist hingerichtet. Darüber darf man streiten.

[…] Die Feuerwolke, in der Elias verschwindet, um als Gekreuzigter über der Szene aufzuscheinen, ist eines von vielen gewaltigen Bildern, mit denen der südafrikanische Regisseur Kobie van Rensburg eines der berühmtesten und musikalisch schönsten Oratorien in Szene setzt: „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Bei der Uraufführung 1846 hat das Werk die Welt umgehauen: So viel Klang, so großes Aufgebot, so viele Farben der Musik kamen hier zusammen. Die szenische Aufführung im Krefelder Theater überwältigte fast zwei Jahrhunderte später das Premierenpublikum, das so lang wie mehrere Choräle dauern applaudierte. Nach zweieinhalb Stunden waren Kopf und Seele randvoll gefüllt mit Eindrücken. Kobie van Rensburg spart nicht mit Effekten, er verabreicht Intensiverlebnisse.

[…] Elias entspricht keinem humanistischen Ideal. Er ist in seinem brutalen Vorgehen gegen die Baalsanhänger ein Aggressor. Denn auch er folgt blind seinem Glauben und lässt niemandem die Freiheit des Andersdenkens. Um diese These zu stärken, greift van Rensburg auch in Details in den Text ein, weitet die Figur eines Kindes zu einer moralischen Instanz auf, wenn es im Augenblick des gewaltigen Kampfes mit den Priestern Baals ruft: „Aufhören! Warum muss es immer so viel Gewalt sein?“

Van Rensburg blickt von heute auf die Geschichte, aus einer Zeit, in der Rassismus und Klimakatastrophen die Welt bedrohen, Fake News und Influencer in den sozialen Medien Stimmung machen, wo Information gegen Desinformation halten muss, weil jeder nur die Quellen nutzt, die ihm passen. Die Phänomene sind nicht neu. Solche Bilder fügen sich nahtlos ein in eine Welt in den 1930er Jahren, als die Weltwirtschaftskrise in Amerika die Hoffnungslosigkeit noch vergrößerte, die eine Dürre und verheerende Sandstürme ausgelöst hatten.

Aber es ist eine Welt, die nicht greifbar ist. Kobie van Rensburg, ein Meister der Fantasie und der technischen Finessen, spielt mit der Idee der Illusion. […]

Es gibt kaum Requisiten, die Bühne wird mit schwarz-weißen Bildern belebt, die sie zu einer Art Fotoalbum aus alter Zeit machen. Da lässt man sich von surrealen Szenen mitreißen, wenn in einem Krankenzimmer das Mobiliar im Raum schwebt oder Elias, der eigentlich in der Todeszelle sitzt, plötzlich unter einem Baum schläft und von Engeln umschwebt wird – und das Trio Nele van Deyk, Pia Melenk und Margriet Schlössels traumschön a cappella singen „Hebe deine Augen auf“. Es gibt bedrückende Bilder der Dürre, die Gewinnsüchtler der Zion Water Company verursacht haben: Die Klimakatastrophe ist menschengemacht. Es sind gewaltige Farbbilder von Wassermassen und glühenden Feuern – und dazu die Musik.

Rafael Bruck leuchtet den Elias in ungezählten Nuancen aus. Für Verzweiflung und Zorn, Hilflosigkeit und Zartheit nutzt er den gesamten Resonanzraum seines Körpers. Der Bariton beweist sich als Charaktersänger, dessen warmer, runder Ton bis in jene Szenen glänzt, in denen er den Wahn eines Sektenpredigers in seinen Augen flackern lässt. Sofia Poulopoulou glänzt als Witwe, die sich in Elias verliebt, als er ihren toten Sohn reanimiert, und seine Lehre weiterverbreitet. Cornelius Begrich spielt und singt die Rolle des Knaben mit Charme. Woongyi Lee (Obadjah), Eva Maria Günschmann und Arthur Meunier (Königspaar) sowie Antonia Busse, Jeconiah Retulla und vor allem Bettina Schaeffer mit einem ausdrucksstarken Auftritt als Heilsarmeeschwester mit Blut an den Händen, hinterließen als „Neue“ im Opernstudio den besten Eindruck.

