Musiktheater
Liebes Publikum,
mit großer Vorfreude blicke ich auf die kommende Spielzeit, die uns – gerade in bewegten Zeiten – daran erinnern soll, warum wir das Musiktheater brauchen. Wenn Nachrichten uns fordern, wenn gesellschaftliche Debatten an Schärfe gewinnen und der Alltag uns bindet, dann öffnet das Theater einen Raum der Erbauung, der Kraft und der gemeinsamen Besinnung auf unsere humanistischen Ideale. Wir leben in Zeiten der Polarisierung und Spaltung, gerade hier bietet das Theater einen Ort, Menschen zusammenzubringen und im gemeinsamen Erleben und Phantasieren Grenzen zu überwinden.
In Otello von Giuseppe Verdi erleben wir, wie zerbrechlich Vertrauen ist – und wie verhängnisvoll Manipulation. Die Macht der Liebe, die stärker ist als Hass und gesellschaftliche Schranken, führt uns Romeo und Julia vor Augen. Mit dem Musical Titanic erinnern wir uns daran, wie Hoffnung, Hybris und Mitmenschlichkeit in Extremsituationen aufeinandertreffen; in Puccinis La Bohème fiebern wir mit den Sehnsüchten und Hoffnungen der jungen Protagonisten mit; und in Das Geheimnis von Bly (The Turn of the Screw) begegnen wir den düsteren Schatten der menschlichen Seele. Dass Gemeinschaft tragen kann, feiern wir in der komischen Oper Die verkaufte Braut – einem Plädoyer für Selbstbestimmung und Lebensfreude. Der Doppelabend Trouble in Tahiti / Herzog Blaubarts Burg sowie Der Bajazzo blicken kritisch auf den Traum vom perfekten Glück oder die Angst, hinter verschlossene Türen zu blicken – im Privaten wie im Politischen. Und als Schlusspunkt der Spielzeit feiern wir mit dem Musical Singin’ in the Rain die unbändige Kraft der Kunst selbst – Lebensfreude, Humor und Zusammenhalt.
All diese Werke entfalten ihre tiefste Wirkung im Live-Erlebnis: im Atem der Sängerinnen und Sänger, im leuchtenden Klang des Orchesters, im gemeinsamen Zuhören und im befreienden Applaus. Wenn wir im Zuschauerraum Zusammenkommen, erfahren wir jene besondere Form von Gemeinschaft und Empathie, die Demokratie im Kleinen erfahrbar macht: Vielfalt, Respekt, das Teilen von Emotionen.
Ich freue mich darauf, Sie in der Spielzeit 2026/2027 zu vielen Vorstellungen im Theater willkommen zu heißen.
Andreas Wendholz
Operndirektor