Schauspiel

Der Herzerlfresser

Von Ferdinand Schmalz Leitung Besetzung

31. Mai 2024 – 25. Juni 2024

Dauer ca. 80 Minuten, keine Pause

Der steirische Knecht Paul Reininger wurde Ende des 18. Jahrhunderts zum Mörder und Kannibalen. Als er beim Kartenspiel seinen gesamten Besitz verspielt, geht er einem alten Aberglauben auf den Leim und ist fortan von dem Gedanken besessen, durch den Verzehr von sieben Frauenherzen unsichtbar zu werden. Als „Herzerlfresser” wurde Reininger zum Mythos.

Über 230 Jahre später versetzt der österreichische Autor Ferdinand Schmalz die düstere Geschichte des Herzerlfressers mit wohldosiertem schwarzen Humor in die Gegenwart einer ländlichen Kleinstadt. Ein neues, auf sumpfigem Grund gebautes Einkaufszentrum soll der Region zu wirtschaftlichem Aufschwung verhelfen, doch kurz vor der feierlichen Eröffnung taucht eine Frauenleiche ohne Herz auf. Und bald darauf noch eine.

Ferdinand Schmalz, 1985 in Graz geboren, wurde 2014 zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt. 2017 erhielt er den Ingeborg-Bachmann-Preis, 2018 den Nestroy-Theaterpreis. In der Tradition der Stücke von Ödön von Horvath und Werner Schwab gibt Schmalz seinen kleinbürgerlichen Figuren eine an das österreichische Idiom angelehnte, leicht gekünstelte, angehobene Sprache. Dieser „Bildungsjargon“ demaskiert die Sprechenden in ihrem bisweilen verzweifelt komischen Versuch, in ihrem sozialen Kontext mehr darzustellen zu wollen als sie tatsächlich sind.

Im Theater Mönchengladbach wird der Mythos um einen Knecht aufgeführt, der mit dem Verzehr von Frauenherzen unsichtbar zu werden glaubte. Wie diese düstere Prämisse unterhaltsam dargestellt werden kann und warum das Stück mitreißt. (…)

„Achtung Leiche“ – ein Klappschild der Art, die sonst vor Rutschgefahr auf frisch gewischtem Boden hinweist, markiert den Fundort des ersten entherzten Frauenopfers in einer fulminanten Premiere im Theater Mönchengladbach. Es wird nicht der letzte kongeniale bühnenbildnerische Kommentar zur rabenschwarzen Krimi-Groteske „Der Herzerlfresser“ des österreichischen Dramatikers Ferdinand Schmalz an diesem Abend bleiben. (…)

Dass diese Mischung auf der Mönchengladbacher Theaterbühne verfängt, ist das Verdienst eines vor Spielfreude sprühenden Ensembles – und einer ebenso straffen wie gewitzten und zugleich die gedankliche Mitarbeit und Aufmerksamkeit des Publikums in nicht geringem Maße einfordernde Inszenierung von Juliane Kann. Jede der fünf Hauptfiguren weiß mit spezifischen Qualitäten zu fesseln. (…)

Mal passiert so vieles gleichzeitig auf der Bühne, ein anderes Mal wird ein Bild, eine Handlung nur im Wort beschrieben, anstatt gezeigt und dargestellt. Ausufernde wie bildgewaltige Monologe sind ebenso expressiv vorgetragen wie inhaltlich überbordend. Am Ende bleibt das Gefühl, man müsse das alles mindestens noch einmal schauen, um es zu erfassen. Ein Theaterabend kann wahrlich schlechter enden. Viele Verbeugungen, lang anhaltender Applaus. Ach, und übrigens: Wunderbar singen kann die ganze Truppe auch noch – mehrstimmig und das Herz erwärmend und beileibe nicht nur Schlager.

Von Dieter Mai (Rheinische Post)

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