Es ist natürlich der Abend der Chöre. Insgesamt rund 140 Stimmen füllten den Theaterraum, jeder Ton ließ die Luft vibrieren. Chordirektor Michael Preiser hatte sie auf den Punkt vorbereitet: Opernchor und Extrachor des Theaters, der Niederrheinische Konzertchor und der Krefelder Crescendo Chor (Einstudierung: Heinz-Peter Kortmann) hatten eine Klangwucht, die verstärkt wurde, weil ein Teil im Theatersaal platziert war und aus dem Publikum heraus agierte. Für Zuschauende keine Chance, sich der Wirkung zu entziehen.

Kapellmeister Giovanni Conti und die Niederrheinischen Sinfoniker zeigten, welche Qualität das Orchester an diesem Haus hat. Conti steuerte mit der Präzision eines Neurochirurgen bei der Gehirn-OP jede Feinheit der Komposition an. Dynamische Wechsel, Rasanz und Pausen, pointierte Effekte und große Klangbögen hielten das Publikum in stetiger Spannung.

Wer bei diesem Abend nicht an die Kraft von Musik und Theater glaubt, ist eine verlorene Seele. Wer nach der Rauschwirkung die kurze Szene zum Ende hin noch im Herzen trägt, hat van Rensburgs Botschaft verstanden: Nach Elias‘ Tod, will die Glaubensgemeinschaft den Jungen zu ihrem Anhänger machen – der Heilsbringer ist tot, es lebe der Heilsbringer. Doch der Junge folgt keinem Glauben, für den man töten muss. Das packt. Und der Abend bietet Stoff, mit denen zu diskutieren, die aus Bibelsicht argumentieren.

Christian Oscar Gazsi Laki, Westdeutsche Zeitung, 26.01.25

Dieser ELIAS ist spektakulär!

Der „Elias“ als cineastischer Thriller: Kobie van Rensburgs Adaption des Mendelssohn-Oratoriums begeistert das Premierenpublikum mit ganz neuer Geschichte. Und thematisiert auch Religionskritik.

Dieser „Elias“ ist spektakulär. Und ein kraftvolles Plädoyer gegen religiösen Fanatismus, gegen die Vorstellung von einem rachsüchtigen Gott, der von seinem Gläubigen Gewalt fordert. Und die Aufführung ist ein Beweis dafür, wie mit klug gewählten heutigen bühnentechnischen Mitteln mitreißende Theaterbilder realisierbar sind, ohne Requisitenorgien und dergleichen kostspielig auffahren zu müssen. Sie zeigt auch, wie viel Potenzial darin steckt als Theater auch einmal Akteure aus der Stadt – in diesem Fall der Crescendo-Chor, dem eine prominente Rolle zukam – einzubinden. Bemerkenswert, welche besondere Energie dadurch entstehen kann. Diese Premiere am Theater Krefeld wurde zu Recht vom Publikum enthusiastisch gefeiert. Sie setzt nicht zuletzt eine Reihe von Produktionen der Musiktheatersparte des Theaters Krefeld und Mönchengladbach von Andreas Wendholz fort, die eher dramaturgisch brustschwache Stoffe – zuletzt etwa „Die Reise nach Reims“ – durch geschickte Überschreibung in beachtliche Opernerlebnisse verwandeln. Ohne aber der Musik oder dem Text Gewalt anzutun. Es wird Potenzial entdeckt und das Gute genutzt.

Regisseur Kobie van Rensburg und seinem Team ist tatsächlich eine in mehrfacher Weise wirkungsmächtige Adaption – genauer genommen Neudeutung – des die grausame und zugleich schrecklich frömmelnde Geschichte des alttestamentarischen Propheten schildernden Oratoriums gelungen. Auf der Musik Mendelssohns entfaltet sich eine in großen Teilen cineastisch wirkende Ästhetik, die dem „Elias“, der sonst mehr in anderen Kontexten erlebt werden kann, eine gänzlich neue Färbung – wobei gerade das dominierend Monochrome so faszinierend ist – verleiht. Auf einer dunklen Bühne agieren in nahezu ganz grauen Kostümen die Rollen, vor ihnen – bisweilen auch hinter ihnen – Projektionsfläche. Eine Gaze, auf die van Rensburg verschiedene Szenerien, Filme oder auch Effekte projizieren kann, die sich mit dem Geschehen auf der Bühne sehr gut mischen. So sieht die Produktion mal ein wenig wie ein Fritz-Lang Film oder ein Film noir aus. In wenigen Schlüsselszenen erlaubt man Farbe; Feuer, Blut. Das alles mit handwerklich sehr überzeugend durch van Rensburg digital generierte Grafik.

