Schauspiel

Mann ist Mann

Ein Lustspiel von Bertolt Brecht // Musik von Paul Dessau (in einer Bearbeitung von Markus Maria Jansen) und der Band Jansen Leitung Besetzung

22. März 2026 – 21. April 2026

ca. 2 Stunden und 20 Minuten, mit einer Pause

Vorstellungen

Der irische Packer Galy Gay entschließt sich, einen Fisch zu kaufen. Seine Frau denkt dabei an eine gute Flunder, warnt ihren Mann mit dem weichen Gemüt aber vor den britischen Soldaten am Bahnhof, welche die schlimmsten Menschen auf der Welt seien. Vergebens. Trotz der Warnung lässt Galy Gay sich einwickeln von Uria Shelley, Jesse Mahoney und Polly Baker, drei Soldaten der Maschinengewehrabteilung, die nach einem missglückten Überfall auf die Pagode des Herrn Wang ohne ihren vierten Mann Jeraiah Jip sind. Wenn das ihr Sergeant, der Blutige Fünfer, bemerkt … Und ehe sich in Brechts Lustspiel alle versehen, wird aus der Flunder ein Elefant, aus dem Sergeant ein Zivilist, aus Galy Gay Jeraiah Jip. Denn „ein Mann ist wie der andere. Mann ist Mann.”

Tina Schlegel, 23.02.2026, RP Krefeld

Wie aus einem Menschen eine Kampfmaschine wird

“Christoph Roos inszeniert „Mann ist Mann“ als wild-schrilles, absurd-komisches, bisweilen bewusst überzeichnetes Bühnenstück, das in vielen Szenen geradezu ausruft: Wie hilflos der Mensch doch ist, wie ausgeliefert, wie verloren. Ein Witz für die Götter. Und doch schwingt Tragik von unermesslicher Tiefe mit. (…) Bertolt Brecht zeigt, dass man diesen Menschen, „wenn wir nicht über ihn wachen“, über Nacht zum Schlächter machen kann. Der Mensch werde mit einem Herdentrieb geboren, das sei die „Schwäche des Menschengeschlechts“, so Brecht selbst über die Voraussetzung zu seinem 1926 uraufgeführten Stück über die Verwandlung Galy Gays zur Kampfmaschine. Es geht um die Manipulierbarkeit des Menschen in unmenschlichen Zeiten – eine Tragödie. Und doch schrieb Brecht ein Lustspiel, als liege gerade darin ein Ausweg aus dieser anthropologischen Grundsituation. (…) Die Austauschbarkeit des Individuums setzt sich in der Rollenbesetzung fort: Drei der vier Soldaten werden von Frauen gespielt – überzeugend böse und in herrlich-komödiantischer Teamarbeit: Marie Eick-Kerssenbrock, Liv Wagener und Julia Staufer. Simon Schofeld verkörpert die Witwe Begwick und schärft ihre souveräne, lasziv-kraftvolle Seite. Cornelius Gebert verleiht Galy Gay etwas tölpelhaft Hilfloses” Mann ist Mann. Aus jedem kann ein seelenloser Täter werden. (…)

Ein tumber Tor wird Kampfmaschine

“„Bereit, wenn du es bist. Werde Teil der Truppe.“ Die Bundeswehr wirbt wieder um Zugang. Die Wehrpflicht wird diskutiert. Das sind die Zeiten. Der Text stammt von einem Plakat, das dem Autor im letzten Herbst aufgefallen ist. Und nun auf der Bühne: „Mann ist Mann“ von Bertolt Brecht. Da wird ein Jedermann ohne Eigenschaften zur „Kampfmaschine“ „umgebaut“. Das Stück wurde vor 100 Jahren uraufgeführt, in der Inszenierung von Schauspieldirektor Christoph Roos kommt es ganz nah ans Heute. Die Premiere mit langanhaltendem Applaus am Ende fand jetzt im Theater Krefeld statt. (…) Die Musik stammt teilweise von Paul Dessau, wurde von Markus Jansen für seine Band Jansen bearbeitet. Zahlreiche Originalsongs von Jansen komplettieren den Soundtrack, live und sichtbar aus dem nur halb abgesenkten Orchestergraben dargeboten von Jansen plus Band. Schauspieler singen zu vielen Songs, Eick-Kerssenbrock greift ab und zu gekonnt zur Violine. Das ist auch eine sehr musikalische Aufführung. (…) Brecht hat sein Stück als „Lustspiel“ bezeichnet, Roos hat es überwiegend mit Verve, Witz und viel Hintersinn inszeniert. Man verlässt das Theater schmunzelnd – und mit vielen Fragen im Kopf. Hut ab.”

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