[…] In einer Welt, in der man nicht genau wissen kann, was Wahrheit und Phantasie ist, schlittert die Geschichte durch die auch im Original geschilderten Ereignisse. Ein Junge wird erweckt, Baal-Anhänger durch die Kraft des „rechten Glaubens“ überwunden und schließlich massakriert, Elias gefangen genommen und am Ende auch hingerichtet. Doch seine Anhängerschaft will das so nicht wahrhaben. Zu wenigen Änderungen in den Texten – so entscheidet man sich, das Wort „Israel“ unter anderem durch „Zion“, dem Städtenamen zu ersetzen – sah sich das Team (Dramaturgie: Ulrike Aistleitner) dann doch genötigt. Am Ende stehen alle Chöre gemeinsam auf der Bühne und nur noch die Kraft der Musik zählt und die Frage, ob man eine Religion noch brauche, die Gewalt predige – auf einem Transparent.

[…] Im Elias spielen Chöre eine zentrale Rolle. Neben Opern- sowie Extrachor und Niederrheinischem Konzertchor, geleitet von Chordirektor Michael Preiser, hatte man auch als Gastchor den von Heinz-Peter Kortmann geleiteten Krefelder Crescendo-Chor eingeladen. Jener saß zunächst im Publikum und agierte in der Baal-Szene sehr motiviert aus dem Zuschauerraum aus. Als ein partizipatives Moment. Alle Chöre überzeugten mit viel sängerischer Energie, einem sehr guten Gespür für die Musik Mendelssohns. Diese wurde unter der kraftvollen und stellenweise ausgesprochen spritzigen Leitung von Kapellmeister Giovanni Conti gemeinsam mit den Niederrheinischen Sinfonikern, mit Freude an Schönklang, aber auch an immer wieder aufkeimenden Dramatik, interpretiert. Wobei sich das Orchester nicht in den Vordergrund drängte, das Bühnengeschehen die leitende Rolle einnahm.

Bariton Bruck als Elias überzeugte neben den stimmlichen Herausforderungen seiner Titelpartie vor allem auch schauspielerisch mit starken Momenten. Gesanglich und szenisch überaus inspiriert umrahmt von Sofia Poulopoulou (Witwe), Woongyi Lee (Obadjah), Eva Maria Günschmann (Königin Isabel), Arthur Meunier (König Ahab), Bettina Schaeffer (Heilsarmeeschwester 1), Antonia Busse (Heilsarmeeschwester 2), Jeconiah Retulla (Diakon) sowie als Knabe Cornelius Begrich. Er hatte nicht nur an besonderer, in Mendelssohns Komposition vorgesehener Stelle, einen charmant-schönen gesanglichen Auftritt, sondern überzeugte auch immer wieder schauspielerisch. Als symbolische „Stimme“ eines unverdorbenen kindlichen Gewissens.

[…] Die tatsächliche enorme Vielschichtigkeit dieser Produktion muss im Live-Erleben erspürt werden. Hinter der schönen Ästhetik, die wirklich sehr gelungen ist, verstecken sich etliche Ebenen an komplexem Diskurs, der wichtige, aber durchaus auch etwas unbequeme Fragen aufwirft. Aber das ist gut so.

Markus Lamers, Der Opernfreund, 26.01.25

Ein stimmiges visuelles Gesamtkunstwerk!

[…] Doch nicht nur die Schilderungen von Sturm, Erdbeben, Flut und Feuer werden von Kobie van Rensburg bildgewaltig in Szene gesetzt. Die gesamte Aufführung ist ein in sich stimmiges visuelles Gesamtkunstwerk, das allein schon einen Besuch wert ist.

Neben den beeindruckenden Videoprojektionen zeichnet sich van Rensburg auch für das Bühnenbild, die Kostüme und natürlich die gesamte Inszenierung verantwortlich. Er verlegt die Handlung hierbei in die fiktive Stadt Zion während der historischen „Dust Bowl“-Klimakatastrophe der 1930er Jahre in den amerikanischen Südstaaten. Innerhalb weniger Jahre verwandelte sich dort einst fruchtbares Ackerland in eine riesige „Staubschüssel“. In der szenischen Umsetzung des Oratoriums macht Elias nun die Zion Water Company für die schwere Dürre verantwortlich. Aufgrund ihrer schwierigen Situation sind viele Menschen bereit, sich – angespornt durch Elias‘ Aufrufe – auch mit Gewalt zu widersetzen. Generell ist die alttestamentliche Geschichte von Elias sehr gewaltverherrlichend, was Kobie van Rensburg in seiner Inszenierung geschickt aufgreift und dieser Thematik mit dem von Elias wiedererweckten Kind der Witwe eine Figur entgegensetzt, die die Erwachsenen fragt, warum es immer so viel Gewalt geben muss. Auch die in der Inszenierung aufgeworfene Frage nach objektiver oder subjektiv empfundener Wahrheit ist in Zeiten von Fake News aktueller denn je. Diese Thematik ist geschickt in die Videoprojektionen integriert, ohne von der eigentlichen Handlung abzulenken.

Wie bereits erwähnt, gibt es an diesem Theaterabend für das Auge viel zu entdecken. Doch damit nicht genug. In diesem Fall wird der optische Aspekt mit einem musikalischen Hochgenuss kombiniert. Der Opernchor und Extrachor des Theaters Krefeld und Mönchengladbach wurde um den Niederrheinischen Konzertchor und den Crescendo Chor Krefeld erweitert, so dass stellenweise weit über 100 Stimmen gleichzeitig erklingen und die bombastischen Chorwerke von Felix Mendelssohn Bartholdy stimmgewaltig umsetzen. Hochkarätig besetzt sind auch die Solisten, allen voran Rafael Bruck in der Titelpartie, der dem Propheten Elias mit kraftvoller und stets angemessener Stimme Glanz verleiht. Ihm zur Seite stehen der Tenor Woongyi Lee als junger Prediger Obadjah und Sofia Poulopoulou als Witwe und zukünftige Gefährtin des Elias, die ebenfalls wesentlich zum musikalischen Erfolg des Abends beitragen. In den kleineren Rollen sind Eva Maria Günschmann als Königin Isebel sowie die vier aktuellen Mitglieder des Opernstudios Niederrhein, Bettina Schaeffer und Antonia Busse als Heilsarmeeschwestern, Arthur Meunier als König Ahab und Jeconiah Retulla als Diakon, zu erleben. Aus dem Orchestergraben sorgen die Niederrheinischen Sinfoniker unter der musikalischen Leitung von Giovanni Conti für einen voluminösen Klang, der seinesgleichen sucht. So ist es nicht verwunderlich, dass sich das Publikum der zwar nicht ausverkauften, aber sehr gut besuchten Premiere unmittelbar nach dem letzten Ton von den Sitzen erhob und allen an der Produktion beteiligten Künstlern einen fast zehnminütigen, von Bravorufen durchzogenen Applaus spendete.

Und in der Tat kann man diese szenische Inszenierung eines musikalischen Meisterwerks jedem Opern- und Theaterfreund nur wärmstens empfehlen. Selten begegnet man Musik und Bühnenbild in einer solchen Kombination wie hier. Nach rund zweieinhalb Stunden verlässt man rundum zufrieden den Theatersaal und fragt sich noch auf dem Heimweg, wann man zuletzt eine derart stimmige Inszenierung und musikalische Meisterleistung aller Akteure an einem Abend erleben durfte!

Thomas Molke, Online Musik Magazin, 26.01.25

Musikalisch großartig!

Nun widmet sich am Theater Krefeld Mönchengladbach Kobie van Rensburg, der mit seinen Video-Installationen ein gern gesehener Gast hier ist und bereits mehrfach mit dem Publikumspreis “Theater-Oscar” der Rheinischen Post für die beste Musiktheaterinszenierung ausgezeichnet worden ist, diesem Stoff.

[…] Und auch bei Elias gelingt es ihm, mit kleinen Eingriffen in den Text zu zeigen, wie schmal der Grat von religiöser Überzeugung zu Fanatismus sein kann. Dabei bleibt van Rensburg sehr nah an der erzählten Geschichte um den Propheten Elias, der sich gegen den Baalskult auflehnt und das Volk zum Glauben an den einzig wahren Gott hinführen will, verlegt die Handlung allerdings in die fiktive Stadt Zion in die US-amerikanischen Südstaaten der 1930er Jahre, als die historische “Dust-Bowl”-Klimakatastrophe wütete.

[…] So lässt er den Jungen am Ende des ersten Teils mit einem Sprechtext die Gewalt unterbrechen: “Aufhören, warum muss es immer so viel Gewalt geben?” Bis dahin erfährt man allerdings auch im Publikum eine gewisse Manipulation, was vor allem dadurch erzielt wird, dass Teile der Chöre im Publikum platziert sind und hier agieren. Die Anhänger des Baal-Kultes werden mit orangefarbenen Tüchern gezeichnet. Der König und die Königin treten mit ihrem Staat auf der Bühne in langen weißen Gewändern auf, während der Chor im Publikum schwarz gekleidet ist. Wenn Elias die Anhänger des Baal auffordert, ein Brandopfer zu entfachen, tritt der Chor im Publikum erstmals im Wechselgesang mit dem Chor auf der Bühne in Interaktion und versucht in heftigen Bewegungen, ein Feuer zu erzeugen. Das ist szenisch und musikalisch großartig umgesetzt, weil man als Publikum gewissermaßen Teil des Geschehens wird. Nachdem dieser Versuch nicht von Erfolg gekrönt war, lässt van Rensburg dann den Projektionen freien Lauf und entfacht einen Brand, der den Chor regelrecht von der Bühne fegt bzw. aus dem Saal treibt.

[…] Nicht nur die Inszenierung von van Rensburg ist absolut bewegend. Auch musikalisch begeistert der Abend auf ganzer Linie. Da sind in erster Linie der Opernchor, der Extrachor, der Niederrheinische Konzertchor und der Crescendo Chor Krefeld zu nennen, die mit großem homogenem Klang den Abend zu einem Erlebnis machen. Dabei agiert der Chor auf der Bühne darstellerisch mal als Gemeinde, dann als Gefolge des Königspaars auch szenisch mit großartigem Einsatz. Der Chor im Publikum überzeugt als Anhänger des Baal-Kultes ebenfalls mit kraftvollem Gesang und flieht nahezu panisch aus dem Saal, wenn Elias befiehlt, alle Priester des Baal hinrichten zu lassen. Nach der Pause haben die Chorsängerinnen und -sänger im Publikum die Seiten gewechselt und verlassen für den Schlusschor erneut den Saal, um dann zum Chor auf der Bühne zu treten. Giovanni Conti gelingt es am Pult der Niederrheinischen Sinfoniker nicht nur, diese Chormassen auf der Bühne und im Publikum wunderbar zusammenzuhalten, sondern taucht auch mit dem Orchester großartig in die Klangvielfalt von Mendelssohn Bartholdys Werk ein.

Rafael Bruck stattet die Titelpartie mit kraftvollem Bariton aus und spielt den Fanatismus, der in dem Propheten steckt, glaubhaft aus. Sofia Poulopoulou punktet als Witwe mit strahlendem Sopran und zeigt darstellerisch, dass auch sie in der Lage ist, die Massen im Sinne des Propheten zu beeinflussen. Woongyi Lee gestaltet Elias’ Freund Obadjah mit hellem Tenor. Bettina Schaeffer und Antonia Busse überzeugen stimmlich ebenfalls mit warmem Mezzo und leuchtendem Sopran, auch wenn szenisch nicht immer klar wird, wieso der gesungene Text den Heilsarmeeschwestern zugeteilt wird. So gibt es lang anhaltenden und verdienten Jubel für alle Beteiligten, in den sich zu Recht auch der Regisseur van Rensburg einreiht.

FAZIT: Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium ist nicht nur musikalisch großartig, sondern bietet auch viel Potenzial für eine szenische Umsetzung, die von van Rensburg meisterhaft mit Religionskritik verknüpft wird.

Dr. Hartmut Hein, Klassik.com, 28.01.25

Rafael Bruck und der Opernchor als hervorragende Hauptdarsteller

[…] Rafael Bruck als perfekt gecasteter und geeigneter Titelheld zeigt hier mitunter Tarantino-like und mit mimischer Überzeichnung à la Jim Carrey Ausbrüche in den scheinbar historisch ganz normalen Wahnsin des religiösen wie auch politischen Fundamentalismus.

Und er singt seine “Nummern” – Mendelssohn bleibt da ja bewußt in einer pseudo-barocken Tradition, meilenweit entfernt vom Spät-Belcanto oder Buffoonesken der ihn umgebenden Opernwelt – ebenso ausdrucksstark, klangschön und mit klarer Diktion sehr textdienlich, weniger weinerlich als viele Vorgänger (wie etwa Sigmund Nimsgern).

Das Ziel dieses Elias ist die im doppelten Wortsinn überzeugende Interaktion mit Unterstützern und Gegnern, variabal gestaltet vom professionellen Opernchor und Extrachor des Theaters (Michael Preiser wurde für die auch dramaturgisch exzellent profilierte Einstudierung zu Recht am Ende lange auf der Bühne gefeiert). Berückend schön das solistisch besetzte Doppelquartett “Denn er hat seinen Engeln befohlen” (mit einer an Monty Python erinnernden Video-Engel-Imagination), charakteristisch und wohltönend die immer um wärmende Suppe bemühten Heilsarmeeschwestern Bettina Schaeffer und Antonia Busse, passenderweise oft eher schneidend-aggressiv als balsamisch zur Gemeinde singend der Obdajah von Woongyi Lee. Mit ihrer vokalen Kraft, auch viel emotionalem Volumen bleibt Sofia Poulopoulo als Witwe und in der Arie “Höre, Israel” mitpredigende Gefährtin von Elias die eindrucksvolle Primadonna des Ensembles, und hinsichtlich Cornelius Begrich als deren Sohn, Wetterfrosch und Gewaltkritiker konnte man sich keine passendere Besetzung der Stimme der Jugend vorstellen – der auch die ziemlich schwierigen Sprünge bei der Wolkensichtung im Finale des ersten Teils sauber und ebenso berührend gelangen wie die Proteste gegen die ideologisch randalierende “Erwachsenenwelt”.

Eindrucksvolle Szenen und Stimmen: Kapellmeister Giovanni Conti, dessen Dirigat schon Rossinis “Reise nach Reims” befeuerte, gelang es zudem, nicht nur der Ouvertüre, sondern auch den großen Chor-Auftritten jenes stellenweise fast rossinieske Brio zu verleihen, das man bei deutschen Kirchenchören eher vermisst: Schnelle Tempi drücken und beleben die Aufführungsdauer deutlich! Aus dem Graben der Niederrheinischen Symphoniker taten sich diesmal besonders die sonoren Celli hervor, geradezu auf dem Silbertablett in Elias’ elegischer Schluss-Arie “Es ist genug”. Doppeldeutig natürlich gerade hier die Aussage im Hinblick auf die auch am Ende per Video eingeblendete Frage, ob es denn noch Religionen bräuchte, die Gewalt predigen. Die Antwort liegt angesichts dieser Inszenierung auf der Hand – ganz anders, als man es von rein oratorischen Darbietungen gewohnt war. Und Mendelssohns “Elias” als ein in unserer Zeit unbedingt zu reflektierendes historisches Monument gewinnt durch die hinzugekommene Inszenierungsebene mehr denn je an aktualisierter Deutungsvielfalt und kultureller Relevanz.

Anke Demirsoy, Theater:pur, 30.01.25

Das Orchester lässt die Farben der Partitur glänzen

[…] Rensburg stellt sich und uns die berechtigte Frage, ob der Monotheismus, also die Behauptung (und prompte Inanspruchnahme) eines einzigen wahren Gottes, nicht bereits ein Akt der Aggression ist.

Ob eine andere Religion denkbar wäre, die nicht auf Verdrängung und Vernichtung hinausläuft. Deshalb erfindet er für Elias eine neue Rahmenhandlung, die in die fiktive Stadt Zion führt, gelegen in den US-amerikanischen Südstaaten der 1930er Jahre. Dort bricht wegen der Klimasünden einer Wassergesellschaft eine große Dürre aus. Elias prangert das Großkapital an, kritisiert König und Königin als korrupt, wird bei einem Attentatsversuch durch einen Streifschuss am Kopf getroffen. Als er das Krankenhaus wieder verlassen darf, enttarnt er Baal als „falschen Gott“, tut Wunder, wird aber von den Herrschern verfolgt, verhaftet und schließlich hingerichtet. Sofort machen Verschwörungstheorien die Runde: Elias sei gar nicht auf dem elektrischen Stuhl gestorben, sondern Gott selbst habe ihn in einem feurigen Wagen in den Himmel geholt. Die Gemeinde sucht nun einen neuen Anführer, in den sie ihre Hoffnungen setzen kann.

Die Kühnheit dieser Aktualisierung setzt sich in der Wahl der Mittel fort. Kobie van Rensburg setzt alles auf nahezu leerer Bühne um. Statt Requisiten nutzt er KI-generierte, dreidimensionale Bilder, die auf einen transparenten Gazevorhang projiziert werden, der den gesamten Bühnenkasten abdeckt. Was auf der dünnen Membran erscheint, ist Illusion: Zugleich erzeugen Kirchenräume, Campingplätze und Wüstenlandschaften aber den Eindruck von Tiefe. Zudem bleiben sie ein wenig unscharf. Die Glaubenswelt, ein Luftschloss? Lebt Elias im Wahn, als Folge seiner Kopfverletzung? Und ballert deshalb mit der Waffe los? Je weiter das Stück fortschreitet, desto mehr regt es zum Nachdenken an.

Rensburg legt Mendelssohns dramatisch-ehernem Spätwerk einen modernen Mantel um, nicht respektlos, sondern mit Liebe. Wichtig für das Gelingen dieser Produktion ist natürlich, dass er sich gut auf das Führen der Chormassen versteht. Neben den Profis (Opernchor und Extrachor des Theaters) hat das Theater bewusst zwei Gastchöre eingebunden (Niederrheinischer Konzertchor, Crescendo Chor Krefeld). Im Zusammenspiel mit den KI-Bildern formen die etwa 140 Sängerinnen und Sänger eindrucksvolle Massenbilder, sind teils auch im Parkett platziert, so dass eine große Nähe zum Publikum entsteht. […]

Rensburgs wagemutiger Wurf gerät auch musikalisch überzeugend. Die Turba-Chöre singen stimmstark und textverständlich: Sie intonieren Volkszorn, ohne ins Brüllen zu geraten („Greift die Propheten Baals!“). Die vier Chöre agieren auf Augenhöhe, sind sängerisch und darstellerisch mit dem gleichen Engagement dabei und überdies so eng miteinander verflochten, dass jeder Versuch einer Unterscheidung müßig wäre. Ihnen treten Terzette und Doppelquartette an die Seite, die vor Glaubensgewissheit strahlen.

Zu keiner Zeit kommt in diesem Elias ein undifferenzierter Forte-Brei auf. Unter Dirigent Giovanni Conti, der die Massen vom Pult der Niederrheinischen Sinfoniker aus kompetent zusammenhält, verliert Mendelssohns Musik auch in sturmgepeitschten Passagen nicht ihr elegantes Leuchten. Das Orchester begreift sich hörbar nicht als Nebendarsteller, sondern als Träger des Gesamtgeschehens. Es bringt barocke Formstrenge und romantische Gefühlswärme zusammen, lässt die Farben der Partitur glänzen, samt Fluch-Motiv (Tritonus), Chorälen, Trompetenfanfaren, Feuerzauber sowie dem Raunen und Rauschen des Windes und des Regens.

Mit Rafael Bruck (Elias) und Sofia Poulopoulou (Witwe) sind die Hauptpartien gut besetzt. Brucks Bariton scheint sich im oberen Register wohler zu fühlen, wodurch der Prophet bei ihm ein durchaus empfindsames, zuweilen sogar verletzliches Kolorit erhält. Das Gebet liegt ihm mehr als der Zorn des Eiferers. Gleichwohl findet er in entscheidenden Momenten auch kernig-grimmige Töne. Die griechische Sopranistin hält stimmlich wunderbar die Balance zwischen Lyrik und Dramatik. Sie wächst zu einer starken Gefährtin an der Seite des Propheten heran.

Am Ende ranken sich widersprüchliche Nachrichten um den Tod von Elias, aber letztlich rühmen die Chöre den „Geist des Herrn“ als Geist der Weisheit und des Verstandes, des Rats, der Stärke und der Erkenntnis. Die Regie lässt dazu das Licht im Zuschauerraum einschalten. Ach, ließe sich die Menschheit doch auch abseits der Kunst erleuchten.

Ernst Müller, Extra-Tipp, 02.02.25

Opulente Oper von Wahrheit und Wahnsinn

Einen grandiosen Opernabend beschert das Stadttheater seinem Publikum: das Oratorium „Elias“ von Mendelssohn-Bartholdy verwandelt sich in großes Kino.

Es ist ein klanggewaltiges Oratorium, das der Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy 1846 geschaffen hat. Sein „Elias“ bietet großen Chören einen starken Auftritt.

Dieses mitreißende Musikwerk verwandelt Regisseur Kobie van Rensburg in eine Art Oper. Gleich zwei Chöre des Theaters, der Opernchor und der Extrachor, stehen auf der Bühne (Leitung: Michael Preiser). Zusätzlich platziert der Regisseur zwei Chöre aus Krefeld ins Parkett: den Crescendo Chor und den Niederrheinischen Konzertchor. Zusammen mit den acht Solisten lassen sie eine voluminöse Akustikkulisse entstehen. Zumal die Melodien von Mendelssohn-Bartholdy überaus genussvoll „ins Ohr gehen“. Die Niederrheinischen Sinfoniker intonieren sie im Orchestergraben unter Leitung von Giovanni Conti mit Verve.

Zudem bietet diese Aufführung auch optisch starke Eindrücke. Kobie van Rensburg hat sich in Krefeld durch den Einsatz der Video-Technik einen Namen geschaffen. Und somit verzaubert er auch diesmal das Publikum mit großem Kino im Cinemascope-Format. Da toben Meereswellen und Engel fliegen durch die Luft.

[…] Van Rensburg inszeniert die Gewalt als kritische Frage nach dem Einfluss von Religion. Nie dürfe Religion zur Gewalt aufrufen.

[…] Man muss der Deutung der Inszenierung nicht folgen, um sich an einem großartigen Kunsterlebnis zu erfreuen. Schon zur Pause erhob sich auffallend starker Applaus. Am Ende der Aufführung, wenn über 140 Sänger auf der Bühne stehen, spendete das Premierenpublikum vor Begeisterung sogar stehend Applaus, der gar nicht mehr enden wollte. Es war eben ein grandioser Abend.

Michael Otterbein, CreVelt, 02.25

Mächtige Chöre und kritische Töne

[…] Überhaupt ist der Chor der eigentliche Star des Abends.

Mehr als 120 Sängerinnen und Sänger tragen Mendelssohns Musik furios und stimmgewaltig in den Raum. Zusätzlich zum angestammten Opernchor und dem Extrachor des Theaters Krefeld und Mönchengladbach sind der Niederrheinische Konzertchor und der Crescendo Chor Krefeld im Einsatz.

Hervorzuheben sind aber auch die Solisten, allen voran Rafael Bruck als Elias, Sofia Poulopoulou als Die Witwe und Woongyi Lee als Obadjah, die der szenischen Inszenierung des Elias-Oratoriums ein unverwechselbares Gesicht geben.

Unverwechselbar ist auch Kobie van Rensburgs technische Umsetzung, seine außergewöhnliche Verschmelzung von Videoprojektion und Bühnenspiel. Die versetzt die Akteure mal in eine düstere Industriekulisse, mal in eine Kirche oder auf eine Landstraße mit Telegrafenmasten. Dazu kommen comichafte Elemente wie vom Sturm herumgewirbelte Autos oder schwebende Poesiealbum-Engelchen.

Kurz und gut: Kobie van Rensburgs fulminante Inszenierung verbindet mächtige Chöre mit digitaler Technik und religionskritischen Tönen. Vielleicht nichts für Strenggläubige, aber ein Muss für Theaterenthusiastinnen und -enthusiasten.

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